Sind Frauen dem Horror Genre zugetan?

  • Letzten Samstag hatte ich auf dem Marburg Con einen Diskussionspunkt zur deutschsprachigen Horrorkurzgeschichte.

    Wir hatten einen gut gefüllten Saal und eine lebendige Diskussion, die sich um Horror, Kurzgeschichte, KI und die Abgrenzung des Genres drehte (und bestimmt noch ein paar Sachen mehr, es war wirklich interessant so eine offene Diskussionsrunde zu haben).

    Ein Punkt kam von einer Dame, die sich gut in Filmen auskennt (beruflich) und da kam die Diskussion auf, wie hoch der Anteil der Frauen ist, die Horrorfilme schaut und auch Bücher liest. Die Dame war der Meinung, gerade bei Büchern wäre es wenig und ich hatte es so ihm Hinterkopf (und auch geäußert), dass gerade bei Extreme Horror viele Frauen die Bücher konsumieren.

    Ich habe jetzt die google Gemini KI befragt und die schreibt mir folgendes:

    Der Anteil der Zuschauerinnen bei Horrorfilmen liegt zwischen 42 und 50%.

    Der Anteil der Leserinnen bei Horrorbüchern liegt zwischen 60-65%

    Bei Extrem Horror liegt der Anteil bei 30-35%, die KI schränkt aber ein, dass da wenig öffentliche Daten zugänglich sind.

    Hab ich das jetzt falsch in Erinnerung, dass Extrem Horror und Splatterpunk vor allem bei Frauen beliebt ist oder habt ihr da irgendwelche Daten, die ich nicht finde?

    • Offizieller Beitrag

    Hab ich das jetzt falsch in Erinnerung, dass Extrem Horror und Splatterpunk vor allem bei Frauen beliebt ist oder habt ihr da irgendwelche Daten, die ich nicht finde?

    Nein, hast Du nicht falsch in Erinnerung. Ich schätze, der Anteil der Leserinnen beim Extrem-Horror liegt etwa bei 75%. Bei gängigen Horrortiteln würde ich auf etwa 85% schätzen.

  • Die Gelegenheit für etwas Eigenwerbung. =D

    Nein ernsthaft: Ich habe nach Jahren endlich Zeit gefunden, eine Umfrage mit rund 300 Horrorfans auszuwerten, die ich um 2023/24 gestartet hatte. (Falls jemand hier aus dem Forum dort mitgemacht hat und sich wunderte, warum da nie Ergebnisse kamen: Die Beteiligten, die einer Info per Mail zugestimmt haben, bekommen diese Woche von mir eine E-Mail zu den Ergebnissen.)

    • Aber um zur Frage zu kommen: Innerhalb der beiden Geschlechtergruppen, die Horror nicht nur filmisch konsumieren, sondern auch lesen, war Extreme Horror bei den Männern deutlich beliebter als bei den Frauen. Bei den Frauen gaben etwa 16 Prozent an, ihn zu mögen, bei den Männern waren es 30 Prozent.
    • Zudem war "Ekel" beim Horror der Aspekt, bei dem sich die größten Geschlechtsunterschiede zeigten. Deutlich mehr Frauen gaben an, dass sie den Spaß am Horror verlieren, wenn Horror zu ekelerregende Darstellungen enthält. (61 Prozent der Frauen vs 40 Prozent der Männer). Hinsichtlich der Frage, wie angsteinflössend Horror sein darf oder ob er massive Gewalt enthalten darf, gab es weniger starke Geschlechtsunterschiede.

    Das spricht eigentlich dagegen, dass Extreme Horror unter den Frauen ein besonders beliebtes Subgenre des Horrors ist.

    Wenn man männliche und weibliche Leser isoliert betrachtet, dann ist Extreme Horror bei den Männern tatsächlich beliebter als bei den Frauen.

    Dennoch werden Frauen vermutlich den Großteil der Extreme-Horror-Leser stellen: Einfach weil Frauen insgesamt häufiger lesen als Männer (in meiner Umfrage gab hingegen die Hälfte der Männer an, dass sie überhaupt keine Horrorbücher liest, sondern Horror lediglich als Film genießt).

    Das würde auch zur Einschätzung von Frank Festa passen: Beim Extreme Horror machen Frauen einen Großteil der Leserschaft aus, aber bei anderen Subgenres ist ihr Anteil noch größer. Dann erklärt sich diese Zahl nicht durch eine besondere Beliebtheit des Extreme Horrors unter Frauen, sondern dadurch, dass sie halt insgesamt häufiger lesen. (letzteres ist meinerseits nur Hypothese. Zahlen zu den Buchkäufen etc. habe ich nicht. Aber die Angaben zu favorisierten Horrorgenres und zum Ekel im Horror sprechen eigentlich gegen eine Vorrangstellung des Extreme Horrors bei den Frauen)

  • Eine kleine Anmerkung, die mir gerade einfällt zu Umfragen. Im Stern gab es eine Serie über Sex in unterschiedlichen Ländern. In Mexiko waren einer Umfrage nach der überwältigende Teil der Männer nach eigenem Bekunden treu (ein katholisches Land). Kondomhersteller konnten allerdings beweisen, dass der Marktanteil in Mexiko extrem hoch war.

    Grob gesagt waren 90% der mexikanischen Männer treu, aber 80% benutzten Kondome. Das war ein deutlicher Widerspruch. Damit will ich nicht sagen, dass deine Umfrage zu falschen Ergebnissen führt. Aber so ganz trauen muss man solchen Urteilen nicht.

    Wie hoch ist denn der Anteil der Leserinnen insgesamt an der phantastischen Literatur?

  • Damit will ich nicht sagen, dass deine Umfrage zu falschen Ergebnissen führt. Aber so ganz trauen muss man solchen Urteilen nicht.

    Fairerweise sei dann aber auch gesagt, dass die persönliche Erinnerung einzelner auch nicht unbedingt verlässlicher ist als Umfragen. ;)

    Ich frage einfach mal direkt: Was für Antworten bzw. Daten suchst Du denn genau, die Du als ausreichend gesichert bewerten würdest?

    Natürlich kann man Umfragen in Zweifel stellen, aber erkenntnisfördernd ist das halt nur, wenn man dann an alle Quellen dieselben harten Maßstäbe ansetzt und auch schaut, ob irgendjemand das Gegenteil behauptet und wie verlässlich da die Daten sind.

    KI-Antworten sind bei mangelnder Datenlage immer mit Vorsicht zu genießen und inzwischen vollzieht Gemini da Zirkelschlüsse und zieht sogar diesen Thread hier als Quelle heran.



    Umfragen wie die von Kvalikvant  zum Leseverhalten der Deutschen weisen zumindest darauf hin, dass Frauen deutlich mehr Bücher pro Jahr lesen als Männer. Das könnte man höchstens in Bezug setzen zu den Umfragen, die sich mit der Beliebtheit der Phantastik innerhalb der Geschlechter befassen. Die von YouGov aus dem Jahre 2022 fiele mir da ein. Allerdings wurde da nach Fantasy und Science Fiction gefragt und Horror wurde nicht als Teil der Phantastik genannt.

    Am sichersten wären die Verkaufszahlen von Verlagen. Eine verlagsübergreifende Kooperation von Phantastikverlagen, die ihre Verkaufszahlen geschlechtsspezifisch aufschlüsseln, gibt es meines Wissen aber nicht. Aber auch die für Festa genannten Zahlen (75 Prozent Extreme, aber 85 bei gängigen Horror) weisen ja auf eine Dominanz weibliche Leser hin, bei der Extreme Horror im Vergleich zu anderen Subgenres aber unbeliebter ist.

    Dann gibt es noch die Studie von Ida Bække Johannesen "Sex Differences in Recreational Fear: An Evolutionary Account of Media Preferences", die auch darauf hinweist, dass Frauen im Horror eher psychologisch geprägten Horror bevorzugen, statt solchen mit ekelverursachenden Darstellungen. (Matthias Clasen kam meines Wissens in seinen Studien zu ähnlichen Ergebnissen)

    Also im Grunde weisen alle genannten Quellen darauf hin, dass Frauen die Zahlen dadurch hochtreiben, dass sie insgesamt häufiger lesen, aber Extreme Horror eher nicht ihr favorisiertes Genre ist. In Anbetracht dessen scheint eine Gegenhypothese zumindest erklärungsbedürftig. Gibt es denn überhaupt irgendwelche Daten oder Studien, die eine besondere Beliebtheit von Extreme Horror bei Frauen vermuten lassen?

    • Offizieller Beitrag

    Zahlen zu den Buchkäufen etc. habe ich nicht. Aber die Angaben zu favorisierten Horrorgenres und zum Ekel im Horror sprechen eigentlich gegen eine Vorrangstellung des Extreme Horrors bei den Frauen)

    Die Umfrage ist aber inzwischen veraltet. Frauen sind heute "viel stärker" im sozialen Gefüge. Frauen sind jetzt "die neuen Männer". Versteht Ihr, was ich meine? Das war nur plakativ formuliert.

  • Marius,

    ich weiß es ja nicht, daher hatte ich die Frage gestellt. Wenn Frank sagt, 85% der Extrem Leser sind Frauen, denke ich, als Festa Verlag ist das eine sichere Quelle. Ich weiß nicht wie hoch der Anteil von Festa an Extrem Horror auf Deutsch ist, aber so viel Konkurrenz gibt es da nicht, oder?

    Wenn also 70% der Extremleser wirklich Frauen sind, spielt das absolut keine Rolle, dass generell der Anteil an Leserinnen hoch ist. Weil Extrem Horror ist auf die Gesamtheit aller erzählenden Texte mit Sicherheit eher Nische ist. Und wenn in der Nische es sich vor allem Frauen bequem machen, warum soll das nicht gegen einen gesellschaftlichen Trend sein?

    Und ob Frauen in einer Umfrage zugeben, dass sie auf Ekel stehen, ist nicht so sicher. Aber gut, wenn deine Umfrage ergeben hat, Frauen lesen Romantasy und kein Ekelhorror, dann ist das so.

    KI funktioniert da, wo öffentliche Daten vorliegen. Da es da bei Extrem Horror nichts gab und die KI das so auch geäußert hat, hab ich diesen Ordner eröffnet. KI greift sowas natürlich auf, das habe ich schon mehrfach beobachtet.

  • Und ob Frauen in einer Umfrage zugeben, dass sie auf Ekel stehen, ist nicht so sicher. Aber gut, wenn deine Umfrage ergeben hat, Frauen lesen Romantasy und kein Ekelhorror, dann ist das so.

    Es ist ja nicht nur Ergebnis meiner kleinen Umfrage, sondern Ergebnis zahlreicher aktuellerer Studien zum Horror. Und die neuesten Studien zum Thema Horrorvorlieben, die ich gefunden habe, haben 2024 als Datenbasis (auch die, die dann erst später veröffentlicht wurden). Man muss sich da also jetzt nicht auf meine eine Umfrage einschießen. Bei Clasen, Sricner und Johannesen findet man ja ähnliche Ergebnisse. Allerdings differenzieren die meiner persönlichen Meinung nach nicht ausreichend zwischen Filmvorlieben und Literaturvorlieben.

    Natürlich kann man dann sagen "Pah, alles schon veraltet", aber dann lautet die Gegenfrage eben: Gibt es denn irgendwelche validen Daten, die sowohl neuer sind als auch das Gegenteil als Ergebnis haben?

    Da bislang keiner welche hat nennen können, bin ich halt etwas überrascht, woher diese Skepsis kommt?

    Romantasy wurde übrigens von keiner der genannten Quellen erfasst. Es ging schon konkret um das Horrorgenre als solches mit seinen unterschiedlichen Ausformungen.

    Zitat

    Wenn also 70% der Extremleser wirklich Frauen sind, spielt das absolut keine Rolle, dass generell der Anteil an Leserinnen hoch ist. Weil Extrem Horror ist auf die Gesamtheit aller erzählenden Texte mit Sicherheit eher Nische ist. Und wenn in der Nische es sich vor allem Frauen bequem machen, warum soll das nicht gegen einen gesellschaftlichen Trend sein?

    Natürlich spielt der generelle Anteil von Frauen an der Leserschaft eine Rolle bei der Einschätzung. Denn eine starke Vorliebe für Extreme Horror könnte man den Frauen ja nur dann zuordnen, wenn ihr Prozentanteil im Extreme Horror deutlich höher ist als ihr Anteil am Lesepublikum allgemein.

    Und da kommen wir halt zum wesentlichen Punkt: Absolut eindeutige Zahlen haben wir da nicht. Aus den Zahlen für den EU-Raum, die ich gefunden habe, kann man von einem weiblichen Anteil unter den regelmäßigen Lesern von etwa 60 bis 65 Prozent ausgehen. (amerikanische Statistiken gehen da eher von 80 Prozent aus, aber bleiben wir mal bei 60 bis 65 Prozent)

    Dem gegenüber haben wir dann die genannten 75 Prozent beim Festa Verlag. Das ist verglichen mit den 60 bis 65 Prozent durchaus Hinweis auf eine leichte Präferenz der Frauen für literarischen Extreme Horror im Vergleich zu den Männern. Aber eher eine leichte und keine überwältigende Vorliebe. Und wenn die Prozentzahl bei den anderen Horrortiteln bei 85 Prozent liegt, dann kann doch nur der Schluss sein, dass Frauen andere Subgenres des Horrors lieber lesen als Extreme Horror? Denn offensichtlich bevorzugen sie die doch.

  • Okay, also unter dem Strich, wenn ich es richtig verstanden habe: Die Mehrheit der Extrem Horror Leser ist weiblich, genau wie im Horrorgenre und Fiction allgemein. Aber einen besonders hohen Anteil im Vergleich zu anderen Gattungen an weiblichen Extrem Horror Lesern kann man nicht unbedingt erkennen.

  • Meine Überzeugung ist, das es sowieso mehr weibliche als männliche Leser und das in allen Genres gibt! Das geht ja oftmals schon im Schulalter los, Mädchen tendieren einfach mehr zum Lesen als Jungs. Bei den Jungs ist dafür der Spieltrieb stärker ausgeprägt. Was Rollenspiele (Schwarze Auge, Warcraft, Warhammer uva ) angeht!

    Das sich laut Frank bei Festa mehr weibliche Leser statt männliche tummeln, warum nicht, aber irgendwie kann ich speziell die extrem Reihe da nicht sehen. Gerade wo doch hier das weibliche Geschlecht am schlechtesen bei weg kommt. Hier werden ja (fast überwiegend) Frauen erniedrigt und mißhandelt, bis auf einige Ausnahmen! Das was teilweise Edward Lee so produziert, da habe ich mir schon Gedanken über sein allgemeines Frauenbild gemacht. Na ja, so lange es nur erfundene Phoesien sind...........

  • Meine Überzeugung ist, das es sowieso mehr weibliche als männliche Leser und das in allen Genres gibt! Das geht ja oftmals schon im Schulalter los, Mädchen tendieren einfach mehr zum Lesen als Jungs. Bei den Jungs ist dafür der Spieltrieb stärker ausgeprägt. Was Rollenspiele (Schwarze Auge, Warcraft, Warhammer uva ) angeht!

    Das sich laut Frank bei Festa mehr weibliche Leser statt männliche tummeln, warum nicht, aber irgendwie kann ich speziell die extrem Reihe da nicht sehen. Gerade wo doch hier das weibliche Geschlecht am schlechtesen bei weg kommt. Hier werden ja (fast überwiegend) Frauen erniedrigt und mißhandelt, bis auf einige Ausnahmen! Das was teilweise Edward Lee so produziert, da habe ich mir schon Gedanken über sein allgemeines Frauenbild gemacht. Na ja, so lange es nur erfundene Phoesien sind...........

    Meinst du das Rollenverhalten ist bei der jungen Generation immer noch so strickt?

    Und bei deiner Einschätzung zur Extrem Reihe gibt es ja hier unterschiedliche Einschätzungen. Wenn da wirklich mehr Frauen als Männer das lesen, heißt das allerdings nicht, dass die das Frauenbild gut finden müssen.:P

  • Ich habe nie das Wort abartig verwendet, ich weiss nicht wie du darauf kommst?

    Es mag sein, das meine Einstellung in deinen Augen konservativ erscheint, aber du willst doch wirklich nicht eine Diskussion über Geschmack führen, oder vielleicht doch!?

    Wer sich diese Fäkalienpoesien rein ziehen will, soll es doch tun, ob männlich oder weiblich!

    Aber eins steht für mich persönlich fest, in unseren momentanen wirklich gewalttätigen realen Umfeldern bedarf es meines Erachtens nach nicht noch um Nachhilfe desselben in Buchform!

  • Man kann sich natürlich fragen, warum du Geschmacksfragen diskutierst und den Leuten nicht ihren Lesestoff lässt, ohne da eine Grundsatzdiskussion draus zu machen. Gerade so eine Einstellung hätte ich jetzt nicht in einem Horrorforum erwartet.

    Ansonsten hat deine Einstellung zu Rollenbilder nichts mit Geschmack zu tun und gehen an der Realität vorbei. Wenn das so wäre wie du das beschreibst, wäre die Mehrheit der Horrorleser nicht weiblich.

  • Was finden die Frauen denn dann gut an diesen extremen Büchern, den Blickwinkel in eine abgründige Welt..............


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  • Mit ein paar Damen konnte ich mich auch darüber austauschen. Nun, bin kein Frauenversteher, doch wenn sie clever sind, müssen nur eine einfachere Sprache sprechen, Dann kommt das Gewünschte auch an.

    Vor einigen Jahren wollte ein Schönheit von mir wissen, wo man so richtig guten Stoff herkriegen kann. Sie bestand ausdrücklich darauf, das kein Blut fliesen sollte. Konnte sie mit Rat und Tat unterstützen und sie war stets zufrieden.:)

    Aus dem Knigge geht hervor, dass viele Damen abgründigem sehr aufgeschlossen sind. Doch sie können das nicht immer offen zugeben.

    Ann Radcliff gilt als die Gründermutter der Schauerliteratur und erfreute sich einer großen Anhängerschaft, die über das typische Lesevergnügen, weit hinaus ging, Doch was blanker Horrer anging ... Keine Chance bei ihr.

    Befasse mich schon bald 20 Jahre mit harter und ehrlicher Textkritik.

    Falls einer Fragen hat, ich werde da sein.

    Stellt sie in meinem Profil.