Allgemeine Bücherrezensionen...

  • Ausgelesen: "Sturmhöhe" von Emily Brontë.


    Dieser Roman, veröffentlicht 1847, ist das einzige Werk, das Emily Brontë jemals geschrieben hat, von etlichen Gedichten einmal abgesehen. "Sturmhöhe" ist ein gewaltiges Buch, eine Lawine von düsteren Begebenheiten, eine im englischen Yorkshire angesiedelte Familiensaga voller Hass, Tod und ja, auch Liebe, obwohl man es während der Lektüre kaum glauben mag. Überhaupt gilt der Roman bis heute als Meilenstein der Liebesgeschichten, in meinen Augen völliger Unsinn, da selbst die hier geschilderte Liebe über den Tod hinaus stets düstere, wenn nicht sogar wahnsinnige Züge trägt und weit entfernt von den üblichen Herzschmerzromanen ist.


    Zentraler Charakter des Buches ist das Findelkind Heathcliff, der als einer der finstersten Schurken der gesamten Weltliteratur gilt. Er ist geradezu besessen von Catherine, seiner Spielgefährtin in Jugendzeiten. Diese ehelicht später den zurückhaltenden Edgar Linton und setzt damit eine Spirale aus Wut und Trauer in Gang, denn Heathcliff schwört, dass er beide Familien vernichten werde, und sein Rachefeldzug erstreckt sich bis in die nächste Generation...


    Interessant ist, dass Emily Brontë den Charakter von Heathcliff konsequent bis zum Ende des Buches düster und unversöhnlich beläßt...keine plötzliche Bekehrung zum Guten, keine göttliche Erleuchtung, nichts. Diese Konsequenz macht die Saga noch ein Stück realistischer. Überhaupt sind Sympathiefiguren in "Sturmhöhe" absolute Mangelware. Sind die Figuren nicht böse, dann zumindest zynisch, oberflächlich, falsch oder unsympathisch. Lediglich die Haupterzählerin der Geschichte, die Haushälterin Ellen Dean, erscheint zumeist gerecht und integer. Gut beobachtet ist, dass die Umgebung, in der man im Roman aufwächst, maßgeblichen Einfluß auf die moralische Gesinnung hat...die Personen, die hier auf Heathcliffs Anwesen "Wuthering Heights" aufwachsen, neigen dazu, selbst zu unausstehlichen Personen zu werden.


    Auffallend ist ebenfalls, dass die Akteure im Laufe der Geschichte selten alt werde, ein Umstand, der der damaligen Zeit (die Geschichte spielt zwischen 1771 und 1802) und der mangelnden Hygiene geschuldet ist, zumal die ärztlichen Fähigkeiten noch nicht sehr weit reichten. Auch Emily Brontë selbst wurde nicht alt...sie verstarb mit 30 Jahren an Tuberkulose, ein Jahr nach Veröffentlichung von "Sturmhöhe". Bei Erscheinen war das Buch, welches unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell verlegt wurde, ein Mißerfolg. Die Leser waren schockiert und verwirrt von der Handlung des Romans. Zu düster und komplex für die viktorianische Ära, stieß das Werk auf Unverständnis. Heute gilt "Sturmhöhe" als einer der größten Klassiker der englischen Literatur.


    Fazit: Ein grandioses Werk, düster, erschütternd und oftmals mitleidlos. Für Freunde von Jane Austen und (aus heutiger Zeit) Rosamunde Pilcher garantiert ungeeignet. Das zarte Happy-End wirkt eher klein im Vergleich zu den dramatischen Ereignissen im Rest des Buches. Unbedingt lesenswert!


    Bewertung: *****+

  • das freut mich natürlich zu lesen creed! :thumbup:


    es gibt, auch in deutsch, viele herrliche bücher die emily brontes & deren
    geschwister leben eindringlich beschreiben... ;)

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • "Das Mordgesindel" - Moe Teratos


    http://www.lovelybooks.de/auto…4-t/rezension/1169487737/


    "Adrenalin"- Michael Robotham


    http://www.lovelybooks.de/auto…7-w/rezension/1169460115/


    Irgendwie spackt das hier immer rum, wenn man wie ich Buchtitel, Link, Buchtitel Link postet, der zweite Buchtitel hängt dann immer im ersten Link mit drin, funktioniert nur, wenn ichs lösche und wieder einfüge, weiß wer, wo der Fehler liegt?

    Ja jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    aber das find' ich ganz okay
    denn ich hab' alles hinter mir gelassen
    was mich aufhält
    und jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    ja, vielleicht wirkt das arrogant
    doch vielleicht haben wir uns all die Jahre
    nie wirklich gekannt.


    Edited 8 times, last by Virginy ().

  • ausgelesen:
    gabriele wohmann: ernste absicht
    fischer tb, 1976. ersterscheinen 1970. 281 seiten.
    eine konsequente abrechnung in literatur bereitet sich gabriele wohmann mit
    diesem alptraumhaften krankenhausroman.
    "eingewöhnen wird man sich auch hier, wo nicht ?" ist einer ihrer typischen kurzen
    sätze die sie nach kafka-langen sätzen, wie ein kritiker ihr vorwarf, kultivierte.
    sie seziert die personen ihres buches mit leidenschaft, durchsetzt mit subtilem humor
    und großer neugier auf die welt, erzmuntere kenntnisse der bibel, als pastorentochter !,
    und üppiger belesenheit. - und sie verarbeitet ihre schmerzen und nöte im hospital
    umgeben von schwestern, der familie und anderem besuch.
    ihr dritter roman brachte gabriele wohmann (1932-2015) 1970 den durchbruch
    und ohne frage den ureigenen stil. meine mentorin, die ich 1979 kennenlernen durfte
    und mit der ich einige briefe austauschte, schrieb in "ernste absicht": "glauben sie etwa
    noch an den begriff des privaten ?" was heutzutage durch die nsa-affaire, datenmissbrauch
    noch tiefere dimension gewinnt.
    gabriele war eine autorin vom alten schlag, sehr aufmerksam in ihren worten, liebte amerika
    als befreier vor den nazis, schrieb über sex- aber las anrüchige stellen aus ihren werken,
    lachend, nicht vor.
    als einstieg in wohmanns welt ist der roman nicht geeignet. wer ihre welt kennt,
    erliest sich ihre eigenarten und ihre empfindung: "hier tritt kein schweigen ein. hier wird
    stundenlang nicht ejakuliert."
    sie lebt in ihren sätzen weiter, in einem großen werk. mir bleibt sie unvergesslich!

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Habe mich da mal an etwas nostalgisches aus der guten alten Heftromanzeit des Zauberkreis Verlags heran gewagt, dass jetzt in einer schönen Edition in Buchform mit jeder Menge Hintergrundmaterial nach vielen Jahren wieder aufgelegt wird.
    Die "Hexer Stanley" Romane von Hans Jürgen Müggenburg.


    http://www.zauberspiegel-onlin…or-hexer-stanley#comments

    "Hackfleisch kneten ist wie Tiere streicheln ... nur eben später!":D



  • gestern las ich aus:
    -"kétala" - fatou diome
    diogenes, hc 2007, übersetzung: brigitte große, 253 seiten.
    klappentext: "Wer ist die Frau, die zum Sterben nach Afrika zurückgekommen
    ist? Man weiß nichts von ihr. Ihre treuesten Begleiter, einige Habseligkeiten,
    drohen in Kürze in alle Winde zerstreut zu werden. Doch vor der Erb-
    teilung bleiben den Möbeln noch sechs Nächte und fünf Tage, um einander
    die abenteuerliche Geschichte ihrer Besitzerin zu erzählen..."

    die weltoffene, kulturbegeisterte fatou diome (*1968) aus dem senegal, die ihren
    traum von bildung und kultur erfüllte, und in frankreich lebt, erzählt in ihrem buch
    von memoria die an ihren sehnsüchten zerbricht.
    bräuche und leben in afrika und europa werden beleuchtet, was gerade auch durch
    das islamische alltagsleben im senegal, fremdartige einsichten gibt und ähnlichkeiten blosslegt
    die erschrecken und verblüffen.
    diome erzählt vordergründig im stil afrikanischer märchen, was aber am
    erleben ihre hauptfigur zerschellt zu jener offenheit wofür die afrikanische
    community diome so verehrt.
    memoria liebt übrigens besonders europäisches essen, klassische musik und die
    chansons von barara (die ich auch sehr mag). sie will einfach leben und lieben...
    aber die umstände rutschen in eine andere richtung...
    ein buch für neue sichten auf die welt.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • eben ausgelesen:
    mark von schlegell: dreaming the mainstream.
    merve, tb, 2013, übersetzung: petra porsche.illus: sergej jensen/manuel gnam. - 152 seiten.
    der sf-autor & kulturkritiker von schlegell berichtet hier in, von der kunstgeschichte bestäubten, essays
    u.a. über die taschenbuchrevolution, sklaven, fans, roboter, post und fortschritt, ein sf-rollenspiel und einen
    charismatischen, weltfremden spielleiter, vorbilder, evolution, schwarrm-architektur, den atlantik v.v.m.
    von schlegell lässt bei mir die synapsen brizzeln, gibt anregungen in jedem nebensätzchen und
    lädt permanent zu zeitreisen ein um heutiges mainstreamiges zu erfassen.
    es geht um poe, emily dickinson, lovecraft, p.dick, beuys, p.highsmith, bob dylan und viele mehr
    und um dich und mich.
    jeder leser ist ja mitdenker und miterlebender in dieser, unserer welt.
    hat mir zu lesen richtig spass gemacht in seiner klugheit, dieses realometer funkt impulse.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Ich habe Skin Medicine dann mal durch!!!


    Schatz ich bin dann mal im wilden Westen!!!


    Es war ein langer Weg, was wohl eher an mir lag, als am Buch, Western bzw. Bürgerkriegskram aller USA Patrioten-Idioten ist nicht so meines.


    Ich liebe Horror und als es dann richtig zur Sache ging, hatte Tim Curran mich voll im Griff. Griff sagt es ganz gut, der Luzifer Verlag hat mit "Skin Medicine" einen guten Roman in die deutsche Literaturwelt, Buchläden und Co. gebracht, macht weiter so.


    Ich bin aber auch kein Mann der langen Worte und das hat dieses Buch auch nicht nötig. Wer auf Western-Helden, Hexen, Ritualmagie und Übernatürliches steht, kommt mit diesem Buch auf jeden Fall auf seine Kosten.


    Sehr schön auch eine Anspielung die Curran in Bezug einer anderen literarischen Buchfigur macht, aber lest selbst, es lohnt sich!


    Ich gebe 5 von 5 Sterne

  • Ging mir genau so, Gizmo. Das Bürgerkriegsgedöns fand ich stressig, aber es war dennoch überzeugend geschrieben, Curran hat wohl mal wieder gut recherchiert. :) An Patriotismus kann ich mich jetzt jedoch weniger erinnern.

  • Achso, da hast Du vielleicht recht. Meine Kenntnis über den Nord- Südstaatenkrieg beschränkt sich mehr oder weniger auf die schicken Uniformen und Fummelszenen aus "Fackeln im Sturm" aus der Sicht eines 14-Jährigen :D , habe im Geschichtsunterricht außerdem gepennt als wir das durchnahmen oder wir haben es sogar gar nicht behandelt gehabt, keine Ahnung. ;)

  • Band 2 hab ich auch schon da, hat nen anderen Helden, wie ich festgestellt hab :)

    Ja jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    aber das find' ich ganz okay
    denn ich hab' alles hinter mir gelassen
    was mich aufhält
    und jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    ja, vielleicht wirkt das arrogant
    doch vielleicht haben wir uns all die Jahre
    nie wirklich gekannt.