Hammer Studios

  • 1966 - Das schwarze Reptil (The Reptile)




    Der Marinesoldat Harry Spalding reist mit seiner Frau in ein kleines
    Dorf nach Cornwall, um das Haus seines Bruders zu übernehmen. Dieser ist
    vor kurzem überraschend verstorben und hat seinem Bruder das Haus
    vermacht. Doch schon bei Ankunft des Ehepaars sind die Dorfbewohner sehr
    abweisend und Tom, der Wirt des örtlichen Pubs, rät sogar dringend zur
    sofortigen Umkehr. Harry ist irritiert, will sich aber nicht so leicht
    abspeisen lassen und bezieht das Haus seines Bruders. Doch schon bald
    wird klar, dass die Warnungen nicht so ganz unbegründet waren.




    "The Reptile" ist ein klassischer Hammer, wie er im Buche steht.


    Die Handlung ist für sich genommen zwar ziemlich konventionell und
    komplett vorhersehbar, allerdings ist das Monster für Hammer-Filme doch
    ungewöhnlich. Denn wo sonst klassische Gruselmonster wie Dracula und
    Frankenstein oder lebende Tote bzw. verrückte Menschen die Werke der
    englischen Filmschmiede unsicher machen, hat man hier ein
    reptilienhaftes Wesen, halb Mensch halb Schlange. Es ist zu lesen, dass
    der Make-Up-Designer seinerzeit ziemlich rotieren musste, um diese
    "aufwendige und realistische" Maske zu fertigen, die dann vor allem zum
    Ende des Films reichlich in Aktion tritt. Betrachtet man dies vor dem
    zeitlichen Hintergrund, so wirkt die Maske auch definitiv ziemlich
    originell und schaurig; aus heutiger Sicht verbeitet sie eher trashigen
    Charme. Aber genau deswegen sind Filme wie "Das schwarze Reptil" ja
    heute noch so sehenswert, denn auch der Rest des Steifens ist pure
    Schauer-Atmosphäre der alten Schule.


    Das abgelegene cornische Dorf (ohne Arzt und Polizei), die grimmigen und
    abergläubischen Bewohner und die altmodischen, etwas verlebten Hütten
    und Herrenhäuser sind gothic horror in Reinkultur, wie Hammer ihn stets
    in Vollendung beherrscht hat. Wenn man sich daran erfreuen kann, den
    wird die etwas spannungsarme Handlung nicht weiter verdrießlich stimmen
    können.




    Ausser Michael Ripper als Gastwirt, der wie immer solide ist, spielt kein bekannter Hammer-Star mit.


    Noel Willman war in den 60ern schon ein gefragter Theater-Schauspieler
    in England und seine Qualitäten merkt man ihm hier deutlich an. Als
    undurchsichtiger Theologe mit düsterer Aura ist er ein tragender Balken
    der Inszenierung. Später war er u.a. noch neben Omar Sharif in "Dr.
    Schiwago" und neben Jon Voight in "Die Akte ODESSA" zu sehen.


    Auch der direkt aus dem britischen Fernsehen engagierte Ray Barrett
    macht seine Sache als handfester Matrose hervorragend, sein etwas
    pockennarbiges Gesicht sowie leichte Tendenz zu Segelohren mischen sich
    recht markant mit viktorianischer Garderobe. Leider war dies der einzige
    Hammer des TV-Stars aus Australien, der in Serien wie "Simon Templar",
    "Mit Schirm, Charme und Melone" und "Doktor Who" äußerst beliebt war.
    Mit Jennifer Daniel und Jacqueline Pearce sind auch zwei sehr schmucke
    weibliche Hauptrollen mit von der Partie, die sogar vergleichsweise viel
    zur Handlung beitragen und nicht nur Beiwerk sind, wie sonst zu dieser
    Zeit üblich.




    Man muss den Stil mögen, die dichte Atmosphäre und den aus heutiger
    Sicht leicht schundigen Charme, dann wird man mit dem "schwarzen Reptil"
    seine helle Freude haben. Dieser gotische Grusel mit exotischen
    Anklängen ist sicherlich unter den besten Arbeiten der Hammer
    Productions zu finden.


    1964 - Die brennenden Augen von Schloss Bartimore (The Gorgon)




    In dem kleinen deutschen Ort Vandorf werden seit mehreren Jahren
    versteinerte Leichen gefunden. Die Polizei steht immer wieder vor einem
    Rätsel und kann die Mordserie nicht aufklären. Professor Heitz reist
    nach Vandorf, als er erfährt, dass sein als Künstler lebender Sohn sich
    dort erhängt hat. Da er neben der versteinerten Leiche seiner Gespielin
    gefunden wurde, verurteilt man ihn post mortem als Mörder. Doch der
    Professor glaubt nicht daran und forscht auf eigene Faust nach der
    Ursache für die Versteinerungen. Dabei stößt er in der Bevölkerung auf
    eine Wand des Schweigens und auch der ortsansässige Dr. Namaroff ist ihm
    keine große Hilfe.




    Mal wieder ein Hammer-Film mit Peter Cushing und Christopher Lee, wobei
    die beiden hier nicht im Gespann auftreten. Tatsächlich haben sie
    innerhalb der Handlung sogar nur minimale Berührungspunkte. Lee spielt
    mit Föhnfrisur und Albert Einstein-Schnautzer auch nur eine recht
    kleine, wenn auch wichtige Rolle als Leipziger Professor mit Hang zum
    Physischen. Cushing kann sich als düsterer Dr. Namaroff mehr ausspielen,
    er ist sogar das Glanzstück des gesamten Films. Der altmodische
    Backenbart steht ihm ausgezeichnet und er wirkt ein ums andere Mal recht
    bedrohlich, zum Ende schwingt er sogar den Degen.




    Ein weiterer Pluspunkt sind die Kulissen von Hammer-Mann Bernard
    Robinson, der es durch die Sets schon bei Filmen wie "Das schwarze
    Reptil" verstand, eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen. Leider
    verhaspelt sich der Plot aber ein ums andere Mal. Die Anleihen bei der
    griechischen Mythologie sind offensichtlich und soweit auch interessant,
    aber von Bedrohung oder Spannung ist hier nichts zu spüren. Wären nicht
    die Darsteller und die besagte Atmosphäre, würde man sich doch arg
    langweilen. Zumal die Auflösung schnell klar ist und das Ende daher auch
    keinen Knalleffekt zu bieten hat. Barbara Shelley, Hammers weibliches
    Aushängeschild, ist sicherlich nett anzusehen, aber der Grund für
    verschiedene Begebenheiten im Film wird nicht deutlich.


    Warum die Anwesenheit der Medusa quasi im Kollektiv verschleiert werden
    soll, wenn doch nur Namaroff ein wirkliches Interesse daran hat, mutet
    konstruiert an und die Motive des Gerichts und der Polizei bleiben auch
    etwas zweifelhaft. Insofern steht hier im Bereich der Handlung so
    einiges auf wackeligen Füßen, sodass kein homogener Eindruck entsteht.




    Für Fans von Peter Cushing sicherlich ein Genuss und in Bezug auf
    stimmungsvollen Grusel gibt es auch einiges zu sehen, aber insgesamt ist
    "The Gorgon" keine Leuchte im Schaffen der Hammer Studios.

  • 1969 - Banditen auf dem Mond (Moon Zero Two)




    Im Jahr 2021 ist der Mond durch die Menschheit kolonialisiert und ein
    großer Teil des Weltalls bereits erforscht. Auf dem Mond wird emsig nach
    Rohstoffen und Mineralien geschürft. Bill Kemp und sein Partner
    betreiben eine Mietraumfähre für Forschungsflüge und technische
    Einsätze, Passagierflüge für Touristen will der ehemalige Mars-Entdecker
    Kemp jedoch nicht anbieten. Als er eine junge Frau trifft, die ihren
    Bruder auf der anderen Seite des Mondes sucht, willigt er jedoch ein,
    sie dorthin zu fliegen. Gleichzeitig heuert ihn der skrupellose
    Geschäftsmann Hubbard an, ihm bei der Sicherstellung eines wertvollen
    Asteroiden zu helfen. Beide Aufträge laufen auf verhängnisvolle Weise
    zusammen.




    Nur wenige Monate nach Neil Armstrong, im Jahr des Auslaufens der
    populären Sci-Fi-Serie "Raumschriff Enterprise" und Mitten im tiefsten
    Italowestern-Boom brachte Hammer diesen völlig abgedrehten Mix aus
    Science Fiction und Western heraus.


    Das Drehbuch schrieb Hammer-Eigner Michael Carreras selbst, basierend
    auf einer Kurzgeschichte, während er für die Regie Roy Ward Baker
    verpflichtete. Der ehemalige Assi von Alfred Hitchcock hatte für Hammer
    schon den dritten Teil der "Quatermass"-Reihe inszeniert und sollte auch
    später noch mehrmals für Carreras tätig sein. Das er Spannungskino
    machen kann, hat der gebürtige Londoner vorher schon mit Filmen wie
    "Einer kam durch" mit Hardy Krüger bewiesen, hier sollte man aber trotz
    des Western-Ansatzes keine wilden Schießereien, Prügeleien oder
    Verfolgungsjagden erwarten. All das gibt es zwar, aber in einem
    wesentlich gediegeneren und teils eher komischen Rahmen.




    Objektiv bieten die "Banditen auf dem Mond" wenige Reize, denn die
    veralteten Special Effects, die Aussenmodelle des Mondes sowie die
    ziemlich seltsame Garderobe der Darsteller und die teils etwas an
    "Uhrwerk Orange" erinnernde Inneneinrichtung sind sicherlich für den
    heutigen Zuschauer absolut ungeeignet (wobei Kubricks Film natürlich
    erst später heraus kam).


    Aber für den Fan eröffnet sich eine wahre Fundgrube von Genüssen, nicht
    umsonst gilt der Film in den entsprechenden Kreisen heute als kultiger
    Geheimtipp.


    Die damalige Vermarktung als "space western" trifft vollkommen zu, denn
    tatsächlich laufen hier die Protagonisten auch im Jahr 2021 noch mit
    Colts aus dem 19. Jahrhundert am Hüftgürtel herum (die Damen tragen ihn
    aber in fast beinlangen Latexstiefeln). Dazu findet sich mitten in der
    Mondstation ein stilecht eingerichteter Saloon und die vielen auf dem
    Mond verteilten Schürferstellen dürfen somit absolut als Allegorie auf
    wildwestliche Goldclaims verstanden werden.




    Herrlich dazu auch die völlig stumpfe Kritik am Fortschrittswahn der
    Menscheit, die hie und da mal in den ebenso fantastisch flachen Dialogen
    durchkommt. Die Synchronarbeit ist dabei übrigens top, denn
    Hauptdarsteller James Olson wird von Christian Brückner gesprochen
    (sonst üblicherweise von "Holmes" Christian Rode) und sein Adjutant von
    Arne Elsholtz (Jeff Goldblum, Tom Hanks), da werden also sämtliche
    Bedürfnisse bestens befriedigt.


    In der Ära des kalten Krieges wird auch recht deutlich Position bezogen,
    denn während im Comic-Vorspann noch ein Ami- und ein Sowjet-Astronaut
    als gleichwertige Kontrahenten dargestellt werden, so ist der Bösewicht
    "Hubbard" mit Leninbart und russischem Akzent ganz klar verortet.




    Die Darsteller sind im übrigen ebenso einwandfrei. James Olson macht als
    cooler Cowboy eine blendende Figur und beweist so nach seinem
    Schmonzetten-Auftritt neben Paul Newman in "Liebe eines Sommers" seine
    Handfestigkeit. Genre-Kennern ist er allerdings wohl eher aus
    "Andromeda" bekannt. Warren Mitchell ("Jabberwocky") als Antagonist ist
    ebenso untadelig, wenn er im Jahr 2021 sein Monokel zückt. Die weibliche
    Hauptrolle ist mit Chatherina von Schell vorzüglich besetzt, wenn es
    ums Aussehen geht, die gebürtig aus Österreich-Ungarn stammende Britin
    bewies später u.a. in der Serie "Mondbasis Alpha 1" jedoch auch durchaus
    fachliche Qualitäten. Wobei sämtliche Frauen im Film nie über das
    Stichwortgeben hinauskommen und ansonsten brav ihre Brüste in die Kamera
    halten dürfen und von den männlichen Darstellern als Dummchen
    abgespeist werden. So war das eben in der prä-feministischen Ära. Ob man
    das gut oder schlecht findet, muss jeder selbst bewerten, einem
    gewissen Unterhaltungsfaktor entbehrt es hier aber definitiv nicht.


    Als Nebendarsteller hat man in einer kurzen Rolle den
    Hammer-Stammdarsteller Michael Ripper und den britischen Comedy-Star
    Bernard Bresslaw, der hier als völlig stumpfsinniger Handlanger recht
    witzig ist.




    Die Effekte sind, wie gesagt, aus heutiger Sicht geradezu eine
    Lachnummer, unterhalten aus trashiger Sicht aber bestens. Bei den
    Fahrzeugen wurde offensichtlich teils von der NASA abgeschaut, aber
    insgesamt hat Hammer-Designer Les Bowie doch ein sehr eigenes Bild der
    Mondbesiedelung entworfen. Wobei dieser als sehr talentiert gelten darf,
    holte er aus dem Budget so sicherlich das Beste heraus; später bekam er
    zurecht noch einen Oscar.


    Wiederum auch aus heutiger Sicht noch absolut brillant ist der
    Soundtrack von Jazz-Trompeter Don Ellis! Das Titellied "Moon Zero Two",
    gesungen von Julie Driscoll (heute Tippetts), ist ein echter Hit und
    auch der Rest weiß zu überzeugen. Der Wechsel von langsamen
    Blues-Passagen und schnellen jazzigen Einlagen ist stimmig, einige
    Bilder werden durch die Untermalung überaus atmosphärisch. Wem die Musik
    hier gefällt, dem sei auch Ellis' Arbeit zu "The French Connection" ans
    Herz gelegt.




    Der durchschnittliche Zuschauer wird sicherlich aus dem Kopfschütteln
    nicht mehr heraus kommen und irgendwann einfach abschalten, ich als
    großer Fan von Science Fiction und Trash kann den Film nur wärmstens
    empfehlen. Ein absolut geniales Konglomerat der Durchgeknalltheit. Der
    Film floppte bereits seinerzeit an den Kinokassen, was seine alleinige
    Wertigheit für ein Randpublikum wohl beweisen dürfte. Wer aber zu dieser
    Randgruppe von Filmfreunden gehört, der MUSS hier zuschauen.

  • 1956 - XX unbekannt (X the Unknown)




    Bei einer Militärübung nähe Glasgow reißt plötzlich die Erde auf und
    radioaktives Protoplasma tritt aus. Bevor es identifiziert werden kann,
    hat es sich jedoch schon weg bewegt und es blieben ratlose Militärs und
    Wissenschaftler zurück. Als der Forscher Dr. Royston der Kreatur auf die
    Schliche kommt, ist es schon fast zu spät und man versucht mit
    experimentellen Mitteln, das Plasma zu stoppen.




    Dieser frühe Science-Fiction-Film der Hammer Productions verbeitet
    leider wenig Schrecken oder Panik, dafür aber vor allem eines: gediegene
    Langeweile. Die Story wälzt sich langsamer voran als das
    Strahlungsplasma im Film und die Charaktere bleiben sehr blass. Dafür
    könnte man der Vorgehensweise im Film durchaus Plausibilität
    attestieren, aber das steigert den Unterhaltungsfaktor nur wenig.




    Die Erklärung ist auch schnell gefunden, denn eigentlich sollte "XX
    unbekannt" (wie das "X" im Titel schon andeutet) der zweite Teil der
    "Quatermass"-Reihe werden, die ein Jahr zuvor mit dem "Quatermass
    Xperiment" recht erfolgreich begonnen hatte (basierend auf einer ebenso
    erfolgreichen TV-Serie).


    Das Drehbuch hatte Jimmy Sangster bereits fertig, der hier vom
    Produzenten-Assi zum Autor aufstieg, was man nur als Glück für Hammer
    bezeichnen kann, denn der Waliser sollte später noch an diversen
    Erfolgsfilmen mitarbeiten. Denn nach "Shock" wollte man zügig einen
    zweiten Kassenschlager produzieren, doch "Quatermass"-Erfinder Nigel
    Kneale stellte sich quer und gab nicht die Erlaubnis, seinen Charakter
    zu verwenden. Später gab er sie zwar doch noch, sodass "Feinde aus dem
    Nichts" entstehen konnte, aber hier wurde dann mit "Dr. Royston" ein
    x-beliebiger Wissenschaftler eingesetzt.


    Von Bedeutung ist der Film im Sci-Fi-Genre heute aber dennoch, lieferte
    er doch teils die Vorlage für den (wesentlich bekannteren) US-Horrorfilm
    "Blob - Schrecken ohne Namen", der mit Steve McQueen ein Jahr später
    heraus kam.




    Dabei wäre der Film beinahe gar nicht gedreht worden, denn es hatte zu
    Beginn Querelen zwischen Hauptdarsteller Dean Jagger und Hammer gegeben,
    da der stark patriotische Amerikaner Jagger nicht mit Regisseur Joseph
    Losey zusammen arbeiten wollte. Dieser stand nämlich in den 50ern in
    Amerika, also in der McCarthy-Ära, auf der schwarzen Liste und im
    Verdacht, ein Kommunist zu sein. Jagger war in Amerika besonders in den
    40er Jahren sehr beliebt, hatte einen Oscar erhalten und mit Gregory
    Peck und Richard Burton gearbeitet. Er weigerte sich also nach einigen
    Drehtagen, weiter mit Losey zu arbeiten, weswegen dieser dann durch den
    Briten Leslie Norman ersetzt wurde; vorgeblich aus Gesundheitsgründen.




    Jagger konnte sich solchen Trubel seinerzeit wohl offensichtlich leisten
    (er bekam auch mit Abstand die höchste Gage), aber eine großartige
    Leistung bringt er hier nicht unbedingt. Sicherlich bietet sein
    Charakter dafür auch wenig Spielraum und für den Anspruch des Films
    reicht es aus, aber das man auch einem trockenen Wissenschaftler noch
    Facetten abgewinnen kann, hatte ja Brian Donlevy bereits bewiesen.
    Insofern ist Jagger hier an sich austauschbar.


    Als kleine Beigabe hat man wenigstens Leo McKern als behördlicher
    Ermittler, der Jagger zur Seite steht. Kenner haben den Australier aus
    Val Guests "Der Tag, an dem die Erde Feuer fing" und aus der Serie
    "Mondbasis Alpha 1" in Erinnerung, zudem hatte er einen Auftritt in "Das
    Omen". Für Sherlockianer ist Interessant, dass er auch an der Komödie
    "Sherlock Holmes' cleverer Bruder" von 1975 mitwirkte, in welcher Gene
    Wilder "Sigerson Holmes" spielt.


    Dritter im Bunde ist Edward Chapman als ewig nörgelnder Laborleiter, der
    aber auch wenig zur Erheiterung beiträgt. Insgesamt bleibt die
    Darstellerriege hier der Filmtechnik gemäß eher grau. Auch
    Hammer-Maskottchen Michael Ripper tut Ausnahmsweise mal wenig zur
    Aufhellung.




    Für Hammer-Fans und Genre-Puristen sicherlich aus verschiedenen Gründen
    ein Pflichtfilm, aber mehr auch nicht. Unterhalten im besten Sinne wird
    man hier auf keinen Fall.

  • 1957 - Yeti, der Schneemensch (The Abominable Snowman)




    Eine Expidition aus einem britischen Wissenschaftler, einem
    amerikanischen Forscher und mehreren Abenteurern bricht von einem
    bhuddistischen Kloster aus in den Himalayah auf, um Spuren des
    legendären Schneemenschen, des Yeti, zu finden. Zunächst kommen sie gut
    voran, doch dann scheinen sie auf etwas zu stoßen, dass den Trupp von
    außen bedroht und Differenzen über den Zweck der Exkursion bringen den
    Zusammenhalt in Gefahr.




    Mit dem "abscheulichen Schneemenschen" ist Hammer unter der Leitung des
    ehemaligen Journalisten Val Guest ein früher Klassiker gelungen. Guest,
    der nach Terence Fisher die zweitmeisten Filme für Hammer umsetzte,
    zeigt hier nach seinen zwei Quatermass-Filmen abermals ein Händchen für
    langsamen Spannungsaufbau und methodische Herangehensweise.


    Der Film ist durch mehrere Fakten von Bedeutung, u.a. war er der letzte
    Horrorfilm der Hammer Studios, der in schwarz-weiß gedreht wurde. Kurz
    nach ihm wurde dann Terence Fisher mit der Arbeit an "Frankensteins
    Fluch" betraut, dem ersten farbigen Horror-Film der Hammer Studios und
    überhaupt. Dies behielt Hammer dann auch bei, sodass z.B. die beiden
    großen Reihen, "Frankenstein" und "Dracula", komplett in Farbe sind.




    Interessant ist auch, dass "Yeti" auf dem erfolgreichen BBC-Fernsehfilm
    "The Creature" beruht, geschrieben von "Quatermass"-Erfinder Nigel
    Kneale. In diesem TV-Film spielte auch schon Peter Cushing mit, der in
    den 50ern ein gefeierter Star des britischen Fernsehens war (u.a. auch
    sehr erfolgreich in der BBC-Version von Orwells "1984") und im
    Hammer-Film dann die selbe Rolle wie im BBC-Film verkörperte, die des
    britischen Wissenschaftlers Dr. Rollason. "Yeti" war denn auch sein
    erster Hammer-Film überhaupt, der ihm gemeinsam mit "Frankensteins
    Fluch" und ein Jahr später auch "Dracula" dazu verhalf, den Sprung vom
    Fernsehen ins Kino-Fach erfolgreich zu meistern, nachdem er in
    klassischen Dramen wie "Hamlet" schon Nebenrollen gespielt hatte. Nicht
    unwesentlich dazu beigetragen haben dürfte auch der Hammer-HOUND von
    1959, der Cushing dann auch die Rolle des "Sherlock Holmes" in der
    BBC-Serie einbrachte und er somit seine Fernsehkarriere parallel weiter
    betrieb.




    Kneale veränderte am Drehbuch einige Kleinigkeiten, sodass der Kinofilm
    eine aus seiner Sicht etwas optimiertere Fassung darstellt. Das Thema
    des "Yeti" war in den 50ern recht populär, es gab einige erfolglose
    Expeditionen wobei aber z.B. auch Edmund Hillary beim Besteigen des
    Mount Everest im Jahre 1953 Fußspuren des Schneemenschen entdeckt haben
    will.


    Inspiriert von den Berichten schrieb Kneale also ein Spannungsdrehbuch
    und ließ, wie schon bei Quatermass, einiges an Sozial- und
    Wissenschaftskritik mit einfließen, was den Film gerade im zeitlichen
    Kontext recht besonders macht. Aber auch vom rein dramaturgischen Aufbau
    her hat "Yeti" einiges zu bieten, auch mit über 50 Jahren auf dem
    Buckel. Der Spannungsbogen wird ab Expeditionsbeginn konstant nach oben
    geschraubt, die nervlichen Belastungen werden gut deutlich. Zudem ist es
    der Atmosphäre sehr förderlich, dass die Anwesenheit des Schneemenschen
    zwar recht schnell klar ist, er jedoch bis zum Ende nicht wirklich
    gezeigt wird.


    Einziger Knackpunkt aus heutiger Sicht sind wohl die Kulissen, denn
    neben einigen Außenaufnahmen in den Pyrenäen baute Hammer-Mann Bernard
    Robinson die Sets in den Bray Studios und in Pinewood auf, was man heute
    natürlich schon sehr deutlich sieht. Allerdings sind die künstlichen
    Schneestürme und Lawinen, vor allem in s/w, doch noch sehr ansehnlich.




    Sehr gut sind die Darsteller, allen voran Cushing als humanistischer
    Forscher mit Skeptiker-Einschlag, der über den gesamten Film die
    moralische Vorherrschaft behält und am Ende auch glaubhaft nach ihr
    handelt. Das der Yeti im Film nicht als degeneriertes Zirkusmonster
    dargstellt wird, sondern Kneale eine der Menschheit an Kultur und
    Intelligenz überlegene Sub-Rasse aus ihm gemacht hat, ist eine weitere
    große Besonderheit, die stimmig ist.


    Ihm zur Seite steht der Amerikaner Forrest Tucker als Wissenschaftler
    auf Abwegen, der den Yeti nur zu Geldzwecken einfangen will und auch vor
    Betrug nicht zurück schreckt. Tucker, der später u.a. neben John Wayne
    in "Chisum" zu sehen war, spielt den hemdsärmeligen und etwas
    respektlosen "Dr. Fiend" glaubhaft und stellt einen würdigen Widerpart
    zu Cushings Figur dar. In guten Nebenrollen hat man Richard Wattis als
    Assi von Cushing, den man u.a. auch Hitchcocks "Der Mann, der zuviel
    wusste" kennt, wo er direkt mit James Stewart zusammen spielte, und die
    gebürtige Kenianerin Maureen Connell als Cushings Kollegin und Ehefrau,
    die hier für die 50er Jahre eine recht selbstbewusste und eigenständige
    Frau darstellt. Interessant ist das Mitwirken von Robert Brown als
    Fallensteller "Ed Shelley", der ab den späten 70ern den kränkelnden und
    später verstorbenen Bernard Lee als "M" in den Bond-Filmen ablöste und
    diese für 5 Fortsetzungen bekleidete.


    In einer kurzen Rolle ist der Sudetendeutsche Arnold Marlé als "Lama" zu
    sehen, Sherlockianer erkennen möglicherweise den Träger Wolfe Morris
    wieder. Dieser spielte in Wilders "Sherlock Holmes' cleverer Bruder"
    mit, zusammen mit seinem leiblichen Bruder Aubrey Morris. Er war neben
    der Schauspielerei auch im Radio tätig und sprach dort u.a. den "Gollum"
    im BBC-Hörspiel von "Der kleine Hobbit".






    Der Film war seinerzeit ein finanzieller Misserfolg, was allgemein auf
    die fast zeitgleich gelegte Veröffentlichung mit "Frankensteins Fluch"
    geschoben wird. Regisseur Val Guest war jedoch auch der Meinung, dass es
    am "zu intelligenten" Drehbuch lag, denn seiner Ansicht nach erwartete
    das Publikum keine Filme von Hammer, die Botschaften vermittelten und
    ließ den "Yeti" daher durchfallen. Auch von den Medien wurde und wird
    der Film als eher mäßig angesehen und im Hammer-Kanon weiter unten auf
    der Skala eingestuft.


    Ich persönlich kann diese Meinungen absolut nicht teilen, denn auch wenn
    "Yeti" sicherlich hier und da etwas ältlich wirkt und keineswegs
    perfekt ist, so bietet er hervorragende Schauspielleistungen eines
    jungen Peter Cushing und eine teilweise überraschend intensive
    Atmosphäre der Verfolgung und Bedrohung. Einige Szenen, wie z.B. der
    Schneesturm während er Jagd auf den Schneemensch, sind auch heute noch
    sehr wirkungsvoll und die Auflösung, wer und vor allem WAS der Yeti
    wirklich ist, gelingt aus meiner Sicht durchweg.




    Für mich einer der stärksten Hammer-Filme bisher.

  • Das waren die Hammer-Filme, ich habe aber noch ein paar ähnliche Nicht-Hammer auf Lager. Kopiere ich einfach hier mit rein.


    1973 - Das Dunkel der Nacht (Nothing But the Night)




    Die Van Traylen-Stifung hat in England einen Fond zur Unterstützung von
    Waisenkindern eingerichtet, an welchem sich viele wohlhabende Leute
    beteiligen. Als in kurzer Folge mehrere Treuhänder der Stiftung
    Selbstmord begehen, ist das Interesse des pensionierten Ermittlers
    Colonel Bingham an dem Fall geweckt. Er glaubt nicht an Selbstmorde und
    lässt sich kurzerhand in den aktiven Dienst zurück versetzen. Er
    versucht auch seinen Freund, den Pathologen Sir Mark Ashley, für die
    Ermittlungen zu begeistern. Dieser sagt zu, als in seinem Krankenhaus
    ein Psychologe ermordet wird, der eine Van Traylen-Waise betreut hatte.




    Auf den ersten Blick muss dieser Film eigentlich ein Volltreffer sein.
    Christopher Lee und Peter Cushing gemeinsam als Ermittlerduo in einem
    verzwickten Kriminalfall. Da kann eigentlich nicht viel schief gehen,
    oder? Leider doch.


    Dabei kann man Hammer-Veteran Peter Sasdy eigentlich keinen wirklichen
    Vorwurf machen, der Ungar inszeniert routiniert und hat aus dem Drehbuch
    sicherlich das Optimum heraus geholt. An diesem hapert es hier leider
    doch erheblich. Basierend auf einem Roman von John Blackburn zeichnet
    Brian Hayles für das Skript verantwortlich, ein Name, der in England
    hauptsächlich mit der TV-Serie "Doctor Who" verbunden ist. Dies ist hier
    unverkennbar ein Knackpunkt, denn unnötige Nebenhandlungen und
    aufgeblähte Handlungsstationen lassen den Film teilweise zur
    Geduldsprobe verkommen. Für eine Serien-Folge ist ausreichend Potential
    vorhanden, für einen Spielfilm ist es definitiv zu viel des Guten. Zudem
    wurde das Ende gnadenlos in den Sand gesetzt. Eine völlig unvorbereitet
    auf den Zuschauer losgelassene Absurdität, die selbigen ziemlich
    verwirrt zurück lässt. Der Film ist zwar als Mystery-Krimi aufgebaut und
    phantastische Elemente sind da sicherlich nicht fehl am Platze, hier
    kommen und gehen sie jedoch so sinn- und erklärungslos, dass man nur den
    Kopf schütteln kann.




    Das Darstellerensemble kann nicht wirklich zur Besserung eingreifen,
    denn vor allem Hauptdarsteller Christopher Lee stand hier offensichtlich
    völlig neben sich. Gelangweilt und leidenschaftslos ermittelt er mal
    mehr, mal weniger und bis auf den Showdown kann kaum mal etwas seiner
    steinernen Mimik eine Veränderung entlocken. Peter Cushing ist als
    Wissenschaftler hingegen überraschend stark, so kurz nach dem Tod seiner
    Frau war nicht mit einer solchen Leistung zu rechnen. Denn in einigen
    anderen Filmen aus dieser Zeit wirkt er wesentlich geschwächter. Hier
    ist davon allerdings nichts zu bemerken und so kann er seine Rolle voll
    ausfüllen. Die in England weiland sehr populäre Diana Dors spielt ihre
    Rolle als durchgeknallte Ex-Prostituierte zwar gut, gehört aus meiner
    Sicht aber zu einem eher überflüssigen Handlungsstrang, der Verwirrung
    in Bezug auf das Rätsel stiften soll, dabei aber eher zur Langeweile
    beiträgt, die der Fiilm in Hülle und Fülle verbreitet.


    Für Sherlockianer interessant ist das Mitwirken von Georgia Brown, die
    dem ein oder anderen als die Frau Sigmund Freuds aus "Kein Koks für
    Sherlock Holmes" bekannt sein könnte. Hier überzeugt sie als zunächst
    skrupellose Reporterin, die wie aus dem Nichts plötzlich Gewissensbisse
    hat allerdings nur wenig.




    Leider wurde hier eine unglaubliche Menge an Potential verschenkt, denn
    das Ermittler-Team Lee/ Cushing ist in dieser Konstellation (und mit
    einem etwas motivierteren Sir Christopher) eigentlich unschlagbar und
    hätte, trotz des schwachen Erstlings, ruhig in Serie gehen können. Und
    für Fans der beiden bietet auch "Das Dunkel der Nacht" noch genug
    Reizpunkte, um hin Maßen genießbar zu sein. Aber bei Licht besehen ein
    sehr unterdurchschnittlicher Kriminalfilm, teils arg konstruiert und mit
    abstrusem Schluss, sodass er kaum länger im Gedächtnis bleiben wird.

  • 1966 - Insel des Schreckens (Island of Terror)




    Als auf einer kleinen Insel in der irischen See eine Leiche ohne Skelett
    gefunden wird, steht der ansässige Arzt vor einem Rätsel. Er begibt
    sich aufs Festland, um Experten zu konsultieren und Hilfe zu erlangen.
    Gemeinsam mit einem Pathologen und einem Spezialist für
    Knochenkrankheiten kehrt er auf die Insel zurück und will mit der
    Untersuchung beginnen, doch dann werden auch Tierkadaver ohne Knochen
    entdeckt. Die drei Wissenschaftler sind einem schreckligen Mysterium auf
    der Spur.




    Dies ist einer dieser Filme, von denen man sich eigentlich sicher sein
    könnte, dass die Hammer Studios am Werk gewesen sind. Terence Fisher auf
    dem Regiestuhl und Peter Cushing vor der Kamera, dazu ein schreckliches
    Monster-Szenario; das müssen doch Carreras und Co. sein. Dennoch ist
    dies hier nicht der Fall, denn es gab immer wieder kleinere
    Produktionsfirmen, die ähnliche Wege beschreiten wollten und sich dazu
    der Dienste bekannter Leute versicherten. In diesem Fall ist es Planet
    Film Productions, die sich in den 60ern auf dem Genre-Markt versuchte.
    Die Firma gab es zwar auch nur bis zum Ende des besagten Jahrzehnts,
    aber ihre Hinterlassenschaft ist für Fans alles andere als
    uninteressant.




    Obwohl "Todesmonster greifen an" (so der Kinotitel aus den 60ern) medial
    eher untergegangen ist, so kann er ohne weiteres als Genre-Perle
    bezeichnet werden, die Liebhaber von klassischem Monster-Horror und
    Science Fiction-Trash zu begeistern vermag.


    Den Großteil dazu bei trägt natürlich das Duo Fisher/ Cushing. Die
    beiden sind hier nun ganz alte Bekannte und die Chemie zwischen den
    beiden sucht ihresgleichen. Der Hammer-Routinier fährt hier eine
    Inszenierung auf, die deutlich über dem Niveau der Story liegt und trotz
    des etwas angestaubten Looks keine Langeweile aufkommen lässt. Auf der
    anderen Seite ist dieser natürlich sehr atmosphärisch und die karge
    britische Landschaft tut ihr übriges, um für sich gesehen schon reizvoll
    zu sein.


    Auch Cushing ist als Pathologe Dr. Stanley voll in seinem Element! Er
    geht entschlossen zu Werke und es ist mal wieder eine Freude, ihm
    zuzusehen. Aus seiner Ecke kommt hier auch immer mal wieder ein
    süffisantes Lächeln und ein trockener Spruch, was sehr gut zu ihm passt
    und seine Darstellung abrundet.


    Ihm zur Seite steht als ebenso handfester Knochenarzt Edward Judd, der
    Sherlockianern aus dem 83er-HOUND mit Ian Richardson ein Begriff ist, wo
    er den "Barrymore" spielte. Dritter im Bunde der Ärzte ist Eddie Byrne,
    den man schon neben Cushing in "Der Fluch der Pharaonen" sah, sowie
    später im "Krieg der Sterne". Insgesamt eine gute Truppe, die hier der
    Bedrohung reell zu Leibe rückt. Als nettes Beiwerk hat man die
    Südafrikanerin Carole Gray, die zu ihrer Zeit in einigen B-Filmen
    auftrat, später aber nicht mehr in Erscheinung trat. Auch die
    Synchronisation ist hier erstklassig, denn Peter Cushing wird hier mal
    wieder von Holmes-Vorleser Friedrich Schoenfelder gesprochen und auch
    der heute legendäre Christian Brückner ist in einer Nebenrolle zu hören.
    Zudem ist Curt Ackermann (Van Heflin, Stewart Granger, Cary Grant)
    dabei, er leiht hier Eddie Byrne seine Stimme.




    Ein aus heutiger Sicht mögliches Manko ist die Tricktechnik, mit welcher
    die entfesselten Monster dargestellt werden. 10 Jahre nach "Quatermass"
    hat sich diese zwar weiter entwickelt, wirkt aber aktuell dennoch stark
    antiquiert und lächerlich. Der Hintergrund zur Mutantenorgie ist dabei
    an sich recht ordentlich, denn bei der Anti-Krebsforschung wurden
    lebende Organismen zur Bekämpfung der Krankheit gezüchtet. Diese sind
    nun mutiert und saugen Menschen die Knochen aus, zudem teilen sie sich
    mehrmals täglich. Das ist für einen solchen Film völlig akzeptabel und
    soll nicht weiter hinterfragt werden, in den noch weniger vernetzten
    60ern konnte man beim Publikum damit auch sicherlich noch einen Stich
    landen. Doch die umher schleimenden Silikate, wie sie im Film genannt
    werden, wirken statt gefährlichen Monstern doch eher wie lahme
    Schildkröten ohne Kopf. Verwirrend ist zudem, dass die Viecher
    offensichtlich sehr langsam sind, aber dennoch in einigen Szenen
    beliebig auftauchen und sogleich wieder verschwinden. Nun ja.


    Man kann dies wie gesagt negativ bewerten, man muss es keineswegs. Denn
    auf trashiger Ebene macht gerade dies im Genre den Spaß aus.




    Über die Maßen wett gemacht wird dies wie gesagt durch eine großartige
    Regiearbeit, die schwache Technik und einige Logikfehler problemlos
    überspielt. Man hat ein starkes Darsteller-Ensemble, eine für den
    Liebhaber tolle Atmoshphäre und diverse starke Szenen, nebst einer
    wissenschaftskritischen Aussage und einem nicht gerade so optimistischen
    Ende. Der besagte Fan hat dann eigentlich alles, was das Herz begehrt.


    1967 - Brennender Tod (Night of the Big Heat)




    Auf einer Insel vor der englischen Küste bricht eine extreme Hitzewelle
    aus, auf das Festland scheint diese jedoch nicht überzugreifen. Der
    Wissenschaftler Dr. Hanson ist auf die Insel gekommen, um
    Ursachenforschung zu betreiben, doch den anderen Inselbewohnern ist er
    äußerst suspekt. Auch der Schriftsteller Jeff, der mit seiner Frau
    Frankie die örtliche Schankwirtschaft führt, ist misstrauisch. Als dann
    plötzlich Menschen sterben, droht die Lage zu eskalieren.




    "Brennender Tod" ist der direkte Nachfolger von "Insel des Schreckens",
    denn nur ein Jahr später hat die kleine Filmschmiede Planet Films
    Regisseur Terence Fisher und Peter Cushing abermals vereint und sogar
    noch um Christopher Lee ergänzt. Kann eigentlich wenig schief gehen, ist
    der erste Gedanke. Das Ergebnis ist zwar sicherlich brauchbar, aber
    kein bei der Mitarbeiterliste zu erwartender Höhenflug.


    Ein Kuriosum ist die Handlung, denn die weist erstaunlich viele
    Parallelen zur "Insel" auf und es wurden tatsächlich auch einige Sets
    aus dem ersten Film wieder verwendet. Zudem spielt sich alles auf einer
    Insel ab, von der niemand weg kann und es besteht eine Bedrohung für die
    Bevölkerung durch "Kreaturen", denen Wissenschaftler zu Leibe zu rücken
    versuchen. Also liegt eigentlich eine Art Remake vor, jedoch basiert
    "Brennender Tod" ziemlich exakt auf einem Roman von 1959 und die
    Drehbuchautoren sind auch andere als beim Vorgänger. Entweder wurde dann
    1966 für das Skript kräftig bei John Lymingtons Roman abgekupfert oder
    es ist purer Zufall, dass lässt sich schwer ermitteln. Jedenfalls ist
    das Szenario so ziemlich das selbe, nur dass hier keine mutierten
    Krebsmedikamente Menschen fressen, sondern Ausserirdische die Insel als
    Basis für eine Invasion nutzen wollen. Diese strahlen soviel Energie ab,
    dass Menschen in direktem Umkreis erst Schmerzkrämpfe bekommen und
    schließlich einfach verbrennen.




    Vergleicht man die Filme wirklich direkt, so ist "Insel des Schreckens"
    allemal die stärkere Version. Die Bedrohung dort ist konkreter und wurde
    auch atmosphärisch besser umgesetzt. Die Aliens hier sind doch sehr
    abstrakt, da man sie bis zum Schluss nicht zu sehen bekommt. Ärgert
    einen dies zunächst ein wenig, entpuppt es sich dann aber doch als recht
    guter Kniff, denn gut dargestellt sind sie keinesfalls. Eigentlich nur
    eine sich bewegende, lavaartige Masse. Hier ist dann auch tricktechnisch
    der Einfluss der "Insel" offenkundig, denn Silikate und Aliens bewegen
    sich gleich und sind gleich groß, nur das Aussehen ist ein etwas
    anderes. Insofern wirkt dies hier sehr uninspiriert.




    Ein Pluspunkt ist aber Christopher Lee, der top motiviert und grimmig
    versucht, der Bedrohung Herr zu werden. Dazu forscht er unermüdlich,
    macht Fotos und nimmt Proben, um Beweise für seine Alien-Theorie zu
    sammeln. Peter Cushing ist zwar auch dabei, allerdings in seiner
    Eigenschaft als Inselarzt nur in wenigen Szenen und auch nicht den
    gesamten Film, insofern ist sein Credit als "guest star" schon
    angemessen.


    Interessant ist das Mitwirken von Patrick Allen als Pubinhaber und
    Autor, der Seite an Seite mit Christopher Lee gegen die Aliens zu
    kämpfen versucht. Zunächst mal liefert er eine solide Leistung und
    ergänzt sich gut mit Lee, aber das er hier überhaupt mitspielt, ist aus
    heutiger Sicht ein Zugewinn für den Film, was Prominenz angeht. Denn der
    in Zentralafrika geborene Brite war gegen Ende der 60er auf dem Weg zu
    großen Ruhm, denn seit dieser Zeit ist er im anglikanischen Raum durch
    verschiedene offizielle und eigenunternehmerische Sprecharbeiten ein
    regelrechter Star, sodass seine Stimme dort bekannter ist als seine
    Tätigkeit vor der Kamera. Er war zwar auch in verschiedenen bekannten
    Produktionen zu sehen, u.a. neben Roger Moore in "Die Wildgänse kommen"
    und mit Clint Eastwood in "Agenten sterben einsam". In Deutschland wird
    aber wohl auch seine Stimme am geläufigsten sein (wenn auch ohne Namen),
    denn im Lied "Two Tribes" von Frankie goes to Hollywood wurden einige
    Sprachaufnahmen von ihm als Sample verwendet. Auch für Sherlockianer ist
    Allen absolut kein unbekannter, spielte er doch in der Brett-Serie
    Moriartys Chef-Schergen Colonel Moran.




    Und mit Verdiensten um Sherlock Holmes ist er hier keineswegs alleine,
    denn auch seine Film-Liebschsft Jane Merrow kann damit aufwarten. Sie
    spielte in den 70ern die "Beryl Stapleton" in einer HOUND-Verfilmung mit
    Stewart Granger. Zudem ist mit William Lucas als Nebendarsteller der
    "Lestrade" aus der BBC-Serie mit Cushing dabei.




    Insgesamt ist "Brennender Tod" sicherlich kein Knüller, tatsächlich ist
    er teilweise durch zuviel Eifersüchteleien und Liebesgetue sogar recht
    langweilig. Sowas passt einfach nur begrenzt in einem Film dieser Art
    und wird wohl als Lückenfüller fungiert haben. Ansonsten ist es
    eigentlich, wie gesagt, dass gleiche Programm wie beim Vorgänger in
    leichter Variation. Wer also die "Insel" mochte wird auch den "Tod"
    nicht schlecht finden, zumal es sich allein wegen Christopher Lee doch
    schon lohnt, einen Blick zu riskieren.

  • 1977 - Das Unheimliche (The Uncanny)




    Der Autor Wilbur Gray hat ein neues Buch verfasst. In dem Werk geht es
    um die Bösartigkeit der Katzen und wie sie den Menschen heimlich
    beherrschen. Sein Verleger hält das Buch für zu phantastisch, weswegen
    Gray ihn mit drei exemplarischen Fällen aus vergangenen Jahren vom
    Wahrheitsgehalt seiner Darstellung zu überzeugen versucht.




    Die Themenwahl dieses Episodenfilms im besten Amicus-Stile ist recht
    interessant. Katzen sind zwar von jeher mythologisch bemüht worden und
    auch in der klassischen Schauer/Horror-Literatur waren sie immer wieder
    vertreten, wie z.B. durch Poes "schwarze Katze" oder Lovecrafts "Katzen
    von Ulthar". Im Film jedoch hat man sie so bis dato sicherlich noch
    nicht gesehen.


    Die Rahmenhandlung mit den gealterten Größen Peter Cushing als Autor und
    Ray Milland als Verleger ist zwar immer wieder nur kurz zu sehen, den
    größten Teil der Filmzeit nehmen die einzelnen Episoden ein. Diese ist
    jedoch schon sehr stimmig gemacht. Cushing ist mal wieder großartig
    trotz begrenzter Auftrittszeit, so wie hier hat man den
    Gentleman-Darsteller wohl eher selten gesehen. Bleich und abgekämpft,
    mit wirrem Haar und unrasiert. Der Angst und den Wahnsinn nimmt man ihm
    problemlos ab. Milland muss eigentlich nicht viel tun, aber allein seine
    Anwesenheit schafft einen gewissen Rahmen. Hier wird sogar schon ein
    gewisser Spannungsbogen konstruiert, denn Cushing wird im Dunkeln von
    mehreren Katzen verfolgt, was schon recht unheimlich ist.




    Ob der frankokanadische Regisseur Denis Héroux oder sein britischer
    Autor Mike Parry etwas gegen Katzen hatten oder woher sie die Idee genau
    nahmen, ist leider nicht bekannt. So richtig schlüssig ist ihr Konzept
    dann aber auf alle Fälle nicht, denn während Katzen von Cushing als das
    pure Böse dargestellt werden, so sind sie in den Episoden eigentlich
    stehts die Sympathieträger. Dort rächen sie ihre Ermordeten Besitzer
    oder helfen ihren Haltern in Notlagen, die Bösen sind hier immer die
    Menschen. Millands Katze scheint dagegen geradezu hypnotische
    Fähigkeiten zu haben und beherrscht ihn ganz offensichtlich, so wie von
    Cushing angedeutet. Und auch er kommt den weltbeherrschenden Biestern
    nicht davon. Insofern widerspricht sich das ganze etwas von der
    Auslegung.




    Dennoch ist "Uncanny" ein netter kleiner Genre-Film, den man als
    Liebhaber solcher durchaus genießen kann. Und wer eine Aversion gegen
    Katzen hat, wird sich sicherlich das ein oder andere Mal gruseln.


    Die weiteren Darsteller sind auch allemal ordentlich. Simon Williams
    kennt der geneigte Zuschauer noch als den "begehrten Junggesellen" aus
    dem Brett-Film und hier spielt er eine sehr ähnliche Rolle. Joan
    Greenwood, die hier als zänkische alte Dame zu sehen ist, hat kurz
    darauf neben Denholm Elliott in einer HOUND-Verfilmung die "Beryl
    Stapleton" gespielt. Der prominenteste Nebendarsteller hier dürfte aber
    Donald Pleasence sein, der eine kurze aber gute Zurschaustellung von
    Sittenwidrigkeit liefert. Wobei natürlich auch John Vernon dem Kenner
    aus diversen Clint Eastwood-Filmen bekannt ist. Und Samantha Eggar, die
    hier als herrische Stiefmutter auftritt, ist dem Sherlockianer wiederum
    als "Mary Morstan" aus "Kein Koks für Sherlock Holmes" von 1976 bekannt.




    Zuviel erwarten darf man hier sicherlich nicht, aber einige stimmige
    Szenen und ein recht gutes Darsteller-Ensemble lassen den Film doch
    annehmbar werden. Und da man ohnehin keine hochtrabende Qualität
    erwartet, stören einige heute billig wirkende Tricktechniken auch nicht
    weiter.


    1967 - Die Schlangengrube und das Pendel




    Graf Regula will sich durch ein Elixier das ewige Leben verschaffen,
    wozu er das Blut von 13 Jungfrauen braucht. Diese entführt er und
    foltert sie auf seiner Burg zu Tode. Doch er kurz vor der Herstellung
    des Lebenssaftes verhaftet und durch Richter Reinhard von Marienberg zur
    Vierteilung verurteilt. Dies konnte geschehen durch die Zeugenaussage
    der letzten Jungfrau, der Baroness von Brabant, die entfliehen konnte.
    Vor der Hinrichtung schwört der Graf der Familie des Richters und der
    Baroness ewige Rache.




    Dieser nach Motiven von Edgar Allan Poe entstandene Romantik-Grusler
    gilt als erster und einziger gotischer Horrorfilm deutscher Machart und
    ist aufgrund von Besetzung und Stil für jeden klassischen
    Horror-Enthusiasten ein absolutes Muss.


    Wobei das einzige Poe-Motiv hier tatsächlich die Grube ist (hier aber
    eine Schlangengrube, kein Wasserloch) und das Pendel. Beides spielt im
    Film aber natürlich nur eine Nebenrolle. Weder spielt der Film in
    Spanien zu Zeiten der Kriege mit Napoleon, noch gibt es eine
    Inquisition. Daher ist klar, dass der Film seinerzeit versucht hat, auf
    der Welle der Poe-Verfilmungen mitzuschwimmen (Roger Corman). Der
    Versuch, neben Edgar Wallace und Karl May auch ein deutsches
    Horror-Genre zu etablieren, ist allerdings sehr löblich, wenn er auch
    scheiterte.


    Dabei macht Harald Reinl ("Der Frosch mit der Maske", "Winnetou" 1-3)
    hier wirklich vieles richtig. Die Vermischung von deutscher und
    britischer Schauerromantik gelingt exzellent, die Schauplätze bei den
    nordrhein-westfälischen Externsteinen, im bayrischen Isartal sowie
    Rothenburg ob der Tauber sind malerisch und die Ausstattung des Films
    von der Garderobe bis zu Vehikeln und Studiosets stehen denen bspw. der
    Hammer-Studios nun in gar nichts nach.




    Die Handlung ist sicherlich recht banal und vorhersehbar, aber darum
    geht es in einer märchenhaft angehauchten Produktion sicherlich auch
    nicht. Es kommen zudem durch die kurze Laufzeit und der zügigen Handlung
    kaum Längen auf.


    Was vielmehr überzeugt, ist das visuelle Gesamtpaket. Neben den eben
    angesprochenen Aspekten gehören auch die famosen Darsteller dazu, allen
    voran Lex Barker als Nachkomme des Richters. "Sexy Rexy", wie ihn die
    Bravo aufgrund der weiblichen "Old Shatterhand"-Fangemeinde in
    Deutschland seinerzeit nannte, ist nämlich neben seinen Qualitäten als
    Beau auch ein hervorragender Schauspieler gewesen und überzeugt durch
    Charisma und imposantes Erscheinungsbild (Barker war auf dem College ein
    begabter Footballer und trieb Zeit seines Lebens Sport).


    Christopher Lee ist als böser "Graf Regula" (eine offensichtliche
    Reminiszenz an seinen "Dracula") leider nur kurz mit dabei, er wirkt
    hier insgesamt jedoch auch erstaunlich blass (nicht nur wegen des
    Make-Ups). Möglicherweise war er nicht recht in Stimmung für den Film,
    er äußerte sich später dazu auch verschiedentlich eher negativ.


    Der aus Wallace- und May-Verfilmungen bekannte Carl Lange ist als sein
    untoter Handlanger allerdings ziemlich gut in seiner Nebenrolle und auch
    der später in diversen deutschen Serien omnipräsente Dieter Eppler als
    Barkers Kutscher ist großartig. Eine Marke hinterlässt definitiv auch
    der eher unbekannte Balkanese Vladimir Medar, der zwar auch in einigen
    May-Verfilmungen dabei war, jedoch recht früh verstarb. Hier ist es eine
    wahre Freude, ihm als undurchsichtigen Prediger und Halunke zuzusehen,
    wenn er für den ein oder anderen derben Lacher sorgt und teils ein wenig
    an Helmut Qualtinger erinnert.


    Die Nachkommin der Baronesse wird von Karin Dor gespielt, die damals ein
    ebenso großer deutscher Filmstar durch May- und Wallace-Filme wurde und
    hier zwar eine genretypische Darstellung liefert, diese jedoch solide
    und ihr liebliches Aussehen ist sicherlich kein Verlust für den Film.




    Insgesamt im Vergleich sicherlich kein Genre-Platzhirsch, aber in Stil
    und Machart durch seine deutsche Herkunft sicherlich eine Art Unikum,
    der sich für Liebhaber auch heute noch auf alle Fälle lohnt.

  • @ jörg & Creed: Danke für das Lob. Über Feedback freue ich mich natürlich.


    @ wellenreiter: Da wären wohl die beiden großen Hammer-Reihen zu empfehlen, "Dracula" und "Frankenstein". Oder auch "Das schwarze Reptil" oder "Bartimore". Alles sehr klassische Hammer-Filme.