Allgemeine Film- und Serienrezensionen

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    • Allgemeine Film- und Serienrezensionen

      Angelehnt an Creed's Thread, in dem man Bücher nach dem Lesen rezensieren kann -- also etwas länger und genauer als man es im Ich-lese-grade-Thread tun würde -- habe ich mir gedacht, ich mache mal einen Thread auf für Meinungen zu Filmen, die nicht ins Horror-Genre und damit nicht in den dafür vorgesehenen Thread passen.
      Hoffe, das wird was :) Ich guck halt auch noch andere Filme, über die ich meine meinung detailliert kund tun will ...

      Dann fang ich mal an:

      Gestern abend war ich im neuen Martin Scorsese Film THE WOLF OF WALL STREET. Das Ding geht 180 Minuten -- damit ist es Scorsese's längster Streifen überhaupt, ein zwei Minuten vor CASINO --, in den Hauptrollen sehen wir den unschlagbar mit Scorsese verbündeten Leonardo "warum hat der noch keinen Oscar" DiCaprio, Jonah Hill, Matthew McConaughey und die noch recht unbekannte aber grandios spielende Margot Robbie. Der Film beruht auf der Autobiographie von John Belfort, also ist er ein Biopic, jedoch mit sehr vielen komödiantischen und satirischen Elementen. Ob es wirklich so zuging bei Belfort, wird man wohl nie erfahren, aber man kann es sich durchaus vorstellen -- denn dieser Film zeigt die Wall Street so schonungslos und verrückt, wie sie zuletzt in Oliver Stone's gleichnamigen Meisterwerk mit Michael Douglas und dem jungen Charlie Sheen war.
      Kurz zur Handlung: John Belfort (DiCaprio) erhält ende der 80er Jahre seine Lizenz zum Börsenmarkler -- jedoch genau an dem Tag, der in die amerikanische geschichte als Black Friday eingehen wird. Er wird sofort wieder gefeuert, so wie hunderte andere Broker auch. Jedoch gründet er nach einigem Nachdenken eine Firma, die mit penny stocks handelt, also kleinen aktien, die fast nix wert sind, aber kleinvieh macht auch mist, und Belfort hat EXTREM VIEL Kleinvieh -- sein Reichtum steigt, seine Firma wird immer größer. Belfort beginnt, sich die Wall street wieder zurückzuerobern, mit seinem Nachbarn als ängstem Vertrauten (Hill). Eine frau wird ihm dabei jedoch langsam zum verhängnis, die wunderschöne Naomi Lapaglia (Robbie).
      WOLF OF WALL STREET ist wohl einer der explizitesten, wenn nicht sogar DER explizieteste Big-Budget-Film aller Zeiten. Wir waren in einem echt kleinen Kino hier in Berlin, wo der film im O-Ton lief, und sage und schreibe 503 mal kommt das wort "fuck" drin vor. Die Sexszenen sind sehr lang, sehr anschaulich und sonst nimmt der film auch kein Blatt vor den Mund.
      Viele Leute haben sich darüber ja beschwert. Der Film sei vulgär, dumm, sexbesessen --- denen kann ich nur sagen: verkriecht euch doch in eure prüden 3-Zimmer-Apartments wo ihr langweiligen Missionarsstellungs-Sex habt, denn dieser Film ist GRANDIOS!!!!!!!
      Sowas gutes habe ich noch nie auf der Kino-Leinwand gesehen. Scorsese besitzt die Gabe, dass sich 3 Stunden Film anfühlen wie 30 Minuten, jede Szene, jeder Dialog ist ein Kunstwerk sondergleichen (die Gespräche zwischen Belfort und dem von MMcC gespielten Mark Hanna sind einem Tarantino würdig!!). DiCaprio beweist hier ein mal mehr, dass er einer der besten schauspieler unserer Zeit ist, und dass es einem Wunder gleichkommt, dass er seit 15 Jahren nur noch grandiose Rollen spielt aber noch keinen verdammten Oscar dafür eingeheimst hat! wenn er ihn für diesen FIlm nicht kriegt, dann werde ich der Academy entsagen und mir nie wieder einen film angucken nur weil draufsteht: "Oscar für blabla", denn dann habe ich keinen funken vertrauen mehr in diese leute' :cursing:
      Jonah Hill spielt auf ebenso hohem Niveau, er ist schon längst nicht mehr der dicke Nerd aus SUPERBAD, der Typ hat viel viel mehr drauf.
      Ingesamt kann ich allen Kritikern recht geben, die sagen, dass THE WOLF OF WALL STREET jetzt schon als bester Film 2014 gilt, obwohl wir erst Januar haben. Alle die in diesem Jahr noch einen Film releasen wollen -- schraubt eure Ambitionen ganz weit runter, besser wird's nimmer 8)
      Scorsese hat ja verkündet, in den Ruhestand gehen zu wollen. Nach diesem Meisterwerk kann man nur noch sagen, dass er es sich mehr als verdient hat :thumbsup:
      Gesamtwertung: 100/10 Punkten, EPOCHAL :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love: :love:

      Jeder, der nicht in diesem Fim geht oder ihn sich zumindest später mal auf BD oder DVD ansieht, der verpasst einen der großartigsten Streifen aller zeiten :thumbsup:
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      Allen Ginsberg: Howl
    • Schöne und wirklich enthusiastische Rezension, Couteau...und ein prima Thread, danke! Bisher hatte ich den Film noch gar nicht so wirklich ins Auge gefasst (trotz DiCaprio und Scorsese), vielleicht, weil mich die Story nicht wirklich anspricht (ich bin auch der einzige auf der Welt, der "Wall Street" langweilig fand, ich finde das Thema 'Börse' eben öde, ich kann nichts dafür... :) ), aber aufgrund Deiner überbordenden Begeisterung werde ich den Film mal ins Auge fassen...
    • Schöne Rezi Couteau, auch wenn ich zum Beispiel im Cinefacts Forum andere gelesen habe, wo der Film nicht ganz so gut wegkommt. Aber wie immer alles subjektiv ;)

      Da ich Leo sehr mag, kann es sein, daß der Film mal ins BD Regal wandert. Einen Oscar hätte DiCaprio aber auf alle Fälle mal verdient, auch wenn ich persönlich von dererlei Glamourshows wie den Oscars überhaupt nichts halte.

      Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)


    • Ja, genau deshalb war ich auch gespannt auf Couteaus Meinung zu dem Film, da ich a) Leonardo DiCaprio für den besten Schauspieler seiner Generation halte und b) Martin Scorsese als Regisseur bewundere, der auch schon aus Themen, die mich nicht die Bohne interessieren, etwas Interessantes gemacht hat.

      Okay, noch schöner ist es natürlich, wenn mich auch die Handlung ansprechen würde, aber immer den persönlichen Geschmack jedes Zuschauers zu treffen ist natürlich für einen Regisseur völlig unmöglich. Interessanterweise kommt der Film bei der Zeitschrift "Cinema" (und auf "cinema.de") auch nur mittelmäßig weg, obwohl diese Zeitschrift Scorsese-Filme eigentlich immer in den Himmel hebt...aber da kommt es ja auch wieder auf den persönlichen Geschmack des "Cinema"-Mitarbeiters an, der den Artikel verfasst hat...

      cinema.de/film/the-wolf-of-wall-street,5658393.html
    • Ich fand den Film spitze, ich kann aber keinesfalls garantieren, dass jeder drauf abfährt. für mich überzeugt der Film weniger durch die Story als durch die grandiosen Schauspieler und die genialen Dialoge. Wenn man das b9rsen-thema jedoch nicht mag, könnte man ihn als etwas lang empfinden. Zehn Minuten mit MMcC im Restaurant sitzen und übers mastubieren und die Aktien Entwicklung in einem Zug zu reden, das ist jedoch so banal und lustig, dass die meisten sicher ein wenig verzeihen können, dass das Thema nicht ganz ihrs ist :)
      Es ist ja nicht so dass der Film nirgendwo sehr gut wegkam. Ich gucke oft den mittlerweile recht großen --- 100.000 Abos --- YouTube Kanal dvdKritik und dort bekam der Film Höchstwertung, ebenso bei shortcuts. Filmstarts gab 4.5/5, und nach dem Film haben die meisten Leute in der Lobby gesagt: wieder, das hat mich voll geflasht! Nicht zuletzt wollte meine Freundin erst gar nicht mit in den Film --- fand ihn dann aber genauso klasse wie ich :D
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      Allen Ginsberg: Howl
    • Für Leute, die mit englisch klarkommen, ist dieses Interview wohl sehr interessant.

      youtube.com/watch?v=nCbrN6svWRw

      Leo, Scorsese, Jonah Hill und der Drehbuchautor, dessen Namen mir entfallen ist, an einem Tisch --- toll :thumbup:
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      Allen Ginsberg: Howl
    • Da mache ich doch mit ;) Hier meine Besprechung zu "The Purge - Die Säuberung":

      Inhaltszusammenfassung:

      Die Kriminalität im zukunftsnahen Amerika lässt sich nicht mehr eindämmen und die Gefängnisse sind gnadenlos überfüllt. Um die Lage in den Griff zu bekommen, steht der alljährliche Purge-Day kurz bevor: In der zwölfstündigen Generalamnestie bleiben alle illegalen Aktivitäten straffrei – Mord eingeschlossen. Um der ausbrechenden Anarchie zu entfliehen, verbarrikadiert sich Familie Sandine (Ethan Hawke, Lena Headey) in den eigenen vier Wänden. Alles scheint sicher zu sein, bis plötzlich ein Fremder Unterschlupf in ihrem Haus findet. Die Situation gerät außer Kontrolle und eine Kettenreaktion schrecklicher Ereignisse wird das Leben der Familie für immer verändern…

      Kritik:

      Na wenn das mal nicht nach einem interessanten Film klingt! Das war zumindest mein erster Gedanke, als ich das erste Mal etwas von “The Purge” gehört habe. Sicherlich, man kennt das Szenario, aber das hat ja nicht unbedingt etwas schlechtes zu bedeuten. Schließlich kommt es unter dem Strich immer darauf an, wie es umgesetzt wird.

      Leider muss man jedoch schon zu Beginn sagen, dass James DeMonacos Beitrag zum Genre nicht unbedingt zu den gutklassigen gehört. Die Idee eines landesweiten “Tag des Terrors” hätte viele Möglichkeiten offen gehalten, doch wird dieses Potential hier nicht einmal im Ansatz ausgeschöpft. Die Geschichte beschränkt sich tatsächlich komplett auf das Haus der Familie Sandine und schränkt sich dadurch selbst sehr ein. Das gezeigte hat man tatsächlich in vielen Filmen ähnlicher Machart schon einmal ganz genau so präsentiert bekommen. Echte Spannung kommt nur sehr bedingt auf, da “The Purge” annäherend über seine gesamte Laufzeit vorhersehbar ist. Auch den konstruierten “Twist” (in Ermangelung eines passenderen Ausdrucks verwende ich diesen für die absolut nicht überraschenden Ereignisse) am Ende konnte man quasi schon von Beginn an kommen sehen. Überraschungsfaktor also gleich Null. Atmosphärisch hat der Film durch die räumliche Einschränkung auch atmosphärisch viele Möglichkeiten verschenkt. Zwar kommt von Zeit zu Zeit schon ein bisschen Survival-Feeling auf, aber auch hier macht die Vorhersehbarkeit des Titels den durchaus vorhandenen Ansätzen wieder ganz schnell einen Strich durch die Rechnung. Und ganz ehrlich: gruselig ist “The Purge” eigentlich nur dann, wenn der Psycho-Sohn der Familie mit seinem seltsamen ferngesteuerten Überwachungsfahrzeug durchs Bild zuckelt. Auch verschenkt DeMonaco die sozialkritische Note, die sein Film hätte haben können komplett, indem er die Ereignisse der Purge-Nacht vollends unkommentiert und unreflektiert lässt.

      Auch auf der darstellerischen Seite kann man leider nicht viel rühmliches berichten. Die Schauspieler mögen zwar alle routiniert bei der Sache sein, doch viel mehr kommt leider nicht dabei herum. Zwar sticht Rhys Wakefield mit seinem offensichtlichen Overacting als Anführer der Purge-Gang aus dem übrigen Ensemble heraus und gibt einen durchaus gelungenen Bösewicht ab, danach kommt aber leider lange Zeit nichts wirklich berichtenswertes. Die Hauptfiguren waren durch die Bank unsympathisch und oftmals in ihren Handlungen auch unglaubwürdig (so sei zum Beispiel der kleine Nebenplot um den neuen Freund der Tochter und dessen spezielle Art der “Brautwerbung” genannt), ein weiterer Grund weswegen man einfach nicht wirklich mitfiebern konnte. Alles in allem also auch an dieser Stelle: Potential vorhanden, aber gnadenlos verschenkt.

      the purgeEffektmäßig hat “The Purge” auch nicht viel zu bieten. Okay, das ist an sich nichts schlimmes, denn eigentlich sollte ein Horrorthriller in erster Linie auf den Thrill setzen. Das Thema hatten wir allerdings oben schon – und wie mir scheint, ist sich auch DeMonaco irgendwann der Tatsache bewusst geworden, dass sein Werk nicht mit der Spannungsebene wird überzeugen können und so hat er im letzten Drittel auch die eine oder andere Actionsequenz eingebaut. Die allerdings auch eher mau ausgefallen sind. Bemühte Brutalitäten können eben 60 Minuten Spannungsarmut doch nicht immer in die richtige Bahn leiten – vor allem dann nicht, wenn sie hinsichtlich der bis dahin eher auf (den nicht vorhandenen) Thrill ausgelegten Geschichte schon irgendwie deplatziert wirken.

      Fazit:

      The Purge” mag zwar kein kompletter Rohrkrepierer sein, ist aber auch nicht weit davon entfernt. Die Darsteller wirken bemüht bis gelangweilt, jedoch nicht überzeugend. Die Geschichte ist insgesamt eher spannungsarm ausgefallen und vorhersehbar gestaltet worden. Man verschenkt jegliche Möglichkeit, aus der an sich sehr interessanten Storyline mehr heraus zu holen. Das es deutlich besser geht, sieht man unter anderem bei Titeln wie “The Strangers“, “Funny Games” oder auch “Killers” von Mike Mendez, die alle ihre eigenen Stärken und eine eigene Handschrift haben – und die ich “The Purge” jederzeit vorziehen würde.
      “From even the greatest of horrors irony is seldom absent.”
      (H.P. Lovecraft)

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    • Sehr ausführliche Kritik, Sebastian, klasse! :thumbup: Leider habe ich bisher kaum etwas Gutes von "The Purge" gehört, trotz namhafter Darsteller wie Ethan Hawke und Lena "Game of Thrones" Headey...und die Story klingt eigentlich wirklich interessant...

      Immerhin scheint der Film erfolgreich genug gewesen zu sein, da die Fortsetzung am 20. Juni 2014 in den USA startet...
    • "Men of Steel"

      Ich fasse mich mal kurz:

      Vorab muß ich sagen, daß ich eher der Marvel Comicleser war und mit DC außer einiger Batman Hefte nichts am Hut hatte. So gesehen, gehe ich an Man of Steel unbefangen ran (anders als bei Spider-Man zum Beispiel).

      Ich fand diesen Film als eine gelungene, ernsthafte Verfilmung des Superman Themas. Kein bunter Kostümtrash wie mit Cristpher Reeve , sondern richtig gute Unterhaltung, mit viel Action und zwischenmenschlichen Szenen. Der Vorgeschichte und Charakterentwicklung Supermans wird viel Raum eingeräumt. Die fast einstündige Zerstörungsorgie gegen Ende war mir fast etwas zu lang, aber insgesamt hat der Film richtig Spaß gemacht.

      Zack Snyder ist nicht jedermans Sache, aber einer meiner Lieblingsregisseure. Hoffe auf Teil 2 :thumbup:

      Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)


    • Der Film war schon nicht schlecht, ich finde nur halt, dass Superman ein unglaublich langweiliger Superheld ist, und die Darstellung durch Henry Cavill riss mich jetzt nicht so vom hocker ...
      Snyder ist und bleibt ein Genie, 300 und WATCHMEN sind großartige Epen -- und auch MAN OF STEEL ist gutes Kino, nur halt kein Vergleich zu Nolan's BATMAN-Trilogie oder den Filmen rund um die AVENGERS aus dem Hause Marvel.
      Ich denke, dass BATMAN VS, SUPERMAN entweder ein unglaublich geiler Kracher oder ein totaler Reinfall wird -- ich bin skeptisch, aber ich kann zumindest die ganze Aufregung rund um Ben Affleck's Casting für Batman nicht verstehen, kann mir den Typen gut als schwarzen Rächer vorstellen. Er hat DAREDEVIL unsäglich in den Sand gesetzt -- na und, jeder verdient ne zweite Chance 8)
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      Allen Ginsberg: Howl
    • Stimmt, der Darsteller war jetzt nicht der Kracher, aber die wenigen emotionalen Momente passten schon. Superman gibt halt auch nicht so viel her, vielleicht sollte man ihm in einer eventuellen Fortsetzung mal ne Chance geben. Als Clark Kent kann er dann vielleicht sein Können zeigen ;)

      Die Batman Trilogy bleibt für mich auch die beste Comicverfilmung, gefolgt von den Avengers. Als Raimi Spider-Man auf die Leinwand brachte, war ich auch total happy. Selbst noch beim zweiten Teil. Mit der Neuverfilmung kann ich hingegen nicht viel anfangen. Auf Batman & Superman bin ich trotz alledem gespannt und denke auch, daß man Affleck eine Chance geben sollte, obwohl Bale schon klasse war als Bruce Wayne :thumbup:

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    • 7 Psychos (USA/ GB 2012)
      OT: 7 Psychopaths

      Regie: Martin McDonagh

      Darsteller: Colin Farrell, Woody Harrelson, Abbie Cornish, Christopher Walken

      Freigabe: FSK 16
      Laufzeit: 106:00 Minuten


      Inhaltszusammenfassung:

      Martin ist Drehbuchautor. Drehbuchautor mit einem ziemlichen Kreativitätsloch. So hat er zu seinem neuen Werk “7 Psychos” bislang nicht mehr als die Überschrift und die Hauptfiguren. Mehr oder minder. Eigentlich weiß er nur, dass es um die namensgebenden sieben Psychopathen gehen soll. Um ihn zu unterstützen gibt sein Freund Billy eine Zeitungsannonce auf, in der er nach Psychos sucht, die Marty ihre Geschichte erzählen. Damit stößt er eine Geschichte an, die so nicht abzusehen war. Plötzlich ist Marty gemeinsam mit Billy und dessen “Geschäftspartner” Hans auf der Flucht vor Unterweltboss Charlie. Seltsamerweise scheint sich aber aus dieser Situation auch genau das Drehbuch zu entwickeln, an dem er eigentlich gerade schreibt.

      Kritik:

      Ich muss gestehen, dass mir Regisseur McDonagh bislang kein Begriff war, obwohl er mit “Brügge sehen… und sterben?” ja allem Anschein nach ein großartiges Debüt hingelegt hat. Gut, diese Bildungslücke sei mir verziehen, denn mit “7 Psychos” habe ich es nun zumindest geschafft, den zweiten Film McDonaghs anzusehen. Und ich muss gestehen, dass es mir relativ schwer fällt, eine Kritik zu schreiben, die dem Titel auch wirklich gerecht wird.

      “7 Psychos” entwickelt gleich vom Start weg eine sehr abgefahrene, mitunter fast schon bizarre Atmosphäre, die vor allem durch zwei Dinge lebt: Überzeichnung und das geschickte Spiel mit unterschiedlichen Erzählebenen. Ersteres gilt vor allem für die wenigen, dafür aber fast schon exzessiven und comichaften Gewaltspitzen, die McDonagh seinem Film verpasst hat. Sie entstehen zumeist aus Nichtigkeiten heraus und widersprechen im Grunde genommen im vollem Umfang dem, was Marty für seinen Film haben wollte (keine typischen Psychopathen). Hierdurch entsteht natürlich eine wunderbar selbstironische Komik, die sich von Anfang bis Ende durch den kompletten Film zieht. Die verschiedenen Erzählebenen entstehen durch die Storyideen für Martys Drehbuch, die immer wieder von den unterschiedlichen Beteiligten eingestreut werden, sich dabei oftmals wiederholen und anders interpretiert werden. Klingt etwas wirr? Ist es irgendwie auch, aber gerade davon lebt der Film. Letztlich gelingt es McDonagh aber, den Zuschauer nicht so sehr zu verwirren, dass er den Überblick über den Film verlieren würde. Eine kleine Gratwanderung, die aber wunderbar gelungen ist und einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistet, “7 Psychos” bis zum Schluss hin unvorhersehbar und unterhaltsam zu gestalten.

      Überzeichnung ist auch das Stichwort in Hinsicht auf die Figuren des Films. Ich würde nicht davon sprechen wollen, dass sie “realitätsgetreu” dargestellt werden, dafür ist die Geschichte insgesamt auch einfach zu abgefahren. Aber auch das ist ein durchaus wichtiger Aspekt des Titels, denn sie alle haben ihren Anteil daran, dass der Geschichte so gut funktioniert. Dennoch kann man sagen, dass sie zu großen Teilen eine gewisse Tiefgründigkeit aufweisen, was dafür sorgt, dass sie nicht einfach zu Stereotypen werden. Darstellerisch ist auf jeden Fall auch alles im tiefgrünen Bereich. Man merkt dem Cast an, dass alle mit Spielfreude und Motivation bei der Sache waren. Jeder einzelne Schauspieler wusste zu überzeugen, besonders sei an dieser Stelle Christopher Walken hervorgehoben, der seinem Hans sehr viel Profil verleiht – und dem diese Rolle auch auf den Leib geschneidert scheint.

      Fazit:

      “7 Psychos” ist ein spezieller Film, auf den man sich einlassen muss. Abgedreht und Überzogen bis ins letzte, mit einer manchmal etwas verwirrenden Erzählweise weiß er aber dennoch (oder gerade deswegen) auf ganzer Linie zu überzeugen. Großartige Darsteller, tolle Figuren und eine Unvorhersehbarkeit, die den Zuschauer packen und tatsächlich auch erst am Schluss wieder loslassen. Großartig!

      Im Original wie immer auf review-corner.de zu finden.
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      visit me @ stuffed-shelves.de
    • Soeben habe ich den BBC-Dreiteiler "Der Anwalt des Teufels" gesehen, streng genommen eine Miniserie und kein Film, aber mit knappen 3 Stunden Laufzeit könnte es auch als Film durchgehen... ^^

      Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen...ich bin wirklich begeistert, echt empfehlenswert! Auch die Briten zeigen mit diesem Dreiteiler, dass Fernsehen heutzutage das bessere Kino ist...ein hoher Spannungslevel, der sich bis zum Schluß hält, verblüffende Plottwists und nicht zuletzt hervorragende Darsteller, allen voran der absolut großartige David Tennant, der die Rolle des Strafverteidigers mit Bravour meistert...seine Balanceakt zwischen erfolgsverwöhntem Aufsteiger und am Rechtssystem zweifelndem Menschen nimmt man ihm in jeder Sekunde ab. Doch auch sein Gegenpart, gespielt von Toby Kebbell, ist passend besetzt.
      Eine größtenteils ruhige, unaufgeregte Kameraführung begleitet die Handlung bis zu ihrem überraschenden Höhepunkt. Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich an dieser Stelle nicht auf die Handlung ein. Mit dieser Miniserie hat die BBC wieder einmal hohe Qualität bewiesen und David Tennant zeigt erneut, dass er derzeit einer der interessantesten und talentiertesten Schauspieler Großbritanniens ist.

      Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung, drei Stunden Fernsehen der Extraklasse... :thumbup: