Howard P. Lovecraft

      Ich weiß noch nicht, ob ich mir das hole. Meine Einstellung zu Derleth ist ja eher zwiespältig. Sein lokalhistorisches Zeug soll ja sehr gut sein, interessiert mich aber nicht. Seine Cthulhu-Stories leiden unter den Parallelen zum christlichen Katechismus, die Derleth sich ausgedacht hat und über die Lovecraft bestenfalls ein kühles Lächeln übriggehabt hätte. Dennoch lese ich einige davon ganz gerne und würde wohl bei weiteren Veröffentlichungen, besonders innerhalb der "Bibliothek des Schreckens", zweifellos zugreifen. Eine kleine Hassliebe. Um mir eine englische Biographie zu geben, ist der erste Teil wohl zu dominant. Eine Übersetzung hätte da aber wohl durchaus Chancen. Und der Derie steht ja auf meiner Liste, wenn auch erst für nächstes Jahr.

      jörg schrieb:

      es geht mir nicht,
      offensichtlich benutzt er aber solcherley magische traditionen um seinen mythos
      zu formen. genau wie auch heute etliche horror-autoren magie nicht selbst betreiben,
      sondern in büchern und durch interviews, ihr "wissen" zur thematik vertiefen.
      ein phantastischer spaß also nur ?



      Lovecraft wurde bereits zu Lebzeiten
      unterstellt, er verberge in seinen Geschichten geheimes Wissen,
      wogegen er sich jedoch stets aussprach.[Vgl. Frenschkowski, Marko:
      Lovecraft als Mythenschöpfer. S. 171.] Viel eher ist ihm zu glauben,
      wenn er seine Überzeugung in Supernatural Horror in Literature so
      ausdrückt, dass nur derjenige, der nicht an okkulte und
      übernatürliche Dinge glaubt, skeptisch genug ist, solch ein Thema
      in spannende Literatur zu verwandeln.[Vgl. Lovecraft, H.P.: Die
      Literatur der Angst. S. 103.]

      Lévy hat Recht, wenn er anführt, dass
      Lovecraft als Rationalist und als wissenschaftlich interessierter
      Mensch seinen Mythos verwissenschaftlichen musste.[Vgl. Lévy,
      Maurice: Lovecraft. a study in the fantastic. S. 88.] Das
      Necronomicon und die anderen Bücher des Cthulhu-Mythos sind nicht,
      wie etwa die Bibel, Ausdruck eines religiösen Gefühls sondern eher
      als Texte zu verstehen, die mit vorwissenschaftlichen Mitteln
      wissenschaftliche Themen besprechen. Zudem stellt Joshi die These
      auf, dass es eines der Kernelemente der Bücher bei Lovecraft ist,
      dass sie unvollständige oder sogar falsche Informationen
      enthalten.[Vgl. Joshi, S.T.: The Rise and Fall of the Cthulhu Mythos.
      S. 72. 335 ] Bereits in „Flüsterer“ wird über das Necronomicon
      und dessen Inhalt geschrieben, es handle sich um Welten, „[...] von
      denen der wahnsinnige Autor des Necronomicon nur eine überaus
      nebelhafte Ahnung gehabt hatte.“[Vgl. Lovecraft, H.P.: Der
      Flüsterer im Dunkeln. S. 99] Nicht zu vergessen, dass Alhazred
      Azathoth, eine der zentralen Gestalten des Cthulhu-Mythos, erst
      erschaffen hat indem er dem „ungeheuerlichen nuklearen Chaos […],
      das jenseits der Winkel des Alls herrscht […] voller Umsicht den
      Namen Azathoth verliehen hatte.“[Vgl. Lovecraft, H.P.: Der
      Flüsterer im Dunkeln. S. 148]

      Lovecraft war Atheist, zumindest
      Agnostiker, wie unter anderem seine Briefe an Maurice W. Moe immer
      wieder beweisen.338 Als Atheist und Determinist sah er, außer einem
      ästhetischen, keinen Sinn in religiösen Welterklärungsmodellen,
      Okkultismus oder Esoterik. Doch waren gerade im ersten Drittel des
      20. Jahrhunderts Okkultismus und Esoterik Themen die gesellschaftlich
      diskutiert wurden. Die Texte von Helena Petrovna Blavatsky, Aleister
      Crowley und anderen Autoren fanden Gehör und wurden auch unter
      Lesern der Phantastik intensiv diskutiert. Lovecrafts okkulte Bücher
      vermitteln den Eindruck diese Form des Okkultismus abbilden, sie
      karikieren zu wollen. Die mystisch-historische Dimension Alhazreds
      steht der der Meister-Briefe und des Tibet-Aufenthalts Blavatskys in
      nichts nach. So ist das Necronomicon das zuverlässigere Die
      Geheimlehre. Dennoch ist es fehlerhaft, so wie jeder Versuch des
      Menschen, mit seinem begrenzten intellektuellen Mitteln, die Vorgänge
      im Universum zu verstehen. Alles was die Bücher des Cthulhu-Mythos
      verraten können ist wie Menschen den Cthulhu-Mythos verstehen.



      jörg schrieb:

      derleth verbot sonia für eigene texte über ihren mann aus hpls briefen zu zitieren.
      seine aktion führte zu ihrer unglücklichen vergeltungsmaßnahme,
      der verbrennung der briefe hpls.
      siehe dorothy literskys derleth-biographie, oder
      bobby derie: "sex und perversion im cthulhu-mythos", seite 89.


      Dazu zwei Sachen:

      1. Dorothy Grobe Litersky (wie die Autorin mit vollem Namen heißt) war Freundin und Schülerin Derleths, also jemand mit mangelnder Distanz zu ihrem Untersuchungsobjekt. Sie zitiert "aus persönlichen Briefen" und "privaten Gesprächen mit AD", wodurch einige ihrer Aussagen nicht nachvollziehbar/unwissenschatflich genannt werden könnten. Außerdem schreibt sie oft genug Fiktion statt Fakt. Sie genießt es eine gute Geschichte zu erzählen, wobei oft fraglich ist, ob die Geschichte in der Form valide ist.
      Es ist schlimm, dass dieses Buch die bisher einzige Derleth Biographie ist!

      2. Derleth wollte zu jeder Zeit die Deutungshoheit über HPL haben. Nicht zuletzt ging es ihm darum die Marke/den Ruf HPLs (je nach Lesart und Standpunkt des Rezipienten) nicht zu gefährden. Aus Derleths sicht ist es absolut nachvollziehbar, dass er HPLs Ruf hüten wollte. Das er dazu juristisch nicht legitimiert war und sein Handeln zum Teil eher skurill wirkt, steht auf einem anderen Blatt.

      Kain schrieb:

      Um mir eine englische Biographie zu geben, ist der erste Teil wohl zu dominant. Eine Übersetzung hätte da aber wohl durchaus Chancen. Und der Derie steht ja auf meiner Liste, wenn auch erst für nächstes Jahr.


      In der Biographie geht es in erster Linie um Derleth als "ernsten Autor", also als Regionalautor und Herausgeber UND als Dozent für Kreatives Schreiben. Seine vielen Beziehungen zu Frauen und Männern werden thematisiert. Lovecraft und Weird Tales nehmen (ich hab das Buch grad nicht vor mir und hab es zuletzt vor 2 Jahren gelesen...) etwa 20 Seiten ein. Also durchaus nichts, was für jemanden interessant ist, der nur wegen der Phantastik zum Buch greifen würde. Und sicher ist dieses Buch auch nichts für die BdS.

      Meine Ausgabe ist sogar von der Autorin signiert und die Signatur lässt vermuten, das es das Buch von Kenneth W. Faig, Jr. war, einem relativ bekannten Lovecraft Scholar.
      Ich weiß. Sollte auch jetzt nicht als Aufforderung an Frank verstanden werden. In der Hinsicht bin ich gelassen. Wenn etwas nicht klappt, dann klappt es nicht. Und manchmal ändern sich Sachen, s. Ligotti. Für Jahren ausgeschlossen, dann kam doch was und evtl. 2019 wieder. Und wenn nicht ... dann weine ich. ;)

      Frank Festa schrieb:

      "Der Neuübersetzung aus der Feder zweier ausgewiesener Lovecraft-Kenner gelingt es erstmals, Lovecrafts
      speziellen Stil und die besondere Atmosphäre seiner Erzählungen in deutscher Sprache schillern zu lassen."


      Dazu mag man nun stehen wie man möchte, aber "Gründler" für "Deep Ones" finde ich unfreiwillig komisch. Ich muss da eher an eine Ente (beim Gründeln) denken, als an erschreckende Fischmenschen.

      Horrorland schrieb:

      Ihr 3 Lovecraft Experten solltet euch zusammen tun und ein Essay zu dem Thema produzieren. :thumbup:


      danke für deine freundlichen worte, @Horrorland , ein hpl-experte bin ich aber beileibe nicht,
      und essays schreibe ich schon seit jahren nicht mehr.
      lovecraft lese ich seit fast 30 jahren... und die geheimisse um ihn & sein werk sind nicht wenige...
      tatsächlich gibt es noch viel über lovecraft zu erforschen. ;)