Allgemeine Bücherrezensionen...

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    • Ausgelesen: "Welch schöne Tiere wir sind" von Lawrence Osborne.

      Nach Mirabellas hoher Meinung bezüglich dieses Romans, kann ich ihr nur zustimmen: Lawrence Osborne ist hier ein hervorragendes Werk geglückt, ein anspruchsvoll erzähltes Drama mit Krimi- und Thrilleranklängen, letztendlich jedoch ist das Buch eher eine (dem Handlungsort entsprechende) griechische Tragödie.

      Osborne weiß Landschaften, Orte und Situationen äußerst plastisch und atmosphärisch zu beschreiben, man meint beim Lesen, die griechische Sonne auf der Haut zu spüren und hat deutliche Bilder der griechischen Insel Hydra vor Augen. Übrigens bleibt der Autor dabei stets dicht an der Realität; ich habe während der Lektüre spaßeshalber ab und an die Orte gegoogelt und jedes einzelne Restaurant, jedes Hotel und jede noch so kleine Ortschaft existieren wirklich.
      Interessant an "Welch schöne Tiere wir sind" ist, dass mir persönlich kaum einer der Charaktere sympathisch war, fast alle sind entweder dekadent, gelangweilt, hintertrieben oder (im Falle der Hauptprotagonistin) grenzenlos naiv. Macht aber nichts, denn dadurch wirkt der Roman noch ein wenig realistischer. letztendlich ist verblüffend, dass hier im Grunde genommen ein perfektes Verbrechen geschildert wird, zwar eher durch Zufall und etliche günstige Fügungen, aber das Ergebnis (und der Schluß des Buches) überraschen den Leser definitiv.
      Der Plot ist schlüssig, streift gekonnt das Krimigenre und beleuchtet nebenbei die noch immer präsente Flüchtlingsdebatte aus einem etwas anderen Blickwinkel.

      Letztendlich ein wirklich gutes Buch und für mich ein Grund, auch den anderen, zuvor auf Deutsch erschienenen Roman von Lawrence Osborne bei Gelegenheit zu lesen. Nebenbei bemerkt halte ich den deutschen Titel "Welch schöne Tiere wir sind" ausnahmsweise einmal für wohlklingender als der recht sachlich wirkende Originaltitel "Beautiful Animals", wobei natürlich auch diese Meinung (wie eine Rezension im Gesamten) rein subjektiv ist.

      Fazit: Eine gelungene Mischung aus menschlichem Drama und Thriller, ein komplexer, eloquenter Schreibstil und ein interessantes Figurenensemble. Lesenswert.

      Bewertung: *****+
    • buch-lese-verführerin mareike fallwickl hat mich mal wieder mit ihrer kritik betört, hab es bestellt::
      Svealena Kutschke: Stadt aus Rauch

      „Liebe, denkst du, ist nichts anderes als eine Vorgeschichte für die ganz große Scheiße,
      in der man unwiderruflich landet“.
      Es geht um Frauen in diesem Buch, um den Teufel und die Liebe, um den Krieg, um Drogen,
      um fehlende Muttergefühle und den Verrat der Männer. Es geht um alles eigentlich, und das
      ist gut.
      So gut ist es, dass mir manchmal der Atem stockt. Dass ich Sätze einmal, zweimal, dreimal lese,
      weil ich sie genießen muss, wieder und wieder, diesen feinen unerwarteten Dreh, den sie haben,
      diese spielerische Leichtigkeit, es ist wie Seiltanzen mit Sprache.
      Ich lese dieses Buch, obwohl es dick ist. Ich lese es, obwohl es manchmal wirr ist und nicht zu
      verstehen, obwohl ich lange dafür brauche, weil ich es so aufmerksam und sorgfältig und ganz und gar
      begeistert aufnehme.
      Svealena Kutschke erzählt von Lübeck als Stadt, als Kulisse, als schlagendes Herz, sie erzählt von
      Generationen, die verwoben sind, von Frauen, die Töchter bekommen und ihnen nichts vererben als Stille,
      von Männern, die mehr schmückendes Beiwerk sind als treibende Kräfte.
      Tief vergraben in sich selbst sind diese Frauen, Lucie, Freya und Jessie, durch die Jahrhunderte an einer
      unsichtbaren Schnur nebeneinander aufgereiht wie kleine Perlen, sie sind stark und fürchten weder Tod noch Teufel.
      Die Handlung, ja.
      Eine altbekannte Geschichte, möchte man meinen, aufgestiegen aus deutschen Akten, ein Abriss der Zeit,
      ein Schnelldurchlauf, wäre da nicht die Sprache.
      Sie lässt die Handlung vergessen, lässt nichts vermissen, weder Antworten noch Prämissen. Und dann
      macht dieser Roman aus mir eine Verliebte.
      Ich denke an ihn. Ich sehne mich danach. Ich sinniere, wann ich werde weiterlesen können, vielleicht
      träume ich sogar von ihm.
      Das geschieht sehr selten, beinahe nie, was, bei der Menge Bücher, die ich im Jahr verschlinge, traurig ist.
      Und nie sage ich, niemals, dass ich wünsche, ein Roman wäre nicht zu Ende, sondern noch weitergegangen,
      denn normalerweise freue ich mich auf den nächsten, bin rastlos, nicht zu befriedigen, aber von
      Stadt aus Rauch hätte ich noch mehr gelesen, viel mehr, ich hab sie nicht verlassen mögen,
      Lucie, Freya und Jessie, auch den Teufel nicht, ihn vielleicht am wenigsten.
      Lest dieses Buch.
      Stadt aus Rauch von Svealena Kutschke ist erschienen bei Eichborn, 672 Seiten, 24 Euro).

      buecherwurmloch.at/2019/07/28/…kutschke-stadt-aus-rauch/
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • "lebensbeschreibungen der erzbetrügerin und landstörzerin courage" /"der seltsame springinsfeld. zwei romane"
      von hans jacob christoffel von grimmelshausen.
      eichborn, die andere bibliothek, hc, 2010,
      übersetzung aus dem deutsch des 17. jahrhunderts: reinhard kaiser,
      353 seiten, inklusive anhang.

      --- mein 2. buch des grimmelshausen - jahres - projektes 2019 ----

      grimmelshausen (1622-1676) hatte 1668/69 mit seinem "der abentheuerliche simplicissmus teutsch"
      einen geradezu gigantischen bucherfolg und er wurde geraubdruckt und nachgeäfft.
      deutschland erholte sich vom üblen 30jährigen krieg und grimmelshausen brachte all das leid
      und des menschen zähigkeit in ich-form zu papier.
      mit dem rabenaas "courage" (1669) und dem "springinsfeld" (1670) schickte er weitere klassiker
      auf den weg in die leserherzen. beide figuren tauchen bereits in seinem simplicissimus auf, courage
      ist der erste dt. roman mit einer weiblichen ich-erzählerin und springinsfeld ist eine verschachtelte
      art, ein leben revue passieren zu lassen.
      grimmelshausen läßt seine figuren viel hin und her erdulden, glück und unglück, erleiden.
      menschen schlagen sich durch, soldaten ohne zucht, menschenleere landstriche, und immer
      der wille zu überleben, blutige schlachten, plündern, vergewaltigen, heimsuchen...
      übersetzer reinhard kaiser gelingt der brückenschlag vom barocken deutsch in hochdeutsche
      verständlichkeit, die "courage" ist aber auch im original gut lesbar.
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • "...heute stelle ich euch eine Contemporary-Liebesgeschichte vor. es
      geht um "Wenn du mich küsst, dreht die Welt sich langsamer" von Jessica A. Redmerski."
      buchbesprechung von schokigirl:



      tja. nicht jedem kann alles gefallen. muß ein autor, eine autorin moralisieren ?

      von jessica a. redmerski erscheint ende oktober 2019 "in the company of killers - killing sarai"
      bei festa, in der dark romance-reihe.
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • Ausgelesen: "Die Maschine steht still" von E. M. Forster.

      Diese dystopische Novelle stammt vom britischen Schriftsteller E. M. Forster, der etliche Literaturklassiker schrieb, die allerdings eher englische Gesellschaftsromane des frühen 20. Jahrhunderts darstellten und auch erfolgreich verfilmt wurden, wie z. B. "Zimmer mit Aussicht", "Maurice" oder "Wiedersehen in Howards End".

      "Die Maschine steht still" stellte nun Forsters Ausflug in SF-Gefilde dar und wurde berühmt und preisgekrönt. In der hier geschilderten Zukunft leben die Menschen unter der Erde in winzigen wabenartigen Zimmern und kommunizieren ausschließlich über Monitore, Berührungen sind tabu, soziale Interaktionen finden nur auf medialem Wege statt. Reisen können getätigt werden, werden jedoch kaum ausgeführt. Alles wird gesteuert von der "Maschine", die von der Menschheit erschaffen wurde und ein nicht mehr kontrollierbares Eigenleben entwickelt hat. Die "Maschine" sorgt dafür, dass alles auf Knopfdruck geliefert und erledigt wird. Das technische Handbuch der "Maschine" wird wie eine Bibel verehrt.
      Nur ein junger Mann will wissen, wie es an der Oberfläche aussieht und wagt den Weg nach oben...

      Interessant ist hierbei, dass in dieser Dystopie die Erde endlich mal nicht verwüstet oder verstrahlt, sondern völlig intakt ist, dass die Menschen vielmehr durch Technikhörigkeit ihre Identität verloren haben und dadurch zu gleichgeschalteten Figuren geworden sind. Geradezu prophetisch sieht Forster hier unsere heutige Computerisierung voraus und "Die Maschine steht still" gilt mittlerweile als treffendste Voraussage des Internets und der steigenden Vereinsamung des Menschen. Diese schriftstellerische Vision ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Forster die Novelle bereits 1909 geschrieben hat, lange bevor der erste Computer erfunden wurde.

      Fazit: Ideenreiche, fantasievolle Novelle, die zum Nachdenken über unsere heutige Gesellschaft anregt.

      Bewertung: *****
    • Ausgelesen: "Der Schneesturm" von Vladimir Sorokin.

      Mein erster Kontakt mit diesem Schriftsteller, der als einer der besten zeitgenössischen russischen Autoren gilt. "Der Schneesturm", geschrieben 2010, nimmt unter seinen Veröffentlichungen offenbar eine gewisse Sonderstellung ein, da in diesem Buch die Kritik an Russlands Politik eher versteckt ist (so versteckt, dass sie mir ehrlich gesagt kaum aufgefallen ist, aber ich habe mich mit diesem komplexen Thema bislang auch noch nicht wirklich befasst).
      Sorokins Schreibstil ist auf jeden Fall hervorragend, in "Der Schneesturm" oftmals fast poetisch, märchenhaft, wie überhaupt der komplette Plot vordergründig wie ein russisches Volksmärchen daherkommt, wären da nicht merkwürdige, futuristisch anmutende Details wie Wunderdrogen in Pyramidenform, Riesen, lilafarbene Hunde, Pferde in Hühnergröße (der niedlichste Einfall des Buches in meinen Augen) und vieles mehr. Es ist Sorokins wunderbarer Sprache (sowie der offenkundig gelungenen Übersetzung) zu verdanken, dass dem Leser beinahe sämtliche Unmöglichkeiten jederzeit real und möglich erscheinen. Seine Beschreibungen des Schneesturms, der Landschaften und der Charaktere erinnern an Tolstoi, bei den skurrilen Einfällen hat sich Sorokin möglicherweise bei Bulgakow inspirieren lassen. Der Grundplot wiederum, eine wichtige Fahrt von A nach B, bei der alles schiefgeht und man nie wirklich ankommt, könnte man so durchaus bei Kafka finden.
      Vladimir Sorokin besitzt jedoch trotz aller klassischen Anleihen seinen eigenen Stil, und dieser schwankt stets gekonnt zwischen Humor und Tragik, komische Szenen wechseln sich mit wirklich traurigen Sequenzen ab. Letztendlich ein lesenswertes, recht schwer zu beschreibendes Buch, welches definitiv Appetit auf mehr aus Sorokins Feder macht.

      Fazit: Für Freunde von Märchen, Fantasy, Drama und russischer Literatur im Allgemeinen. Ein wunderbarer Schreibstil sowie interessante Charaktere runden das gelungene Werk ab.

      Bewertung: *****+


      Nebenbei...hier ein recht interessantes Interview Sorokins zu "Der Schneesturm":

      zeit.de/2015/43/vladimir-sorok…-interview-literaturkanon
    • Sehr schön, sehe ich ja genauso.
      Eine weitere Empfehlung, die nicht nach hinten losgegangen ist ^^
      Minipferdchen für alle =O
      The moon will rise - The night will fall
      I hold your hand - But you let go
      The sun will shine - The snow will thaw
      All things must pass - Into the unknown

      Escaping the past by embracing the future

      Leseüberblick
    • Freut mich, dass es dir gefallen hat, Creed.
      Habe gesehen, dass du dir schon ein paar andere Bücher des Autors zugelegt hast. Viel Spaß damit :thumbup:
      Kein Buch ist wie das andere und man weiß bei ihm nie, was als Nächstes passiert. "Die Herzen der Vier" ist sein heftigstes Buch.
    • Mit gerade mal 61 Seiten eher ein Snack für zwischendurch, aber durchaus interessant.
      MONSTERBREED - GESCHWÄNGERT IM TENTAKELHAUS von Krystan Knight.
      Das ganze liegt irgendwo zwischen Dark Romance mit einem kleinen Schuss Lovecraft verfeinert. Nicht unbedingt Spannend, aber durchweg unterhaltsam. Hier meine Rezension dazu. Einfach zum lesen über den Link rubbeln. :P

      zauberspiegel-online.de/index.…ortpflanzung-monsterbreed
      Einen Gentlemen erkennt man daran, das er einer Frau über der Kloschüssel die Haare hoch hält, bevor er selber anfängt zu kotzen.

      Ich tauge wohl nicht zum US-Präsidenten, denn mich würde es täglich in den Fingern jucken, den ultimativen roten Knopf zu drücken.

    • Eigentlich keine richtige Buchrezension, aber wohl doch interessant, wenn man sich die Frage stellt, ab wann der wirklich erste adelige Blutsauger in der Literatur seinen Auftritt hatte und die Grundlage des modernen Vampirmythos schuf, den Bram Stoker später mit seiner Figur DRACULA weltberühmt machen sollte. Die Wiege hierzu stand damals am Genfersee und Mary Shelly schuf in der gleichen Villa die Grundlage für ihren literarischen Welterfolg FRANKENSTEIN ODER DER MODERNE PROMETHEUS.
      Wer also dazu was mehr wissen will und wie es dazu kam, das ein Leibarzt die ersten moderne adeligen Figur eines Vampir schuf, der muss nur immer locker flockig auf dem nun folgenden Link rumhacken. ;)

      zauberspiegel-online.de/index.…derne-literarische-vampir
      Einen Gentlemen erkennt man daran, das er einer Frau über der Kloschüssel die Haare hoch hält, bevor er selber anfängt zu kotzen.

      Ich tauge wohl nicht zum US-Präsidenten, denn mich würde es täglich in den Fingern jucken, den ultimativen roten Knopf zu drücken.

      The post was edited 1 time, last by K. Wolfram ().

    • Ausgelesen: "Der Meister des Jüngsten Tages" von Leo Perutz.

      Im Grunde genommen ist dieser Roman vom Plot her einem der heutzutage so beliebten 'Mysterygeschichtsthriller' nicht unähnlich, wenn man davon absieht, dass Leo Perutz das Werk bereits 1923 veröffentlicht hat. Er ist jedoch durch die erfrischend geringe Seitenzahl nicht halbwegs so geschwätzig und langgezogen wie z.B. Dan Brown, der es ja stets schafft, trotz durchaus vorhandener Spannung am Ende seiner Storys eine Auflösung zu präsentieren, die meistens gar keine ist. Perutz löst dagegen den Plot befriedigend auf, verwendet aber einen sogenannten unzuverlässigen Ich-Erzähler, soll heißen, dass im Nachwort eines fiktiven Herausgebers die Hälfte der Erzählung als Lüge bezichtigt wird. Klingt jetzt komplizierter, als es ist...

      Ohne zuviel zu verraten (im Klappentext steht fast noch mehr), besteht die Story aus mehreren mysteriösen Selbstmorden, der Aufklärung jener Suizide sowie einem geheimnisvollen Buch aus dem mittelalterlichen Italien. Der recht ungewohnte Schauplatz (Wien im Jahre 1909) trägt bedeutend zur stimmigen Atmosphäre bei. Perutz' Sprache ist der Zeit entsprechend ein wenig altertümlich, garniert mit vereinzelten Wörtern, die heute nicht mehr wirklich im Gebrauch sind (was ich persönlich liebe), jedoch durchaus flüssig zu lesen.

      Fazit: Eine interessante Mischung aus Krimi, Historien- und Mysteryroman, der mitunter die Phantastik streift. Trotz seines Alters gut lesbar und mitunter wirklich spannend.

      Bewertung: *****
    • @ K. Wolfram:

      Wie gewünscht, eine kurze Info zum ausgelesenen "Kill Creek" von Scott Thomas.

      Um bei Büchern über Spukhäuser (im weitesten Sinne) zu bleiben:

      Nein, das ist kein stilistisch über Shirley Jacksons "Spuk in Hill House" anzusiedelndes Werk. Es kommt in Bezug auf die Lesbarkeit auch nicht an Stephen Kings "Shining" heran. Und das Meisterwerk aller Spukhausromane ("Das Höllenhaus" von Richard Matheson) kann eh nicht getoppt werden.

      Aber: Es ist ein äußerst spannender Roman, der der ganzen Thematik einen besonderen Twist gibt. Er ist klug konzipiert, und für ein Erstlingswerk wirklich ausgezeichnet.

      Ich bin sehr angetan von diesem Buch und kann es nur weiterempfehlen (auch wenn die Leseprobe nicht so der Bringer für Dich war).

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      Liebe Forenfee:

      Da habe ich im falschen Thread geschrieben. Sei bitte so freundlich und verschiebe es an einen passenden Ort ...

      Danke.

      The post was edited 1 time, last by Glenraven ().

    • @Glenraven

      Danke für die kurze Einschätzung.
      Klar, die Leseprobe war noch nicht der Bringer, allerdings sagt das noch nicht viel über das gesamte Buch aus.
      Da werde ich doch nach deiner kurzen Offenbarung wohl auch mal einen Blick in KILL CREEK riskieren müssen. :thumbup:
      Einen Gentlemen erkennt man daran, das er einer Frau über der Kloschüssel die Haare hoch hält, bevor er selber anfängt zu kotzen.

      Ich tauge wohl nicht zum US-Präsidenten, denn mich würde es täglich in den Fingern jucken, den ultimativen roten Knopf zu drücken.

    • Übrigens sind meine Rezensionen zu DIE MINE und MUTTER von Tim Curran bereits im Zauberspiegel-Online erschienen.
      Taschenbuch/Wendecover/Luzifer Verlag

      Habe natürlich hier jeder Novelle eine eigene Rezension spendiert, die ihr hier nachlesen könnt, wenn ihr nur kräftig auf den entsprechenden Link einschlagt. :rolleyes:

      zauberspiegel-online.de/index.…-novellen-teil-1-die-mine

      zauberspiegel-online.de/index.…en-novellen-teil-2-mutter
      Einen Gentlemen erkennt man daran, das er einer Frau über der Kloschüssel die Haare hoch hält, bevor er selber anfängt zu kotzen.

      Ich tauge wohl nicht zum US-Präsidenten, denn mich würde es täglich in den Fingern jucken, den ultimativen roten Knopf zu drücken.

    • Ausgelesen: "Ein Monat in Dachau" von Vladimir Sorokin.

      Ein recht kurzer Text, eine Erzählung, die zu den früheren, sehr experimentellen Werken Sorokins zählt und die er bereits 1990 verfasst hat. Der Plot ist eigentlich sehr interessant...ein russischer Schriftsteller (Sorokin selbst) stellt einen Antrag auf die "ungehinderte Ausreise aus der UdSSR in das Deutsche Reich zur Verbringung des Jahresurlaubs (28 Tage) im Konzentrationslager der Stadt Dachau." Da die Erzählung auch im Jahr 1990 angesiedelt ist, erkennt man, dass man es hier mit einem Text zu tun hat, der zu den sogenannten Alternativweltgeschichten gehört. Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen, hat die größten Städte der Welt mit Atombomben plattgemacht und regiert nun ungehindert unseren Erdball.
      Nun wird geschildert, wie der Schriftsteller nach Deutschland einreist, von einem weiblichen Obersturmbannführer mit zwei Köpfen (Margarethe und Gretchen) empfangen wird und dann erfährt der Autor in 26 KZ-Zellen, was Schmerzen und unvorstellbare Qualen sind.

      Wie gesagt, ein recht skurriler, provokanter Stoff. Leider wird der Lesespaß deutlich gemildert durch immer unverständlichere Wortungetüme, Fantasiesprache und schlichtweg unverständlichen Sätzen, die vermutlich den beginnenden Wahnsinn des Protagonisten illustrieren sollen. Aber...Lesefreude geht anders, denn von den gerade mal knapp 45 Seiten fand ich persönlich die Hälfte vollkommen unverständlich. Die Beschreibungen aus den einzelnen Zellen sind völlig ohne Interpunktion aneinander gereiht, was alleine schon anstrengend zu lesen ist, dann existieren irgendwann nur noch einzelne Wörter, keine Sätze mehr und Sorokin streut auch noch reihenweise russische Sprache, sprich kyrillische Buchstaben ein, was das Textverständnis (jedenfalls für mich) vollends zerstörte und ich vor der Erzählung hockte wie ein Schwein vorm Uhrwerk.
      Auf dem inneren Buchumschlag ist zwar freundlicherweise ein russisches Transkriptions- und Transliterationssystem abgedruckt, aber ganz ehrlich, ich will den Text nur lesen und keinen Sprachkurs machen.

      Fazit: Eine gute Grundidee, die für mich als normalsterblicher Leser allerdings durch extrem experimentelle Sprachspielereien vernichtet wird und ich von der Hälfte des Textes sagen kann, dass ich keinen blassen Schimmer habe, was Sorokin damit letztendlich ausdrücken wollte. Immerhin finden sich auf den ersten Seiten einige witzige Ideen und etliche Anspielungen auf russische Literaturklassiker, insbesondere Turgenjew.

      Bewertung: **+
    • In seinen früheren Werken hat Sorokin öfter mit der Sprache experimentiert. Manches davon lässt sich kaum ins Deutsche übersetzen, wie das bei Wortspielen oft ist. Manchmal ist auch Vorwissen nötig, um die eine oder andere Anspielung zu erkennen und zu verstehen. Um z.B. "Der Dostojewski-Trip" wirklich genießen zu können, sollte man vorher sein "Der Idiot" gelesen haben.
      Ich mochte "Ein Monat in Dachau", kann aber auch verstehen, wenn es jemandem nicht zusagt.