Henry Miller (* 26. Dezember 1891 in New York; † 7. Juni 1980 in Los Angeles)

  • henry miller hat zeitlebens immer nach autoren gefahndet
    die interessant und mit neuer sicht schrieben, die sex und
    verwegenheit nicht scheuten, deshalb sind seine sachtexte
    über sie liebeserklärungen an kreative wesen. :)
    für mich war er ein großer essayist.

  • Ausgelesen: "Lachen, Liebe, Nächte" von Henry Miller.


    Sechs recht unterschiedliche Erzählungen, die von Tragik über Nachdenklichkeit bis hin zu Humor und Ironie reichen.
    Miller schreibt gekonnt...literarisch, poetisch und zuweilen durchaus philosophisch. Stets mit einem autobiografischen Anstrich versehen, ist man sich bei seinen Texten nie hundertprozentig sicher, wieviel Wahrheit und Selbsterlebtes, und wieviel Fiktion und Ausschmückung ist. Aber das tut dem Leseerlebnis natürlich keinen Abbruch.
    Mein Favorit in diesem Band ist die Story "Astrologisches Frikassee", eine gelungene, oftmals wirklich komische Satire auf langweilige Dinerpartys und Horoskop-/Astrologiehörige, die mit einem skurrilen Figurenensemble aufwartet und vor extrem komischen und gutformulierten Sätzen geradezu überquillt. Interessanterweise hat sich Miller Zeit seines Lebens mit Astrologie und den vielen Zweigen der Esoterik befasst.
    Desweiteren grandios ist die Erzählung "Via Dieppe-Newhaven", in der Miller für eine Weile Paris verläßt und nach England einreisen will. Zwei Drittel der Story berichten von seinem aussichtslosen Versuch, die Beamten dort zu überwinden...was im Verlauf des Verhörs schon beinahe kafkaeske Ausmaße annimmt.


    Lediglich mit der Geschichte "Die Brooklyn-Brücke" konnte ich überhaupt nichts anfangen, sie ließ mich (obwohl gewohnt gut geschrieben) vollkommen ratlos zurück, weil ich ihren Sinn nicht verstanden habe. Soll sie philosophisch sein? Verstehe ich die Metaphern nicht?
    Vielleicht bin ich auch einfach zu doof für die Story, oder aber man benötigt detailliertes Vorwissen, durch das diese Geschichte dann plötzlich einen Sinn ergäbe...dieses Wissen besitze ich aber leider nicht.


    Fazit: Lesenswerter Streifzug durch Henry Millers Welt, gut geeignet, seinen Schreibstil kennenzulernen. Witzig und nachdenklich, alles in allem ein wirklich schönes Buch.


    Bewertung: ****+

  • erica jong: der teufel in person. henry miller und ich.
    hoffmann und campe. hc, 1999. übersetzung: angelika bardeleben. 382 seiten.


    von erica jong kann ich jedem "fanny" empfehlen. einige szenen gehören zum heftigsten was ich
    je gelesen habe. eine grosse erzählerin.
    von henry miller mag ich "opus pistorum", die briefe und essays.
    ein ewiger forscher um das geheimnis frau und das über-leben.
    klappentext: "An Henry Miller, dem Vater der Beat-Generation, dem Avantgardisten,dem Nonkon-
    formisten, scheiden sich die Geister. Der Autor von "Wendekreis des Krebses"wird mal als einer der
    genialsten Schriftsteller unserer Jahrhunderts gefeiert, weil er die Grenzen der Literatur sprengte,
    mal wird er als pornografischer Schreiberling diffamiert.Einige halten ihn für einen Propheten der
    sexuellen Befreiung, andere für einen Perversen.Auch Erica Jong sah sich nach der Veröffentlichung
    von "Angst vorm Fliegen" ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt wie Henry Miller. Anfangs begegnete sie
    ihm mit Skepsis und Abwehr. Als Miller ihr jedoch einen Brief voller Bewunderung für ihren Roman
    schreibt, beginnt eine intensive Freundschaft,die erst mit Millers Tod ein Ende haben sollte."


    miller & jong wurden tiefe freunde. miller freute sich über jongs pläne über ihn eine biographie zu
    verfassen. er gab ihr viele infos. sie sprachen, schrieben rege briefe und sie interviewte lebens-
    begleiter von miller. das buch ist eine biographie, die den namen verdient, blickt man doch durch
    eine eingeweihte hinter die kulissen des menschen h.miller, des us-verlagswesen, der zensur, der
    mystik in millers texten, seinem verhältnis zu seinen vielen ehefrauen und geliebten
    und tausenderley mehr....


    jong gelingt dieses millerbildnis fabelhaft, an sich möchte man dieses kluge buch über den jungen
    aus brooklyn, nicht aus der hand legen. es spricht auch über jongs übernacht-erfolg mit "angst vorm
    fliegen", 1974, und h.millers brief darauf an sie,der der überforderten jungen autorin, die wg. ihren
    aussagen sogar körperlichen angriffen ausgesetzt war, in allen belangen,die er zu helfen im stande
    war, half.
    das ist schon eine besondere, da tiefgreifende betrachtung über miller, positives und negatives darstellend.
    - ein ähnliches werk kenne ich nur von novalis, der ja goethe persönlich kannte,und in studienheften lang
    & breit über goethes "wilhelm meisters lehrjahre" philosophierte, den roman lobpriess und veralberte,
    sinnliches und freies lobte und details verdammte oder bezaubernd fand...
    für jeden miller-fan ist dies eine fundgrube, millers briefe sowieso, aber auch jongs fähige worte
    über sein leben und werk. ( zu jedem werk hat sie auch einen kommentar verfasst, wobei ihre akademische
    ausbildung von wert war... und ihr scharfsinn..)


    ich weiss, dass jong 1974 ein grosser aufreger in allen konservativen blättern war, zeitschriften die meine oma
    & mein opa abonniert hatten verurteilten sie aufs übelste.
    eine frau die über selbstbestimmten sex schreibt und zudem gebildet ist... aber sie schreibt, wie miller, eben
    nicht nur über sex...
    ich habe jong in den 80ern verschlungen...
    miller und jong sind mit ihren aussagen recht ähnlich, deshalb war es auch für jong relativ schwierig einen weg
    zu finden über miller zu schreiben. durch diesen prozess kam eben ein dolles stück über den polarisierenden
    miller und sie, die er als weibliches gegenstück empfand, zustande. - da sie miller von 74 bis zu seinem tode
    1980 sehr nahestand, als freund, nicht geliebte, hat sie viel zu erzählen,auch über die sexwelle, über freiheiten
    und mutige lieblingsautoren der beiden. -
    das buch macht irre spass, weil es den leser nicht für bescheuert erklärt und ehrlich und wohlüberlegt miller
    würdigt ohne ihn zu vergöttern...
    meine meinung zu jong ist ungebrochen hoch! - mehr nach der gesamtlektüre... ^^

  • eben ausgelesen:
    der teufel in person. henry miller & ich - erica jong.
    daten & infos: nach oben scrollen...


    mitte der 70er versprach erica jong (*1942) ihrem freund henry miller ein
    buch über ihn zu verfassen. 1980 starb miller und 1993 kam jongs hybrid
    zwischen biographie über h.miller, exkursen über zensur, sexualität und
    erleuchtung, buchtipps der beiden, werksanalysen und wichtige menschen
    des miller-umfeldes in den usa auf den markt. 1999 erschien das gelungene
    buch in deutschland.
    jong musste erst manches klar werden, um dieses buch zu beginnen.
    zweifellos auch über ähnlichkeiten zu ihrem großväterlichen freund.
    ich hab manches bei miller nie begriffen, bin auch heute noch befremdet,
    aber manches unklare konnte jong eindeutig erläutern.
    auf ihre art, mit ihrer weitsicht.
    interessant z.b. wie sie sich die entwicklung des buchmarktes in den usa aus sicht
    der frühen 90er vorstellt... u.v.m.
    das buch sollte den weg in jede miller-sammlung zu finden die ehre haben.
    jong schreibt herrlich und miller bot allerbeste vorlagen.
    "millers werke sind konfrontationen, keine zufluchtsorte." erica jong.

  • Hallo Forum, ich bin neu hier und konnte mich einfach nicht zurückhalten:


    Wenn euch Henry Miller gefällt, kann ich euch nur die Bücher von Blaise Cendrars (1887-1961) ans Herz legen. Leider ist dieser geniale Schriftsteller viel zu wenig bekannt. Cendrars war ein Weltenbummler, hat als Fremdenlegionär, Schausteller, Plantagenbesitzer, Matrose, Juwelenhändler und was weiß ich noch alles gearbeitet, war in aller Herren Länder unterwegs. Zumindest schreibt er darüber, als ob er es gewesen wäre. Die Hauptfigur in seinen Büchern ist oft er selbst.


    In diesen Punkten, der Vermischung von Fakt und Fiktion erinnert er stark an Henry Miller, welcher Cendrars auch zutiefst bewundert und verehrt hat. Auch im Stil ähneln sich die beiden sehr stark, lange ausufernde, ins surreale abdriftende Aufzählungen und nach allen Seiten ausschweifende Gedankengänge. Bei Cendrars gibt es weniger Sex, dafür aber mehr "erlebtes" Abenteuer, sei es im Dschungel von Brasilien, in der Arktis oder in Russland. Seine Figuren sind allesamt irgendwelche Verrückte und Exzentriker, die an ihren zu hoch gesteckten Zielen (grandios) scheitern. Wenn man Cendrars' Bücher liest, kommt man sich vor, als ob man in einer Kneipe sitzt, in der ein alter Haudegen Räuberpistolen derart gut erzählt, dass man am liebsten aufspringen und mit ihm in die weite Welt fahren möchte.


    Zum Einstieg würde ich "Wind der Welt" empfehlen (eine Art Zusammenstellung aus verschiedenen Büchern), aber auch "Die Signatur des Feuers", "Auf allen Meeren" und "Gold" ......


    .....und dann ist da noch "Moravagine".


    Moravagine ist, passend für dieses Forum, ein Serienkiller-Roman von 1926, bei dem besagter "Moravagine" in Begleitung seines Psychiaters aus der Klinik ausbricht und sich 10 Jahre lang durch die Welt mordet, über Berlin, Russland, New York bis nach Südamerika. Das Ganze endet als abgefahrene, surreale, Zukunftsvision im Jahre 2013.

  • Danke für den Tipp, den Autor sollte ich mir ansehen. Von Henry Miller habe ich inzwischen alles außer ein paar Liebesbrief-Bücher gelesen und Celine fand ich auch stark (zumindest Tod auf Kredit und Reise ans Ende der Nacht).

  • Ja, Celine geht schon in eine ähnliche Richtung, zumindest bei der Reise. Allerdings finde ich Celine trotz der ähnlichen Thematik im Vergleich zu Cendrars viel rauher und auch zynischer. Cendrars war ursprünglich ein Dichter, der erst später zur Prosa übergewechselt ist, was man seinen Prosatexten auch anmerkt. Was Miller, Cendrars und Celine alle gemeinsam haben, ist die Beschreibung ihres eigenen Lebens mit oftmals extrem übertriebenen Ausschmückungen. Die haben sich selbst zu Kunstfiguren gemacht, und das muss man erst einmal hinbekommen ;)


    Henry Miller hat in seinem Buch "The Books in my Life" (deutsch: "Die Kunst des Lesens") übrigens einen langen, sehr lesenswerten Essay über Blaise Cendrars verfasst. Dieser ist auch in dem Cendrars-Buch "Wahre Geschichten" abgedruckt.

  • Zum 130. Geburtstag von Henry Miller Bücher wie eine donnernde Brandung

    Als Meister der Obszönitäten und Enfant terrible der literarischen Welt war Henry Miller

    einer der skandalumwittertsten, legendärsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

    Miller hat sich selbst in dieser Rolle gefallen und zugleich unter dem jahrelangen, weltweiten Verbot seiner Bücher gelitten.


    https://www.deutschlandfunk.de…von-henry-miller-100.html