Helmut Krausser

  • @Creed
    habe ich einen autoren einmal tief in mein leserherz geschlossen,
    ist es mir beschlossene sache, möglichst alles von ihm zu lesen, zu
    studieren, zu wertschätzen.
    helmut krausser, einer der lieblingsautoren meines lebens, gehört
    in diesen, meinen exklusiven kreis.


    so also freue ich mich auf: "trennungen. verbrennungen." :thumbup:;)

  • beendet:
    "trennungen, verbrennungen" - helmut krausser.
    berlin, hc, 2019, 254 seiten.


    krausser is back! allerdings nicht so, wie es einige wohl gerne hätten.
    denn ein spektakel wie "uc" oder "melodien" liefert er seiner leser-gemeinde
    nicht ab.
    wohl aber, - in seiner urtümlich, sprachgewandten, munter, selbstsicheren
    art, - seine figuren hinterfragend, die großen themen angehend, ein wichtiges
    buch über liebe und entfremdung, meinungen und selbstbild, ohnmacht und
    ablenkung, gewalt und tod.
    der wahlberliner krausser zeigt in diesem werk, einmal mehr, warum ich ihn
    in mein leserherz geschlossen habe. so schreibt eben nur er.
    so betört nur er mit den sätzen die von großer menschenkenntnis dröhnen.
    so komponiert nur er seine romane, und er hat deutlich freude am fabulieren.
    man sieht ihn oft lächeln beim erstellen dieser soap im buchstyle.
    tragik und verbotene lieben, boot und leidenschaft, lebensverfahrenheit
    und warten auf das große glück.
    in 121 kapiteln liefert krausser ein sittengemälde des 21. jahrhunderts ab,
    so wundervoll geschmeidig erzählt, einfach klasse! :love::thumbsup::thumbsup::thumbsup:;):evil::saint:




    und ich lese nun in kraussers erstem buch bei wagenbach, wer hätte DAS
    jemals für möglich gehalten ? ;) juch-hey!:
    "zur wildnis. 45 kurze aus berlin" - helmut krausser.
    wagenbach, tb, 2019, kolumnen aus ZITTY, 2015-2018, 155 seiten.

  • eben beendet:
    "zur wildnis. 45 kurze aus berlin" - helmut krausser.
    wagenbach, tb, 2019, kolumnen aus ZITTY, 2015-2018, 155 seiten.


    während seine tagebücher naturgemäß um ihn selbst kreisten, beweist
    hier krausser offene ohren für seine berliner mit-kneipenbesucher.
    in der eckkneipe "zur wildnis" in der der zugereiste backgammon spielt und sich bei
    wirt manni sehr wohl fühlt ist aber auch immer was los..
    er berichtet von der stimmung der besucher zu gott und die welt, und
    findet gar viele meinungen.
    ein krausser-lesefest.... :love::thumbsup:

  • Der schöne Schein der Schickeria
    "Trennungen. Verbrennungen"
    von Helmut Krausser
    Vorgestellt von Jürgen Deppe


    Mit "Melodien", "Thanatos" oder "UC" hat Helmut Krausser echte Meilensteine
    der Gegenwartsliteratur geschrieben, anspruchsvoll, herausfordernd, intellektuell.
    Damit habe er sich das "Geschäft versaut", sagte er kürzlich in einem Interview.
    Deshalb habe er jetzt - um sein Publikum mal so richtig zu unterhalten (und wohl auch,
    um eine höhere Auflage und mehr Umsatz zu erreichen) - einen süffigen "Soap-Roman"
    geschrieben - und meinte damit sein jüngstes Werk "Trennungen. Verbrennungen".
    Sie kennen diese herrlich nutzlosen Souvenirs, diese Plastikhalbkugeln, in denen Miniaturen
    von friedlich-kitschigen Sehenswürdigkeiten durch Schütteln sekundenlang in einem wilden
    Schneegestöber verschwinden.
    Wenn sich der Schnee gelegt hat, herrscht wieder Ruhe im Idyll.
    Bis zum nächsten Schütteln.
    Im neuen Krausser-Roman ist der Berliner Wannsee das Idyll, eine vornehme Ufer-Villa der
    friedlich-kitschige Mittelpunkt - und Krausser ist der Schüttler!
    Er lässt das Chaos rund um Fred ausbrechen, Frederick Breininger, dem die Wannsee-Villa
    gehört und "der als der vielleicht einflussreichste Fachmann der klassischen Archäologie
    im Lande" gilt.
    Unruhe bei der Wohlstandsfamilie
    "Er ist jemand, der vordergründig mit seinen Studenten diskutiert. der ihnen zuhört, der
    an Flüchtlinge spendet - der sozusagen ein vorbildliches liberal-konservatives Leben führt
    und mit seiner Frau Klavier spielt. Der aber, wenn man vom Schluss her denkt, dann doch
    immer das letzte Wort haben will", so beschreibt der Autor seine Figur.
    Seine Frau Nora ist zehn Jahre jünger als Fred, ausgesprochen attraktiv und heimlich mit
    Arnold liiert - Arnie genannt -, der wiederum mit Margret verheiratet ist.
    Margret weiß nichts von Nora, ahnt aber etwas und überwacht Arnie deshalb mit dem Handy.
    Auf die Schliche kommt Nora und Arnie dann aber Alisha - die nervige Tochter von Fred und Nora:
    "Sie ist nicht doof, sondern schlau und wissbegierig. Sie ist aber erst 19 - ein spätpubertierender
    Teenager, der aufbegehrt und es eigentlich viel lieber hätte, wenn ihr Professor-Vater ein Nazi wäre,
    damit sie ein richtiges Feindbild hätte. Sie übertreibt natürlich maßlos, indem sie sich alles Weiße,
    Alte, Patriarchische zum Feindbild erklärt, von dem sie eigentlich als Wohlstandskind profitiert",
    erklärt Krausser.
    Figuren aus dem prallen Leben
    Dabei hat Alisha Probleme genug: Sie ist nämlich unglücklich in ihre Kommilitonin Caro verknallt,
    die es aber lieber mit dem etwas unterbelichteten Pete treibt.
    Ihr Studium finanziert sich Caro als Escortgirl und begegnet so Leo, der mit Iris liiert ist und mit Gerry,
    dem Partner von Sonja, um eine Assistentenstelle bei Fred buhlt.
    Helmut Krausser verschont keinen von ihnen und zieht sie alle genüsslich durch den Klischee-Kakao!
    Der Autor behauptet: "Ich finde eigentlich keine der Figuren klischiert. Sie könnten alle dem prallen
    Leben entnommen sein. Es handelt sich auch nicht um eine Satire. Ich gehe raus in die Welt und
    reproduziere schriftlich, was ich sehe."
    Überzogen und voller Klischees, aber keine Satire
    Keine Satire?
    Mag sein.
    Aber eben genauso albern, wie der Alltag großstädtischer Akademiker zur Paarungszeit nun einmal ist.
    Aberwitzig und absurd!
    In Kraussers Konstellation schneit (als wäre das Gestöber bis zu diesem Zeitpunkt nicht schon groß genug)
    dann auch noch Ansger hinein - Sohn von Fred und Nora und Bruder von Alisha - der vor Jahren auf Nimmer-
    wiedersehen die schnieke Wannsee-Villa verließ, um erst mit einem Startup Millionär und jetzt unrettbarer
    Bankrotteur zu werden. Kurz aufgetaucht, ist Ansger aber auch gleich wieder weg.
    "Man muss einen Selbstmord befürchten."
    Wie in einer veritablen Klamotte üblich, kommen alle Beteiligten zum Finale noch einmal zusammen.
    Das Gewirr der einzelnen (alle irgendwie miteinander verwobenen) Handlungsstränge löst sich auf.
    Das Schneegestöber in der Plastikkugel legt sich. Über dem See herrscht wieder Ruh. Und wir Leser wissen:
    Es braucht nur einen, der das Ganze wie ein Krausser schüttelt, und schon entpuppt sich der schöne Schein
    der Schickeria einmal mehr als Lug und Trug - als Selbstbetrug.


    https://www.ndr.de/kultur/buch…nungen,trennungen144.html