Edward Lee

  • Wenn Kurzgeschichtenfans (Jörg) und Kurzgeschichtenhassern (ich) dieses Werk so gut gefällt, kann es ja eingentlich nicht so schlecht sein... :thumbsup:

    Es gibt einen Grund unsterblich zu sein! Man kann die meisten wichtigen Bücher lesen!
    Real Music Fans: "God Give us Malcom Young back and we give you Justin Bieber!" God: "Fuck no!"

  • eben ausgelesen:
    mister torso & andere extremitäten - e.lee (festa tb, 2016, 255 seiten, übersetzung: simona turini.)


    der marquis de sade der neuzeit ist für mich edward lee! :thumbup:
    --- verwandt dem, was der adlige franzose im gefängnis ersann, transformiert in gleicher klasse & ohne erbarmen
    der amerikaner lee in unsere verrückte zeit. die wirkung der bizarren bis ekligen erfahrungen
    lässt erschaudern, übelkeit aufsteigen und doch verbissen, fasziniert weiterlesen...
    wie de sade philosophirert lee gerne in seinen geschichten und er orgelt alle varianten
    der erniedrigung durch.
    meine 5 lieblings-stories dieses buches sind:
    1. makak
    2. madenmädchen im gefängnis der toten frauen
    3. der dritophile
    4. der falsche
    5. mister torso


    am schwächsten fand ich: das baby.


    meine aktuelle e.lee buchparade
    1.incubus
    2.flesh gothic
    3.porträt der psychopathin als junge frau (mit elizabeth steffen)
    4.haus der bösen lust
    5.der teratologe (mit wrath james white)
    6.golem
    7.mister torso & andere extremitäten
    8.header
    9.der höllenbote
    10.creekers
    11.der besudler auf der schwelle
    12.das schwein
    13.der muschelknacker (mit john pelan)
    14.65 stirrup iron road ( mit acht anderen autoren )
    15.innswich horror
    16.bighead
    17.die minotauress
    18.inferno 1
    19.inferno 2
    20.goon (mit john pelan)
    21.monstersperma

  • Ausgelesen: "Mister Torso" von Edward Lee.


    Wenn ich nicht schon ein Freund von Edward Lees Werken wäre, spätestens nach diesem überragenden Band mit Short Storys würde ich es sein... Ich bete weiß Gott nicht jedes Buch des "führenden Autors des Extrem-Horrors" an, da in meinen Augen auch deutlich schwächere Werke darunter sind. Was allerdings vollkommen unbestritten ist, ist Lees schreibtechnisches Talent. Sprachlich ausgereift, mit oftmals detailliert beschriebenem Fachwissen, weiß dieser Schriftsteller jedesmal zu überzeugen.


    Dieser Kurzgeschichtenband ist für mich nun die Krone der bisher von mir gelesenen Lee-Bücher, wobei ich anmerken muß, dass noch einige Werke von mir genossen werden müssen. Neun Geschichten sind enthalten und aus meiner Sicht ist nicht ein einziger Rohrkrepierer dabei, was bei Short Story-Bänden oft der Fall ist (und ich lese recht viele, da ich ein erklärter Kurzgeschichten-Fan bin).
    Und hier in der komprimierten Form sticht überdeutlich Lees größtes Talent heraus...seine beißende, gnadenlose und oftmals extrem witzige Ironie, die ihn wohltuend von anderen Autoren des Brachialgenres abhebt. Selbst die plottechnisch wahrscheinlich dünnste Story im Buch, "Das Baby", liest sich mit Lachtränen in den Augen und Lees perverser Wortwitz läßt auch diese Geschichte funkeln.


    Die Sammlung zeigt viele Horrorfacetten und offenbart, dass Lee auch außerhalb der Redneck-Ecke Fantasie besitzt...ob es eine Mischung von bizarrem Voodoo und Drogenkrimi ist ("Makak"), ob alternde Hinterwäldler abartigen Tätigkeiten nachgehen und denken, sie tun Gutes ("Mister Torso") oder ob die vielfältigen Spielarten von psychologischen Zwängen präsentiert werden (Der Dritophile"), stets überzeugt Lee mit sprachlicher Klasse und ekligen Einfällen, auf die Normalsterbliche im Traum nicht kommen würden. "Die Mutter" wiederum fasziniert durch eine skurril-mysteriöse Story, die ich persönlich verdammt unheimlich fand.
    Netter Bonus am Rande sind die oftmals erkennbaren Überschneidungen und Verknüpfungen der Storys untereinander, seien es Personen, die öfter auftauchen oder Orte, die man aus anderen Werken Lees bereits kennt.
    Ein Lob am Schluß für die Übersetzerin Simona Turini, die die gewiß nicht leichte Aufgabe, Lees perverse Wortwahl einzudeutschen, in meinen Augen mit Bravour erledigt hat.


    Meine fünf Favoriten sind:


    1. Der Dritophile
    2. Makak
    3. Das McCrath Modell SS-40-C, S-Serie
    4. Madenmädchen im Gefängnis der toten Frauen
    5. Die Mutter


    Fazit: Mein aktueller Lieblings-Lee, sprachlich top, vom Ekelfaktor her top, Wortwitz top, Einfallsreichtum top. Ein perfektes Einsteigerbuch in die abstrakte, abnorme Welt des Extremhorrors...wer diese Storys doof findet, sollte komplett diese spezielle Gattung der Horrorliteratur ignorieren.


    Bewertung: *****+

  • Für mich der absolut beste Kurzgeschichten Band, welchen ich jemals gelesen habe! :thumbsup:


    Nun solche Kurzgeschichtenbände und wir könnten noch echte Freunde werden!

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  • "Mister Torso und andere Extremitäten"


    Ein wunderbarer Trip durch Lees verrückte Gedankenwelt. Einfach klasse geschrieben, böse, schwarzhumorig und eklig. Immer wieder erstaunlich, wieviel Fachwissen Lee in seine Geschichten mit einbringt. Mir haben durchweg alle Geschichten sehr gut gefallen, freu mich auf weiteres vom Meister der Extreme :)


    Meine Top 5 sehen so aus:


    - Mr. Torso
    - Das Baby :thumbsup:
    - Makak
    - Der Dritophile
    - Madenmädchen


    Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)


  • Mister Torso beendet. Insgesamt war das eine interessante Erfahrung Lee immer häppchenweise präsentiert zu bekommen. Dabei fand ich dieses Buch an zwei Stellen extrem überraschend. Zum einen war "Mister Torso" viel viel weniger, als ich eigentlich erwartet hatte. Gerade auch, weil in "Die Minotauress" am Rastplatz ein solch guter Bezug hergestellt worden war, hatte ich vom Umfang der Geschichte doch eine andere Erwartungshaltung. Zum anderen war "Der Dritophile" so mit das Ekelhafteste, was ich bisher lesen durfte. Dabei rangiert im Übrigen "Das McCrath Modell SS-40-C, S-Serie" nur knapp dahinter. Das ist schon verdammt kranker "Scheiß" den sich der Mister Lee hier ausgedacht hat. Insgesamt 08/10 Punkten.


    Ranking dieses Buches:
    1. Der Dritophile
    2. Das McCrath Modell SS-40-C, S-Serie
    3. Das Baby
    4. Mister Torso
    5. Makak
    6. Miss Torso
    7. Der Falsche
    8. Die Mutter
    9. Madenmädchen


    Aktuelles Lee-Ranking:


    1. Incubus
    2. Der Höllenbote
    3. Flesh Gothic
    4. Creekers
    5. Golem
    6. Mister Torso
    7. Die Minotauress
    8. Der Besudler auf der Schwelle
    9. Haus der bösen Lust
    10. Header
    11. Das Schwein
    12. Bighead
    13. Monstersperma
    14. Shifters
    15. Der Teratologe
    16. Goon
    17. Muschelknacker

    Rezensionen im Blog...
    Festa-Sammlung im Forum
    "Ihr seid Ka-tet, eins aus vielen. So wie ich. Wessen Ka-tet das stärkere ist, werden wir jetzt herausfinden müssen."

  • Einiges war das wirklich sehr zum Lachen. Und das wollte der Lee hier bestimmt auch, weil es einfach zu absurd war.

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  • Lee würzt seine Geschichten ja häufig mit einem teils absurden Humor. Das macht ihn auch irgendwie aus, nimmt aber bei zu regem Einsatz auch irgendwie den Schrecken der Story, die man dann insgesamt nicht mehr allzu ernst nehmen kann.
    Hierin unterscheidet er sich ja z.B. von einem Wrath James White, der einfach ohne jeden Anflug von Humor absolut ernst und schonungslos schreibt, weswegen ich seine Storys meist als brutaler und deftiger empfinde - auch weil er die Gewaltspitzen wohl dosiert einsetzt und es nicht ins Absurde übertreibt...

  • Hierin unterscheidet er sich ja z.B. von einem Wrath James White, der einfach ohne jeden Anflug von Humor absolut ernst und schonungslos schreibt, weswegen ich seine Storys meist als brutaler und deftiger empfinde - auch weil er die Gewaltspitzen wohl dosiert einsetzt und es nicht ins Absurde übertreibt...


    (Das Zitat nur als Aufhänger zu meiner groben Sicht. Letztlich eine Geschmacksfrage, die jeder für sich beantworten muss.)


    Zwei Menschen, zwei Meinungen. Das, gegenteilig betrachtet, ist zumindest für mich der Grund, Lee so sehr zu mögen. Es mag etwas zwiespältig sein, da ich an anderer Stelle schonungslos, ohne Anflug von Humor dargestellte Gräueltaten und Gewalt bereits gelobt habe, hier dann aber doch zum Teil damit brechen muss um erneut Partei für Lee zu ergreifen.
    Was anfänglich noch schockierend war, Beispiel "Evil" von Jack Ketchum, verliert mit der Zeit leider seinen Reiz. Ob es weiterhin schockierend wäre, oder ob es nur die Erinnerung macht, weiß ich nicht, und möchte es im Moment auch nicht herausfinden, da die Erinnerung sehr schön ist. Gerade in Bezug auf neuere Werke fällt mir aber immer öfter auf, wie wenig mich einfach/nüchtern/humorlose (weitere passende Wörter hier einsetzen) geschilderte Gewalt noch überzeugt. Eine gewisse Grundunterhaltung ist oft zwar vorhanden, die kann ich mir allerdings auch aus der Realität, siehe Nachrichtensendungen etc., nehmen. Viel interessanter, und das macht die Kurzgeschichtensammlung von Lee hier im speziellen, und Lee ganz allgemein einfach aus, sind die vollkommen absurden, mit überwiegend humorvollen Einlagen gewürzten Gewaltexzesse, die meist bodenständig anfangen, sich letztlich aber in vollkommen absurde Höhen begeben und dadurch deutlich mehr zu unterhalten mögen, als die Realität, die manch anderer Autor schildert.

  • Lee Fan werde ich wahrscheinlich nicht mehr. Aber es stimmt: Ihn macht ja wohl aus, dass alles überzogen und grotesk ist.
    Ich muss beim lesen schon schmunzeln, weil er manchmal schreiend komische Beschreibungen findet. Aber generell liegt es mir nicht, weil es zu abgedreht ist. Dass ist so fern von dem, was mich ängstigen würde, weil es halt völlig unrealistisch ist. Ich kann es halt nicht ernst nehmen weshalb ich persönlich die Storys lustig, vielleicht unterhaltsam aber nie wirklich spannend finde.
    Mir dreht sich der Magen um, wenn ich mir vorstellen kann, dass da ein echter Mensch leidet und am besten dass dies auch gleich Nebenan passieren könnte.
    Ich verstehe aber natürlich, warum Lee so einen Kultstatus bei den Fans hat.