Gustav Meyrink

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    • Gustav Meyrink

      "Die Menschen wissen nicht, daß sie schlafende Götter sind."
      Gustav Meyrink (1868 - 1932)


      in der wahrlich an berühmten horrorautoren nicht reich bedachten deutschen
      horrorlandschaft, wird früher oder später jeder über das werk meyrinks
      stolpern, das derzeit im marix-verlag, unter federführung des hier z.b.
      durch die kommentare zu lovecrafts cthulhu-mythos bekannte, marco frenschkowski,
      in neuauflage erscheint: (bitte buch anklicken):
      verlagshaus-roemerweg.de/Suche/gustav_meyrink.html

      ohne komplikationen in seinem leben wäre gustav meyer, wie er wirklich hieß,wohl
      nie autor geworden. umso erfreulicher seine weltweite bedeutung bis heute und seine menge
      an publikationen.
      welche nennt ihr euer eigen ?

      edit: "die Menschen halten bloß das für wirklich,
      was sie verkaufen können." gustav meyrink
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:

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    • meine meyrink-sammlung:
      * der golem. heyne, tb, 1975. 221 seiten. nachwort: eduard frank.
      * walpurgisnacht. heyne, tb, 1980. 192 seiten. nachwort: gerhard fritsch.
      * das haus zur letzten latern. die frau ohne mund. moewig-phantastica, tb, 1984, 160 seiten.
      enthält: das haus des alchemisten, romanfragment (expose, bemerkungen m.s);
      der uhrmacher; die stadt mit dem heimlichen herzschlag; die geheimnisvolle stadt;
      zaba; dr.haselmayers weißer kakadu; sonnenspuk; das nachtgespräch des kameralrat blaps;
      der jazz-vogel; die frau ohne mund; spiegelbilder; südsee-masken.
      * das wildschwein veronika. fischer, tb, 1977, 155 seiten.
      20 freche geschichten, u.a. dr.lederer; bocksäure; die schwarze kugel; der fluch der kröte.
      * der engel vom westlichen fenster. schwab, hc, 1958, 410 seiten.

      freue mich auf eure worte zu seinem werk!
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • Toller Thread, Jörg!

      Da sind ja schon zwei Bücher erschienen im letzten Jahr, davon habe ich gar nichts mitbekommen.
      Ich habe folgendes Buch:

      Der Golem. Mit acht Illustrationen und einer Einführung von Hugo Steiner-Prag. Carl Schünemann Verlag, Bremen, 1915.

      Habe ich mal auf einer Antiquariats-Messe erstanden. Gelesen habe ich es bisher aber nicht. Ich kenne von Meyrink jedoch von Lesungen diverse Kurzgeschichten, die mir bisher alle gefallen haben. Sein bekanntestes Werk will ich definitiv noch lesen.
    • freut mich dekkard. einen schatz hast du da! habe bei thread-eröffnung noch gedacht:
      das wäre ein autor für dich. ;)

      wichtige bücher von meyrink mit ersterscheinungsjahr:
      * fledermäuse. ein geschichtenbuch,1916.
      * das grüne gesicht. roman. 1917.
      * der weiße dominikaner. aus dem tagebuch eines unsichtbaren. roman. 1921.
      * der violette tod und andere novellen. 1922
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • meyrink und prag

      [Blocked Image: http://www.hoffmann-und-campe.de/typo3temp/pics/f0dd8c7a1e.jpg]

      "Gustav Meyrink DER GOLEM
      Das Prager Ghetto, Schlupfwinkel der Ärmsten der Armen und von der Gesellschaft Verstoßenen,
      ist auch Ende des 19. Jahrhunderts noch ein Ort der Legenden und Geheimnisse. Als Athanasius
      Pernath ein mysteriöses Buch mit einer kostbaren goldenen Initiale zur Reparatur erhält, gerät
      er in einen Strudel von Intrigen und unerklärlichen Ereignissen. Gehört das Buch etwa dem Golem,
      diesem sagenumwobenen Wesen, das alle 33 Jahre in Prag auftaucht. Welche dunklen Absichten
      hegt der Trödler Aaron Wassertrum? Und wie kann Pernath das Herz der wunderschönen Myriam
      erobern - und sie und auch sich retten?"

      auch bei hoffmann & campe erschien dieses jahr eine schön zubereitete golem-ausgabe. :)
      "hin und wieder kitzelt mich das leben!"
      jörgs bücher des jahres 2019 :thumbup:
    • OK, hier ist er:

      Der Golem und der Heftroman


      "Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller flacher Stein"




      So beginnt Gustav Meyrinks „Golem“. Das erste Kapitel heißt „Schlaf“ und ist gerade mal 2 Seiten lang, zumindest in meiner Heyne-Taschenbuchausgabe von 1976.
      Ich kaufte mir das Büchlein damals für DM 5,80 von meinem Geburtstagsgeld.
      „Golem“, was für ein Wort! So manch einer von uns kennt ebenfalls solche magischen Wörter, die, wenn man sie liest oder hört, eine ganz eigenartige Faszination auf einen ausüben.

      Für mich waren Wörter unter denen ich mir nichts, oder zumindest nichts genaues vorstellen konnte von jeher besonders elektrisierend.
      Den Begriff „ Golem“ hatte ich in meiner Kindheit schon mal irgendwo aufgeschnappt, doch bereits beim ersten Hören hatte mich das Wort in seinen Bann geschlagen. Golem – klang das nicht nach einer polierten Stahlschraube im Mund?
      Als Kind hat man bisweilen scheinbar solch verschrobene Assoziationen, zumindest ich hatte sie. Und habe sie noch.
      Werde sie im Seniorenalter wohl noch ausgeprägter haben, man stelle sich vor: Ich liege in einigen (nicht mehr allzu fernen) Jahren auf der Demenz-Station und klingle beunruhigt.
      Die Schwester kommt, und ich murmele ihr zahnlos zu „ Fwefter, nehmen Fie bitte die Ftahlfrauben auf meinem Mund, und wenn Fie fon mal da find, fmeiffen Fie diefen … Golem rauf!“

      Eines Tages, ich war wohl 11 oder 12 Jahre alt, sah ich im Fernsehen einen Ausschnitt aus einem Stummfilm.
      Und da war er dann auch, der Golem!Aber: Wie ein zu groß geratener Lebkuchenmann sah er aus. Groß, plump und irgendwie … blöd! Shit, das war doch nie und nimmer ein Golem.
      Das konnte und durfte nicht sein, der Anblick dieses hellgrauen Trampels mit seiner unmöglichen Pagen-Frisur erfüllte meinen Mund nicht im Geringsten mit dem Geschmack von frisch polierten Stahlschrauben!

      (Anmerkung: Der Film stammte aus dem Jahr 1915, und gedreht haben ihn Paul Wegener und Heinrich Galeen.
      Meyrink schrieb seine Version zwischen 1913-1914 und erschien als Fortsetzungsroman.
      Film und Meyrinks Roman haben nichts miteinander zu tun, bis auf das Thema)


      Zurück in Media Res.

      Das Heyne-Taschenbuch präsentierte also einen Golem-Roman. Auf dem Cover war der Lebkuchen aus dem Stummfilm abgebildet. Natürlich.
      Als ob dieses Bild synonym für das gewisse formlose, ölige-Stahlschrauben-im-Mund-assoziierende Wort „Golem“ wäre.Ich war vor dem Kauf anfangs mehr als misstrauisch: Konnte es sein, dass ein Golem doch so ein lehmfarbener Riesenliftboy war?
      Mein Bauchgefühl sagte mir: nein, tu es nicht. Kauf Dir lieber Softeis oder Eistörtchen!
      Aber egal, der Golem war eindeutig „Horror“, und so kaufte ich ihn mir. Der Umschlag des Buches selbst war in widerlich dunkeltürkis gehalten und entstammte der Reihe „Heyne Nostalgie Bibliothek“.
      Nostalgie? Kein Horror?
      Ich ahnte bereits, dass ich in diesem Buch wohl Keinen finden würde, kaufte es aber dennoch, schließlich war es ja „Golem“. Und ich war neugierig.(Mittlerweile bin ich mir übrigens gar nicht mehr so sicher, dass ich mir das Buch tatsächlich zum Geburtstag kaufte. Man wird eben alt.)

      Wie befürchtet, fand ich dann auch keinen Horror vor, was mich maßlos enttäuschte!Ist ja auch kein Wunder. Als 12-jähriger (gewöhnt an Heftromane) sollte man auch nicht wirklich Gustav Meyrink lesen.
      Ich verstand kein Wort des Geschriebenen, erkannte noch nicht mal einen Sinn oder gar eine Handlung; ich fand definitiv keinen Schrecken, suchte vergeblich nach einem plumpen Minimum Grusel-Anforderungen, die ich als Kind so gerne erfüllt haben wollte. Gustav Meyrink tat mir diesen Gefallen aber nicht, und so beurteilte ich dieses Buch als „Beschissen“.
      Aber ich las es tapfer zu Ende. Wenn ein Buch denn schon DM 5,80 kostete - Mann, wieviel Eistörtchen hätte ich mir für das Geld kaufen können -, Golem hieß, und ich es mir zum Geburtstag kaufte (Je mehr ich darüber nachdenke: Es könnte durchaus sein, dass ich es gar nicht gekauft, sondern tatsächlich im Laden einfach mitgehen ließ?), dann würde ich es auch zu Ende lesen! Basta!
      Gustav Meyrink war danach aber bei mir unten durch, aber sowas von! Zum zweiten Male war meine Golem-Illusion zerstört worden, und diesmal nachhaltig.

      Das Buch habe ich übrigens heute noch.Ich hatte damals ganz stolz in meiner Kinderschrift „Ex Libris KH“ geschrieben. Das steht heute noch drin.

      Ich wandte mich Horror-durstig anschließend wieder der Heftroman-Serie „Vampir Horror Roman“ aus dem Pabel-Verlag zu.Die erschien wöchentlich, und ich kaufte sie mir immer am Bahnhofs-Kiosk.
      „Schundheftln“, nannte sie meine Großmutter.
      Daraus wurde „Fundheftln“, wenn sie ihre billigen Zahnprothesen nicht im Mund hatte, sondern sie in einem selbst gehäkelten Etui in ihrer Kleiderschürze bei sich trug. Ja, die typische Siebziger.Jahre-Oma eben!

      Endeckt hatte ich die Serie Anno 1975 in einem Antiquariat in München in der Lindwurmstrasse.
      Mein Bruder machte damals (unfreiwillig) eine lange, lange Null-Diät in einer Klinik, und so kam es, dass meine Mutter und ich die beschwerliche Reise mit der Eisenbahn in die Landeshauptstadt machten, um ihn zu besuchen.
      Vorher waren wir aber noch in einem MacDonalds, was zur damaligen Zeit in Bayern einer Sensation gleichkam, und danach liefen wir auf dem Weg zur Klinik an eben diesem Antiquariat vorbei.
      Vor lauter Gier hatte ich mir noch einen Big Mäc zum Mitnehmen gekauft, allerdings ohne ihn zu essen. In der Klinik erzählte ich meinem Bruder stolz davon, und ich denke, ich zeigte ihm diesen auch…Aber das kann gerne ein andern Mal ausführlich erzählt werden.

      Zurück aber zum Vampir Horror Roman:

      Die Geschichten der Serie waren damals für mich in meinem zarten Kindesalter Horror pur, und nicht nur das - sie waren auf dem Umschlag mit zugleich außergewöhnlich schönen und verstörend, aber dennoch realistisch gemalten Bildern geschmückt, die mich unweigerlich in ihren Bann schlugen, und mich zugegebenermaßen mehr erschreckten als die Romane selbst.
      Dies ging sogar so weit, dass ich mir die Romane zwar kaufte, sie aber nicht zu lesen wagte. Nur wegen der Titelbilder.

      Der Maler dieser Titelillustrationen hieß C.A.M. Thole. Ein sehr passender Name für einen Maler erschreckender Bilder, wie ich meine.Oder etwa nicht?

      In dieser Reihe erschien übrigens etwa 2 Jahre später ein Roman mit dem Titel „Der eiserne Golem“ von einem gewissen Al Fredric (Schrieb auch als Roy Palmer für Dämonenkiller und Seewölfe)





      Dieser Mann (damals mein Lieblingsautor bei VHR) hatte zuvor schon einige spannende Romane geschrieben, mit ausdrucksstarken und verheißungsvollen Titeln wie
      • „Das Schweinemonster“
      • „Die Menschenmonster“
      • „Das Mörder-Auge“
      • „Das Findelkind“.
      Zur Zeit des eisernen Golems wurden die Titelbilder dann leider schon nicht mehr von C.A.M. Thole gemalt, sondern von Nikolai Lutohin, einem jugoslawischen Künstler.
      Der hat übrigens vor einigen Jahren mutmaßlich Selbstmord begangen, während Thole eines natürlichen Todes gestorben ist. Nicht auszudenken, wie die Thole-Version des eisernen Golems ausgesehen hätte!
      Lutohins Bilder werden seit Jahren im Internet günstig zum Kauf angeboten, allerdings ohne großen Erfolg.

      Mittlerweile, zum Manne gereift, bin ich auch im Besitz einiger Bilder der beiden Maler, und ich muss zu Lutohins Ehrenrettung sagen, dass seine Werke im Original wesentlich besser aussehen als damals auf den Heftromanen.

      Das Original zum oben erwähntem Roman „Menschen-Monster“ (Fwefter, ficken Fie die Menfen-Monfter doch bitte rauf) besitze ich glücklicherweise seit kurzem als Original.
      Das verdanke ich übrigens einem sehr guten Internet-Buddy, der auch manchmal im Zauberspiegel anwesend ist.




      Den eingangs erwähnten Meyrink, den habe ich Jahre später im Mannesalter dann noch einmal gelesen, das Kind war schon fast zur Gänze (aber nicht ganz, gottseidank) aus mir verschwunden, und ich las ihn nicht mehr in der Erwartung eines Horror-Romans, sondern genoss den literarischen Impressionismus Seite für Seite.
      In Prag, in der Goldenen Stadt in der Roman und auch Film spielen bin ich auch schon mehrmals gewesen, auf den Spuren der Golems (ist der Plural korrekt?) gewandert und erstand zu meinem Entzücken sogar einige Golem-Souvenirs, ein T-Shirt, Ansichtskarten, sowie eine kleine Keramikfigur.
      Sogar in einem Cafe Golem war ich und trank besten böhmischen Kaffee, der glücklicherweise nicht nach Stahlschrauben schmeckte.

      Inzwischen fällt das Mondlicht auf den Fußboden neben meinem Computer und bleibt dort liegen wie ein großer, heller flacher Bierdeckel.

      Wie fich die Tfeiten doch ändern.