Haruki Murakami

  • " Manchmal reicht eine Kleinigkeit, um einen an der empfindlichsten Stelle im Herzen zu treffen. "


    Haruki Murakami ist einer der wichtigsten und bekanntesten Autoren der japanischen Gegenwartsliteratur.
    1949 in Kyoto geboren, verbrachte er die Jugend in der Hafenstadt Kobe und lernte dort die westliche Literatur und Popkultur kennen und lieben. Für ihn ist die westliche Kunst seitdem von mehr Interesse als die der Heimat, er setzte sich für die Verbreitung von englischsprachiger Literatur in Japan stark ein und übersetzte unter anderem Werke von Capote, Chandler und Irving ins Japanische. Auch lehrte er als Gastprofessor an einigen amerikanischen Universitäten.
    Mit 13 Romanen und einigen Erzählbänden hat er in über 35 Jahren ein beeindruckendes Werk geschaffen, welches mit vielen wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Er gilt jedes Jahr aufs Neue als ein heißer Nobelpreis-Kanidat, diese Nuss hat er jedoch immer noch zu knacken.. doch auf der Franz-Kafka-Literaturpreis, Weltliteraturpreis und Co. können sich sehen lassen.
    An Murakamis Büchern gibt es kein Vorbeikommen, auch bei uns in Deutschland. Auch schon vor seinem Riesenbestsellererfolg "1Q84" vor einigen Jahren begeisterten sich viele viele Menschen für seine Bücher mit einem eigenwilligen Stil und Witz, deren Wurzeln zwar in der amerikanischen Erzählung liegen, jedoch oft ins Surrealistische abdriften oder sich der Genres Krimi, Fantasy und Sci-Fi bedienen und sich von hier und dort einige Aspekte herauspicken.


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    Werkeliste:

    Romane

    • Wenn der Wind singt (Original: 1979 (kaze no uta o kike); deutsch: 2015 (im Doppelpack mit "Pinball 1973"))
    • Pinball 1973 (O: 1980 (1973-nen no pinbōru); d: 2015 (s.o.))
    • Wilde Schafsjagd (O: 1982 (hitsuji o meguru bōken); d: 1991)
    • Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt (O: 1985 (sekai no owari to hādoboirudo wandārando); d: 1995)
    • Naokos Lächeln (O: 1987 (noruwei no mori); d: 2001)
    • Tanz mit dem Schafsmann (O: 1988 (dansu dansu dansu); d: 2002)
    • Gefährliche Geliebte bzw. Südlich der Grenze, westlich der Sonne (O: 1992 (kokkyō no minami, taiyō no nishi); d: 2000 bzw. 2013)
    • Mister Aufziehvogel (O: 1994/95 (nejimakidori kuronikuru); d: 1998)
    • Sputnik Sweetheart (O: 1999 (supūtoniku no koibito); d: 2002)
    • Kafka am Strand (O: 2002 (umibe no kafuka); d: 2004)
    • After Dark (O: 2005 (afutā dāku); d: 2005)
    • 1Q84 (O: 2009 (ichi-kyū-hachi-yon) (in drei Bände geteilt); d: 2010/11 (in zwei Bände geteilt))
    • Die Pilgerreise des farblosen Herrn Tazaki (O: 2013 (Shikisai o Motanai Tazaki Tsukuru to, Kare no Junrei no Toshi); d: 2014)


    Erzählbände

    • Der Elefant verschwindet (O: 1993; d: 1995)
    • Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah (O: 1993; d: 1996)
    • Frosch rettet Tokyo (O: 2000/02; d: 2006)
    • Von Männern, die keine Frauen haben (O: 2014; d: 2014)


    außerdem..
    drei illustriert erschienene Einzelgeschichten, namentlich: "Schlaf", "Die Bäckereiüberfälle" und "Die unheimliche Bibliothek" (d: 2009/12/13)

    autobiographische Werke und Zeitzeugenberichte

    • Nach dem Beben (O: 2001 (Kami no Kodomo-tachi wa Mina Odoru); d: 2003)
    • Untergrundkrieg bzw. Underground (O: 2002 (Andāguraundo); d: 2002)
    • Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede (O: 2007 (Hashiru koto ni tsuite kataru toki ni boku no kataru koto); d: 2008)

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    Interessant ist anzumerken, dass Murakami sich von seinen ersten beiden Romanen jahrzehntelang distanzierte und auch verbot, ihre Übersetzungsrechte zu vergeben. So kam das "Wind/Pinball"-Doppelpack erst im letzten Jahr nach Deutschland.
    Auch die 2013 veröffentlichte Neuübersetzung von "Gefährliche Geliebte" hat einen pikanten Grund, zersprang an der ersten Fassung von 2000 doch fast alleinig die berühmte Fernsehsendung des "Literarischen Quartetts". Nach dem Missgeschick der Übersetzung aus dem Englischen und somit dem doppelten Übersetzungsweg (denn die englische Fassung war ja zuvor auch schon aus dem Japanischen übertragen worden!), wurde nur noch direkt vom Original aus übersetzt, sei es nun aufwendiger oder nicht für den Verlag..

  • Wilde Schafsjagd


    war mein erster Murakami-Roman. Und nach den zwei vorherigen, von denen der Autor sich ja stark distanzierte, wie oben bereits erwähnt, ist es auch quasi Murakamis echter Erstling.
    Die Geschichte um den 30-jährigen geschiedenen, dem Alkohol zugeneigten und mit einer neuen, jüngeren Freundin wieder den Sturz ins wilde Leben versuchende Mann, der den Auftrag erteilt bekommt, ein ganz bestimmtes wahrscheinlich übernatürliches Schaf zu finden, schildert Murakami in einer herrlichen und einfachen Sprache, dass es ein Genuss zu lesen ist. Wo ich eigentlich dachte, dass ich bei einem so hochgelobten Literaten einen etwas komplizierteren Stil aufgetischt bekomme, besticht der Roman durch seine lässige und in der Tat sehr westliche Ich-Erzählung.
    "Wilde Schafsjagd" ist mit ausschließlich mit großartigen skurrilen Figuren bevölkert, vom erzählenden Charakter über seine Freundin mit den schönsten Ohren der Welt bis zu Schafprofessor und Schafsmann. Doch nicht nur durch sie ist das Buch unheimlich kurzweilig zu lesen, auch die schnellen Dialoge und generell die doch die erstmal etwas eigenartige Geschwindigkeit, mit der Autor Sachen geschehen lässt, tragen dazu bei. "Wilde Schafsjagd" entwickelt einen wundervollen Sog, ist auf schmalen 300 Seiten so viel, ist Liebesgeschichte, surrealistische übersinnliche Komödie, Detektivgeschichte..
    Ein grandioses Buch, ich freue mich auf die Fortsetzung, die in "Tanz mit dem Schafsmann" zu finden ist. 9/10 :thumbsup:

  • wichtiger thread, blackbox! :thumbup:
    ich habe von dem europäischen japaner
    nur "der elefant verschwindet" gelesen, er ist der lieblingsautor
    sibylle bergs, --- und meine frau, die sich seit vorletztem jahr, mit
    ihm beschäftigt, ... zählt ihn neben king, moers und c.priest zu
    ihren lieblingen. meine frau könnte eine menge zum thread beitragen,
    aber sie hat nie und wird nie - im internet dinge preisgeben.



    edit: 10 Dinge, die in keinem Murakami-Roman fehlen dürfen... von einem wahren
    murakami liebhaber!
    https://buchrevier.com/2015/05…kami-roman-fehlen-durfen/

  • Von Murakami habe ich schon einiges gelesen, ein guter Schriftsteller.
    Am besten fand ich "Hard-Boiled Wonderland", "1Q84" und "Afterdark", aber "Kafka am Strand" und "Der Untergrundkrieg" sind auch gut.
    Das einzige Buch von ihm, das mich etwas enttäuscht hat, war "Naokos Lächeln".

  • Tanz mit dem Schafsmann
    ist Murakamis vierter Roman und bildet eine Fortsetzung zu "Wilde Schafsjagd", welches sechs Jahre zuvor erschien. Somit war es für mich logisch, dass dies hier mein zweiter Murakami sein wird.
    Zuerst: "Tanz mit dem Schafsmann" ist ein völlig anderer Roman als "Wilde Schafsjagd". Murakami hat einiges an Erfahrung gesammelt und zwischen den beiden Büchern ein paar seiner allgemein anerkannten Classics geschrieben ("Wonderland" & "Naokos Lächeln"). Das Buch ist um einiges größer, tiefer und hat einfach einen wichtigeren Ton.
    Die Geschichte erzählt der selbe Ich-Erzähler, er ist etwas älter geworden und sein Leben ist weitergegangen wie bei jedem anderen auch, ist klar. Die recht ziellose Handlung mit einem sehr überraschenden und seltsamen Ende spiegelt Ziellosigkeit und Verplantheit des Hauptcharakters wieder, und das funktioniert auch meistens sehr gut.
    Trotzdem fehlt dem Buch, auch wenn es oft tiefsinniger und erwachsener ist als "Wilde Schafsjagd", manchmal wirklich zu sehr die Kontinuität. Murakami weiß, wie es dem Leser bei 30 Seiten Dialog über eigentlich nichts besonderes nicht langweilig werden kann, er meistert auch solche Passagen mit feinem Humor.. Aber es gibt teilweise auch zu große handlungstechnische Sprünge und Längen, die zwar immer noch gut zu lesen sind, aber das Buch einfach etwas behindern.
    7/10, nicht so überwältigend wie der Vorgänger, auch allemal ein guter Roman :thumbup:

  • Habe gerade "Gefährliche Geliebte" von ihm ausgelesen. Es war mein 2. Buch nach "Naokos Lächeln" von ihm.


    Es hat mir wieder sehr gut gefallen. Erst am Ende und nach dem Buch zeigt es seine volle Wirkung.
    Es erinnert mich etwas an Greg F. Gifune. Murakami hat einen wundervollen Schreibstil der zwar sehr tief geht und auch poetisch ist aber trotzdem sehr leicht zu lesen ist.


    Es hat von mir 4,5 Sterne bekommen!


    Der Tagesspiegel:
    "Haruki Murakami gelingt es, die Qualitäten von Stephen King, Franz Kafka und Thomas Pynchon unter einen Hut zu bringen. Er gehört zu den ganz großen Erzählern der Gegenwart."


    Der Spiegel:
    "In Murakamis Büchern kann man sich wie in wunderbaren Träumen verlieren." (Kann ich definitiv so unterschreiben!)


    Bin auf weitere Bücher von ihm gespannt. "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" liegt noch auf meinem SuB!


    LG

  • Naokos Lächeln


    trägt den sehr schlauen Untertitel "nur eine Liebesgeschichte", welche für mich nach einem sehr intensiven Leseerlebnis bezeichnend für den Roman ist. Denn eine klassische Liebesgeschichte lässt sich in diesem großartigen Roman von Murakami nicht finden, eher ein melancholisches und gefühlvolles, leichtes und doch so schlaues, langsames und bewegendes Buch übers Erwachsenwerden, sich im Erwachsenwerden- und -sein verirren und am Ende aus dieser Verirrung vielleicht irgendwie wiederauferstehen zu können.
    Ich kann verstehen, wenn Leute diesen Roman langweilig finden, er ihnen nicht schnell und pfiffig genug ist. Und auch Murakamis Sprache ist nicht hochpoetisch, sondern eher leise und eben dezent genial; ich halte den Roman von der ersten bis zur letzten Seite für unheimlich stimmungsvoll und auch sprachlich brillant, was daran liegt, dass er es wie kaum ein Buch schafft, so einfach und dabei so bedeutend zu klingen, zu sein. Außerdem kann ich nicht verstehen, wie jemand, der Murakamis teils wirklich schmissige, etwas (wenn auch oft düsteren) Humor in die Stimmung bringenden Dialoge gelesen hat, dieses Buch öde finden kann.. Es ist einfach meisterlich geschrieben, mehr kann ich gar nicht dazu sagen.
    Ich habe mich in die Story verliebt, in die akribisch gezeichneten vielschichtigen Charaktere und die Gangart der Erzählung, in das wogende und düsterträumerische, was dieses Buch so besonders macht.
    Mit einem guten bis sehr guten Murakami hatte ich gerechnet, aber nicht mit einer der besten Lesungen dieses Jahres bis jetzt! Hat mich sehr überrumpelt.. und bekommt komplett verdiente 10/10, als stolzes 5. Buch in diesem Jahr :love::thumbup:

  • Kafka am Strand


    ist ein Traum von einem Buch, wenig bestimmteres lässt sich für mich über dieses Werk nicht sagen. Und dieser Traum ist sehr wörtlich gemeint.
    Die veworrene Geschichte rund um Kafka Tamura, einem von Zuhause weggelaufenen Jugendlichen, dem Katzensucher und mit-Katzen-Sprecher Nakata und vielen weiteren seltsamen Kreationen ist auf jeder der nicht wenigen über 600 Seiten unglaublich liebevoll und mit viel Freude erzählt. Ich habe selten bei einem Buch so gespürt, wie viel Spaß der Autor bei der Niederschrift gehabt haben muss!
    Der gekonnte Aufbau und das Spiel mit dem Zufall, das ist von Murakami alles bereits bekannt, doch er macht es in diesem Roman besonders gekonnt. Das Buch ist ein einziger Joyride, auch wenn es sprachlich ganz beruhigt und eher betont magisch als schnell durchgehetzt erscheint. Der Punkt, dass Murakami am Ende der Geschichte, hach nein, der gefühlt tausenden Geschichten, die "Kafka am Strand" erzählt, fällt beinahe nicht ins Gewicht. Somit bleiben offene Fragen und ungelüftete Geheimnisse zurück.. und das kann man furchtbar finden, aber auch wunderschön und sehr passend zum gesamten Buch.
    9/10, sehr sehr gut!

  • AFTERDARK


    hat mir als erzählstilistisches Experiment besser gefallen, als als Roman.. und warum, dass muss ich hier kurz erläutern, denke ich.
    Es ist der Roman einer Nacht in einer Großstadt, das ist kein unbedingt neues, aber ein sehr gutes Thema, aus dem jeder mit Talent gesegnete Schriftsteller etwas geiles machen, Murakami erst recht. Aus den drei nebeneinander laufenden Geschichten, die immer wieder ineinanderspielen und sich überschneiden und am Ende doch irgendwie eine sind, macht er vor allem durch einen ganz bestimmten klaren Stil etwas besonderes. Es ist ein beobachtender, abknappender, fremdartig nichts, aber auch so wirklich gar nichts wissender und wertender Stil. Teilweise beschreibt Murakami unglaublich genial ein Kameraauge, mit dem "wir" durch den Raum gleiten und Szenerien betrachten.. all das ist traumhaft gut geschrieben und macht wirklich Spaß; super Atmosphäre! Und deshalb ist "Afterdark" am Ende auch ein gutes Buch.
    Für seine Story (oder Stories) jedoch nicht wirklich, zumindest nicht für mich. Posaunenspiel, Prostitution, Gewaltverbrechen.. alles wirkt ein wenig lose, beinahe schon zusammengeklatscht um ein Buch in genau dem Stil zu schreiben, in dem dieses Buch geschrieben ist. Murakami lebt seinen Hang zum Skurrilen auch auf der inhaltlichen Ebene dieses Buches aus, und deswegen ist es nicht ganz so gut, wie es sein könnte. Dieses magische Nachts-durch-die-Stadt-streifen-jazzbluesfeeling ist eben keine gut überlegte Handlung.
    Trotzdem: lesenswert aufgrund der Atmo und der Schreibe. Für Murakami-Befürworter sowieso. 7/10

  • Haruki Murakami: Schreiben ist wie Tanzen
    Wie in der Musik gehe es um Rhythmus, Harmonie und Improvisation
    Der japanische Bestseller-Autor Haruki Murakami hat bei dem japanischen Sender Tokyo FM sein Radio-Debut gegeben: in einer voraufgezeichneten einstündigen Sendung sprach der Autor über seine Arbeit, die eng mit der Musik und dem Laufen verbunden sei. Murakami begann zeitgleich mit dem Schreiben regelmäßig joggen zu gehen und ist inzwischen Marathonläufer. Bei Tokyo FM stellte er mehrere Musiktitel vor, die er beim Laufen höre, wie "Madison Times" von Donal Fagen und "Heigh-Ho/Whistle While You Work/Yo Ho (A Pirate’s Life for Me)" von Brian Wilson von den Beach Boys. Murakami, der in den 1970er Jahren eine Jazzbar in Tokio betrieb, hat mehrere seiner Bücher nach Liedtiteln benannt.
    quelle: deutschfunk-kultur.