Howard P. Lovecraft


  • Ich lese ja seit einiger Zeit in The Complete Fiction of H. P. Lovecraft und Lovecraft damit zum ersten mal im Original.


    Die meisten Geschichten, wäre ich gezwungen, sie zu benoten, würden gleich abschneiden. Ab und an fand ich mal die deutsche und mal die englische Version ein bisschen besser. Aktuelles Beispiel sei mal "The Dreams in the Witch House". Ich habe die Geschichte mehrmals auf deutsch gelesen und sie hat mir nie sonderlich zugesagt. Im o. g. Band, im Original, fand ich sie wiederum ganz gut. Ich kenne Festa, Suhrkamp und eben englisch. Die neue Übersetzung kenne ich noch nicht. Dazu kann ich bisher allenfalls sagen, dass ich das "Die" im Titel nicht für zwingend nötig halte und es besser klingt, wenn es nicht dabei ist. Aber das mag Gewohnheit sein. "Der Schrecken der Finsternis", wieder nur auf den Titel bezogen, finde ich dafür etwas treffender als "Der Jäger der Finsternis". Wobei beides natürlich richtig und vor allem wesentlich besser ist, als "Der leuchtende Trapezoeder".


    "Dagon" habe ich inzwischen gelesen. Festa und Original sind da gleichauf. Ich glaube nicht, dass ich die Suhrkamp-Version kenne. Oder ich habe sie einfach vergessen. Fischer finde ich ... etwas trocken. Bei einer Notenvergabe würde Festa hier also klar gewinnen.


    Nun gut, ich habe den Band nicht aufgrund der Übersetzung gekauft. Mich interessieren die Anmerkungen und das Zusatzmaterial. Das wird also keinesfalls ein Fehlkauf werden und ich werde mich sicher nicht von meiner "Bibliothek des Schreckens" trennen. Ich kann auch verstehen, warum Fischer damit wirbt. Jedoch, im Gegensatz zu Alan Moores Vorwort, ist das Buch eher für Lovecraft-Kenner und -Forscher interessant. Wer Lovecraft einfach mal kennenlernen will, wird zum einen nicht knapp 70,00 Euro dafür ausgeben und ist außerdem an den ganzen Anmerkungen wohl erstmal nicht interessiert. Da würde ich dann eher zu einem der vier TBs von Festa raten.


    Was nun die Titel angeht: Abgesehen von "Haunter" finde ich Festa, und vielen Fällen damit auch ältere Übersetzungen, ziemlich durchgehend besser. "Das Unsagbare" trifft z. B. nicht, worum es Lovecraft in der Geschichte geht. Das liegt hauptsächlich daran, wie "unsagbar" meistens verwendet wird. Beispiel: Stephen King ist unsagbar schlecht. :P Das meint einfach was anderes, als HPL hier mitteilen will. Klar, es ist nicht falsch und kann auch dafür genommen werden. Aber es ist eben nicht gängig und man hätte hier bei "Das Unnennbare" bleiben sollen. Oder, wenn man es denn unbedingt anders haben will, "Das Unaussprechliche" nehmen sollen, was der Bedeutung sehr viel näher kommt.


    Das ist jetzt erstmal alles, was ich zu der Übersetzung sagen kann. ;)

  • Das ist jetzt erstmal alles, was ich zu der Übersetzung sagen kann.


    Was mir hierzu noch aufgefallen ist:


    "Der Fall Charles Dexter Ward" bei Golkonda wurde von Alexander Pechmann übersetzt, der auch an diesem Werk beteiligt war. In diesem wurde "Charles" jedoch von Andreas Fliedner übersetzt. Wer also Spaß daran hat, nach Unterschieden zu suchen, kann sich bei den beiden "ausgewiesenen Lovecraft-Kennern" sicher gütlich tun.


    EDIT:


    Hier habe ich einen Fehler gemacht. Ich habe den Übersetzernamen im seitlichen Frame gelesen und nicht gemerkt, dass es da um "Das übernatürliche Grauen" ging. Die Golkonda-Übersetzung ist ebenfalls von Fliedner. Da kann allenfalls suchen, ob sie für Fischer nochmal überarbeitet wurde.

  • beschäftige mich derzeit viel mit dem franzosen thèophile gautier (1811-1872), eines
    von lovecrafts idolen....
    von der deutschen, literarischen romantik befeuert, schuf der phantastischen themen zugeneigte
    augenmensch, romane & erzählungen voller detailtreue für das schöne und häßliche.
    "It is in Théophile Gautier that we first seem to find an authentic French sense of the unreal world,
    and here there appears a spectral mystery which, though not continuouslyused, is recognizable
    at once as something alike genuine and profound." -H. P. Lovecraft

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • ich wünschte mir ein buch aus den usa, wo mal wirklich, von leuten,-
    die mit lovecrafts nachlaß zu tun haben, seine manuskripte im original sehen,---
    klartext geredet wird:
    - ums verscherbeln von lovecraft-briefen,
    - eingriffe in seine texte,
    - verschwinden von texten usf. ...


    es mag vieles im artikel verdreht sein, aber manche fragen, muß man
    sich schon, zu diesen thematiken stellen ... ich stelle sie mir jedenfalls seit
    ende der 80er. ...
    eine klärung steht aus ....

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Ich beklage hier nur den schlampigen Journalismus. An diesen Artikel ist ja fast alles falsch, schon der erste Satz. Unglaublich. Das müsste man anzeigen ...


    @Frank Festa
    ich kann deinen ärger gut verstehen.
    mir geht es oft so, wenn ich artikel oder buchkommentare im netz über meine lieblingsautoren,
    wie novalis, ingeborg bachmann oder h.g.wells, lese.
    wer sich nicht tiefer mit einem autoren beschäftigt, wird manche gemeinheiten und behauptungen
    eines verfassers, für bare münze nehmen. einfach glauben, was er da liest.
    unsere welt ist voller fehlinformationen und fehlerhaften darstellungen,
    --- warum sollte es in der welt der bücher anders sein ... ?

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • wenn für lovecraft, der französische autor thèophile gautier,
    wirklich ein dunkles idol war, dürfte lovecraft offener und moderner
    eingestellt gewesen sein, als er es selbst, von sich, in briefen behauptete.
    mein durchstudieren der gautier-texte bringt mich auf ziemlich vertiefende, verstiegene
    gedanken zu dieser thematik.
    was kannte lovecraft (1890-1937) von gautier (1811-1872) ???

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • wenn für lovecraft, der französische autor thèophile gautier,
    wirklich ein dunkles idol war, dürfte lovecraft offener und moderner
    eingestellt gewesen sein, als er es selbst, von sich, in briefen behauptete.
    mein durchstudieren der gautier-texte bringt mich auf ziemlich vertiefende, verstiegene
    gedanken zu dieser thematik.
    was kannte lovecraft (1890-1937) von gautier (1811-1872) ???



    Eine oberflächliche Recherche in den
    Briefen etc ergab folgendes:


    In einem Brief an August Derleth vom
    20.02.1927 stellt HPL De Goumont`s „Night in the Luxembourg“ als
    einen der größten franz. Texte seit Gaultiers „Mlle de Maupin“.


    In einem weiteren Brief an Reinhart
    Kleiner vom 30.07.1921 schreibt HPL: „Just now I am digesting some
    stuff by Theophile Gautier, translated by Lafcadio Hearn“. Hier bei
    handelt es sich wahrscheinlich um die Sammlung „One of Cleopatra`s
    Nights and Other Fantastic Romances“.


    Als Robert E. Howard HPL am 02.11.1932
    schreibt „Gautier bores me immeasurably“ erwiederte HPL in einem
    langen Brief, den er zwischen dem 07. und 11. November des selben
    Jahres schrieb: „Gautier is sometimes tedious – but how could you
    find him so in ''La Morte Amoureuse'', ''Avatar'' and ''One of
    Cleopatra`s Nights''?“


    Auch in seiner Korrespondens mit dem
    frankophilen Clark Ashton Smith finden sich Verweise auf Gautier. So
    erwähnt HPL in einem Brief vom 17.06.1926: Weird Tales is
    planing to use some good translations for reprints in near future –
    Gautier`s ''La Mort Amoreuse'' [sic!], Flaubert`s Sheba passage in
    St. Anthony, & one or two other things of that sort.“


    In einem weiteren Brief an CAS zitiert
    HPL Gautier um sich selbst zu beschreiben: „Like Gathier ''I am
    from whom the visible world exists'' – though my chief use of the
    visible world, unlike his, is simply to provide a springboard for
    leaps into abysses & dimensions forever beyond visibility.“


    CAS schreibt hingegen HPL zwischen dem
    24. und dem 30. Oktober 1930: „However, I shouldn`t be captious: it
    is the only good vampire story I have ever seen, apart from Gautier`s
    „Clarimonde“ and my own „Rendez-vous in Averoigne“.“


    Der Lovecraft-Forscher S.T. Joshi hat
    vor einigen Jahren eine Liste aller bekannten Titel aus HPLs
    Bibliothek zusammen getragen. Bezüglich Gautier tauchen vier
    Eintragungen auf:


    Joseph Lewis French: Masterpieces
    of Mystery. Doubleday, Page & Co. 1920 [Enthalten ist „The
    Mummy`s Foot“]



    Gautier: Clarimond. Brentano`s.
    1899 [Enthalten sind: „Clarimond“, „The Mummy`s Foot“, „King
    Candaules“]



    Gautier: Mademoiselle de Maupin.
    Boni & Leveright. 1918



    Gautier: One of Cleopatra`s Nights
    and Other Fantastic Romances. [Enthält „One of Cleopatra`s
    Nights“, „Arria Marcella“, „The Mummy`s Foot“, „Omphale“,
    „A Rococo Story“, „King Candaules“]



    Gautier and Proper Mérimée:
    Tales Before Supper. Brentano`s. 1887. [enthält „Avatar“]


    Ich hoffe, dass dir das hilft.

  • In "Das übernatürliche Grauen in der Literatur" erwähnt HPL folgende Geschichten:


    - Avatar
    - La pied de momie
    - La Morte amoureuse
    - Une nuit de Cléopatre


    Weiterhin:


    Quote

    [Victor Hugo und Balzac] setzten beide Übernatürliches [...] ein, auch wenn sie dies im Allgemeinen nur zu einem eher humanistischen Zweck taten und ohne die ernsthafte und dämonische Intensität, die den geborenen Schattenkünstler auszeichnet. Erst bei Théophile Gautier scheinen wir ein echt französisches Gespür für die unwirkliche Welt zu finden, die zwar nicht unablässig zum Einsatz kommt, aber sofort als gleichermaßen authentisch und tiefgründig erkennbar ist. [...] Gustave Flaubert setzte Gautiers Tradition mit Orgien poetischer Phantasie wie La tentation de Saint Antoine gekonnt fort.


    (S. 83 - 84, Golkonda)


    Darüber hinaus lobt er die englischen Übersetzungen Lafcadio Hearns (S. 124, Golkonda).