Franz Kafka

  • ... und, man kann einen text auch zu tode interpretieren.


    das ist keinem text dienlich, ist höchstens ein zusammenfassen, eine orientierung.


    k. erscheint hier viel aufmüpfiger als josef k. zu "prozess"-zeiten.
    was ich in "das schloss" spannend finde, ist die offene art über beziehungsprobleme zu reden.
    bekanntlich zog kafka, einige zeit nach dem verfassen dieses üppigen buches, mit
    dora diamant zusammen, seine mutigste zeit.


    als ich kafka mitte der 80er, ohne schulzwang, las, war ich noch im deutungs-taumel.

  • ich habe schon an anderer stelle einen band mit erzählungen kafkas
    empfohlen, weil dies die vielfalt kafkas zeigt. der war nämlich
    nicht nur düster, sondern hatte reichlich bizarre ideen.
    "die verwandlung" ist freilich typisch kafkaesk,
    - und 1912, zu kafkas lebzeiten also, erschienen.



    https://www.amazon.de/Franz-Kafka-Erzählungen/dp/B001FCI004/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1468786016&sr=8-6&keywords=Reclam+kafka+Leipzig

  • das schloss in der handschriftlichen fassung - franz kafka
    fischer, tb, 2008, 405 seiten. 25 kapitel, anhang.
    herausgeber: malcolm pasley.


    drei romane hat franz kafka unvollendet hinterlassen.
    max brod wusste natürlich um den unwert unfertiger romane für die
    allermeisten leser. - also modelte er dran rum...
    wie hätte kafka es tatsächlich auf die reihe gekriegt, seine grossartigen
    wortgebilde zu einem ende zu führen ?
    wie etwa bei novalis, macht aber gerade das fragment, ein wildes geheimnis
    und fordert den echten leser zum mit-denken auf.
    wäre ein klares ende entzauberung, ernüchterung ?
    das dachte wohl auch kafka, der sich ein ende nicht vorstellen wollte.
    das schloss, mit all seiner offenen und versteckten erotik, hat mich unbedingt
    als erstes gereizt, es in kafkas eigenen sätzen, ohne brods eingriffe, zu geniessen.
    die faszination ist ungebrochen, es würde zu weit führen alle meine empfindungen
    wiederzugeben. egal wie man es liest, ob als psychostück, als groteske, als be-
    ziehungsgeflecht : vollkommen zurecht ein moderner klassiker.
    die handschriftliche fassung ist, im vergleich zu brods mühen, - mein favorit! :thumbsup:


    mehr tiefsinn, lohnt sich:
    kafkas erotischer mythos. eine ästhetische konstruktiondes weiblichen - reiner stach
    fischer wissenschaft, tb, 1987, 277 seiten.

  • Gut, Kafka wird schon gewußt haben, wie er den "Prozeß" abschließen wollte...übrigens fahren wir ja am Sonntag in den Urlaub in die Nähe von Meran. Dort will ich mir unbedingt die Villa Ottoburg anschauen, Kafka wohnte dort von April bis Juni 1920, als er in Meran zur Kur war. Dort auf dem Balkon seines Zimmers soll er am "Prozeß" gearbeitet haben...

  • Kafka-Briefe gehen an Israels Nationalbibliothek
    Höchstes Gericht in Jerusalem entscheidet in letzter Instanz
    Nach jahrelangem Rechtsstreit gehen wertvolle Briefe des Schriftstellers Franz Kafka
    endgültig an Israels Nationalbibliothek.
    Dies entschied das Höchste Gericht in Jerusalem in letzter Instanz, wie die Zeitung
    "Haaretz" berichtete. Die Israelin Eva Hoffe scheiterte damit zum dritten Mal mit ihrer Darstellung,
    sie und ihre Nichten seien rechtmäßige Erbinnen des kostbaren Nachlasses des Schriftstellers Max Brod.
    Der jüdische Autor Kafka hatte vor seinem Tod 1924 seinen Freund Brod gebeten, seine Werke zu
    verbrennen. Dieser brachte sie jedoch zur Veröffentlichung und Kafka errang Weltruhm.
    Nach Brods Tod 1968 ging der Nachlass an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe.
    Sie verkaufte einen Teil der Texte, darunter das Roman-Manuskript "Der Prozess",
    für etwa zwei Millionen Dollar. Einen anderen Teil bewahrte sie in Safes in Israel und der Schweiz
    auf. Nach ihrem Tod vererbte sie den Kulturschatz an ihre Töchter, von denen eine inzwischen
    gestorben ist. Das Gericht folgte jedoch auch in letzter Instanz dem Argument,
    Brod habe in seinem Testament verfügt, sein literarischer Nachlass solle an eine jüdische Bibliothek gehen.
    - quelle: d-radio.

  • "Der Prozess" wird mein Kafka Einstieg!

    Es gibt einen Grund unsterblich zu sein! Man kann die meisten wichtigen Bücher lesen!
    Real Music Fans: "God Give us Malcom Young back and we give you Justin Bieber!" God: "Fuck no!"

  • Ich werde wohl doch erst mal "Die Verwandlung" als Einstieg wählen (Weihnachtstage) und mich dann später mit "Der Prozess" beschäftigen! "Der Prozess" ist eher für meinen Urlaub als Zweitbuch geeignet!

    Es gibt einen Grund unsterblich zu sein! Man kann die meisten wichtigen Bücher lesen!
    Real Music Fans: "God Give us Malcom Young back and we give you Justin Bieber!" God: "Fuck no!"

  • Ich habe heute eine kleine, aber hochinteressante Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau besucht: "Franz Kafka - Der ganze Prozess".
    Kern der Ausstellung ist das erstmals in der Hauptstadt gezeigte vollständige, von Hand geschriebene Originalmanuskript des berühmten Kafka-Romans, welches 1988 für 3,5 Millionen D-Mark auf einer Londoner Auktion erworben wurde und heute normalerweise im Deutschen Literaturarchiv Marbach ausgestellt wird.
    Die 171 Blätter befinden sich in eigens gebauten, langen Vitrinen, sodaß man in aller Ruhe Kapitel für Kapitel betrachten kann. Kafkas Handschrift wirkte auf mich leicht gehetzt, auf jeden Fall wie eilig auf das Papier gebracht. Interessant auch seine handschriftlichen Streichungen und Anmerkungen für die Druckerei, da seine Blattaufteilung nicht leicht zu durchschauen war.


    Kafka schrieb den Roman in zehn verschiedene Hefte, deren Seiten er später herauslöste und ordnete. Man weiß, dass er an mehreren Kapitel gleichzeitig schrieb, und nicht chronologisch, wie die meisten Schriftsteller. Vieles liest sich sehr deutlich (z.B. der legendäre erste Satz des Romans), manches ist allerdings auch schwerer zu entziffern. Auf jeden Fall ist es für den literaturinteressierten Betrachter ein erhebendes Gefühl, diese über 100 Jahre alte Originalschrift zu betrachten.


    Abgerundet wird die Ausstellung durch etliche Originalfotos sowie Reproduktionen von Kafka und dessen Familie. Wer mag, kann auch noch eine der mehrmals am Tag gezeigten Aufführungen von Orson Welles' Verfilmung von "Der Prozess" mit Anthony Perkins anschauen.


    Eine sehr überschaubare, aber nichtsdestotrotz hervorragende Ausstellung, hat mir sehr gut gefallen!