• ZERFLEISCHT von ihm fand ich sehr gut. Obwohl gerade hier etwas mehr die Charaktere der Hauptfiguren noch hätten beleuchtet werden können (also in die Tiefe gehend) und er dafür etwas sparsamer beim Gemetzel hätte sein können. Beim LEICHENKÖNIG hat er alles richtig gemacht in dem Punkt. VERSEUCHT muss ich mir aber noch irgendwann vornehmen.

    "Hackfleisch kneten ist wie Tiere streicheln ... nur eben später!":D



  • Nun ja, ich mag "Der Leichenkönig" sehr gern. Die Figuren sind aber doch eher schablonenhaft und auf einige wenige der Geschichte dienliche Aspekte beschränkt. Das spiegelt sich auch in der Redundanz ihrer Darstellung und Dialoge widergespiegelt. "Der Leichenkönig" ist doch sehr auf Stimmung und Pointe angelegt, folgt also der Prämisse einer Kurzgeschichte. Das war damals auch mein einziger Kritikpunkt - es ist eine zu lang geratene Kurzgeschichte und daher nicht vollumfänglich überzeugend. Unterm Strich hat mir daher auch "Bis dass die Zeit den Tod besiegt" ein gutes Stück besser gefallen (bzw. die darin enthaltenen Geschichten). Mehr habe ich von Curran bisher nicht gelesen.


    EDIT:


    Oder wie ich seinerzeit schrieb:


  • Hab von Curran alles ausser "Der Leichenkönig" (is aber in meiner nächsten bestellung enthalten^^) gelesen.
    "Bis das die Zeit den Tod besiegt" war genial (find solche Lovecraft-Direkt-Fortsetzung-Geschichten könnt es mehr geben).
    Find bei ihm besonder den politisch-sozialen-gesellschaftlich Unterton gut.
    Das er das brutale, ekelhafte benutz um die Leute zum nachdenken über diese Themen zu bringen.
    Zumindest ging es mir so, besonders bei "Zerfleischt" steht ja sehr deutlich die Frage im Raum "Was uns vom Tier unterscheidet?" und was passieren muss damit das "Tier" in uns wieder zum vorschein kommt.


    Bin wirklich sehr gespannt auf "Dead Sea"
    Mir gefällt Curran zum Beispiel wesentlich besser als Lee.

    “There are not many persons who know what wonders
    are opened to them in the stories and visions of their youth; for when
    as children we learn and dream, we think but half-formed thoughts, and
    when as men we try to remember, we are dulled and prosaic with the
    poison of life.”
    -H. P. Lovecraft

  • Tja, wenn ein Schriftsteller es versteht, eine überzeugende Geschichte zu erschaffen, sie mit Leben und interessanten, im günstigsten Fall tiefgründigen Charakteren zu füllen und die Story in Fahrt zu bringen, bzw. sie nicht ins Belanglose abrutschen zu lassen, dann ist mir die Seitenzahl nicht so wichtig...Stephen King schreibt ja regelmäßig ziegelsteindicke Werke, dann darf Tim Curran auch mal! :)

  • bisher kann ich über curran nur das beste vermelden...
    deshalb ist die vorfreude auf sein umfangreichstes werk
    auch ganz schön groß... ^^

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

    Edited once, last by jörg wald ().

  • es bleibt dabei: tim curran, für mich
    einer der besten festa-autoren, legt
    schon bald sein neues werk vor und
    die anderen vier bücher habe ich in bester
    erinnerung...
    "zerfleischt" ist auf eine andere art
    hart. bei lee gibts ja z.b. noch die normale
    welt...

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Die Leseprobe zu "Dead Sea" liest sich schon mal nicht schlecht, erinnert an HPL. Bin gespannt, wie sich der Roman dann weiter entwickelt, da das ja mehr eine Art Prolog zu sein scheint. Diverse Kritiken lassen hier wirklich was Gutes erwarten :)


    Interessant, daß es die Mary Celeste tatsächlich gegeben hat.


    Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)


  • Ja, den Prolog mit der "Mary Celeste" finde ich auch hochgradig interessant...erinnert mich an meine Jugend, als ich noch jedes Sachbuch über Segelschiffe verschlungen habe, das ich in die Finger kriegen konnte...und das Rätsel um dieses berühmte 'Geisterschiff' habe ich als Kind geliebt! Curran scheint wieder mal recht gut recherchiert zu haben...

  • Ich lese jetzt erstmal Wenn die Zeit den tod besiegt hab ich mir vorgenommen, dann krieg ich schonmal einen einblick :D

    I saw the best minds of my generation, starving hysterical naked
    dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix
    ________________


    Allen Ginsberg: Howl

  • für mich ist "zerfleischt" auch kein kuschelbuch,
    man verschließt sich der qualität des buches wenn
    man es als pure unterhaltung liest,
    ich las es als eine herausforderung die ein fähiger autor
    an mich als leser stellt.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Auch wenn ich es noch nicht gelesen habe...


    Die Frage stellt sich vielen Menschen natürlich bei dieser Art von extremer Literatur immer wieder: Muß man, um die Aussage eines Buches zu untermauern, derartig viele Gewalt- und Fäkalszenen beschreiben? Anders gefragt: Verwässert der Autor damit nicht sein Anliegen? Da er sich ja dann (vielleicht zu Recht) den Vorwurf gefallen lassen muß, nur deshalb so extrem zu schockieren, um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben oder aber (wie viele Leser in Kritiken behaupten) sein mangelndes erzählerisches Talent mit Metzelszenen zu kaschieren...


    Wie gesagt, meine Gedanken zu diesem Buch (und anderen, die immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehen) sind völlig wertfrei, da ich mir als Nichtkenner des Werkes kein Urteil erlauben kann.

  • ich könnte jetzt vorbringen, er hat nix verniedlicht,
    er hat den menschen ohne kultur und maske abgebildet.
    und offensichtlich ist es so, so mag man den menschen nicht gern
    sehen... aber die tünche zivilisation wird so schnell abgewischt.
    curran hat dies konsequent zuende gedacht.
    curran ist fabrikarbeiter, kein autor der von seinen werken leben muß, er
    hält uns, wie jeder gute autor, einen spiegel vor. was man sieht ist
    brutal, jenseits von heile welt - horror eben....;)


    bei mir ist bei "zerfleischt" die aussage hängengeblieben,
    nicht ekel und gore.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • heute ausgelesen:
    dead sea. meer der angst von tim curran (festa tb, 762 seiten, nov.2013. 1/2
    übersetzung: manfred sanders :thumbsup: )


    vor etwa zwei jahren las ich tim currans "der leichenkönig" aus, und
    der us-autor stürmte in die riege meiner lieblingserzähler.
    jeder ernsthafte autor ist an mustern seiner interessen im text zu
    entlarven. bei curran ist es die frage nach dem, was uns menschen
    ausmacht und die darstellung der andersartigkeit fremder wesen.


    curran gilt mein tiefster respekt, schafft er es doch kitzlige, nervenbebende
    spannung zu erzeugen und die psychologie der gruppendynamik in den
    stories zu testen.


    mit 11 jahren war ich am meer und fing morgens im klaren wasser merkwürdige
    krebse, würmer und nervöse fische.
    in einer angrenzenden bucht gab es eine art friedhof für berge von schwarzen
    muscheln,fleischig-zerfetzten krabben, fischkadaver usf., in der es eklig, brechreizerregend stank.
    an einem tag gab es stürmische see, hohe wellen. das wasser war, wie der himmel
    staubgrau und ich wäre fast ertrunken.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • 2/2


    mit elf jahren lief ich durch das zimmerreiche haus entfernter verwandter
    und sah, per zufall im tv, wie ein krake ein segelschiff in die tiefe zog.
    mit 15 hörte ich begeistert die seemannlieder von achim reichel in blues u.
    rock gesetzt.
    mit meinem onkel diskutierte ich in dieser zeit über das bermudadreieck
    und was dahintersteckt.
    ich betrachtete voller begeisterung die unheimliche fauna und flora der tiefsee
    in div. zoos und einem üppigen fotobuch...
    das ist jahrzehnte her...


    den wahnsinn der dimension x lässt tim curran in meinem 5.buch aus seiner feder,
    dead sea, spielen, wo die schiffe und flugzeuge stranden, die um das bermuda-dreieck
    rum verschwinden. sf-fan, der ich bin, weiß ich um zeitreisen, antimaterie, dimensions-
    portale usw.. --- werden wir von curran in diese nebeldunstig-schleimige welt gezerrt, erleben
    wir nicht nur maritime ungeheuerlichkeiten mit, für die sich curran alle zeit der
    betrachtung läßt, ohne je langeweile aufkommen zu lassen.
    es gibt hinweise auf lovecraft und lem, referenzen zu lieblingsstories von h.g.wells und
    ray bradbury. auch eine outer-limits-folge kommt zu ehren und der alte film das ding
    aus einer anderen welt findet erwähnung.
    schaut man sich die curran-bio auf seiner homepage an, merkt man, wieviel horrorherzblut
    des autoren in dead sea geflossen ist.
    mein lieblingsbuch von ihm, muß meine roman-top-100 umschreiben. ;)
    *****+

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Jaja, dead sea war schon ein guter Fang :) Freut mich, dass es dir auch so gefallen hat jörg, wahrlich ein epos!
    Mit dem Buch hat Curran mich dann auch wieder überzeugen können. Werde mir bald mal das hochgelobte DER LEICHENKÖNIG kaufen (auch, weil das cover einfach toll ist -- wenn das buch dem nicht gleichkommt, hab ich wenigstens was neues fürs auge in der sammlung :D)

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    dragging themselves through the negro streets at dawn looking for an angry fix
    ________________


    Allen Ginsberg: Howl

  • Tja, im Grunde interessiert mich "Dead Sea", aber die mörderische Seitenzahl schreckt mich wieder ab...ich habe zwar schon unzählige dicke Bücher in meinem Leben gelesen, aber 95 % davon haben mich mit steigender Seitenzahl gelangweilt, egal wie interessant der Plot war. In den allermeisten Fällen ist die Hälfte unnötiges Geschwafel und deswegen bin ich bei dicken Wälzern stets vorsichtig...

  • "Dead Sea" habe ich auch noch vor mir, aber auf dicke Schinken habe ich derzeit auch keinen Bock. Der Doyle Roman mit seinen 470 Seiten langt mir da auch erst mal ^^


    Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)