Franz Kafka

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    • Ausgelesen: "Tagebücher. Band 2: 1912-1914" von Franz Kafka.

      Für Band 2 der Tagebücher Kafkas gilt im Grunde genommen das Gleiche, was ich schon zu Band 1 schrieb. Auch hier wechseln sich wieder fiktive Texte bzw. Textfragmente, Familiäres und Rezensionen Kafkas zu Büchern von befreundeten Schriftstellern oder von Theaterstücken ab. Trotzdem ist auch der zweite Band wieder interessant, denn er enthält z. B. die komplette Niederschrift (im Original natürlich wie immer handschriftlich) von Kafkas berühmter Geschichte "Das Urteil" sowie den Text "Der Heizer", dem ersten Kapitel seines späteren Romanfragments "Der Verschollene".
      Desweiteren lesenswert sind die vielen, oft beinahe schmerzhaften Selbstzweifel, die Kafka Zeit seines Lebens plagten, und die er häufig in dieser Tagebuchform festhielt. Unter anderem existieren Passagen, in denen er starke Zweifel an "Die Verwandlung" äußert, seiner bekanntlich wohl berühmtesten Novelle.
      Auch ließ er kein gutes Haar an allem, was ihn von der Literatur und dem Schreiben an sich abhielt, selbst Verwandte bezeichnete er oft als langweilig, da er mit ihnen offenbar kaum über sein Lebensthema sprechen konnte. Zitat Kafka: "Verwandtengefühl habe ich keines, in Besuchen sehe ich förmlich gegen mich gerichtete Bosheit."
      Natürlich wimmelt es auch im 2. Band von privaten, internen und für den heutigen Leser völlig unverständlichen Details, die zum Glück in den wieder einmal außerordentlich umfangreichen Kommentaren so gut wie möglich entschlüsselt werden, und die somit zum besseren Verständnis vieler ratlos machenden Textpassagen beitragen.

      Fazit: Wie Band 1 für Menschen lesenswert, die hinter die Person Kafka schauen wollen, für alle anderen eher anstrengend. Für mich jedoch (trotz häufiger textlicher Unverständnis) unterm Strich wieder sehr faszinierend.

      Bewertung: ****+
    • @ Kain: Damit meine ich z. B. Textpassagen, die sich auf ganz spezielle private Begebenheiten Kafkas beziehen und die selbst in den Kommentaren trotz intensiver zeitgeschichtlicher Recherchen nicht erklärt/geklärt werden konnten. Desweiteren existieren in seinen Tagebüchern zahlreiche Fragmente von fiktiven Texten, die aufgrund ihrer Unvollständigkeit für mich als Leser keinen Sinn ergeben, bzw. ergeben können.
      Ist aber nicht schlimm, da auf der anderen Seite genügend interessante Passagen zu finden sind, die zwar ebenfalls von Kafka abgebrochen wurden, aber dennoch etwas ausführlicher und damit besser verständlich sind.
    • Verstehe. Dabei hilft u. u. eine Biographie. ;) Ich muss sagen, dass mich seine Tagebücher gar nicht so sehr interessieren. Den zweiten Band von Stachs großer Bio habe ich vor kurzem zu Ende gebracht. Er war schon eine interessante Persönlichkeit. Gelinde gesagt.