Allgemeine Bücherrezensionen...

  • Schöner Text, wobei ich ihm nicht richtig beipflichten mag, wenn er sagt, Figuren wie Marlowe (und somit auch Maigret, Spade, Holmes, etc) passen nicht mehr in die heutige Zeit und wirken altbacken aufgrund ihrer Angewohnheiten oder ihres Ethos. Oberflächlich gesehen mag das schon stimmen, aber mich regen sie immer wieder zum Nachdenken darüber an, was wir heute eigentlich alles verloren haben. Was alles im geistigen und gesellschaftlichen Fortschritt untergegangen ist.

  • Ausgelesen: "Der dünne Mann" von Dashiell Hammett.


    Der letzte Roman des berühmten Schriftstellers, 1934 erschienen...und etwas anders als die Vorgängerwerke. Waren diese stets düstere, harte, mitleidlose Krimis, so besticht "Der dünne Mann" durch Wortwitz und gelegentliche Situationskomik. Nichtsdestotrotz ist auch dieser Roman spannend und gut durchdacht, auch der Plot wird ziemlich rasant erzählt, und wie stets bei den Hardboiled-Werken von Hammett, Chandler und Co. muss man aufmerksam bei der Sache sein, um bei der verschlungenen Geschichte nicht den Faden zu verlieren.
    Auch hier gibt es Tote und Brutalität, aber die beiden Hauptprotagonisten Nick und Nora Charles übertünchen die Gewalt in der Geschichte mit hervorragenden und ausgefeilten Dialogen und Wortgefechten, die auch in der berühmten Verfilmung mit William Powell und Myrna Loy zum Tragen kommen.
    Das Setting besteht in der Hauptsache aus Hotelzimmern, Bars und Restaurants, was der Geschichte ein ganz spezielles Flair verleiht.


    Auffallend ist auch der exessive Alkoholkonsum der Figuren...was in diesem Roman gebechert wird (auch gern am frühen Morgen) sprengt wirklich alles jemals Dagewesene. Man sagt, Hammett schrieb diesen Roman nach einer mehrjährigen Alkoholabhängigkeit...das glaube ich aufs Wort. Aber auch dieser Hang zum Alkoholismus wird im Roman relativiert durch den Witz und die Coolness des Ex-Detektivs Nick Charles. Er besitzt das, was die Briten "Understatement" nennen, und das nicht zu knapp.
    Ganz nebenbei ist die Auflösung des verworrenen Falles plausibel und logisch erklärt und lässt (jedenfalls für mich) keine erkennbaren Logiklöcher zurück...Großartig geschrieben!


    Fazit: Höchst empfehlenswert, nicht nur für Krimi-Fans, sondern auch für Leser anspruchsvoller Literatur, denn Hammett wird bis heute von Fachleuten in einem Atemzug mit Ernest Hemingway und William Faulkner genannt und gilt für viele gar als einer der besten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.


    Bewertung: *****+

  • Ausgelesen: "Spademan" von Adam Sternbergh.


    Ein recht spezieller Schreibstil kennzeichnet dieses ( in meinen Augen großartige) Buch, er ist rasant, zynisch (und dadurch stellenweise auf makabere Weise komisch) und ist bestimmt für viele Leser gewöhnungsbedürftig, da er bei der wörtlichen Rede ohne Anführungszeichen auskommt. Wer gerade etwas sagt und wer nicht, ergibt sich also lediglich aus dem Inhalt des jeweiligen Satzes, eine Technik, die mich persönlich nicht stört, im Gegenteil, und die auch von Schriftstellern wie z. B. Cormac McCarthy angewendet wird. Man sollte allerdings, wenn man mit dem Gedanken spielt, das Buch zu kaufen, unbedingt vorher hineinlesen, um festzustellen, ob dieser Stil einem wirklich behagt.


    Der Plot an sich ist eine gelungene Mischung aus Hardboiled-Krimi, Thriller, SF sowie einer winzigen Prise Endzeit. Der Hauptcharakter 'Spademan' hat bei einem Terroranschlag (dem zweiten großen nach dem 11. September) seine Frau verloren, der New Yorker Times Square ist eine verstrahlte Zone und die Superreichen der Stadt geben sich in bewachten Penthäusern virtuellen Träumen in der sogenannten 'Limnosphäre' hin, eine Scheinwelt, die sie vor der Realität schützt und dessen technischer Hintergrund von Autor Adam Sternbergh überzeugend und interessant geschildert wird. Dieser SF-Aspekt wird geschickt mit der Thrillerhandlung verwoben, ohne aufgesetzt zu wirken.


    Der Roman ist bei Heyne unter dem Label 'Hardcore' erschienen, und natürlich geht es in der Story nicht gerade zimperlich zu. Die Gewalttaten werden jedoch durch Sternberghs hervorragenden Schreibstil kunstvoll erzählt, so dass diese Szenen nicht zu reinem Splatter verkommen. Das Buch hätte jedoch auch im normalen Heyne-Programm erscheinen können.


    Fazit: Ein für mich rundum gelungener, innovativer Schreibstil, geniale Metaphern, packende Story und ein Antiheld, der trotz seines Status eines eiskalten Killers sympathisch wirkt. Angeblich plant Sternbergh weitere 'Spademan'-Romane. Sollte das stimmen, wäre ich auf jeden Fall dabei!


    Bewertung *****+

  • Also gut, dann mal zu A. Lee Martinez und seinem DINER DES GRAUENS.


    Earl und Duke - Earl seines zeichens Vampir und Duke Werwolf - halten auf ihrem Weg durchs Land an einem Diner mitten in der Wüste im kleinen Städtchen Rockwell.
    Kaum angekommen, werden sie gleich Zeugen eines Zombieüberfalls. Für die Bewohner von Rockwell ist es schon so etwas wie Normalität, denn dort geschehen immer merkwürdige Dinge.
    Earl und Duke, die einem manchmal vorkommen wie ein altes, sich nicht ausstehendes Ehepaar, wollen der Sache auf den Grund gehen und das Diner vor der Schließung retten, denn von diesem Ort scheinen alle Ereignisse auszugehen.


    So nimmt diese etwas bizarre aber liebenswürdige Geschichte ihren Lauf. Earl verliebt sich in ein Geistermädchen, das auf dem Friedhof festsitzt; ein pubertäres Teeniegirl versucht mit ihrer Sekte (die erwähnenswerterweise genau 2 Mitglieder hat) die Erde in den Abgrund zu stürzen; wir treffen auf Geisterhunde und Zombiekühe...es macht einfach Spass, dieses Buch zu lesen.


    Bei Martinez mag ich diesen unterschwelligen Humor, weswegen er nicht selten mit Douglas Adams verglichen wird.
    Wer sonst könnte den Liebesaustausch zwischen einem Werwolf und einer 200 Kilo Dame mit dem "Fummeln zweier Planeten" vergleichen?


    Jemand, der sich einen Pageturner mit irrwitziger Story, liebevoll gestalteten Charakteren und einer Prise Weltuntergang zu Gemüte führen mag, ist im DINER DES GRAUENS gut aufgehoben.
    Guten Appetit.
    Ein 5-Sterne-Mahl :thumbsup:

    "Why should I apologize for being a monster? Has anyone ever apologized for turning me into one?"

  • @ Creed: Danke für Deine Besprechung zu " Spademan ", Du hast auf den Punkt gebracht was ich beim Lesen gefühlt habe. Ein wirklich gutes Buch, wenn man mit dem Stil zurechtkommt. Seltsamerweise war das bei mir fast gleich der Fall.
    @ Procyon: " Diner des Grauens " irgendwo im meinem SuB, allerdings alles in Kisten verpackt weil es hier überhaupt nicht vorangeht. Aber nach Deiner Besprechung werde ich wohl demnächst danach wühlen ;-)

  • Ausgelesen: "Playback" von Raymond Chandler.


    Der letzte zu Lebzeiten vollendete Roman Chandlers zeigt seine klassische Figur Philip Marlowe noch einmal als zynischen, desillusionierten Gerechtigkeitsfanatiker mit einem gewohnt ausgeprägten Ehrenkodex.


    Die Story ist weniger komplex und verwirrend als in seinen früheren Werken, was mit ein Grund sein mag, dass "Playback" von Kritikern bis heute als eines seiner schwächsten Krimis angesehen wird. Dieses Urteil ist allerdings in meinen Augen undifferenziert und verschweigt die vielen Qualitäten dieses Romans: Interessante, vielschichtige Charaktere, besonders die Femme Fatale-Figuren machen wirklich Spaß, Marlowes ironische Einzeiler sind nach wie vor grandios auf den Punkt gebracht und die Dialoge sind genau wie sonst auch einfach umwerfend. Sehr schön auch die immer wieder eingestreuten philosophischen Gedanken und Anmerkungen zu den Themen Alter und Tod...man spürt, dass Chandler sich sehr damit beschäftigt haben muss, vielleicht war es auch eine Vorahnung, denn "Playback" erschien im Jahre 1958 und im März des darauffolgenden Jahres verstarb der berühmte Schriftsteller.


    Am Ende des Romans zeichnet sich eine eventuelle Heirat ab und tatsächlich begann Chandler noch einen weiteren Roman mit dem vorläufigen Namen "Poodle Springs", in dem uns Marlowe als frischverheirateter Mann begegnet, eine Tatsache, die Chandler angeblich bereut haben soll. Leider sind nur die ersten vier Kapitel entstanden, der Roman blieb ein Fragment. 1989 vervollständigte der Schriftsteller Robert B. Parker das Werk und schrieb danach sogar noch eine autorisierte Fortsetzung von "Der große Schlaf".


    Fazit: "Playback" ist (für mich persönlich) ein zu Unrecht gescholtener, würdiger Abschluß der Philip Marlowe-Ära, gefüllt mit herrlichen Metaphern ("In der Bucht brechen die Wellen sich nicht, sie gleiten höflich heran, wie Abteilungsleiter in einem Warenhaus.") und spritzigen Dialogen sowie vielen nachdenkenswerten Sätzen zu den großen Themen Leben und Tod. Ein kluges und moralisches Werk.


    Bewertung: *****+

  • "In der Bucht brechen die Wellen sich nicht, sie gleiten höflich heran, wie Abteilungsleiter in einem Warenhaus."


    Haha, erste Sahne.


    Das Buch kenne ich bisher noch gar nicht, im Regal steht es aber. Chandler könnte ich eigentlich mal wieder einschieben...