Martin Suter

  • Ausgelesen: "Allmen und der rosa Diamant" von Martin Suter.


    Das zweite Abenteuer vom bankrotten Lebemann Johann Friedrich von Allmen zeigt den Helden sympathischer als im ersten Teil. Erschien er dort noch etwas arrogant und hochstaplerhaft, bekleidet er nun einen Job in seiner neugegründeten Firma "Allmen International Inquiries". Er lebt immer noch zum Schein auf großem Fuß, tut aber ernsthaft etwas dafür, auf reelem Wege Geld zu verdienen.


    Der Fall des "rosa Diamanten" ist im übrigen auch ein wenig komplexer gestrickt als die Geschichte des Einführungsbandes. Es geht um Beschatten, Suchen, Diebstahl und Hochfrequenzhandel an der Börse. Die Schauplätze reichen von London über Zürich bis nach Heiligendamm an der Ostsee. Das dortige Grand Hotel stattet Suter sprachlich hervorragend mit einer ganz eigenen Atmosphäre aus. Folgerichtig spielt dort der Hauptteil des Plots. Überhaupt ist auch hier wieder an Suters literarischen Fähigkeiten nicht das Geringste auszusetzen.
    Die Figuren wachsen dem Leser so langsam ans Herz, allen voran Allmens Diener und Mitarbeiter Carlos. Aber auch Allmen bekommt herrliche Szenen. Wunderbar komisch beschreibt Suter, wie der aristokratische Allmen zum ersten Mal selbst im Supermarkt einkaufen muß und sich natürlich wie der erste Mensch anstellt. Und eine weitere Figur wird hier in die Handlung eingeführt, von der man in Zukunft vermutlich mehr lesen dürfte...
    Winziger Kritikpunkt: Der Plot kommt etwas schleppend in Gang, dann jedoch entfaltet er sich zu einem spannenden Abenteuer.


    Fazit: Verzwickter als der erste Fall, sprachlich wie immer top, witzig, spannend und die Hauptfiguren gewinnen langsam an Tiefe. Macht Spaß!


    Bewertung: *****

  • in meinem januar-urlaub, der sich leider seinem ende zuneigt, habe ich endlich
    die richtige zeit gefunden, um mir die verfilmung und den martin suter roman:
    DIE DUNKLE SEITE DES MONDES
    zu gemüte zu führen.
    suters text erschien im jahre 2000 erstmals bei diogenes und darf als welterfolg gelten.
    es ist das lieblingsbuch von suters frau. und, wie eine netzrecherche zeigt, auch von
    etlichen lesern der werke des schweizers.
    stephan ricks verfilmung aus dem jahr 2015 mit moritz bleibtreu und jürgen prochnow als
    hauptdarsteller, mit u.a. nora von waldstätten, doris schretzmayer, andré m. hennicke und
    luc feit hat den segen suters. düster, knackig verschärft, ist diese filmische umsetzung des
    als unverfilmbar geltenden buchs, ein streifen, der mich immer wieder einholt, dessen bilder mir
    unvergesslich bleiben.
    ich habe zuerst die verfilmung, nebst specials, auf dvd gesehen, der silberling erschien 2016.
    und dann las ich, fast am stück, den roman, in der tb-version von 2001.
    es geht um einen der besten fusions-anwälte, der durch einen halluzinogenen pilztrip das
    dunkle, böse, aggressive in sich freisetzt und sich dann wüst von seiner bisherigen welt, der reichen
    und mächtigen, abwendet - um im wald zu hausen.
    verfilmung und buch lohnten sich EINDEUTIG für mich. großes kino und ein roman der höchsten
    kategorie. tipp! :thumbsup:


    2017 las ich von martin suter nur die gen-experiment-story "elefant" , ein typischer suter, aber
    in seiner aussage-konsequenz dann doch zu niedlich.
    suter zu lesen - macht: verwöhnt.

  • am 29. februar 1948 wurde martin suter geboren -
    und ... er feiert seinen 70. wohl heute.

    HAPPY BIRTHDAY !!!


    anlass für die presse dem autoren großartiger romane
    zu huldigen --- :thumbsup: --- und seinen erfolg verwundert
    zu beleuchten ...


    Wie Martin Suter uns Literaturkritiker das Fürchten lehrt.
    Er zählt zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Gegenwart.
    Die Kunst der Unterhaltung beherrscht er wie nur wenige.
    Nun wird Martin Suter siebzig – und stellt uns noch immer vor viele Rätsel.
    https://www.nzz.ch/feuilleton/…uerchten-lehrt-ld.1358900



    SCHALTJAHRKIND
    Bonvivant und Bestseller-Autor: Martin Suter wird 70.
    https://www.abendblatt.de/kult…Martin-Suter-wird-70.html



    Mit seinem Erstling "Small World" gelang Martin Suter 1997 der Durchbruch.
    Seitdem legt der am 29. Februar 1948 in Zürich geborene Suter nahezu
    pünktlich alle zwei Jahre ein Buch vor.
    Zehn selbstständige Romane und dazu die vier Teile der "Allmen"“-Reihe
    hat er seit seinem Debüt veröffentlicht, ein Großteil der Bücher ist inzwischen verfilmt.


    Kein Zweifel, Suter gehört zu jenen Autoren, die Marcel Reich-Ranicki - gewiss kein
    Mann allzu nachsichtiger Beurteilungen - dafür rühmte, dass sie selbst es sich schwer machten,
    um es den Lesern leicht zu machen.
    Bücher wie "Ein perfekter Freund“, "Lila, lila“, "Der Koch“, "Der letzte Weynfeldt“, "Montecristo“
    oder "Elefant“ lassen sich "wegschwarten", am besten auf einen Rutsch und an einem gewagt
    faulen Wochenende. Schon allein ihre die Lesergeduld nie strapazierende Länge ist wie geschaffen
    dafür.
    https://www.mdr.de/kultur/mart…aerchen-gekreuzt-100.html

  • die dvds/blurays von martin suter-roman-verfilmungen werden einem oft nachgeschmissen,
    wohingehend einzelne für hunderte von euros gehandelt werden, z.b. "der letzte weynfeldt".
    obwohl die dvds / blurays meist nicht annähernd so erfolgreich, wie seine romane waren,
    zeigen sie doch den stellenwert auf, den der schweizer bestseller-autor
    genießt.


    habe mir die dvd "lila, lila" gegönnt, zumal dort, mit hannah herzsprung -eine meiner
    lieblingsdarstellerinnem mitspielt-, neben daniel brühl und henry hübchen u.a....
    der film von 2009 wurde von alain gsponer in szene gesetzt. suters gleichnamiger roman
    erschien bereits 2004 ... ^^

  • ich habe heute endlich die obige, wunderschöne verfilmung
    des, bei vielen suter-fans beliebtesten roman, angesehen.
    dvd "lila, lila", 2009, regie: alain gsponer.
    mit hannah herzsprung :love::thumbsup: , daniel brühl :thumbsup::thumbsup:
    und henry hübchen :thumbsup: u.a....


    ich habe das buch noch vor mir. lese es nach meinen drei derzeitigen lektüren. ;)


    suter setzt in vielerley hinsicht um, was georges bataille vom autoren fordert...
    das sehe ich gerade bei meiner aktuellen bataille lektüre "die literatur und das böse".

  • Ich war heute bei Thalia und auf dem Tisch der Remittenden lagen mehrere Taschenbuchausgaben von Suters Romanen. Wer also diese Bücher günstig erwerben will, sollte mal in einer Filiale in seiner Nähe nachschauen. Ich weiß jedoch nicht, ob sie überall angeboten werden. ;)


    VG Jerico

  • konnte soeben martin suters "lila, lila" zuende lesen.
    (meine ausgabe: diogenes, hc, 2004, 347 seiten.)
    begnadet gut schreibt der schweizer. seine textlichen rückverbindungen
    mit dem leben gelingen, in geschmeidiger, eleganter prosa.
    nicht nur mir, bereitet martin suter zu lesen, pures vergnügen.
    so auch gings mir mit diesem autorenthriller, dieser eigenartigen
    liebesgeschichte, diesem sympathischen widerling jacky und
    diesen einblicken ins haifischbecken verlagswesen.
    suters "lila, lila" ist nicht mein lieblingsbuch des ex-werbefachmanns,
    aber ein paradebeispiel für extrem hohe, lohnend lesbare erzählkunst. :thumbsup:


    @Lucifer
    danke für deinen tipp.
    habe aber das allermeiste von suter schon.
    hast du etwas von suter gelesen ???

  • Allmen und die Libellen:


    Ich muss vorweg sagen, dass ich zuerst die Verfilmung des Romans gesehen habe und mir daraufhin das Buch angeschafft habe. In der Regel ist es häufig so, dass die Bücher meistens besser als die Filme sind, weil häufig die Figuren besser und ausführlicher dargestellt werden. Hier trifft dies nicht zu. Auch empfand ich die Zeichnung der Personen und ihre Beziehungen zueinander in dem Film deutlich besser herausgearbeitet. Besonders enttäuschend für mich, war der fehlenden Dialogwitz und die herrlichen Gespräche zwischen Allmen und Jojo Hirt, die im Buch fast gar nicht vorhanden ist.


    Dennoch kann der Roman durchaus gefallen, auch wenn es mit knapp zweihundert Seiten ein wenig zu kurz ausgefallen ist. Suter beherrscht auf jeden Fall sein Handwerk und stilistisch kann man nichts an dem Buch aussetzen. Doch wo andere Autoren ihren Figuren noch mehr Schärfe und Profil verleihen, bleibt besonders die Darstellung von Allmen hinter den Erwartungen zurück. Teilweise handelt der Lebemann vollkommen weltfremd und scheint ohne seinen Freund und Helfer Carlos beinahe völlig hilflos zu sein. Zu Beginn wirkt die Hauptperson wie eine Karikatur, die erst langsam zu sich selbst zu finden scheint. Man hat beinahe das Gefühl, als war sich Suter nicht hundertprozentig sicher, wie er die Figur anlegen sollte. Dabei ist der Hintergrund von Allmen durchaus interessant und bietet viel Potential, was aber im ersten Roman noch nicht so richtig zum Tragen kommt.


    Auch die anderen Figuren erscheinen im Film mit mehr Konturen und besonders eine Person tritt viel früher in Erscheinung, was der Handlung sogar gut tut. Vom Inhalt her weicht die Verfilmung in den wesentlichen Punkten nicht von der Handlung des Buches ab. Dennoch bleibt für mich der Roman deutlich hinter der Verfilmung zurück. Nach meiner Einschätzung liegt das unter anderem an der Kürze des Buches und an der starken Umsetzung durch den hervorragenden Drehbuchautor.


    Daher würde ich dem Buch gerade mal fünf von zehn Punkten oder zwei von fünf Sternen geben, da das Werk für einen Krimi nur leidlich spannend war. Trotzdem werde ich demnächst den nächsten Allmen-Band lesen, wobei ich diesmal mir die Verfilmung erst hinterher anschaue.
    Übrigens hat mir Heino Ferch in der Rolle gut gefallen. Die Figur kam von Beginn an gleich viel sympathischer rüber und besaß auch als Dieb mehr Fähigkeiten, die man für einen derartige "Tätigkeit" braucht. Schon deshalb und auch wegen den anderen Schauspielern kann ich die Verfilmung nur empfehlen.

  • Allmen und der rosa Diamant

    Der zweite Fall für Allmen und seinen Kompagnon Carlos.


    Im Auftrag eines Engländers sollen sie einen sehr wertvollen Diamanten wiederfinden, der sehr wertvoll ist. Da es nur sehr wenige Anhaltspunkte gibt, müssen sie erst Mal den wenigen Spuren nachgehen, die hinterlassen wurden, was sich nicht so einfach gestaltet. Letztendlich muss sich Allmen in ein Luxushotel an der deutschen Ostseeküste einquartieren, um einen Verdächtigen zu überwachen.


    Wer das erste Werk dieser Reihe von Martin Suter nicht so gefallen hat, dürfte an diesem Roman deutlich eher sein Gefallen finden. Es geht zwar bei einem Krimi von Suter immer etwas ruhiger zu, die Action ist schon recht sparsam vorhanden, aber wer Gefallen an überraschenden Wendungen hat, dürfte dennoch zufrieden sein. Natürlich ist Allmen kein klassischer Krimi-Held, da seine Neigung, noch nicht vorhandenes Geld wieder schneller auszugeben, als seinem Freund liebt ist, manchmal auf Unverständnis stößt, ihn aber trotzdem irgendwie sympathisch macht. Natürlich haben Allmen und Carlos am Ende wieder finanziell ausgesorgt und können sich sogar eine Putzfrau leisten, aber Allmen wird dennoch schon bald wieder den nächsten Fall annehmen müssen, um seinen chronischen Geldmangel zu beseitigen. Immerhin gilt es auch, den Schein des bestehenden Reichtums zu wahren.


    Auf jeden Fall findet man hier einen klassischen Krimi vor, bei dem die Figuren noch auf die übliche Art und Weise nach dem Täter und der Lösung des Falls suchen müssen. Übrigens führt auch wieder einiges zu Missverständnissen und Allmen muss auch wieder einige neue Erfahrungen machen, die aber an seiner grundsätzlichen Lebenseinstellung nichts ändern wird.


    Suter schreibt sehr flüssig und man liest den Roman recht flott weg. Es geschieht sogar ein Mord, wobei der eher beiläufig passiert und wohl ein Missgeschick ist, aber die Spannung bleibt dennoch durchgängig bestehen, da es sich hier wohl eher um ein Katz- und Maus-Spiel handelt. Mehr will ich aber an dieser Stelle nicht verraten.


    Als einzigen Kritikpunkt könnte man höchsten vorbringen, dass Suter eine Figur vorstellt, die kurz mit Allmen zusammentrifft, von der man im Grunde hofft, dass sie auch gewisse Beweggründe verfolgt und etwas mit der Tat und den Ereignissen zu tun hat. Aber offenbar sollte sie nur ein kurzer Sidekick ohne nähere Bedeutung bleiben. Schade. Vielleicht ist der Roman auch ein wenig zu kurz geraten, aber am Ende bleibt man doch als Leser zufrieden zurück.


    Deshalb werde ich mich auch dem nächsten Abenteuer schon bald widmen. Ich vergebe hier dem Werk vier von fünf Sternen bzw. sieben von zehn Punkten, da er trotz allem gute Unterhaltung bietet.


    Den Film habe ich jetzt noch nicht gesehen, bin daher mal sehr gespannt, wie der Roman diesmal umgesetzt wurde.

  • der bekannte schweizer musiker stephan eicher und der schweizer
    top-literat martin suter haben 2017 bekanntlich ein gemeinsames
    buch und musik - projekt eingefädelt, welches bei diogenes
    erschien, und schlicht "songbook" betitelt ist.


    hier die meinung der zwei zu ihren 5 schweizer-lieblingsliedern:



  • Allmen und die Dahlien


    Der dritte Fall für Allmen und seinen Diener Carlos. Diesmal wird Allmen von einer alten, recht betagten und exzentrischen Dame, die in der vierten Etage eines Hotels lebt, welches ihr übrigens gehört, beauftragt, ein Bild wiederzubeschaffen. Allmen nimmt sich nach kurzen Zögern des Falles an und schnell ist er mit seinem Helfer der Meinung, dass der oder die Diebe, Hilfe von jemanden gehabt haben muss, der in dem Hotel lebt oder arbeitet. Schließlich kann man die vierte Etage nicht so einfach betreten. Da die Polizei von der alten Dame nicht eingeschaltet werden darf, wofür sie ihre Gründe hat, besteht sie darauf, dass der Fall vollkommen diskret behandelt wird. Es versteht sich natürlich, dass Allmen sich dafür von ihr gut bezahlen lässt, aber die Sache gestaltet sich nicht ganz so einfach, wie er sich das vorgestellt hat. Daher muss er auch auf die Unterstützung von Maria Moreno, Carlos neuer Freundin, zurückgreifen. Zu Dritt begibt man sich also auf die Spur des bzw. der Diebe.


    Der Fall gestaltet sich doch recht spannend und durch die Vielzahl an exzentrischen Figuren, die zum Teil dauerhaft im Hotel leben, bliebt die Handlung doch recht lebendig. So richtig ins Rollen kommt die Sache aber erst, als ein alter Mann, der auch schon sehr lange dort wohnt, unerwartet beim Essen stirbt. Schnell kommen ein paar Zusammenhänge ans Licht, die Allmen weiter bringen. Dummerweise trifft er dabei die neue Freundin eines Unterweltboss, was doch recht unangenehme Folgen für ihn hat.


    Wie immer ist die Action in diesem Roman recht spärlich vorhanden und auch über so manche Figur hätte man sich gerne noch mehr zu hören gewünscht. Auch hier bleibt Suter eher zurückhaltend, wobei Maria beinahe noch den stärksten Eindruck hinterlässt. Auch die Rolle der
    Assistentin der reichen Dame hätte man noch besser ausarbeiten können.
    Auch wenn am Ende das Bild, wie erwartet, wieder beschafft, wird, endet die Handlung mit einem Cliffhanger und wenn man wissen will, wie es weitergeht, der muss dann auch gleich zum nächsten Band greifen.
    Als Fazit muss man dennoch festhalten, dass Allmen sich irgendwie nicht so richtig weiter entwickelt. Er bleibt eher blass und man hat immer wieder das Gefühl, als interessiert es ihn nur, wie man Geld ausgibt. Auch Emotionen und Mitgefühl scheinen nicht seine Stärke zu sein. Daher gebe ich dem Band wohlwollende 7 von 10 Punkten bzw. drei von vier Sternen.

  • Allmen und die verschwundene Maria


    Es ist keine besondere Offenbarung, wenn ich hier verrate, dass am Ende des dritten Bandes Maria Moreno von halbseidenen Gangstern, die ironischerweise aus Italien stammen, entführt wurde. Und deren Forderung, wurde auch schon im dritten Teil bekannt gegeben, denn sie wollen das Dahlien-Bild zurück haben.
    Da Carlos besonders betroffen ist und Allmen seinen Diener nicht leiden sehen kann, begibt er sich als zu der alten Dame, um sie zu bitten, ihm das vor Kurzem wiederbeschaffene Bild zu überlassen. Dummerweise wendet er sich an die Assistentin, die erst einmal glaubt, er wolle sich auf ein Date mit ihr treffen. Übrigens kann ich an dieser Stelle anmerken, dass es der Handlung nicht abträglich gewesen wäre ,wenn der Autor hier ruhig eine leichte Liaison eingebaut hätte. Es wäre einiges noch dramatischer geworden. Natürlich gestaltet sich diese alles nicht so einfach und erst Carlos, dessen Verzweiflung immer größer wird, bringt die Sache voran.


    Hier muss ich übrigens dem Autor doch einen Vorwurf machen. In meinen Augen unterläuft ihm ein Anschlussfehler, in dem er davon ausgeht und dies auch so schreibt, dass sowohl Allmen und sein Diener Carlos, als auch die alte Dame und deren Assistentin vom Tod eines Protagonisten des vorigen Bandes bereits Kenntnis haben. Doch leider erwähnt er dies zum Schluss des dritten Romans mit keiner einzigen Zeile, sondern beschreibt lediglich, dass die Person tot aufgefunden wird. Es wäre doch besser gewesen, wenn Suter hier ein paar Zeilen verloren hätte, woher alle anderen von dem unerwarteten Ableben erfahren haben. Immerhin sind nur drei Tage vergangen und Suter schreibt mit keinem Wort, ob die Polizei oder eine andere Person den Leichnam gefunden hat. Schließlich berichtet auch die Presse nicht darüber, was eine weiter Möglichkeit gewesen wäre, dies schlüssig zu erklären. Daher empfinde ich dies doch als einen kleine Fauxpas des Autors.


    Während also Allmen und Carlos sich auf die Suche nach Maria machen, ist diese durchaus nicht untätig und versucht sich auch ihrer misslichen Lage zu befreien. Nachdem Allmen rechtschnell feststellen und ein erstes Treffen mit den Entführern damit endet, dass Allmen sich einer weitaus schwierigeren Aufgabe gegenübersieht, bleibt ihm am Ende doch nur die Erkenntnis, dass er diesmal auf die Hilfe der Behörden, sprich der Polizei, angewiesen ist.


    Auch wenn dieser Roman sich recht flüssig liest, bleibt die Spannung doch ein wenig auf der Strecke. Es geht zwar flott voran, aber mich störte in der Mitte des Romans, dass Allmen recht distanziert, beinahe gefühllos, gegenüber Carlos auftrat. Er benahm sich eher wie ein unreifes Kind, das im Grunde doch nichts damit zu tun haben will. Erst zum Schluss des Bandes relativiert sich dieses Bild wieder, als hätte Suter dies selber erkannt.


    Es passiert durchaus so einiges an Wendungen, aber die Kürze des Werke, wie auch der vorherigen, verhindern, dass Allmen sich weiter entwickelt und auch eine gewisse Reife erlangt. Er bleibt einfach der Snob, der lieber das Geld mit beiden Händen ausgibt, als irgendwie etwas dazu zu lernen. Es sind nur Carlos und Maria, die dem Leser näher gebracht werden. Vielleicht hätte der Autor sich Gedanken machen müssen, was und wie Allmen von seiner Umwelt lernen kann, ohne gleich seine Persönlichkeit zu verlieren. Selbst Frauen gegenüber, benimmt er sich recht kühl und bis auf Jojo, die reiche Erbin aus dem ersten Band, kommt er keiner weiblichen Person wirklich näher.


    Im Großen und Ganzen kann man diese kurzen Krimis am ehestens noch mit den Werken von Agatha Christie mit Hercule Poroit, jedoch viel mehr Cleverness besitzt, und George Simenon mit seinem Helden Maigret, der wiederum über eine gewisse Bodenständigkeit und realistisches Weltbild verfügt, vergleichen. Wer also diese ruhigen Erzählungen liebt, macht mit der Allmen-Reihe nichts verkehrt. Allmen bewegt sich halt mehr in der Welt der Reichen und wohl weniger der Schönen, sondern eher Exzentrischen, was dennoch seinen Reiz besitzt. Aber Suter muss sich im nächsten Band deutlich steigern, denn ich vermisse einen gewissen Wortwitz. Und die Filmfigur, die von Heino Ferch, dargestellt wird, wirkt einfach viel sympathischer.


    Für diesen Band erhält der Autor jedoch nur sechs von zehn Punkte, bzw. zweieinhalb von fünf Sternen, da mir doch diesmal einiges erheblich mehr gestört hat. Auch bin ich kein Liebhaber der zahlreichen spanischen und italienischen Wörter und Sätze, die den Lesefluss eher hemmen. Weniger wäre hier mehr gewesen.


    Den fünften Band werde ich diesmal nicht so schnell lesen, sondern widme mich ihm erst später. :)

  • Allmen und die Erotik


    Der fünfte Fall für Allmen beginnt für unseren Helden gleich mit einem wahren Desaster, denn er wird bei einem Diebstahl von einem Sicherheitsbeauftragen namens Krähenbühler erwischt. Natürlich kann er sich gerade noch so herausreden, aber leider wurde seine Tat gefilmt und dies führt dazu, dass er bzw. seine kleine Firma einen unfreiwilligen Kompagnon erhält. Dieser sorgt jedenfalls dafür, dass Allmen und Carlos aus einem Lager mehrere Porzellanfiguren entwenden sollen. Darunter befinden sich einige, die in ihren Darstellungen sehr erotisch sind. Anschließend will der Kompagnon bei dem Eigentümer dieses Lagers als Sicherheitsberater auftauchen und seine Sicherungsanlagen verkaufen, während Allmens Firma vom Besitzer der Figuren den Auftrag zur Wiederbeschaffung erhalten soll.


    Dummerweise hat sich der alte Herr nach dem Tod seiner Frau einer Sekte angeschlossen und will im Grunde nichts mehr von den erotischen Figuren wissen. Er beauftragt dagegen Allmen mit der Überprüfung des Inventars und reicht ihm eine Liste, die keine Figur mit sexuellen Inhalt auflistet. Also beschließt Allmen, die Figuren, die angeblich nicht existieren, zu verkaufen, wobei der Kompagnon auch seinen Anteil haben will. Zum Glück gibt es durchaus Interessenten dafür.


    Aber Allmen wäre nicht Allmen, wenn er nicht versuchen würde, sich auch aus dieser Situation wieder herauszuwinden. Schließlich ist er schon wieder recht klamm und ohne Carlos finanzielle Unterstützung müsste er schon wieder sehen, wie er zu Geld kommt. Daher kommt also der Verkauf der Figuren recht gelegen. Doch letztendlich läuft nicht alles in seinem Sinne, da der alte Herr verstirbt und die Tochter, die ihn gepflegt hat, die Sammlung erbt. Dummerweise lebt sie auch in der Sekte, die alles Sexuelle auf das Strengste ablehnt und der Sektenführer die Nachlasspflege übernimmt.


    Zwar kann Allmen mit Carlos Hilfe den unbequemen Kompagnon loswerden, doch damit ist die Sache noch lange nicht ausgestanden.


    Überraschenderweise ist der Roman recht spannend und weitaus unterhaltsamer geschrieben, als die Vorgängerbände. Insgesamt fand ich den Verlauf der Handlung recht erfrischend. Allmen muss auch einige bittere Erfahrungen machen, die wieder einmal seiner grenzenlosen Naivität geschuldet sind und das nicht nur im Umgang mit seinen Finanzen. Maria spielt diesmal nicht eine so große Rolle, sorgt aber dafür, dass Carlos nicht auch noch seinen Anteil verliert.


    Insgesamt gesehen halte ich das Buch für das bisher Beste dieser Reihe. Es gibt einige abwechslungsreiche Wendungen und Allmen zeigt neue Seiten von sich. Suter schafft es diesmal, der Figur gewisse Charaktereigenschaften zu verleihen. Dazu trägt auch durchaus die Länge des Romans bei, die mehr Raum zum Erzählen bietet. Auch findet man diesmal die Überraschungen, die man vorher vermisst hat. Offensichtlich hat sich Suter diesmal mehr Zeit beim Schreiben gelassen und den Plot besser ausgearbeitet. Trotzdem bleibt Allmen seinen Prinzipien treu und lernt es einfach nicht, dass sein Lebensstil ihn immer wieder in schwierige finanziellen Situationen bringt. Dennoch ist es bewunderungswürdig, wie er schafft, immer wieder auf den Füßen zu landen und sich selber über seine wahren Verhältnisse zu täuschen. Geld bedeutet für ihn eben mehr Mittel zum Zweck, als die Notwendigkeit sinnvoll damit umzugehen. Jeder anderer an seiner Stelle wäre wohl inzwischen ein vermögender Mann.


    Ich vergebe daher dem Buch die volle Punktzahl, also fünf von fünf Sternen.