Dick & Felix Francis

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    • Dick & Felix Francis

      So, es wird Zeit, meinen unangefochtenen Lieblingsschriftsteller (und seinen ebenfalls schreibenden Sohn) einmal näher vorzustellen...

      Dick Francis (1920-2010) war in den 50er Jahren in England ein sehr bekannter Jockey, der in vielen Rennen das Pferd der 'Queen Mum' ritt. Legendär ist sein Rennen aus dem Jahre 1956, bei dem er 'Queen Mums' Pferd "Devon Loch" schon beinahe zum Sieg geführt hatte, und dann aus unerfindlichen Gründen in der Zielgeraden stürzte. Ein Jahr später verletzte sich Dick Francis bei einem Rennen so schwer, das er den Pferderennsport schweren Herzens aufgeben mußte.

      Auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern schrieb er kurze Zeit später seine Autobiographie. Das Schreiben begann ihm zu gefallen, und so verfasste er einige Jahre später (1962) seinen ersten Kriminalroman "Todsicher" ("Dead Cert"), der im Pferderennmilieu spielte, da er sich dort am besten auskannte und seine ganze Liebe in diesem Sport steckte. Im Laufe der Jahre schrieb er in England einen Bestseller nach dem anderen, wobei sämtliche seiner Romane im weitesten Sinne in der Welt des Pferderennsports angesiedelt, aber trotz allem vom Plot her stets verschieden sind.

      Francis Charaktere bilden den eigentlichen Kern der Romane. Er schrieb stets in der Ich-Form, und seine durchweg sympathischen Hauptfiguren sind niemals übermächtige Helden, sondern Menschen wie Du und Ich, die nur mit viel Glück, Durchhaltevermögen und Mut zum Ziel gelangen. Oftmals haben sie eine gewisse Bürde zu tragen, sei es ein schwerer familiärer Verlust oder eine Behinderung. Seine Charaktere üben von Buch zu Buch verschiedene Berufe aus, von Jockey über Koch, Fotograf, Schriftsteller, Maler bis hin zum Bankier, wobei Francis stets hervorragend recherchierte, um das berufliche Umfeld so genau wie möglich darzustellen. Ein mehrere Male wiederkehrender Charakter ist der frühere Jockey und jetzige Privatdetektiv Sid Halley, der ab und an mit seinem Schicksal hadert, da er durch einen Rennsportunfall eine Armprothese trägt.
      Trotzdem unterschiedlicher Figuren und Gechichten schaffte Dick Francis es stets, sein geliebtes Rennsportumfeld in die Story zu integrieren. Bei der Schilderung eines Rennens spürt man beim Lesen förmlich die Begeisterung des Ex-Jockeys für seinen früheren Beruf.

      Im Laufe seines Lebens schrieb Francis über 40 Rennsportthriller, wobei eine unautorisierte Biographie behauptete, nicht er, sondern seine Ehefrau schriebe die Romane. Francis betonte stets, seine Romane seien eine familiäre Gemeinschaftsarbeit...seine Frau und sein Sohn recherchierten, Francis schrieb, Plots wurden gemeinsam entworfen und diskutiert. In späteren Jahren verfasste Francis die Bücher zusammen mit seinem Sohn Felix, der heute, nach dem Tod seines Vaters, eigene Romane veröffentlicht, die allerdings (zum Glück) vom Stil her (absichtlich) genau wie die Werke seines Vaters erscheinen. Genauso spannend, nur etwas rasanter erzählt. In England erscheinen Felix Francis' Romane mit dem Untertitel "A Dick Francis Novel".

      Dick Francis' Talent bestand aus dem Erzählen plausibler, spannender Plots und einem wunderbaren Sinn für Humor, Ironie und britischem Understatement, mit dem er seine Geschichten würzte.

      Hier eine Liste aller Dick Francis/Felix Francis-Romane (die Jahreszahl bezieht sich auf das Erscheinen in England):

      Dick Francis

      1962 Todsicher (Dead Cert)
      1964 Rufmord (Nerve) :thumbsup:
      1965 Doping (Four Kicks) :thumbsup:
      1965 Nervensache (Odds Against) :thumbsup:
      1966 Blindflug (Flying Finish) :thumbsup:
      1967 Schnappschuss (Blood Sport) :!:
      1968 Hilflos (Forfeit) :thumbsup:
      1969 Peitsche (Enquiry)
      1970 Rat Race (Rat Race) :thumbsup:
      1971 Knochenbruch (Bonecrack) :thumbsup:
      1972 Gefilmt (Smokescreen)
      1973 Schlittenfahrt (Slay Ride)
      1974 Zuschlag (Knock Down)
      1975 Versteck (High Stakes) :!:
      1976 Gefälscht (In the Frame) :thumbsup:
      1977 Risiko (Risk)
      1978 Galopp (Trial Run)
      1979 Handicap (Whip Hand) :thumbsup:
      1980 Reflex (Reflex)
      1981 Fehlstart (Twice Shy) :!:
      1982 Banker (Banker) :!:
      1983 Gefahr (The Danger) :thumbsup:
      1984 Weinprobe (Proof) :thumbsup:
      1985 Ausgestochen (Break in) :thumbsup:
      1986 Festgenagelt (Bolt) :thumbsup:
      1987 Mammon (Hot Money) :!:
      1988 Gegenzug (The Edge)
      1989 Unbestechlich (Straight)
      1990 Außenseiter (Longshot) :thumbsup:
      1991 Comeback (Comeback)
      1992 Sporen (Driving Force) :!:
      1993 Lunte (Decider) :thumbsup:
      1994 Zügellos (Wild Horses)
      1995 Favorit (Come to Grief) :thumbsup:
      1996 Verrechnet (To the Hilt) :thumbsup:
      1997 Rivalen (Ten-lb-Penalty)
      1998 Winkelzüge-13 Kurzgeschichten (Field of 13) :!:
      1999 Hurrikan (Second Wind)
      2000 Scherben (Shattered)
      2006 Gambling (Under Orders) :thumbsup:

      Dick & Felix Francis

      2007 Abgebrüht (Dead Heat) :thumbsup:
      2008 Schikanen (Silks) :thumbsup:
      2009 Verwettet (Even Money) :!:
      2010 Kreuzfeuer (Crossfire) :thumbsup:

      Felix Francis

      2011 Glücksspiel (Gamble) :thumbsup:
      2012 Schwesterherz (Bloodline) :thumbsup:
      2013 Verzockt (Refusal) :thumbsup:
      2014 Scharade (Damage) :thumbsup:
      2015 Front Runner (Noch nicht ins Deutsche übersetzt)
      2016 Triple Crown (Noch nicht ins Deutsche übersetzt)

      Schlecht fand ich bislang keines von seinen Büchern, im schwächsten Fall immer noch besser als viele Bücher anderer Autoren...meine absoluten Favoriten habe ich allerdings mit :thumbsup: gekennzeichnet. Die Werke mit :!: muß ich noch lesen...meine stille Reserve!

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Creed ()

    • durch dich habe ich diesen autor überhaupt erst kennengelernt. :thumbup:

      es gibt nicht viele autoren, die so genial mit worten, mit sätzen umgehen können.

      bin jedenfalls froh, weil er ja ne menge bücher geschrieben hat.und sein sohn macht ja weiter, futter für uns.... 8)
      Spiele nie mit mir, denn ich weiß, wie gespielt wird! Und wenn Du denkst, du hast gewonnen, steh ich irgendwann hinter Dir und flüstere Dir leise ins Ohr: "GAME OVER"
    • Ausgelesen: "Schwesterherz" von Felix Francis.

      Ein weiterer Beweis, dass der Sohn das Erbe seines Vaters würdig vertritt und in dessen Sinne weiterführt..."Schwesterherz" liest sich rasant, spannend und angenehm ironisch. Ein stimmiger Plot und ein "Whodunit"-Schluß, der wirklich aufregend geschrieben ist. Der Protagonist und Ich-Erzähler muß wie üblich eine Menge einstecken und Felix Francis geizt wahrlich nicht mit gnadenlosen Schicksalsschlägen.

      Wie schon Dick Francis seinerzeit, entwirft auch sein Sohn realistische Geschichten mit wirklich überraschenden Wendungen und jeder Menge Fachwissen. Dieses Buch hier spielt mal wieder sehr häufig auf den verschiedenen englischen Pferderennbahnen und man merkt, dass Felix Francis seit seiner Kindheit mit dem Pferdesport verwachsen ist.
      Mark Shillingford, der sympathische Hauptakteur, ist von Beruf Kommentator bei Pferderennen, und dadurch erhält der Leser neben der Krimihandlung einen detaillierten Einblick in den technischen Programmablauf einer Sportsendung.
      Shillingfords Schwester, ein weiblicher Jockey, stürzt aus dem 15. Stock eines Londoner Hotels, angeblich Selbstmord. Ihr Bruder beginnt selbstständig zu ermitteln und bringt dabei nicht nur sein Leben in Gefahr...

      Die einzige Sache, die Dick Francis noch besser konnte, war das Kreieren kauziger, skurriler Nebencharaktere, die die Romane noch zusätzlich würzten. Solche Personen verwendet Felix Francis kaum, aber das ist wirklich nur ein minimales Manko und fällt nicht wirklich ins Gewicht.

      Fazit: Rundum spannend, zügig geschrieben und ganz im Sinne des berühmten Vaters...Felix Francis hat mal wieder alles richtig gemacht und ich hoffe, dass auch die kommenden Bücher von ihm übersetzt werden...volle Empfehlung!

      Bewertung: *****+
    • Ausgelesen: "Verzockt" von Felix Francis.

      Diesmal hat sich Felix Francis eines Romanprotagonisten angenommen, den seinerzeit sein Vater kreiert hat...der einzige wirkliche Serienheld aus dem Hause Francis: Sid Halley, seines Zeichens ehemaliger Jockey und späterer Privatdetektiv, der aufgrund eines schweren Sturzes beim Pferderennen eine künstliche linke Hand besitzt.
      Zu Beginn von "Verzockt" hat er allerdings auch den Beruf des Detektivs aus Sicherheitsgründen an den Nagel gehängt, da er Frau und Tochter hat und daraufhin nunmehr als Investor arbeitet. Doch unerwartet wird er wieder in eine gefährliche, beinahe ausweglose Sache hineingezogen, die ständig sein Leben und das seiner Familie bedroht...bis er zurückschlägt.

      Nach "Nervensache" (1965), "Handicap" (1979), "Favorit" (1995) und "Gambling" (2006) hat Felix Francis also nun ein weiteres Abenteuer mit dem sympathischen Sid Halley geschrieben, welches sich nicht hinter den Werken seines Vaters verstecken muß. Felix Francis legt auch hier einen rasanten Schreibstil vor, baut etliche perfide Gefahren für seinen Hauptprotagonisten ein und entwirft eine spannende Story um Manipulationen beim Pferderennen, mit vielen interessanten Details, für die auch schon sein Vater (selbst ein ehemaliger erfolgreicher Jockey) weltberühmt war.
      Immer wieder erstaunlich, wie spannend und atmosphärisch das englische Pferdesportmilieu sein kann. Ein extrem gefährlicher Bösewicht ist ebenfalls wieder vertreten; dieser taucht witzigerweise erst leibhaftig beim spannenden Showdown auf, zuvor verströmt er seine brutale Macht ausschließlich über das Telefon.

      Ein Unterschied zu den Werken von Dick Francis wird auch hier wieder deutlich, nämlich die Tatsache, dass der alte Francis ein wahrer Meister im Erfinden von kauzigen Nebenfiguren war, die der jeweiligen Story zusätzlich Würze verliehen. Dieses Fehlen gleicht Felix Francis mit einer flotten Schreibe sowie überraschenden, fiesen Wendungen in der Handlung aus. Vereinzelte ironische Sätze und das britische Understatement beherrscht Felix jedoch genauso wie sein Vater.

      Und nun muß ich mich wieder für eine ganze Weile in Geduld üben und hoffen, dass der Schweizer Diogenes-Verlag auch weiterhin die Werke von Felix Francis veröffentlicht.

      Fazit: Wie immer ein spannender, guter Plot mit einem sympathischen Protagonisten, bei dem man herrlich mitleiden kann. Wie beinahe alles aus dem Hause Francis uneingeschränkt zu empfehlen, selbst wenn man Pferderennsport für langweilig hält.

      Bewertung: *****+
    • Habe gestern COMEBACK beendet. Das Buch hat mir ausergewöhlich gut gefallen und es war äußerst interessant, da Einblicke in den Alltag eines Tierarztes gewährt wurden. Wie bisher bei allen vier Dick Francis Romanen, welche ich gelesen habe, war "der Weg das Ziel". Ich empfinde seine Romane immer mehr als Milieustudie und weniger als Krimi.

      Hier noch eine Rezension auf "Die-Leselust.de" von COMEBACK:
      die-leselust.de/buch/francis_dick_comeback.htm

      Unter der Rezension sind noch weitere Rezensions-Links zu fast allen anderen Büchern von Dick Francis.
      "Bow down: I am the emperor of dreams" -Clark Ashton Smith-
    • als 95. buch 2016 heute beendet:
      rufmord - dick francis
      diogenes tb, 1998, übersetzung: peter naujack, 364 seiten.

      der pferderennsport war, creed hat dies zu thread-beginn wunderbar beleuchtet, dick francis großes
      thema. eine freundin von mir liebte es auch, wochenenden auf der rennbahn zu bringen, pferde,
      jockeys und rennstallbesitzer aufzusuchen und war auch in england, wo pferderennen kultige
      treffs von den reichen und vermeintlich schönen sind.
      auch in tv-serien ( derrick, mord ist ihr hobby, columbo u.v.m.) spielen einzelne folgen in diesem
      milieu, weils hier um prestige, viel geld und spiel geht.

      dick francis "rufmord" hat mich von der stimmung her, an agatha christies hercule poirot erinnert,
      oder an iris murdochs wundervolle romane. das meine ich als kompliment.
      vieles an diesem text ist der englischen lebensart geschuldet und der schluß wäre so kaum
      in einem modernen krimi zu finden, das original erschien ja bereits 1964.
      besonders gefiel mir wie francis die weiblichen figuren schildert und die sache mit dem
      pferdegeschirr-haken. megaklasse francis darstellung des großen rennens! mitfieber... :thumbup:
      mir hat der roman sehr gefallen, allerdings bezweifle ich, in diesem leben, alles von francis lesen
      zu wollen. --- so sehr liebe ich den pferderennsport einfach nicht.

      @Creed
      gibts von francis auch bücher ohne pferde ? :)
      "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle."
      Albert Einstein (1879 - 1955)

      jörgs bücher des jahres 2018 :thumbup:
    • Tja, Jörg, so ganz konnte Dick Francis niemals vom Thema 'Pferd' lassen, aber er schrieb viele Romane, in denen der Hauptprotagonist überhaupt nichts oder nur am Rande mit Pferdesport zu tun hat. War er Jockey, Ex-Jockey oder Pferdetrainer, kam das Rennmilieu natürlich stärker zum Tragen, war der Held Fotograf, Meteorologe oder Weinhändler, dann erschienen Pferderennen eher am Rande. Gerade das war das Talent Francis', seine Leidenschaft zwar immer, oft aber auch dezent mitspielen zu lassen.

      Tipp von mir: "Außenseiter" ist nicht nur spannend, sondern hat nur entfernt mit Pferderennsport zu tun. Auch einer meiner Favoriten: "Abgebrüht", das erste offizielle 'Dick & Felix Francis'-Buch. Dort ist der Protagonist ein Gourmet-Koch, der lediglich für Pferdetrainer kocht oder Catering auf Rennbahnen anrichtet. Das von Klarkash-Ton erwähnte "Weinprobe" gehört ebenfalls zu meinen persönlichen Lieblingen. Viele Klappentexte lassen auch erkennen, ob der jeweilige Plot pferdelastig ist oder eher weniger... :)