Ray Bradbury

  • Wobei ich von der neuen Übersetzung eher abraten würde.

    ich bin ja auch so n dino mit meiner geliebten fritz güttinger-übersetzung.

    aber ich habe bisher von der peter torberg-eindeutschung viel positives gehört ...

    lesen sollte man dies werk aber sowieso... ;):thumbup:

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Mein liebstes Beispiel ist, dass man dort jetzt von Feuermännern statt von Feuerwehrmännern spricht. Die ironische Verkehrung des eigentlich positiv konnotierten Begriffs - eigentlich ein übliches Stilmittel der SF - geht dabei völlig verloren. Da hat der Übersetzer entweder selbst etwas nicht verstanden oder, und das kommt mir wahrscheinlicher vor, er traut den (heutigen?) Lesern nicht mehr viel zu und hat das runtergedummt.

  • das ist eben science fiction .... :);)

    Irgendwie eben nicht, jörg .

    An sich hat Karl K. ja recht. Nur sollte man bei einer Übersetzung schon darauf achten, was der Autor gemeint hat und wie dies bei uns dann treffend übersetzt werden kann.

    Bei einem "Feuermann" könnte man in der Übersetzung auch gleich besser und verständlicher von einem oder mehrere Pyromanen oder Brandstifter reden, was der Autor allerdings bei seinem Roman FAHRENHEIT 451 sicherlich nicht als Teil seiner Botschaft transportiert haben wollte.

    In dem Sinne ist also "Feuerwehrmann" für die deutschen Übersetzung die korrekte Form. Und wie gesagt, auch das Genre Science Fiction kann solche schludrigen Übersetzungen in keinster Weise entschuldigen.;)

    Ist es erst in deinem Kopf, wird es sich einnisten und von deinem Geist zehren. Sich an deinem Verstand satt essen, bis nichts mehr bleibt als Wahnsinn. :evil:

    Zitat: Die Heimsuchung der Ivy Good/Seite 100


    Edited once, last by K. Wolfram ().

  • oder liegt es nur daran, weil wir die feuerwehrmann-bezeichnung lange so kannten ?

    wir also der übersetzung mehr glauben als dem original ... schwer zu sagen.

    ein klassiker der science-fiction ist es aber, gerade wegen einiger vieldeutigkeiten...

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    Yves Klein (1928-1962)

  • Das sind alles nur Beschönigungen die Du da betreibst. Auch wenn es nicht gebräuchlich ist, ist "Fireman" doch eine ganz normale Bezeichnung für Feuerwehrmänner. Die im Übrigen immer mehr Einzug in den Sprachgebrauch findet (oder eben "Firewoman"). Den eigentlich positiv besetzten Begriff in etwas Negatives umzukehren war zweifellos sein Ziel. Mit der wortgenauen Übersetzung klappt das im Deutschen nicht. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Man muss nicht jeden Mist verteidigen.

  • ich "beschönige" gar nichts, verteidige keinen mist, sondern ich frage mich, warum ein renommierter, preisgekrönter

    übersetzer, eben peter torberg, dieses wort verwendet. - ich werde versuchen ihm diese frage zu stellen.:)


    edit:

    bis zur möglichen antwort ein interview mit dem übersetzer peter torberg:

    https://kaffeehaussitzer.de/ra…erview-mit-peter-torberg/

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    Yves Klein (1928-1962)

  • Durch diesen Thread ist mir aufgefallen das ich seit ewig langer Zeit kein Buch

    mehr von RB gelesen habe, die meisten Bucher die bei mir in den Regalen stehen sind nicht zum lesen geeignet, S/L + remarqued Stuff....

    "Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein". ... `Stephen King´

  • Was das Ziel des Autors zu Beginn der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts war wird "zweifellos" nur er selbst wissen. Was heutzutage Einzug in den Sprachgebrauch findet ist jedenfalls irrelevant.

    Ich habe weder Beschönigungen gelesen, noch eine Verteidigung. Lediglich einen interessanten Gedankenanstoß, der die Diskussion um einen Aspekt erweitert, ohne den Anspruch einer Wahrheit. Da es sich hier um Interpretationen und das persönliche Verständnis handelt sehe ich Angriffe gegen einzelne Meinungen als ungerechtfertigt an.

    Die Meinung, dass Fireman mit Feuerwehrmann übersetzt werden sollte ist genauso legitim wie eine Auseinandersetzung mit dem Begriff, der eben nicht eindeutig ist. Wenn man das Ziel hat "recht zu haben" ist das in diesem Fall aussichtslos. Jeder kann sich dazu eine Meinung bilden und zur Debatte stellen.

  • Na ja, man kann sich auch einen Übersetzer schön reden.

    Aber im Zweifelsfall mag das hier auch jeder für sich so auslegen wie es beliebt, weil es an der damaligst offensichtlichen Schludrigkeit seitens des Übersetzers eh nichts mehr ändert.

    Ist es erst in deinem Kopf, wird es sich einnisten und von deinem Geist zehren. Sich an deinem Verstand satt essen, bis nichts mehr bleibt als Wahnsinn. :evil:

    Zitat: Die Heimsuchung der Ivy Good/Seite 100


  • Ich vermute beide Übersetzer könnten Argumente für ihre Auslegung anbringen, man würde vielleicht einem der beiden zustimmen, damit muss der andere aber nicht falsch gelegen haben. Für mich war Jörgs Überlegung ein interessanter Gedanke.

    Wäre ziemlich spannend, wenn er dazu tatsächlich eine Stellungnahme aus erster Hand bekäme.

  • Die steht hinten im Buch bei den Anmerkungen. Hat er für essentiell gehalten, da man so merkt, dass es nicht um Feuerwehrleute geht. Die ironische Umkehrung ist ihm also entgangen. Bei Bradbury ist die im Standardrepertoire. Wie eigentlich bei allen guten SF-Autoren. Gute Science Fiction ist eben immer auch Ideenliteratur.


    EDIT:


    Erinnert mich ein wenig an den Mann, der mit seiner Übersetzung "Dracula" erst zu einem guten Buch machte. Zumindest in seinen Augen.

  • ich bin da raus: ihr versteht mein argument nicht - ich offensichtlich eure nicht. Kain K. Wolfram

    Bradbury benutzt einen positiv besetzten Begriff und verkehrt ihn ins Gegenteil. Du kannst etwas ähnliches in z. B. "Twin Peaks" sehen. Da gibt es die Kleinstadtidylle von der viele Träumen. Die hat aber eine dunkle Seite. In dem Fall eine, die wir (oder jene die "davon träumen") vielleicht auch nicht sehen wollen. An einen Feuerwehrmann sind bestimmte Erwartungen gerichtet. Er rettet z. B. Leute. Bradbury hat ein Wort gewählt, das nicht unbedingt üblich ist. Da hat er sicher einen Vorteil. Einige werden es gleich verstanden haben, andere haben es nachgeschlagen und ein paar haben es vielleicht auch nicht kapiert.


    Die deutsche Sprache hat nicht so viele Wörter für einen Feuerwehrmann. Einen "Feuermann" gibt es nicht. Das könnte, wie weiter oben jemand sagte, auch mit einem Pyromanen gleichgesetzt werden. Die Verkehrung des positiv konnotierten Begriffs (bzw. der positiven Erwartungen an einen Feuerwehrmann) geht verloren. Oder wie der Würzburger SF-Kenner Horst Illmer sagt: der Zynismus in diesem System wird abgemildert. Dem Buch wird dadurch ein bedeutender Teil seiner Zähne gezogen.


    EDIT:


    Ich habe darüber übrigens vor kurzem mit meinem Buchhändler gesprochen. Der sieht es ähnlich wie ich (wenn auch weniger freundlich ausgedrückt). Er meint aber, dass es für solche Simplifizierung durchaus eine Berechtigung gibt. Danach hat er einige seiner jüngeren Kunden beschrieben.

  • ich habe mir etliches über peter torberg, und im besonderen über seine übersetzung von bradburys buch,

    zu gemüte geführt und setze es auf meine 2022-leseliste.

    ich finde torbergs intention, seine denk-ansätze spannend.

    trotzdem, siehe oben, liebe ich mein fahrenheit 451 in der altbewährten übersetzung. bradburys texte haben

    viel mit meinem privatesten leben zu tun, und mit so manchem text konnte ich jahrelang in klausur gehen...

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    Yves Klein (1928-1962)

  • Ach schau an, hier gibt's sogar einen Forumseintrag zu Ray Bradbury ... Ich würde wohl ebenfalls sagen, dass Feuermann eine etwas unschöne und sinn-entstellende Übersetzung ist. Ist schon etwas schade ... Wenn ich mal so spontan ins Englisch-Wörterbuch schaue, würde ich zudem sagen, dass Firemen und Firefighter wohl auch genau die gleiche Bedeutung haben, also Feuerwehrmann. (Firemen könnte ich mir vorstellen ist vielleicht auch nur die klassischere Sprechweise, aber das ist jetzt einfach mal ins Blaue hinein-geraten.)


    Was ich aber eigentlich loswerden wollte: Ich fand das Buch ja gar nicht mal so toll ... Hab mich aber auch schon immer gewundert, dass ich mit dieser Ansicht wohl so ziemlich allein dastehe.

    Ich bin damals auf das Buch gestoßen, weil ich mich eine Zeit lang bei der Suche nach guten Sci-Fi-Büchern am Hugo- und am Nebula-Award orientiert hatte. Davon bin ich dann irgendwann aber auch wieder abgekommen, wohl mitunter auch wegen Fahrenheit 451.

    Die Grundidee des Buches konnte mich einfach nicht wirklich überzeugen. Also dass es irgendwann wieder Bücherverbrennungen geben könnte, kann ich mir absolut vorstellen - da halt ich es ganz mit Ghandi. ("Die Geschichte lehrt uns, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.") Aber dass irgendwann mal der eigentliche Zweck des Feuerwehrmannes tatsächlich in Vergessenheit geraten könnte?!? ... Mh, nee! Eine Zukunft ohne Brandunfälle? Sowas müsste der Autor dann auch irgendwie schon sehr gut untermauern. Oder die Menschen, welche in einer solchen Zukunft immer noch "richtige" Brände löschen, müssten/würden dann einen anderen Namen tragen - was aber ja wiederum wieder die eigentliche Grundidee mit der Sinn-Entstellung des Begriffes Feuerwehr ad absurdum führen würde ... Naja, ich hoffe ihr könnt mir folgen. :)

    Aber auch sonst gab das Buch für meinen Geschmack einfach zu wenig her. Soweit ich mich entsinne, war die Handlung doch recht knapp bemessen. Der Protagonist beginnt sein Handeln nach und nach zu hinterfragen und geht dann in den Untergrund bzw. in eine quasi verbotene Zone. Ende! ... Naja, kann aber natürlich auch sein, dass ich da etwas vergessen habe. (Wie geschrieben gefiel mir das Buch ja nicht wirklich und mitunter passiert's dann doch recht schnell, dass so ein Buch dann wieder der Erinnerung - äh - entfleucht.)