Arkadi und Boris Strugazki (und andere Ostblock-Autoren)

  • So – nachdem ich von Arkadi und Boris Strugazki nun die 2 Einzelbände mit den insgesamt 3 Geschichten rund um Kosmonaut Bykow gelesen habe (Golkonda-Verlag), und auch die ersten 3 der insgesamt 6 dicken Bände (Heyne-Verlag) möchte ich euch mal an meiner Meinung teilhaben lassen.

    Als erstes sei erwähnt, dass diese Bücher allesamt die ursprünglichen und nicht zensierten Fassungen der Geschichten der Brüder Strugazki enthalten. Für mich als Kenner der bisher veröffentlichten Geschichten ist damit das eine oder andere Kleinod dabei. Als zweites sei erwähnt, dass die Geschichten großteils in einer der damaligen Zeit „typisch russischen“ Zukunft spielen. Das bedeutet ganz grob: Der Sozialismus und die Völkerfreundschaft hat sich über den Kapitalismus erhoben und gesiegt. Amerika existiert zwar in der ein oder anderen Form (wurde also nicht aus der Historie gestrichen) – ist aber zu einem Randdasein verbannt, da sich die USA noch immer krampfhaft an ihrer Markwirtschaft und Kapitalismus festhalten. Dieser Punkt sollte allen klar sein, die sich mit den Büchern der Strugazkis befassen wollen. Interessant finde ich da im Übrigen, dass dieser sozialistisch-humane Ansatz etwas ist, den wir in einem der bekanntesten SciFi-Exporte der modernen US-Filmindustrie wiederfinden. Die Rede ist von STAR TREK. Hier wird der Arbeit auch die Funktion der Selbstverwirklichung zugeschrieben. Jeder hat sein Auskommen – gearbeitet wird für Luxus und zur persönlichen Entwicklung.

    Aber nun zu den bisher gelesenen Büchern (ich spare mir Hinweise zu Veröffentlichung etc.):

    "Atomvulkan Golkonda"

    Das ist wohl (neben „Picknick am Wegesrand“) das bekannteste Buch. Inhaltlich dreht es sich um eine Expedition zur Venus um die Kernenergie eines nuklearen Vulkans (der „Uran-Golkonda“) für die Menschheit zu erschließen. Interessant hierbei ist, dass diese Story ohne Aliens, Monster und sonstige außerirdische Schrecken auskommt. Beinahe wissenschaftlich (man bedenke, dass das Buch ursprünglich 1959 erschienen ist) gehen die Brüder Strugazki an das Thema. Vor allem aber die Vorstellungen über die Venus sind sehr interessant. Ich möchte hier nichts spoilern – aber der Kern der Geschichte – die Errichtung eines Funkfeuers als Landeplatz neben der Uran-Golkonda – wird zu einem Abenteuer. Stürme, Halluzinationen, unglaubliche Belastungen für die Kosmonauten und auch menschliche Untiefen machen das Buch lesenswert. Übrigens – genau diese genannten Untiefen wurden in den früheren Veröffentlichungen zensiert. Der ehrenvolle Sowjetastronaut bleibt ehrenvoll bis in den Tod … die Originalfassung dieses Buches beweist das Gegenteil.

    "Kapitän Bykow"

    Bykow, durch sein Abenteuer auf der Venus bekannt und erfolgreich geworden, ist nun Kapitän. In diesem Band versammeln sich die beiden kürzen Stories „Der Weg zur Amalthea“ (der Flug zum 5. Mond des Jupiters) und „Paktikanten“. Inhaltlich sind es wieder Abenteuer-Geschichten rund um den Trip durchs All. Interessanterweise gibt es hier einige Gesellschaftskritiken in Richtung des Kapitalismus. Hier gibt es etwas mehr Pathos als bei „Golkonda“, etwas mehr Action und viele interessante Ideen. Kurzweilig und spannend. Mehr gibt es an dieser Stelle nicht zu sagen.

    Heye-Band 1

    Dieser Band wurde inhaltlich rund um die Abenteuer von Maxim Kammerer aufgebaut. „Die bewohnte Insel“ dreht sich um ein Kernthema beim Kontakt mit Außerirdischen: Wie weit beeinflusse ich andere Rassen? Diese Geschichte wirft viele ethische Fragen auf, ist actionreich und sehr intelligent. Vor allem das Ende ist ungewöhnlich und erschreckend. Denn genau hier wird der fundamentale Makel ersichtlich, wenn versucht wird, eine Welt zu ändern, die nicht reif für eine solche Änderung ist.
    Das folgende „Ein Käfer im Ameisenhaufen“ ist wohl am ehesten als eine Art futuristischer Kriminalroman zu sehen – ähnlich wie „Die Wellen ersticken im Wind“. Durchaus interessant zu lesen, aber durch viele politische und ethische Themen mit einigen Längen versehen. Diese Gesichten liest man nicht nebenbei. Sie erfordern volle Aufmerksamkeit.

    Heyne-Band 2

    Endlich: „Picknick am Wegesrand“ eröffnet dieses Buch. Das ist einfach DIE Geschichte schlechthin. Filme und Spiele wie „Stalker“ und Co. basieren auf diesem Buch. Doch warum der Name? Grob gesagt – es gibt ein verseuchtes Gebiet auf der Erde mit allerlei extraterrestrischem Müll und Strahlung und physikalischen Extremen … eine Verwüstung, die z.B. durch extrem hoch entwickelte Außerirdische verursacht wurden, die uns als Menschen nicht einmal für voll genommen haben. Das ist vergleichbar mit dem Picknick, welches wir veranstalten und dabei einen Ameisenbau unbeabsichtigt demolieren und Dosen, Papier und anderen Müll da lassen.
    Danach folgt „Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang“. Für mich eine der interessantesten Verschwörungsstories, die ich bislang gelesen habe. Diese Fassung ist nicht vergleichbar mit den bis dato veröffentlichten. Die Regime-Kritik an der damaligen Sowjetunion war einfach zu groß.
    Als letztes folgt „Das Experiment“. Inhaltich ein sehr interessantes Konzept. Unzählige Menschen, scheinbar aus verschiedenen Zeitaltern leben auf einem begrenzten Gebiet zusammen und müssen sich arrangieren. Regelmäßig werden die Arbeitspositionen bunt gewürfelt (der Müllfahrer wird Bürgermeister, der Bürgermeister dann Polizist etc …) – und das alles unter dem Deckmantel eines Experiments. Und dann gibt es noch das geheimnisvolle Haus, welches erscheint, verschwindet und ein wirres Innenleben beherbergt. Faszinierend und verwirrend – und vor allem bleiben mehr Fragen offen, als beantwortet werden.

    Heyne-Band 3

    Dieser Band geht wieder in eine ganz andere Richtung. Den Beginn macht „Die Schnecke am Hang“ (das bezieht sich auf spezielle Tiere, die im nahen „Wald“ leben). Eine Geschichte, die zweigeteilt ist. Zum einen die Menschen auf dem Stützpunkt, ihre Freiheiten und Pflichten mit allen absurden Wendungen (sarkastischer kann Gesellschaftskritik kaum sein) und zum anderen die menschenähnlichen Wesen im Wald mit all ihren Überlebenskämpfen, Beeinflussungen von außen und Feinden aller Art.
    „Die zweite Invasion der Marsmenschen“ folgt danach. Ohne großen Krawall werden die Menschen von einer fremden Macht in die Knie gezwungen. Und das alles erlebt der Leser aus dem Blickpunkt eines alten Mannes in einem Dorf. Scheinbar mit wirtschaftlicher Überlegenheit und mit der Ausnutzung der Gier des Menschen wird hier versucht, die Erde einzunehmen (als Währung wird von den Invasoren Magensaft der Menschen gebraucht). Extrem interessant und erschreckend, da es so womöglich laufen könnte. Und dabei muss die Übernahme nicht mal durch Außerirdische erfolgen. Was wäre, wenn ein Land ein anderes einfach kauft?

    Und jetzt folgen 3 Geschichten, die im weitesten Sinne „Mystery“ sind. Zum einen „Die Last des Bösen“ – beginnend mit der Kreuzigung verfolgen wir das Leben des Verräters Jesus‘ über die Jahrhunderte bis hin zum Ende aller Tage … (symbolisch gesprochen) und parallel dazu die Entwicklung in einer Eliteschule in einer Stadt, wo sich die Menschen gegen die „Flora“ (so etwas wie Hippies) auflehnen. Danach folgt eine Art Zeitreisegeschichte. „Aus dem Leben des Nikita Woronzow“ spielt mit einer sehr interessanten Idee, die ich hier nicht spoilern möchte. Und final kommt noch „Ein Teufel unter den Menschen“. Inhaltsmäßig geht es im den Waisen Kim, sein Leben und seine scheinbar übermenschlichen Kräfte, sowie die Unfähigkeit aller, damit umzugehen. Für mich eine der fesselnsten Geschichten überhaupt – und ein wirklich interessantes Ende.


    Final bleibt zu sagen, dass die Geschichten allesamt sehr mutig sind (vor allem, da Regime-Kritiker nicht zwingend „wohlwollend“ behandelt wurden, auch wenn die Berichte in der westlichen Presse wohl etwas übertrieben waren) aber auch sehr innovativ. Besonders, wenn man das Alter sieht, kann man sich vorstellen, dass so manche Geschichte die Grundlage moderner Filme ist. Ich freu mich schon, die letzten 3 Bände zu lesen, da hier noch einige meiner Lieblingsstories folgen – unter anderem „Der Junge aus der Hölle“ oder „Der ferne Regenbogen“ und „Es ist schwer ein Gott zu sein“. Ich denke, dazu werde ich hier bei Interesse auch noch meinen Senf abgeben.

    "A life's a gospel - Some girls are soul
    Some baby's blues - Mine's rock'n'roll"


    Tiamat

  • Danke Rigr, für den ersten Einblick.


    Wenn ich mich an die Werksausgaben mache, bin ich mal gespannt, was ich damals wirklich alles aus der Feder der Strugatzkis gelesen habe. In der Jugend gehörte Science Fiction zu meinem Lieblingsgenre. Wobei die beiden eine viel größere Bandbreite hatten, als nur reine Science Fiction im eigentlichen Sinne.
    Neben den Werken Jules Vernes, habe ich die Autoren aus der Sowjetzone sehr gemocht.
    Auch heute noch.
    Klar, Politik spielt eine große Rolle und vieles wurde zensiert oder verboten. Aber östliche Literatur hat ihren eigenen Charme. Wer es mag, eröffnet faszinierende Welten.
    Die Amerikaner haben eben ihren 'großmäuligen' Patriotismus. Die erfolgreichsten, die Beherrscherscher der Welt. Damals wie heute.
    Und dasselbe Denken kam eben aus dem Osten. Menschen und Macht.
    Daraus können aber auch wundervolle Utopien und Dystopien entstehen, auf beiden Seiten ^^

    "Why should I apologize for being a monster? Has anyone ever apologized for turning me into one?"

  • Ich hab auch noch was:


    Oxygenien von Klára Fehér


    Das Buch erschien 1977 in der DDR und handelt von einem anderen Planeten, wo es drei verschiedene Gesellschaftsschichten gibt, die auch mit dem Gehalt des Sauerstoffs in der Atemluft zusammenhängen (aufgrund extremer Umweltverschmutzung).


    Die unterste Schicht ist völlig abgestumpft und es findet keinerlei Kommunikation untereinander statt. Sie müssen immer und überall Sauerstoffmasken tragen, für das lebensnotwendige Gas ist Arbeit zu verrichten. Die Bewohner werden mit Drogen ruhiggestellt. Einmal im Jahr gibt es ein großes Fest, so Kommunikation und Sexualkontakte stattfinden. Die ist der jährliche Höhepunkt für die Bewohner.


    Die mittlere Schicht ist die Intelligenz und hat es etwas besser. Zwar müssen auch sie Atemmasken tragen, aber nur außerhalb von Gebäuden. Das Essen ist besser und Sauerstoff für ihre Geräte gibt es unbegrenzt. Allerdings erhalten sie Gehirnoperationen und regelmäßige Hirnscans. Leuten, die z.b. nicht mehr das volle Gehirnleistungspensum bringen oder die sich auffällig verhalten, wird das Gedächtnis gelöscht und sie werden in die unterste Schicht geschickt.


    Die oberste Schicht sind die Herrscher, sie haben natürlichen Sauerstoff und nur dort gibt es noch Tiere.


    Der Protagonist muss auf diesem Planeten notlanden und lernt alle drei Schichten kennen, ehe er eine Kette von Ereignissen in Gang setzt.


    Sterntagebücher von Stanislaw Lem


    Voll mit kritischen Anspielungen auf die menschliche Geschichte, und es geht viel um Roboter. Ist eine Weile her, als ich die gelesen habe.

  • Von den Strugazkis habe ich immer noch zu wenig gelesen (die Bücher schon auf meinem SuB), aber was die anderen "Ostblock"-Autoren betrifft: Habe ja gesehen, dass Creed und Procyon und Jörg schon das eine oder andere gelesen haben. Was sind eure Favoriten?


    In Klammern stehen jeweils meine jeweiligen Favoriten.


    Klassiker (bis ~1980):


    Bulgakow (Meister und Margarita, Das hündische Herz)
    Dostojewski (Die Brüder Karamasow, Verbrechen und Strafe)
    Nabokov (Lolita, Ada)
    Gogol (Gesamtwerk)
    Samjatin (Wir)


    Lebendig (von 1980 bis jetzt)


    Sorokin (Gesamtwerk)
    Pelewin (Buddhas kleiner Finger, Tolstois Albtraum, Dialektik der Übergangsperiode von Nirgendwoher nach Nirgendwohin)
    Jelisarow (Die Nägel)


    In der Regel lese ich diese Bücher im Original, habe aber auch schon das eine oder andere zusätzlich in der deutschen Übersetzung gelesen und finde z.B. die Übersetzungen von Andreas Tretner sehr treffend.

  • Durch eine sehr frühe Entscheidung, die ich damals in der Schule treffen musste, kann ich zwar die Grundlagen der Programmierung, dafür aber kein bisschen Russisch. In manchen Belangen bereue ich dies, aber kann es nicht ändern. Ausser eben, ich lerne die Sprache noch :whistling:
    Nah...würde gern einiges im Original lesen können, denn es gibt zwar viele Übersetzungen, die mich begeistern, aber auch einiges, was sehr holprig daherkommt und das Lesen eher zu einer Art Arbeit macht.


    Hhmmm...Favoriten.
    Glukhovsky wäre da zu nennen. Sein erster METRO Teil eine zeitlang mein Lieblingsbuch und hängt auch nach so vielen Jahren nach. Ein Meisterwerk.
    Mit den Strugazkis bin ich noch lange nicht durch.
    Sorokin gefällt mir durch seine Vielschichtigkeit, habe aber auch noch so einiges aus seinem Schaffen vor mir.
    Im SciFi/Fantasy Bereich ist es Sergej Lukianenko, der mir viel Lesefreude bereitete. Seine WELTEN Bücher werde ich noch mal lesen. Auch wenn ich nicht so der Fantasyfan bin, haben mir seine WÄCHTER Bände gefallen.


    Klassiker lese ich eigentlich weniger, bzw gar nicht

    "Why should I apologize for being a monster? Has anyone ever apologized for turning me into one?"

  • Glukhowski steht auch schon lange auf meiner Zu-Lesen-Liste, zuerst die Metro-Reihe und dann evtl. die anderen. Höre und lese von allen Seiten nur Gutes über seine Bücher.


    Ansonsten: Lem ist wirklich gut; ich mochte vor allem sein "Solaris". Die Geralt-Reihe von Sapkowski habe ich mir auch schon besorgt. Als Kind las ich seinen ersten Roman über den Hexer Geralt, habe die Reihe dann aber irgendwie aus den Augen verloren (Pubertät), und erst vor ein paar Jahren habe ich mich wieder daran erinnert und die Bücher gekauft.


    Was Sorokin betrifft, war seine ultimative Huldigung an den klassischen russischen Roman sein Roman mit dem Titel "Roman". Die Hauptfigur heißt "Roman" (ein geläufiger russischer/slawischer Vorname). Fängt wie Tolstoi an und endet wie Edward Lee.

  • da ich mich derzeit mit der werksaugabe von stanisław przybyszewski,
    erschienen beim igel-verlag als hardcover, eindecke, durchforste ich das
    internet, hier eine gute übersicht:


    "Das Erscheinen seines ersten Werkes “Zur Psychologie des Individuums”
    glich einem Urknall und entfachte ein loderndes Feuer für den neuzeitlichen “Sturm
    und Drang“, für die Berliner “Moderne“.
    Mit einem Schlag wurde Stanisław Przybyszewski in den Berliner literarischen Kreisen
    bekannt.
    „Der geniale Pole“, wie ihn August Strindberg nannte, wählte Deutsch als seine Aus-
    druckssprache und beeinflusste die deutsche Literatur der 1890er Jahre wie kaum ein anderer.


    Stanisław Przybyszewski kam 1889 als Absolvent des deutschen Gymnasiums in Wągrowice/
    Wongrowitz (Kujawien) nach Berlin und blieb hier für die nächsten sechs Jahre.
    1889 begann er Architektur zu studieren und wechselte nach nur einem Jahr zum Medizin-
    studium. Er schloss allerdings keinen Studiengang ab, da er wegen seiner Kontakte zur Arbeiter-
    bewegung verhaftet und anschließend 1893 von der Hochschule verwiesen wurde.
    Das brave Leben eines Architektur- oder Medizinstudenten war für ihn vermutlich sowieso
    nicht interessant, vielmehr prägte er maßgeblich das Leben der Berliner Boheme. Um „Stachu“
    gruppierten sich in den frühen 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Künstler und Literaten wie
    August Strindberg, Ola Hansson, Paul Scheerbart, Carl Ludwig Schleich, Otto Erich Hartleben,
    Franz Ewers, Otto Julius Bierbaum, Franz Servaes, Julius Hart und Edvard Munch.
    Munch malte, beeinflusst durch Przybyszewskis “Totenmesse”, seinen weltberühmten “Schrei” (1903)
    und schenkte das Gemälde Przybyszewski.
    Eng befreundet war er jedoch mit dem deutschen Schriftsteller Richard Dehmel.
    Die Gruppe um Przybyszewski traf sich hauptsächlich in der Gaststätte „Das schwarze Ferkel“
    (Wilhelmstraße / Unter den Linden), welche zu einem wichtigen Treffpunkt für ihre nächtelangen
    Symposien wurde. Trotz oder gerade wegen des intensiven Bohemiendaseins war die Berliner Zeit
    für Stanisław Przybyszewski eine sehr fruchtbare.
    Hier schrieb er u.a. „Totenmesse“, „Vigilien“ und “De profundis”. Hier arbeitete Przybyszewski
    als Redakteur der in Berlin erscheinenden polnischsprachigen sozialistischen Wochenzeitschrift
    „Gazeta Robotnicza“ (“Arbeiterzeitung”).
    Er war Mitbegründer der Kunst- und Literaturzeitschrift „PAN“, dem wichtigsten Organs des Jugendstils
    in Deutschland, veröffentlichte aber auch in der Zeitschrift “Die Fackel” (eine satirische Zeitschrift
    des Schriftstellers und Herausgebers Karl Kraus) und in der “Freien Bühne” (eine Literaturzeitschrift
    des S. Fischer Verlags).
    In den Jahren 1894 bis 1898 pendelte Stanislaw Przybyszewski zwischen Berlin und dem norwegischen
    Kongsvinger, der Heimat seiner Frau Dagny Juel.
    Erst 1898 zog er nach Krakau und wurde dort der Herausgeber der Zeitschrift “Życie” (Leben). Warschau,
    Thorn und München waren seine nächsten Stationen.
    Nach dem Ersten Weltkrieg wohnte er noch kurz in Prag.
    1919 kehrte er dann endgültig nach Polen zurück.
    Er engagierte sich sehr für den Wiederaufbau des polnischen Staates und zog 1924 nach Warschau, wo
    er in der Zivilkanzlei des Präsidenten der Republik arbeitete.
    In Anerkennung seines Engagements für den jungen polnischen Staat erhielt er 1925 das Offizierskreuz
    und das Kommandeurskreuz des Ordens “Polonia Restituta”.
    1927 kehrte er in seine Heimat Kujawien zurück. Er starb 1927 auf dem Gut Jaronty in der Nähe
    von Inowrocław (Hohensalza) im Alter von 59 Jahren. ..."


    https://www.porta-polonica.de/…byszewski?page=1#body-top

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • "studienausgabe: werke, aufzeichnungen und ausgewählte briefe in acht bänden + einem kommentarband":
    stanislaw przybyszewski & hrsg: michael m.schardt + div. mit-herausgeber.
    band 1: de profundis und andere erzählungen.
    * totenmesse,
    * vigilien,
    * epipsychidion (introibo, sonnenopfer, helle nächte, am meer),
    * androgyne,
    * de profundis (pro domo mea, de profundis)
    * nachbemerkungen von jan papiòr.
    igel-verlag, hc, 1990, 202 seiten. der polnische autor s.przybyszewski schrieb diese texte auf deutsch.



    mit diesen erzählungen veränderte przybyszewski die sicht auf die welt, wurde skandal und anregung für dekadente,
    aufmüpfige künstler in steifen, konservativ verkrusteten zeiten.
    die abgründe der liebe, die wahnhallen der sexuellen lüste, das rosa-rot-lila-biologische rasen der gier, das geistige
    überhöhen und tausendbildern angebeteter frauen und ihrer körper.
    aus stanislaw przybyszewskis wortgespinsten wurde nicht nur edvard munchs der schrei... aus seinem alpwüsten geträume
    speist sich die moderne deutsche literatur seiner zeit und der jahrzehnte danach... :huh:^^8| .
    jugendstil mit masochismus und sadismus blutet aus seiner feder als schrille, expressive geste.
    er erforscht in diesen, hier erstmals in seinem sinne angeordneten stories, sehnsucht und hingabe, triumph und ur-nacktes leid.


    in schwül-ekstatischen, weirden, trunkenen bildern beäugt der autor die macht der frau.
    die zensur seiner zeit war überfordert...
    warum kennt eigentlich nicht jeder leser przybyszewski ??? :whistling::!:

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)