Patrick Senécal - Das Grab in mir

Étienne gibt einen Kurs über Horrorliteratur am örtlichen Cégep, einer Einrichtung im kanadischen Quebec, bevor man das College besucht. Das Problem von Étienne ist aber, dass er sich selbst kaum mit Horrorliteratur auseinander gesetzt hat, denn seine Eltern hatten es ihm untersagt. Überhaupt weiß Ètienne nur sehr wenig über seine eigene Kindheit. Er weiß nur, dass er einen Schlag gegen den Kopf bekommen hat, und dadurch hat er seine Kindheitserinnerungen vergessen. Doch als Ètienne nun einen Anhalter namens Alex mit nimmt, da meint er ihn zu kennen, doch er kann sich einfach nicht erinnern. Aber Étienne möchte sich erinnern.


Und Alex scheint nicht der zu sein, der er zu sein scheint, denn kurz nachdem Étienne mit seinem Anhalter eine Werkstatt aufgrund einer defekten Autoscheibe aufgesucht hatte, sind die beiden Inhaber tot. Sie wurden ermordet, und das lässt für Étienne nur einen Schluss zu: Alex muss der Mörder sein. Und dennoch nimmt er den Anhalter immer und immer wieder mit, denn er spürt, dass Alex ihm vielleicht helfen kann. Dass er ihm das Geheimnis seiner Vergangenheit offenbaren kann. Denn Étienne scheint dies alleine nicht zu schaffen. Und so nimmt er Alex mit, Tag für Tag, bis er schlussendlich der Wahrheit ins Gesicht sieht...


Wertung:


Die bisherigen Romane von Patrick Senécal ("7 Tage der Rache" und "5150 - Das Haus des Wahnsinns") warn zuvor als Film erhältlich und mir auch bekannt. Dieses Buch hier ist es nicht, und so darf ich jetzt zum ersten Mal erfahren, wie es ist einen Senécal erst zu lesen, bevor die Filmindustrie sozusagen vorschreibt, was man sich dabei zu denken hat. Und die Erfahrung ist außerordentlich gut gelungen. Eigentlich ist es fast ein trostloses Szenario, welches hier kreiert wird: Ein junger, aufstrebender Dozent am College, der allerdings Pech hat. Seine Frau hat ihn verlassen und er zieht fast wieder bei seinen Eltern ein. Daneben ist seine unbekannte Vergangenheit, die diesem Roman etwas Düsteres und Mystisches verleiht. Auch ein Hauch von Traurigkeit, wie man ihn ansonsten fast nur bei Gifune in dieser Form findet schwingt mit, wenngleich ein Senécal kein Gifune ist.


Auch wenn gar nicht so viel Handlung vorhanden ist, sorgt die Unterteilung in viele kleine Kapitel und die überschaubare Seitenanzahl dafür, dass der Roman den Leser auch "abholt". Damit meine ich, dass er einem das Gefühl gibt, mitten im Geschehen zu sein. Das gelang Senécal bei "7 Tage der Rache" schon exzellent. Hier wird auch auf den eben genannten Roman Bezug genommen, auch wenn es nur die Örtlichkeit und ein Zeitungsartikel ist. Man muss den anderen Roman vorher nicht gelesen haben.


Für Hardcore-Horrorfans ist dieser Roman hier einfach zu wenig, denn er bietet hier auch dramaturgische Aspekte, die einfach nicht zu einem Horrobuch passen wollen (dies bezieht sich z. B. auf die Traurigkeit). Es ist kein Schocker und das will und muss dieses Buch auch gar nicht sein. Im Gegenteil, denn die Atmosphäre würde dadurch zerstört werden. Eine Leseerfahrung ist es aber auf jeden Fall und schnell hintereinander weg lesen kann man dieses Buch auch, so dass ich es nur weiter empfehlen kann. Keine Ahnung, ob "Das Grab in mir" besser ist als Senécals andere übersetzte Werke. Dieses hier ist jedenfalls exzellent, und es bekommt von mir die volle Punktzahl. 10/10

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