
Gene Wolfe - Der fünfte Kopf des Zerberus
Puh, was für ein Buch - ausgesprochen detailliert und in vielen Winkelzügen durch alle drei Geschichten bildet sich ein Zusammenhang, der am Ende vielleicht nicht deutlich formuliert ist, aber dem Lesenden viele - aber nicht alle - Fragen beantwortet. Die Erzählung besticht nicht durch Action; aber die Handlung ist interessant, wenn auch streckenweise etwas unspannend. Das Lesen ist anstrengend, da es mit der Zeit neue Informationen gibt, die im Buch plötzlich in einem neuen Zusammenhang interpretiert werden müssen.
Travis Baldree - Magie und Milchschaum
Die Story hat mir sehr gefallen; ein schönes, gemächliches Tempo, in dem trotz wenig Action interessante Dinge passieren. Außerdem ein paar schöne Details, welche das Worldbuilding sehr malerisch werden lässt. Zwar wird hier und da bisschen zu sehr offensichtlich erzählt, aber insgesamt halten sich die Wiederholungen im Rahmen.
Die Sprache ist gut, aber ich habe Bonuspunkte für poetische Momente sowie der allgemeinen Prosa gegeben.
Allein die Hauptcharakterin ist wirklich sehr gut ausgearbeitet, aber leider kann man das nicht über die (vielen) anderen Charaktere sagen. Sie haben zwar alle eine eigene Stimme und eigene Motivationen, bleiben jedoch ein wenig blass, auch wenn insgesamt die Individualität heraussticht.
Im großen Ganzen auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
John Ironmonger - Der Wal und das Ende der Welt
Die Erzählung ist schön und gut durchdacht, auch wenn ich nicht verstehe, warum das Ende so ist wie es ist. Die Geschichte ist spannend und durchaus ein Pageturner, aber hier und da wirkt sie ein wenig flach. Vielleicht sind es die Gegensätze, welche die Story wirklich erst interessant macht. Es gibt viele Charaktere; jeweils mit ihrer eigenen Stimme sind sie einigermaßen gut ausgefeilt, aber hier und da auch klischeebehaftet. Sehr tiefgehend ist eher der Hauptprotagonist, alles andere wirkt ein wenig ausgeklammert. Insgesamt fand ich den Roman eher durchschnittlich.
Stephen King - Dead Zone
Der Anfang ist sehr zäh, und ich war kurz davor abzubrechen, aber sobald der Protagonist aus dem Koma aufwacht, geht es erst richtig los und es wurde zumindest halbwegs interessant. Die Geschichte ist nicht so ausgefeilt, aber in ihrem soziokulturellem Rahmen durchaus akzeptabel. Horror ist das Buch nicht, ich würde ich es eher Thriller nennen. Sprachlich hat das Buch kein so gutes Niveau, und die belanglosen Dialoge sind teils unterirdisch. Die Charaktere bleiben eher eindimensional, auch wenn es hier und da mal ein bisschen tiefer geht. Insgesamt ein enttäuschender Anfang, eine halbwegs interessante Mitte und abfallende Kurve zum Ende hin.
Suzan Palumbo - Countess
Dieses englische Büchlein mit nur knapp 120 Seiten war ein schneller Lesegenuss.
Die Erzählung ist flott und spannend, die Sprache fließend und der weibliche Hauptcharakter wird durch ihr Erlebnis geformt.
Durchaus bewundernswert, wie konzentriert die Geschichte ist und trotzdem noch Platz für Entwicklung lässt, insbesonders die kulinarische Pausen entspannen die Story etwas, aber schärfen auch den Blick auf den Mainplot.
Insgesamt kein Novum, aber eine wichtige Gesellschaftskritik.
Elya Adair - Melodie der Asche
Die Roman hat einen hervorragenden Weltenbau und ich brauchte ein bisschen, um zu bemerken, dass der Roman nicht chronologisch erzählt wird. Es mag in der Wortwahl nicht poetisch sein, aber die innere Dramatik hat eine sehr melancholische Stimmung, die mir gefällt und bis zum Ende durchgehalten wird. Es ist sehr kunstvoll in Szene gesetzt, sowohl grafisch als auch das Schrifthandwerk betreffend. Ein wirklich besonderes Leseerlebnis, das ein wenig mit Klischees spielt, aber insgesamt über sich selbst hinauswächst.
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