
Samantha Harvey - Umlaufbahnen
Insgesamt fand ich das Buch ein wenig zu langatmig.
Die Poesie hat mir durchaus gefallen, und die Sprache war stolperfrei durch passive Rede, aber zusammenfassend eher interessant in der Ausgestaltung und der Gedankentaumelei, als in Handlung oder Geschehen. Das war eher langweilig.
Es gestaltet sich ein wenig in der Waage, die positiven Punkte (gute Prosa, gute Poesie) überwiegen nicht die negativen (keine Handlung, dadurch eher dokumentarisch) aber die Denkqualität ist da durchaus ein Punkt der mir besonders hervorsticht.
Wie ich woanders schon schrieb: Optimistischer Nihilismus.
Das ist, was ich mit dem Buch eher verbinde als alles andere.
Herbert W. Franke - Die Kälte des Weltraums
Obwohl der Roman kurz und eindringlich ist, zeichnet er mit seinen sprachlichen Mitteln eine düstere Nachkriegswelt, in der die Nachfahren mittlerweile in Weltraumkolonien leben und die Erde aufgrund des Kriegs in eine Eiszeit gefallen ist.
Die Erzählung verdeutlicht die nationalsozialistische Wirkung und nimmt zu vielem aus dieser unredlichen Zeit Bezug. Die Rollen der Charaktere spiegeln die Mitschuld wieder, die sie bei der Mitwirkung der Nazi-Bewegung schuldig macht. Der Roman hat immer noch Relevanz und birgt so manchen erzählerischen Kniff eines guten Autors.
Ingesamt ein wirklich guter Roman, aber auch sehr bedrückend.
Claudia Winter - Die Wolkenfischerin
Die Erzählung ist gut darin, das verdeckte Wissen um die Hauptprotagonistin Claire Durant in Szene zu setzen. Die Leser werden nach und nach eingeweiht, so dass sie das Spiel um Wahrheit oder Pflicht, Liebe oder Beruf, genießen können.
Es ist kein typischer Liebesroman, auch wenn vieles dafür spricht. Aber schon früh wird klar, wie der Titel des Buches, die Familiengeschichte und die Erzählung miteinander zu tun haben. Es gibt intelligente Pointen, auch wenn der Grundtenor des Buches die Geschichte relativ vorhersehbar macht.
Insgesamt ein tolles Buch, mit atmosphärischen Beschreibungen.
Bram Stoker - Dracula
Zeig mir eine Person auf der Welt, die noch nicht von Vampiren gehört hat, und ich zeig ihm oder ihr ein innovatives Buch. Wie fast jedes Buch, das mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat, ist es ein wenig schwierig zu lesen. Es ist detailliert erzählt aber Abschweifungen halten sich einigermaßen im Rahmen. Das Englisch ist einigermaßen gut verständlich, nimmt man mal von einzelnen Dialogen im Cockney oder Scots ab. Insgesamt ist das Buch durchaus interessant, auch wenn Briefgeschichten als dokumentarisches Mittel veraltet sind. (Ja, ich leiste hier Abbitte bei Walter Moers)
Mir hat es grundsätzlich gefallen, kann es allerdings nur mit Einschränkung empfehlen. Es benötigt Geduld und ein bisschen Einfühlungsvermögen in das Szenario.
Catherine Strefford - Nur kurz leben
Der Klappentext verrät: Die Geschichte ist über Selbstliebe und Freundschaft, und darüber, dass es manchmal auch okay ist, wenn es nicht so läuft, wie man immer dachte, dass es laufen würde. Die Erzählung ist tiefsinnig und mit glaubhaften Charakteren. In der Kürze (~140 Seiten) gibt es einen stringenten und spannenden Handlungsbogen, der die Konflikte zwischen den zwei Protagonisten eskaliert und schlüssig beendet.
Maud Woolf - Die 13 Tode der Lulabelle Rock
Der Roman fängt langsam an und lässt sich Zeit mit der Einführung der Protagonistin, des dreizehnten Klon von Lulabelle Rock. Die Erzählung ist gut strukturiert und folgt einer klassischen Heldenreise: Mit Hilfe von Tarotkarten gibt es eine weitere Tiefe des Buches und Interpretationsspielraum beim Lesen, was aber leider hier und da von der Autorin ein bisschen zu offensichtlich ausgespielt wird. Die Welt ist interessant beschrieben, bleibt aber eher im Hintergrund vor dem Charaktergeschehen.
Trotz der sprachlich guten Ausgestaltung gibt es Abstriche in der B-Note. Der Roman verwendet hier und da Wörter, die zwar im Duden enthalten sind, aber aus dem Kontext seltsam anzumuten sind oder dem Subtext nicht gerechet werden. (Bestes Beispiel: S. 248 Olympionikin)
Obwohl der Ich-Roman hauptsächlich das Innenleben des Klons beleuchtet, sind die anderen Charaktere hervorragend mit eingewoben, die Konflikte und Motivationen sind gut nachvollziehbar und die Schwäche aller Protagonisten einleuchtend.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen.
Leseempfehlung!
Nadine Lange - Ein Eis mit Jo
Die Geschichte ist unaufgeregt und schweift zu oft in Details ab, bspw die ständige Kommentierung und Abschweifung zur politischen Lage, dem Erklären, wie aus Jugoslawien heute fünf Länder geworden sind. Auch wenn die Charakterhintergründe interessant sind, empfinde ich die Erklärungen meiner Meinung nach überbordend. So als ob die Autorin lieber etwas anderes schreiben wollte erzählt sie über den Krieg in Jugoslawien und die Kultur. Etwas geärgert hat mich die Erzählperspektive. Ohne große Überleitung spukt sie an eigenartigen Stellen plötzlich in verschiedensten Köpfen, und verschiebt den personalen Erzähler teilweise mitten im Text. Die Sprache ist oft sehr nüchtern und distanziert, und nur an den wenigen interessanten Stellen wird sie etwas lockerer. Die Charaktere sind zwar wirklich sehr gut designt, aber aufgrund der Mischform Dokumentation & Liebesroman bleibt die Charakterdynamik eher zäh.
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