Helmut Krausser

  • "UC" und "Thanatos" sind die Kraussers, die in nächster Zeit noch vor den Tagebüchern gelesen werden. Ich werde dann ja sehen, wie sein selbsteingeschätzter Bestling gefällt.. nun würde ich sagen, ich gehe gerade jetzt auch mit hohen Erwartungen dran, aber das tue ich bei einem Buch von ihm mittlerweile immer ^^

  • aussage vom verlag damals, creed, und von krausser.
    mindestumsatzzahlen wollen verlage schon auch haben...
    andere seiner werke liefen besser, --- aber einige dümmliche
    kritiken zu "uc" machten krausser wütend, er dachte sogar daran,
    mit dem schreiben aufzuhören.
    gottlob hatte er die musik!

  • UC


    ist ein irrsinniger Roman, soviel ist klar. Es ist ein Buch, welches sich auf jeder Seite, mit jedem Satz so anfühlt, wie das, was Krausser hier versucht hat, zu erschaffen: ein "opus summum", welches alle Themen und Tricks seiner vorangegangenen Literatur vereint, bündelt, verstärkt als einen Strang auf den Leser wirft.
    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich "UC" zu Beginn sehr erschlagen hat. Ich wusste, mit was für einer Komplexität ich es zu tun bekomme, wenn ich das Buch in Angriff nehme... und doch bin ich überrascht worden. Kraussers Werk beginnt als Charakterstück, man erfährt viel aus dem Komponisten- und Schoßhopser-Leben, wendet sich schlagartig zum Kriminalroman und wird zusammen durch schon vorher auftretende alles-ist-nicht-gamz-normal-Momente und schließlich ein lang und breit wiedergegebenes Seminar zu Multidimensionalphysik/Multidimensionalmetaphysik (richtig: wtf??) in eine so sonderbare Richtung gedrückt, dass sogar Hans Christian Andersens Märchen vom Schatten große Bedeutung bekommt... alles nicht so einfach.
    "UC" hat mich jedoch schon von Beginn sprachlich komplett überzeugt. Und das liegt daran, dass Krausser auch auf dieser Ebene "opus summum" denkt, so gut schreibt, wie ich es noch nie von ihm gelesen habe. Und das soll etwas heißen! "UC" hat keinen falschen Satz, kein falsches Wort, dessen bin ich mir wirklich sicher. Es ist ein sprachlich vollkommen reines Meisterwerk, so on point und so genau und fein geschrieben, dass es manchmal kaum für möglich hält. Und auch so, dass einen bei der Stange hält, wenn man am Anfang erstmal nicht klarkommt, und das ist wirklich ein genialer Kniff. Denn durch die elegante und wunderbare Sprache rutscht man erheblich leichter in Kraussers anspruchsvolles und vielverschachteltes Konstrukt, als es vermutlich die meisten anderen Autoren geschafft hätten.
    Am Ende hat mich "UC" begeistert. Denn was schwierig begann, wurde beileibe nicht leichter, übte aber immer mehr Faszination auf mich auf und ich verlor mich komplett in diesem Buch. Ein wunderbarer Roman, ganz bestimmt ein passendes und gerechtes "opus summum" für Krausser bis 2003... 9/10 :thumbsup:

  • Ausgelesen: "Verstand & Kürzungen: Gedichte" von Helmut Krausser.


    Als Lyriker ist Krausser (genau wie als Prosaautor) eine Ausnahmeerscheinung. Er reimt hervorragend, achtet das Versmaß und nutzt auch hin und wieder das reimlose Prosagedicht. Beides nachdenklich und oftmals voller vorder- und hintergründigem Humor. In "Verstand & Kürzungen" präsentiert er wieder einmal etliche eigene Gedichte, sehr gute und gehaltvolle, auch wenn mir (im Ganzen gesehen) seine Lyrik in "Strom" noch ein wenig besser gefallen hat; nichtsdestotrotz finden sich auch hier herrliche Gedankenspiele.


    Was "Verstand & Kürzungen" zu etwas Besonderem macht, sind zum einen Kraussers Coverversionen klassischer Gedichte von Rilke, Heine, Brecht bis hin zu Ovid. Hier verfeinert er, schreibt völlig um, variiert nur ein wenig oder aktualisiert die alten Werke behutsam. Sehr launig auch seine anschließenden Anmerkungen zu den Coverversionen, bei denen Krausser auf interessante Weise Einblick in seine lyrische Arbeit gibt und auch für unangefochtene Klassiker durchaus mal kritische Worte parat hat.


    Zweite Besonderheit: Seine Übersetzung von 33 Sonetten Shakespeares, hier abgedruckt inklusive englischer Originalsprache. Krausser findet hier auf beeindruckende Weise die Balance zwischen moderner Wortwahl und altertümlichem Klang. Tolle Arbeit!


    Fazit: Für Lyrikfreunde eine echte Empfehlung, da dieses Buch sowohl Kraussers Talent zeigt als auch sehr abwechslungsreich ist. Auch für Shakespeareanhänger durchaus eine Bereicherung im Bücherregal.


    Bewertung: *****

  • Die Tagebücher


    des Helmut Krausser sind mit ihrer Laufzeit ein äußerst ambitioniertes Projekt (gewesen), auch formal interessant und eine gewisse Neuerfindung des Konzept (da Krausser jedes Jahr nur einen Monat lang sein Leben und seine Ansichten mit der Welt teilt, und nicht einfach alle 12 Monate eines einzigen Jahres Tagebuch führt). Ich ging an sie heran, mit dem Wissen, dass ich hier ein wirklich großes Projekt vor mir habe, dass speziell diese Tagebücher nicht gerade unumstritten sind.. Und wurde überrascht durch einen sehr leichten Einstieg, ein gutes Durchrutschen, und einem wunderbaren Einblick in Kraussers Innenwelt sowie (und das noch viel mehr) seine Sicht auf die Außenwelt.
    Man mag vielleicht meinen, dass man sehr langen Atem braucht, um diese fast 2000 Seiten, diese ganzen Monate all der langen 12 Jahre Leben durchzustehen -- aber ich fand die Tagebücher allesamt einfach zu lesen, und auch schnell. Ja, gerade der Aufbau der einzelnen Tageskapitel mit den vielen kleinen Abschnitten, manchmal nur ein Satz Gedanke, nur selten mehrere Seiten Berichterstattung oder Gedankengang, macht dieses Werk leicht zu konsumieren. Manch einen mögen die Schnipsel auch dazu verleiten, bewusst langsam zu lesen; und sicher, man könnte ein ganzes Jahr mit diesem Werk genießen und von Mai bis April mit Krausser durch die Tage schreiten.. aber um auf solche Gedanken zu kommen, hat mir die Lektüre viel zu viel Spaß gemacht.
    Wenn man sich für Kraussers Prosa und Lyrik begeistern kann, dann kann man auch gut in den Stil der Tagebücher einsteigen (der zu Beginn übrigens noch experimenteller und zuweilen patziger ist, später berichtet er eher laid-back und nimmt sich auch desöfteren mehr Zeit für bestimmte Ausführungen). Jedem Krausser-Leser lege ich diese Tagebücher ans Herz, denn: sie sind nicht nur riesige Widerspiegelung der Ansichten und Standpunkte ihres Verfassers (größtenteils zu Literatur und Musik, und zu deren Rezeption in der allgemeinen Gesellschaft und speziell im Kunstbetrieb und Feuilleton), geben einen tiefen Einblick in seine Arbeit und erläutern Teile dieser aus erster Hand und lassen am ganz normalen Alltag teilhaben.. Sie sind ganz nebenbei auch noch voll sprachlichem Gold (denn auch wenn es ganz normale Passagen gibt, kann der Herr seine genialen sprachlichen Fähigkeiten auch fürs Tagebuch führen nicht wirklich ablegen..), immer wieder mit wunderbaren Gedichtsprenkeln versetzt.. und machen letztendlich einen Mordsspaß, sind sehr unterhaltsam!
    Für diese Erfahrung 8/10 Punkten. Und durch die vielen Einblicke ist Kraussers Gesamtwerk in meiner Achtung noch mehr gestiegen.

  • Ausgelesen: "Einsamkeit und Sex und Mitleid" von Helmut Krausser.


    Ein interessantes und komplexes Buchexperiment...etliche, charakterlich völlig verschiedene Personen werden von Krausser in recht kurzen Kapiteln vorgestellt und dann von Zeit zu Zeit weiterbeobachtet. Dabei schafft es der Autor, im Laufe des Romans immer wieder, dass sich die Wege der einzelnen Protagonisten auf zufällige Weise kreuzen, mal vordergründig, mal eher im Hintergrund der Handlung. So entsteht ein riesiges Panorama von Schicksalen in der deutschen Hauptstadt, das aus Dutzenden von skurrilen Einzelepisoden zusammengesetzt ist und dessen Figuren letztendlich immer die Liebe suchen, manche davon Pech haben, einige lediglich Sex finden und andere auf die schiefe Bahn geraten.
    Kraussers wie immer brillante Sprache ist diesmal eher witzig-schnoddrig und (bedingt durch die Handlung und die Personen) mit etlichen Kraftausdrücken und Schweinskram durchzogen. Dabei muß man oftmals lauthals über die wirklich komisch-ordinären Dialoge der Kiez-Berliner lachen; hier hat der Schriftsteller Krausser seine Wahlheimat sehr genau beobachtet.


    Fazit: Komisch, ironisch, derbe, traurig...viele Emotionen treffen hier zusammen und die einzelnen Charaktere wachsen dem Leser im Laufe der Lektüre ans Herz, trotz (oder gerade wegen) ihrer vielfältigen Macken. Empfehlenswert.


    Bewertung: *****+

  • Hm, der Trailer zeigt mal wieder, warum ich deutsche Filme nicht mag...es sieht aus wie eine durchschnittliche Fernsehproduktion (also warum Geld für's Kino zahlen) und die Darsteller spielen allesamt hölzern, ohne Leben, kein Vergleich mit z.B. englischen Produktionen. ich denke, da lohnt es sich eher, zu Kraussers wirklich gutem Buch zu greifen...

  • ich weiß noch nicht ob ich mir den film im kino
    anschaue. finds gut das krausser überhaupt wieder
    mal verfilmt wurde.
    ich mag das hölzerne durchaus, passend für dieses buch ...


    kraussers bücher verdienen freilich einen sehr mutigen filmemacher ...

  • über die dystopie "geschehnisse während der weltmeisterschaft"
    von helmut krausser,
    als hc im berlin-verlag 1/2018 erschienen,
    will ich gar nicht viele worte verlieren.
    mir erscheint der kleine roman eine art übergangstext zu etwas
    anderem zu sein, etwas größerem.
    krausser-typisch erzählte geschichte um eine sex-wm in einer welt
    in naher zukunft, die bedroht durch extremisten, fast vor dem aus
    steht... wie in jedem sport geht es um schiebung, diven-tum, spannungen
    und regelwerke. ... um sieger und verlierer, um funktionäre und fans
    ... und um geld und ruhm.

  • freudig darf ich ankündigen: ein neues krausser-buch ist im anmarsch:


    Trennungen. Verbrennungen. erscheint am 02.04.2019
    berlin-verlag, hardcover, 248 seiten. >>>> hab es vorbestellt! :thumbsup:


    »Krausser kann’s!« Frankfurter Rundschau


    "Über das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Menschen zur Paarungszeit –
    Helmut Krausser jongliert in seinem neuen Roman mit den Mitteln einer raffinierten Soap
    und schafft Literatur mit Sogwirkung:
    Ein Großstadtkaleidoskop voller Witz und Überraschungen rückt unterschiedlichste Paare
    ins Licht.
    Da sind der Archäologe Fred Reitlinger und seine Frau Nora,
    ihr Liebhaber Arnie und dessen Gattin.
    Dann seine Doktoranden Leopold und Gerry im Streit um eine Uni-Stelle.
    Und Reitlingers Kinder: Alisha, 19, hat sich in ihre Kommilitonin Caro verguckt, die heimlich
    als Escort-Girl anschafft.
    Ihr Bruder Ansger dagegen ist nach einer Insolvenz verschwunden – ein Verbrechen?
    Caro wird ihren Liebhaber Petar nicht los, dessen Vater den Reitlingers eine Yacht verkauft,
    als Stützpunkt für Noras Schäferstündchen.
    Jeder ist mit jedem in Beziehung, Trennungen stehen bevor. Und auch Verbrennungen,
    nicht nur, weil mitten auf dem Wannsee ein Feuer ausbricht." info: berlin-verlag