John Everson

  • Ich musste heute unbedingt NightWhere zu ende lesen! Ich finde alleine die Vorstellung durch Schmerz, oder die Verursachung von Schmerz, Lust zu verspüren irgendwie interessant, auch wenn dies nicht auf mich selbst zutrifft. Everson hatte mich nach den ersten zwei bis drei Kapiteln in den Bann von NightWhere gezogen.


    Die Beschreibungen der Geschehnisse im Club NightWhere sind äußerst explizit und für meinen Geschmack genau richtig gewesen! Was für eine gelungene Mischung aus Horror, Sex und Gewalt! Es gibt nicht viele Autoren, die alles so gut auf einen Nenner bringen. Zeitweise dachte ich, dass ich hier eine Geschichte lese, die auch der Feder von Clive Barker entsprungen sein könnte. Nicht zuletzt, weil es auch eine kleine Szene gibt, die mit Ketten und Hacken zu tun hat. :saint: Auch die Beschreibung vom roten Bereich und vor allem vom "Feld des Fleisches" lassen mich parallelen zu Barkers Werken sehen. Absolut toll!


    Selbst Mark, der seiner Rae hinterherläuft, kommt nicht nervend rüber (habe bei Typen, die ewig hinter einer Frau herlaufen bzw. trauern keinen Funken Mitleid übrig). Das Finale lässt ein wenig Interpretationsfreiheit, weil nie erwähnt wird, um was es sich beim roten bzw. schwarzen Bereich tatsächlich handelt. Es gibt zwar immer wieder Hinweise, die eine Schlussfolgerung erleichtern, aber konkret geschrieben wird es nie. Auch was aus Selena wird, bleibt dem Gedankengang des Lesers überlassen. Sowas finde ich aber durchaus positiv! Da grübelt man noch etwas über das Buch, auch wenn es bereits seit ein paar Tagen wieder im Regal steht.


    Unterm Strich von mir eine klare 10/10!


    Nach Ligeia, welches mir ebenfalls gut gefallen hat, hätte ich aber nie und nimmer damit gerechnet, dass John Everson so hart abliefern kann!

  • Oh ja, John Everson war da nach LIGEIA für eine recht positive Überraschung gut.
    LIGEIA war für mich auch sehr gut, aber in seiner Art eben anders, ruhiger aber trotzdem spannend.

    "Hackfleisch kneten ist wie Tiere streicheln ... nur eben später!":D



  • Also, hab einfach mal den Everson angeschrieben gehabt bezüglich NightWhere und Fortführung des Romans etc. Als Antwort erhielt ich folgendes:


    Quote

    As for NightWhere -- I may revisit the novel... a lot of fans have asked for a sequel and I would really like to tell Selena's story... so once I finish with the book I'm currently working on... I might return to NightWhere!


    Das klingt für mich sehr nach "Fortführung" und das fände ich richtig genial. :thumbsup: Man darf also hoffen...

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    "Ihr seid Ka-tet, eins aus vielen. So wie ich. Wessen Ka-tet das stärkere ist, werden wir jetzt herausfinden müssen."

  • Trailer passt, auch wenn man fast schon nen Spoiler vor setzen müsste.

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  • Ich habe noch 50 Seiten von "Unter dem Friedhofshimmel" und dann geht es mit ""Die Dreizehnte" weiter! :thumbsup:

    Es gibt einen Grund unsterblich zu sein! Man kann die meisten wichtigen Bücher lesen!
    Real Music Fans: "God Give us Malcom Young back and we give you Justin Bieber!" God: "Fuck no!"

  • so, jetzt aber endlich..


    Ligeia
    war ein ziemlich cooles, aber nicht überragendes Buch.
    Positiv hervorzuheben ist sowohl die gute Idee der Meerjungfrau als Horrorfigur, die ich hier mal in einem gesamten Roman behandelt echt gut fand, und auch Eversons Stil ist nicht stereotyp, sprachlich ist der Mann mal was anderes im Gegensatz zu vielen, sehr einfach und wenig kunstvoll formulierenden Horrorautoren der heutigen Zeit. Seine Sexszenen (von denen es im erotischen Horrorroman natürlich sehr viele gibt) sind zwar nicht sehr abwechslungsreich, aber gut umschrieben.
    Als etwas negativer Aspekt hat mir ein bisschen die Härte gefehlt, da hätte man wirklich mehr reinpacken können und vor allem bessere... aber darauf legt Everson auch nicht den Fokus, der liegt mehr auf der Sinnlichkeit und der emotionalen Tiefe seines Hauptcharakters Evan. Die Zeichnung Evans funktioniert auch sehr gut, auch die Verführung durch Ligeia und den ganzen Konflikt fängt Everson gut ein..
    Der Spannungsbogen kriegt etwa in der Mitte des Romans einen ziemlichen Dämpfer ab, es wurde stellenweise ziemlich langweilig und wiederholend und uninteressant. Das ziemlich coole Ende reist es wieder raus, auch der kleine Twist im Epilog ist gelungen.
    Bleibt noch zu erwähnen, dass auch die zweite Geschichte, die Everson neben der von Evan und der Sirene in der Neuzeit erzählt, eine wirklich gute Idee ist. Die Erzählung über das Schiff und seine Besatzung (im Vordergrund steht sein Käpt'n..) und, die auch eine Verbindung zur Meerjungfrau hat, ist stimmungsvoll und interessant.
    Alles in allem ein durchaus lesenswertes Werk, aber kein perfekter Roman. Werde mir trotzdem auch mal die anderen beiden Everson-Bücher holen, großer Punkt für mich ist dabei ganz klar seine Sprache.
    6/10

  • Alles in allem ein durchaus lesenswertes Werk, aber kein perfekter Roman. Werde mir trotzdem auch mal die anderen beiden Everson-Bücher holen, großer Punkt für mich ist dabei ganz klar seine Sprache.
    6/10


    Da sind wir ziemlich einer Meinung. :thumbup: Ich empfehle der Abwechslung halber mit "NightWhere" weiter zu machen, da "Die Dreizehnte" zwar nicht in Richtung "Ligeia" geht, diesem aber doch irgendwo ein wenig "ähnlicher" ist als man das von "NightWhere" sagen kann.

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  • ich bin der absolute "ligeia"-fan, aber everson ist
    für mich allseits interessant.
    nach weihnachten freue ich mich auf die lektüre
    seines neuen festa-buches, als märchenfan interessiert
    mich der bezug zu dornröschen besonders. ;)

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Da Eversons Bücher doch sehr unterschiedlich ausfallen, tue ich mich schwer, eines seiner Bücher als besser oder schlechter zu bewerten. Auf die jeweilige Art haben mir bisher alle 3 außerordentlich gut gefallen...
    Bin aber auch gespannt, was da noch so kommt. Ich hoffe, Frank Festa ringt sich dazu durch, diesen Autor noch weiter zu verlegen und zu veröffentlichen...

  • Ausgelesen: "Die Dreizehnte" von John Everson.


    Mein erster Roman dieses Schriftstellers...und er hat mir sehr gut gefallen. Eine clevere Mischung aus Horror, Spannung, Okkultismus und Splatter. Wobei Everson im Vergleich zu vielen seiner Extremhorror-Kollegen den Plot ruhig angehen läßt, langsam Spannung aufbaut und einige sympathische Charaktere entwirft. Auf etwa 200-250 Seiten hält sich der für diesen Literaturzweig bekannte Gore-Level im unteren Bereich, vielmehr wird Mysteriöses angedeutet, Dramatik ins Spiel gebracht und der Leser wird langsam auf die letzten 150 Seiten vorbereitet, die definitiv nicht mehr für Menschen geeignet sind, die Dean Koontz schon zu gewalttätig finden.


    Der Showdown zieht sich im Grunde genommen wirklich durch das gesamte letzte Drittel des Buches, bei dem Everson die gewohnten Abartigkeiten der Extrem-Literatur auffährt, jedoch ohne das ironische Augenzwinkern, welches man aus Edward Lees Werken kennt. Everson besitzt einen angenehmen, nicht zu simplen Schreibstil mit (für Extremliteratur) oftmals beinahe schon lyrischen Sätzen. Erst auf den letzten 100 Seiten driftet er aufgrund des blutigen und gewaltreichen Plots ein wenig ins Groschenromanniveau ab, aber das ist natürlich nur mein persönlicher Eindruck. Das sei ihm auch verziehen, denn wenn man x-mal weibliche und männliche Geschlechtsteile beschreiben soll, muß man zwangsläufig eine etwas vulgäre Ausdrucksweise an den Tag legen, wenn man sich nicht wiederholen will.


    Um das eine oder andere Klischee kommt natürlich auch Everson nicht herum, z. B. dass so gut wie alle Frauen in diesem Kuhkaff, in dem der Plot spielt, aussehen wie Topmodells; durchschnittliche und hässliche Menschen gibt's wohl nur in der Großstadt...auch einige bemüht witzige Dialoge wirken im Angesicht von Blut, Gewalt und Grausamkeiten etwas fehl am Platz. Aber dies schmälert den Unterhaltungswert des Buches in keinster Weise. Nach dieser Lektüre überlege ich, ob ich mir Eversons "Nightwhere" nicht doch noch zulegen soll. Der Mann hat definitiv erzählerisches Potential.


    Fazit: Spannend, gut geschrieben, mit sympathischen Protagonisten ausgestattet, unheimlich und gegen Ende ziemlich derbe...für Freunde der Extremliteratur ist "Die Dreizehnte" auf jeden Fall empfehlenswert.


    Bewertung: *****