Allgemeine Bücherrezensionen...

  • Chronik eines angekündigten Todes


    war meine erste Berührung mit der berühmten Schreibe von Gabriel G. Marquez. Ich habe das Buch zu meinem ersten Marquez erwählt, da es von den Büchern aus seiner Feder, die ich besitze, das kürzeste ist.. und siehe da: genau diese Kürze wurde mir beim lesen der "Chronik" zum Problem.
    Nicht, das es ein schlechtes Buch ist. Marquez hat einen Stil, der sehr schnell klar macht, warum er der berühmte Schriftsteller ist, der er ist. Und auch die Geschichte ist sauber von hinten bis vorne durcherzählt, hinkt an keiner Stelle.. sie hat einfach zu wenig Stellen, sie ist zu klein. Ja, die Story um zu Tode gejagten angeblichen Entblümer einer aufgrund fehlender Jungfräulichkeit abgeschossenen Braut, welche sich trotz ihrer kaum vorhandenen Länge auf 120 Seiten gut angebrachter Gesellschaftskritik bemüht und sogar Jesus-Vergleiche schafft, könnte so viel größer und ausgebauter sein. Es wäre sicher ein phänomenaler Roman, hätte man sich hier und da und dort mehr Zeit genommen -- doch auch so ist er nicht schlecht und eindeutig eine Lesung wert.
    Denn Marquez' Sprache ist zuweilen wirklich außerordentlich, und die Moralvorstellungen und Gesellschaftsnormen anprangernde, ansprechende, vielleicht ja enthebende Geschichte tut ihren Teil. 7/10

  • Zwölf Mal Juli


    war mein erster Roman von Astrid Rosenfeld, und da mir alle drei Romane vorlagen und ich daraus spontan eines ausgewählt habe, nahm ich instinktiv das kürzeste Werk. 156 Seiten hat "Zwölf Mal Juli"... und ich finde es nach dem Lesen bemerkenswert, wie schwerfällig selbst diese gefüllt wurden.
    Zunächst aber: ich liebe Rosenfelds Schreibe. Ihr Stil ist der Wahnsinn, ich habe mich schon auf den ersten Seiten in diese reduzierte und wohldosierte Sprache verliebt. Was diesen Roman aber trotzdem nicht zu einem tollen Leseerlebnis machte. Leider. Aber auf jeden Fall bin ich gewillt, ihre beiden andern Werke demnächst zu lesen; und hoffe darauf, dass diese inhaltlich besser sind; wohlkonstruierter..
    Ich war mir durchaus darüber im Klaren, dass das hier Rosenfelds Roman ist, der auch das schlechteste Kritikerecho bekommen hat (bzw. der überhaupt schlechtes Kritikerecho bekommen hat, gerade ihr Erstling wurde ja eigentlich überall hochgelobt). Böse Zungen reden von "musste abgegeben werden", "Deadlinemachwerk", dies das.. und wenn man den Roman liest, dann kann man da leider schon einiges Wahres drin erkennen, auch wenn ich keine unwissenden Thesen zur Unfertigkeit des Buches aufstellen und äußern möchte. Aber die Geschichte von Juli, die zwölf Tage lang irgendwelchen mal mehr, mal weniger interessanten Leuten begegnet, bevor ihr Ex-Freund sie besucht, der sich vor einigen Jahren ohne ein Wort nach Afrika abgesetzt hat, ist wirklich nicht gut ausgearbeitet. Sie ist mit guter Feder notiert, sehr guter sogar!, wie schon gesagt. Und auch die einzelnen Plots der kleinen Geschichtchen sehen für sich gut aus, machen Spaß.. doch die Einblicke in die Charakterpsyche sind zu mager und oft nicht sehr gut eingebaut, und das Grundgerüst für die unterhaltsamen Begebenheiten ist sehr wacklig errichtet.
    Es war auch kein wirklich schlechter Roman, und das liegt dann vor allem an der Sprache und daran, dass die Stories innerhalb des Romans, den ich wirklich nicht so gerne Roman nennen möchte, guten Witz hatten und interessant waren. Trotzdem nur 6/10... ich freu mich dann mal auf ihre besseren Bücher, was? :D

  • Ausgelesen: "Neununddreißigneunzig" von Frédéric Beigbeder.


    Diese romanartige und später auch verfilmte Collage war im Jahre 2000 in Frankreich die absolute Bestsellersensation. Beigbeder, früher selbst zehn Jahre lang hauptberuflich Werbetexter, rechnet in diesem Buch mit seinem Berufszweig, mit der Werbung an sich und dem Konsumverhalten unserer heutigen Zivilisation ab.
    Inhalt: Beigbeders Alter Ego Octave Parango schwimmt im Geld, kokst und hasst seinen Job in der Werbebranche. Er beginnt, einen Enthüllungsroman über seinen perfiden Berufszweig zu schreiben, mit dem festen Vorhaben, dafür gefeuert zu werden...


    Das Buch ist interessant aufgebaut...in sechs Kapiteln mit den jeweiligen Überschriften Ich, Du, Er, Wir, Ihr, Sie wird die Story in der jeweils angegebenen grammatischen Person erzählt, garniert mit viel verblüffendem (und erschütterndem) Insiderwissen, zynischem Grundton und beissendem Humor. Kritiker bescheinigten Beigbeder stets, mit diesem Buch banale, platte und schlecht geschriebene Unterhaltung zu liefern, eine Behauptung, die bei näherer Betrachtung keinen Bestand hat. Natürlich ist sein Stil reisserisch (genau wie die heutige Werbung), aber immer wieder blitzen gescheite Ansichten und nachdenkenswerte Abschnitte auf.
    Dass der Autor in diesem Werk Parallelen zwischen Werbeindustrie und Faschismus zieht und manche Sätze politisch äußerst unkorrekt sind, hat vermutlich ebenfalls zu den schlechten Rezensionen der Fachpresse geführt. Ein Millionenbestseller war es trotzdem (oder gerade deswegen).


    Zwei Kritikpunkte sind mir persönlich dennoch aufgefallen: Zum einen die stark vertretenen amerikanischen Fachwörter des Werbemilieus, die zwar Realismus bezeigen, zumeist aber nicht wirklich erklärt werden und deswegen (zumindest für mich) oftmals unverständlich blieben. Zweitens gefällt mir der ziemlich surreale, groteske, circa 20-seitige Abschluß des Buches eher weniger, da er in meinen Augen nicht so recht zum Rest des Werkes passt. Witzigerweise hat so ein spezieller Roman immer das Problem, dass der Verlag bei der (verständlichen) Vermarktung zum Bestseller natürlich genau die Mittel anwendet, die im Buch kritisiert werden. Das Grundproblem haben aber viele Bücher und Filme (z.B. "American Psycho"), die sich im weitesten Sinne mit Konsum und Kommerz beschäftigen, also was soll's...


    Davon abgesehen ein verdammt unterhaltsames, witziges und informatives Werk, mit dem mich Frédéric Beigbeider (nach der Lektüre seines überragenden Buches "Oona & Salinger") erneut überzeugt hat.


    Fazit: Interessant, verblüffend, ironisch, zynisch, derb...eine gute Mischung aus Sachbuch, Satire, literarischer Abrechnung und Kultbuch. Empfehlenswert!


    Bewertung: *****

  • Das war damals mein erstes Buch von Beigbeder und ich kann mich deiner Kritik nur anschließen.
    Etwas Ähnliches hat John Niven in "Kill your Friends" gemacht, nur mit der Musikindustrie statt der Werbeindustrie. Kann ich auch empfehlen ;)


    Welche Fachbegriffe aus der Werbebranche waren dir nicht geläufig?

  • Kann ich jetzt gar nicht mehr im Einzelnen benennen, Bighead, müßte ich nochmal durchblättern...einige Fachausdrücke beim Werbedreh waren es z.B., die mußte ich erstmal übersetzen, um mir deren Sinn zu erklären... ;) Auch "anxiogen" habe ich gegoogelt... ^^ Aber da viele Wörter mehrfach genannt wurden, ergab sich deren Sinn irgendwann aus dem Text an sich.

  • ausgelesen:
    warum glücklich statt einfach nur normal ? - jeanette winterson.
    eines der berührensten bücher meines leserlebens, brachte mich zum
    lachen, zum tiefblicken und zum weinen...
    ich verstehe mehr meine seelenverwandtschaft, die ich spüre, wenn ich
    texte der j.w. lese.
    - sehr privat, solcherley.... verständnis im dutzend...
    wunderschön dargestellt ihre liebe zu büchern, zu autoren und texten, -
    ihre liebe zum leben ...
    -trotz ihrer pfingst-christlichen stief-mutter, die in jeanette einen teufel sah.


    ein wahrlich stärkendes buch! :thumbsup:


    folgende wundervolle besprechung spricht mir aus dem herzen:
    http://buzzaldrins.de/2013/04/…ormal-jeanette-winterson/

  • Schwarzrock – Black Robe

    Ein Roman von Brian Moore

    Wer hier eine simple, klischeehafte und hinlänglich bekannte Indianerromantik im Stile eines Fenimore Cooper erwarte, wird enttäuscht. Wer einen Bericht über die Überlegenheit des Weißen dem Wilden gegenüber erwartet, wird ebenso enttäuscht. Genauso wird derjenige enttäuscht, der ein romantisch verklärtes Plädoyer für den edlen Wilden erwartet.
    Moore präsentiert uns hier einen Roman, dessen Szenario und historischer Hintergrund er äußerst akribisch recherchierte. Der Leser erhält einen sehr lebendig geschilderten Einblick in die Kultur und Philosophie der „Wilden“ und schildert das Aufeinandertreffen von Kulturen, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Die der Weißen und die der „Wilden“, die zwangsläufig unterliegen müssen.
    Moore ergreift dabei aber keine Partei, sondern erzählt seine Geschichte fast wertfrei. Fast. Denn unterschwellig glaubt man zu erkennen, dass die Kultur der Wilden um einiges natürlicher und respektvoller der Schöpfung gegenüber ist, als die der Weißen.
    Der Wilde an sich selbst ist nicht wild, lediglich seine Weltanschauung und seine Lebensweise sind der westlichen Welt fremdartig. Genauso fremdartig und absurd ist dem Wilden aber die Kultur der Weißen. Der Roman geizt auch nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen, wie etwa rituellen Kannibalismus, wobei diese nie zum Selbstzweck verkommen.
    Moore schildert dies alles sehr überzeugend und hinterlässt einen sehr nachdenklichen Leser.
    Das Buch lässt sich bequem an zwei Abenden lesen, ist auf jeder Seite spannend und lässt eine Welt, wie sie vor über 300 Jahren existierte, sehr realistisch wieder auferstehen.

  • Fein gemacht, Estrangain. ^^
    War allerdings die letzte Zeit ziemlich im Stress und komme erst jetzt dazu, die Sachen hier zu posten.

    "Es ist durchaus möglich, dass sich hinter unseren Sinneswahrnehmungen ganze Welten verbergen, von denen wir keine Ahnung haben ..."

    Zitat: Albert Einstein

  • VOM ENDE DER EINSAMKEIT


    war mein erster Roman von Benedict Wells, und es wird nicht mein letzter bleiben. Als ich dieses Buch letzte Woche auf einem Flohmarkt zu einem sehr günstigen Preis mitnahm, gegeben dem Fall, dass es erst vor einigen Monaten neu als Hardcover erschienen ist und auf den Bestsellerlisten noch ziemlich weit oben rangiert und überall nur positive Kritiken bekommt, wusste ich trotz allem nicht genau, was mich schriftstellerisch erwarten würde. Über Wells wusste ich, dass er vor einigen Jahren mal als quasi-Wunderkind in alle Himmel gelobt wurde, sein Erstling (der nach genauerer Recherche gar nicht sein Erstling, sondern sein Zweitling war und nur zuerst veröffentlicht wurde, auch eine lustige Geschichte) "Becks letzter Sommer" direkt ein Megabestseller und auch ein paar Jahre später verfilmt wurde. Um Wells war es nun ein paar Jahre ruhig geworden nach drei sehr gut laufenden und ankommenden Büchern.. und "Vom Ende der Einsamkeit" bildet das erste Comeback in einer trotzdem noch so jungen Karriere.
    Was ist das also für ein Buch? Nun, es ist eine Familiengeschichte, es geht um das Leben dreier immer wieder vom Schicksal getroffener Geschwister. Und ihre Geschichte ist groß angelegt erzählt. Auch auf nur 350 Seiten erzählt Wells mehrere Jahrzehnte, wobei er sich einer Technik bedient, die nicht alles abarbeitet, sondern immer wieder zu verschiedenen Ereignissen weiterspringt und die Zeit dazwischen nur kurz erläutert wird für den Leser.. was sehr löblich ist, denn während des Lesens dieses Buches fällt einem erneut und erneut auf, dass ein anderer Autor wohl einen 1000-Seiten-Klopper aus dieser Story gemacht hätte. Wells besticht also durch inhaltliche Reduktion auf das jeweils wesentliche, das gibt dem Buch auch ein sehr schönes gehobenes Tempo, obwohl nicht die spannendsten Sachen aller Zeiten passieren.
    Es ist nicht unbedingt sein Stil, der mich gepackt hat. Denn, nicht falschverstehen, "Vom Ende der Einsamkeit" ist sehr gut geschrieben und erzählt, doch wo mir das so oft das Buch noch schmackhafter und besser macht, so war das bei diesem Werk gar nicht nötig. Wells weiß, was er für eine famose Geschichte erzählt, um stilistisch sehr gerade und einfach zu bleiben, so kommen die Familienschicksale und Situationen dem Leser noch näher. Das Buch ist, auch verstärkt durch seinen einfachen Stil, ein unheimlich trauriges, rührendes, emotional wechselbadendes Manipulationswerk.. und das sage ich im besten Sinne. Die das Leben dieser wunderschön charakterisierten, gebauten und geschriebenen Menschen immer wieder heimsuchenden Themen von Tod, Verlust und Trauer gehen nahe, sehr nahe. Für das Werk eines 32-Jährigen ist es ein unglaublich weises und schlaues Buch.
    In diesem Jahr selten so berührt worden, und selten so überrascht durch das erste gelesene Werk eines neuen Autors. Der Wahnsinn. Believe the hype!, denn ich bin sehr glücklich, dass es sich so gut zu machen scheint auf dem Markt gerade.
    10/10 :love:

  • Ausgelesen: "Ein fliehendes Pferd" von Martin Walser.


    Diese berühmte Novelle bedeutete 1978 den literarischen Durchbruch für Walser, nun konnte er von der Schriftstellerei leben.
    Im Mittelpunkt stehen zwei Ehepaare, deren zufälliges Zusammentreffen beim Bodensee-Urlaub und die aufdringliche Inbesitznahme der (notgedrungenen) gemeinsamen Freizeitgestaltung, die in eine Beinahe-Katastrophe mündet.


    Martin Walsers Schreibstil wird stets von Kritik und Publikum gelobt und als einzigartig in Deutschland gerühmt. Seine Art zu Schreiben ist definitiv gewöhnungsbedürftig, soviel steht fest. Nach einer Weile kristallisieren sich viele hervorragend formulierte Abschnitte heraus, voller Wortgewandheit und Kraft. Manchmal wirkt sein Stil aber auch wieder dermaßen geschraubt, dass ein Schüler ganz klar eine Fünf bekäme, wenn er solche Sätze im Deutschaufsatz vom Stapel lassen würde. Aber in der Schule geht sowas eben nicht, später ist es Kunst...


    Nein, im Großen und Ganzen ist Walsers Stil schon begnadet, wenn auch für viele Leser garantiert unlesbar. Der Plot ist sauber gearbeitet, mit einer 'ruhigen Dramatik' ausgestattet und psychologisch sehr gut und eindringlich beobachtet. Die vier Hauptcharaktere passen wunderbar in die Geschichte und besonders der Protagonist Helmut Halm wird von Walser extrem genau geschildert. Hier übertreibt Walser manchmal in den Dialogen seine kunstvolle Sprache ein wenig...klingt anspruchsvoll, aber so spricht ein normaler Mensch nicht mal ansatzweise. Formvollendet formuliert, aber vollkommen realitätsfern. Diese sprachliche Künstlichkeit verwässert (jedenfalls für mein Empfinden) ein wenig den komplexen Inhalt der Novelle, hier wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen.


    Ansonsten eine schöne Leseerfahrung und ein präziser literarischer Einblick in den kulturellen Kampf zwischen gelangweilten, vom Leben enttäuschten Bildungsbürgern und auf der anderen Seite von spontanen, sportlichen Freigeistern in den 70er Jahren.


    Fazit: Sprachlich komplex, manchmal etwas sperrig formuliert, detailreich und psychologisch äußerst genau geschildert. Ein guter Plot mit interessanten Charakteren. Ein deutscher Klassiker.


    Bewertung: ****+

  • kleine Rezi zu
    "Gone Mad" von A.C. Hurts


    Ich dachte mir am Anfang. Deutscher Horror? Na ja das wird was geben.
    Aber dem war nicht so.


    Das in dem Buch der "Horst" und der "Hans" vorkommt ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, dennoch kann ich jedem der auf EXTREM Horror steht dieses Buch wärmstens empfehlen.
    Manche Geschichten sind wirklich extrem "PFUI" und ich fand es Klasse.
    Die besten Storys für mich:
    1. Der Schlachter
    2. Zum Fressen gern
    3. Die Bescherung


    5 Sterne und Leseempfehlung.
    (@Gizmo`s Cover ist auch sehr gut)

  • Ausgelesen: "Walt" von Russell Wangersky.


    Russell Wangersky ist im deutschen Bücherwald noch ein unbeschriebenes Blatt, in seiner Heimat Neufundland hat er allerdings schon einige Erzählungen sowie mehrere Sachbücher auf den Markt gebracht. "Walt" ist nun sein erster Psychothriller, und siehe da, schon greift ein deutscher Verleger zu...


    Zunächst: Mir hat das Buch außerordentlich gut gefallen. Knackpunkt allerdings für viele Leser vermutlich: Die Bezeichnung "Psychothriller" ist in meinen Augen mal wieder vollkommen daneben gegriffen. Gut, die Grundzutaten sind vorhanden...Walt ist ein Supermarktangestellter (Reinigungskolonne), der vor einigen Jahren von seiner Frau verlassen wurde und nun bevorzugt die Menschen seiner neufundländischen Heimatstadt beobachtet. Und mitunter unbemerkt in ihre Häuser spaziert...das Interessante an diesem Roman ist, wie Walt etwas über seine Mitmenschen herausfindet: Durch weggeworfene Einkaufszettel. Anhand der dort bezeichneten lebensmittel, der jeweiligen Handschrift, dem Papier, welches verwendet wurde, zieht er Rückschlüsse auf die jeweiligen Schreiber dieser Listen. Und findet heraus, wo sie wohnen...


    Hört sich reisserischer an, als es letztendlich ist, denn wirklich spannend oder nervenzerrend fand ich das Buch nicht. Trotzdem ist der Roman (in meinen Augen) sehr gelungen, denn Wangersky besitzt einen gut lesbaren, keinesfalls simplen Schreibstil. Der Plot wird größtenteils in der Ich-Form (also von Walt) erzählt, dadurch wird der Roman zu dem, was er eigentlich für mich ist: eine hervorragend beobachtete und durchdachte psychologische Studie eines gestörten Menschen. Die ich-Form läßt den Leser verstehen, wie Walt tickt. Aufgelockert wird der Schreibstil durch gelegentliche Tagebucheintragungen von der jungen Alisha, dem bevorzugten Beobachtungsobjekt Walts, die sich von einem Stalker bedroht fühlt. Der dritte Erzählstrang beleuchtet die Ermittlungen zweier Polizeibeamter, die ungelöste Fälle (Cold Case-Akten) wieder aufrollen sollen. Alle drei Komplexe ergeben eine durchdacht erzählte Story, die gut unterhält, besonders Walts Gedankengänge entbehren manchmal nicht einer gewissen Ironie.


    Fazit: Wer einen gnadenlosen Psychothriller mit Blut, Rasanz und hohem Bodycount sucht, ist bei diesem Buch an der falschen Adresse. Interessant vielmehr für Leser, die psychologische Genauigkeit sowie tiefgründig geschilderte Charaktere und deren inneren Antrieb mögen...Russell Wangersky kann definitiv schreiben und ich hoffe, dass auch seine preisgekrönten Erzählungen ihren Weg nach Deutschland finden.


    Bewertung: *****