DOCTOR WHO - 1963-2017 R.I.P.

  • @ Kain: Intellektuell oder anspruchsvoll ist vielleicht in diesem Zusammenhang etwas unglücklich von mir ausgedrückt, ich meine damit in erster Linie, dass Moffat im Gegensatz zu Davies begonnen hat, Handlungsbögen zu erfinden, die sich oft über eine komplette Staffel erstrecken, anstatt sich auf Einzelfolgen zu beschränken, die dann natürlich 'simpler' wirken...mir aber mitunter besser gefallen, weil Moffat manchmal den Hang hatte, zuviel Mysteriöses ins Spiel zu bringen, so dass ich offengestanden zeitweise Probleme hatte, der Handlung zu folgen ("The Pandirica opens/The Big Bang" verstehe ich zum Beispiel bis heute nicht, ist mir persönlich zu wirr erzählt). Chibnall hingegen schreibt (bislang) Einzelepisoden, mag für viele ein Rückschritt sein, mich stört's nicht. Und ja, natürlich gibt es manchmal Ungereimtheiten, bezogen auf frühere DW-Inkarnationen, aber derartige Widersprüche fanden sich auch bei Moffats Beginn, denn jeder neue Showrunner realisiert seine eigene Vision, wodurch durchaus mal Logiglöcher entstehen können. War bei "Star Trek" auch nicht anders.

  • OK. Das ist eine Form Serien zu machen, die in den frühen 90ern mit Shows wie "Twin Peaks" und "Babylon 5" populär geworden ist. Noch früher gab es das bei "The Prisoner". Das macht es aber nicht zwangsläufig gut. Außerdem hattest Du das schon bei Davies. Bad Wolf in der ersten Staffel, Torchwood in Season 2, in der dritten fällt es mir gerade zumindest nicht ein und die verschwindenden Planeten (und Bienen) in der vierten Serie. Davies ließ das ganze halt ruhiger angehen, während Moff den Holzhammer verwendet hat. Weshalb das ganze so überfrachtet ist, wie Du weiter oben selbst schon angesprochen hast. Ein ganz typisches Merkmal übrigens von Fan-Fiction. Genauso wie der absolut überlegene Held. Eccleston und Tennant haben mit Panik und Wut auf die Daleks reagiert. Selbst in etwas seltsameren Folgen wurde das gut getroffen. Smith und Capaldi haben sie nicht so wirklich ernst genommen. Smith hat sogar nervige Kinder als "kleine Daleks" bezeichnet. Die wichtigsten Feinde des Doctors wurden so zu einem Witz gemacht.



    das bringt es ganz gut auf den Punkt.

  • So, ich habe die Staffel 11 (leider schon wieder) beendet. Kurzes Fazit zu den einzelnen Episoden:


    1. "The Woman who fell to Earth"


    Der Auftakt, in dem die drei zukünftigen Beigleiter zum ersten Mal auf Frau Doktor treffen. Ein actionreicher Start, einige Tote (recht düster für "Doctor Who") und die erfreuliche Tatsache, dass das neue Geschlecht des Doktors nur kurz mit ein paar launigen Dialogen erwähnt, aber nicht ellenlang ausgewalzt wird. Bleibt auch (bis auf wenige, aber gelungene Gags) für den Rest der Staffel so. Der Plot ist okay, nicht wirklich neu, aber das war bei den meisten ersten Folgen der anderen Staffeln auch nicht anders. Chibnall legt offenbar Wert darauf, dass die Begleiter mit erzählerischem Hintergrund ausgestattet werden. Beste Idee für mich: Wie der Doktor seinen eigenen Schallschraubenzieher kreiert und baut, schön gefilmt.


    2. "The Ghost Monument"


    Schöne Location, welche man am Drehort Südafrika gefunden hat. Storytechnisch unterhaltsam, mitunter auch wieder recht düster und am Ende der Folge wird erklärt, wo die TARDIS abgelieben war. Das Innere der TARDIS ist (wie üblich) neu und ungewohnt, wobei mir bislang alle Versionen gefallen haben und ich, anders als viele Fans, keine Zeit dafür habe, mich wochenlang darüber aufzuregen, wenn mir das innere Design der Notrufzelle mal etwas weniger gefallen sollte.


    3. "Rosa"


    Entgegen der allgemeinen Heulerei von zuviel Political Correctness halte ich "Rosa" für eine der besten Folgen der New Who-Ära, warum? Weil mich geschichtliche Themen immer interessieren, weil das Set-Design wirklich authentisch amerikanisch wirkt, obwohl auch wieder in Südafrika gedreht wurde, weil die Rosa Parks-Darstellerin ausgezeichnet spielt, weil die Folge nicht so rührselig daherkommt wie befürchtet, dass ich den 'erhobenen Zeigefinger' nicht erkennen konnte, etliche Dialoge trotz des ernsten Themas wirklich witzig sind, weil das Ende der Folge einen starken Ploteinfall bereithält. Natürlich hätte (größter Kritikpunkt der Fans) der "Nazi-Ausserirdische" nicht sein müssen, aber ist halt 'ne SF-Serie, und auch bei einer meiner bisherigen Lieblingsfolgen um Vincent van Gogh (5. Staffel) ging es nicht ohne außerirdisches Monster. Fand ich seinerzeit auch nicht gerade passend, was soll's. Mir hat "Rosa" jedenfalls verdammt gut gefallen, Punkt.


    4. "Arachnids in the U.K."


    Eine Tierhorrorepisode, nicht neu (aber was hat man in so vielen Jahren DW nicht schon mal gesehen?), jedoch spannend umgesetzt. Die Spinnen sehen wirklich gelungen aus. Negativ: Der Antagonist der Story wird von Chris Noth übertrieben slapstikhaft gespielt, etwas nervig in meinen Augen. Aber für den Charakterentwurf im Drehbuch kann er ja nichts.


    5. "The Tsuranga Conundrum"


    Ein Plot mit viel Rennerei, einem recht witzig gestalteten Alien und einem wirklich toll aussehenden Set-Design; überhaupt erscheinen mir die Aufbauten, Requisiten und CGI-Effekte in dieser Staffel noch etwas aufwendiger als in den (auch schon hervorragend gemachten) vorigen Staffeln. Durchaus unterhaltsam und wieder springen mehrere Personen über die Klinge.


    6. "Demons of the Punjab"


    Eine weitere gelungene Geschichtsepisode, diesmal einen Tag vor der Teilung Indiens angesiedelt. Natürlich politisch, natürlich dramatisch, aber im Grunde genommen dreht sich der Hauptplot ja um Familienangelegenheiten, also auch wieder die ganze Aufregung um die Folge eigentlich überflüssig. Gelungen fand ich den Hintergrund der Aliens in dieser Episode. Und auch eine der drei Begleiter bekommt vom Drehbuch wieder etwas familiären Hintergrund verpasst.


    7. "KERBLAM!"


    Für mich eine der besten Folgen dieser Staffel. Aufwändig wirkendes Design, teilweise recht unheimlich aussehende Roboter; die Story eine klare Satire (und Zukunftsprognose) auf Amazon und andere seelenlose Internethändler. Spannend inszeniert, wieder mit einigen witzigen Gags garniert, sehr gut!


    8. "Die Hexenjäger"


    Angesiedelt im 17. Jahrhundert in der Grafschaft Lancashire, geht es natürlich um Hinrichtungen von Hexen. Auch hier darf eine ausserirdische Rasse nicht fehlen, was der Folge einen etwas sehr skurrilen Touch verleiht. Dafür gut gefilmt, ein rauer Look (ich hatte den Eindruck, dass absichtlich die Farben des gedrehten Materials abgeschwächt wurden). Alan Cummings spielt mir auch etwas zu übertrieben, aber unterm Strich fand ich es immer noch unterhaltsamer als viele andere "Doctor Who"-Folgen.


    9. "It takes you away"


    Schauplatz Norwegen, Jetztzeit. Recht unheimlich gemacht, die Besetzung umfasst ein junges Mädchen, welches die Blindheit nicht nur spielt, sondern wirklich blind ist. Story ist zusammengesetzt aus vielen anderen SF-Bereichen (Spiegel als Portal, zwei Universen, fleischfressende Viecher), aber wie schon eingangs erwähnt, gleichen sich Geschichten nach so vielen gedrehten Folgen immer mal (passiert bei "Star Trek" schon seit 30 Jahren). Letztendlich aber spannend gemacht.


    10. "The Battle of Ranskoor Av Kolos"


    Auch wieder ein imposantes Set-Design für die Abschlußepisode, solider Plot und mit Mark Addy spielt noch ein altgedienter Schauspieler als Gaststar mit. Einige interessante Fragen bezüglich Rache, Vergeltung und Mord werden aufgeworfen. Kritikpunkt: Plot ist okay, für ein Staffelfinale aber zu dünn, da ist man Größeres gewohnt. Okay, mir hat auch unter Moffat beileibe nicht jedes Finale gefallen, aber etwas epischer hätte es hier schon ausfallen können.



    Fazit: Mir hat die gesamte Staffel erstaunlich gut gefallen, vor allem, weil ich im Vorfeld (ob ich wollte oder nicht) durch die vielen negativen Stimmen etwas in Sorge war. Natürlich macht Chibnall aus der Gelegenheit eines weiblichen Doctor Who (noch) zu wenig, Jodie Whittaker macht ihre Sache sehr gut, und ich fand sie an keiner Stelle nervig, hysterisch, überkandidelt oder was die Fans noch so alles an ihr entdeckt haben wollen. Sie hatte aufgrund der Drehbücher allerdings wirklich noch keine Gelegenheit, eine richtige eigene Identität zu formen, aber Geduld, Matt Smith war in seiner ersten Staffel auch noch zum Abschießen, manches muss sich erst einspielen. Und ja, der Doktor benutzt den Schallschraubenzieher extrem häufig, aber auch Harry Potter ist ohne Zauberstab nicht mal aufs Klo gegangen. Und ich erinnere mich an Zeiten, da wurde von den Fans bemängelt, dass der Schallschraubenzieher zu wenig zu sehen sei. Wie man's macht, ist falsch.
    Die Begleiter finde ich sympathisch, auch wenn sie vielleicht nach ethnischen Gesichtspunkten gecastet wurden. Bradley Walsh ist dabei natürlich der stärkste Trumpf. Dass einem einige Plots bekannt vorkommen, ist auch nichts Neues, so etwas ist schon früher passiert und wird nie ganz zu umgehen sein. Ansonsten Top-Ausstattung, mitunter recht düster erzählt, launige Dialoge mit etlichen Anspielungen auf frühere Doktoren und Ereignisse. Gute Tricks.
    Klares Minus: Die Musik. Dabei meine ich gar nicht mal das Intro, das finde ich okay, aber die Untermalung des Ganzen klingt durchweg nach Fahrstuhlmusik, wie "Tangerine Dream" für ganz Arme. Nee, im Vergleich zu der hervorragenden, wunderbaren Arbeit von Murray Gold war das hier Schwund. Ansonsten war die elfte Staffel (für mich) prima, und nicht vergessen: Die Geschmäcker sind zum Glück verschieden! Ich freue mich jedenfalls erst einmal auf das kommende Special.