Märchen, Sagen, Mystik und Horror

  • Ich finde, man sollte immer mit offenen Karten spielen. Damit meine ich, dass, wenn eine Geschichte schon zensiert wird, dies wenigstens irgendwo in der Augabe vermerkt sein sollte mit genauen Erklärungen, was wie zensiert wurde und aus welchem Grund. Andererseits ist es natürlich noch besser, wenn die Werke unzensiert sind, dann aber entsprechende kritische Anmerkungen zu den Texten im Anhang sind.


    Von vielen Klassikern gibt es ja auch Kinderausgaben. Früher stand in solchen Büchern meist etwas wie : "Nacherzählt für die Jugend". Heutzutage findet man bei vielen preiswerteren Ausgaben gar keine Quellenangaben und Hinweise auf irgendwelche Kürzungen. Diese Zensur ist ja so weit gegangen, dass viele Bücher heutzutage als Kinderbücher gelten, die ursprünglich gar keine waren. Ich denke da z.B. an Gulivers Reisen von Jonathan Swift.

  • heute zuende gelesen:
    "mein lieblingsmärchen: 101 verführungen zum lesen" - felicitas von lovenberg (hrsg.)
    sanssouci, hc, 2007, 207 seiten.
    autoren, journalisten und kritiker lieferten in der faz, je eine kolumne über ihr
    liebligsmärchen ab, u.a. silke scheuermann, dietmar dath, robert gernhardt, durs
    grünbein, ulla hahn, elke heidenreich, thomas hettche, hellmuth karasek, daniel
    kehlmann, marcel reich ranicki, denis scheck u.v.m..
    man erfährt viel über die grundeinstellung der schreibenden zu märchen und gerade das vorlesen durch die
    eltern prägte offenbar. manche erweisen sich als märchenexperten, manche muffeln gegen die texte
    der grimms, hauffs, andersens, u.v.m..
    die verödung der märchenkultur durch harry potter wird erwähnt, weil derzeit die
    meisten einer generation kinder diese rowling-serie einheitlich als ihr märchen
    deklarieren.
    lovenberg: "... zyniker lassen sich keinen vermeintlichen bären mehr aufbinden und halten
    alle geschichten, die gut ausgehen, für märchen. derart immunisierte leser verpassen
    den zauber, der von märchen ausgeht...."
    geschmäcker prallen aufeinander. wie in einem lebendigen forum...
    nachdenkenswert. ;)
    für mich als märchenfan ein must-read.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • heute ausgelesen:
    liberté und die wölfe - dietmar schönherr
    ephelant verlag, 2006, hc, 186 seiten.


    als vermächtnis könnte man dieses buch von 2006 - eines meines lieblingsmenschen,
    dietmar schönherr (1926-2014) - bezeichnen, denn in diesem buch steckt der
    orion-kommandant, talkshow-pionier, moderator, pazifist, autor, nicaragua-
    freund und ehrliche haut schönherr, den finger in viele wunden. er erläutert
    die mechanismen von krieg und macht, von nationalismus und waffenlobby,
    dies alles ist eingebettet in viel naturnähe und lebendigkeit, spontan fallen
    mir krabat und parzival als brüder von libertè ein.
    politisch und menschlich anregende lektüre!
    dieses märchen betritt viele wege und die bösen scheinen die besseren karten zu
    haben. --- kinoreif! :thumbsup:

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • die nibelungen - moritz rinke
    rowohlt, brosch, 2002, theaterstück, 128 seiten.


    auch wenn ich diesen text wohl wieder nur für mich selbst schreibe:
    wer mich kennt, weiss, dass ich mich seit einigen jahrzehnten mit
    den nibelungen auseinandersetze, mit dem nibelungenlied und sachbüchern
    div. interpretationen, z.b. friedrich hebbels mustergültigem drama
    oder kraussers nibelungendestillat.
    rinke befreit den stoff von der mystik und erzählt die pure version,
    losgelöst von richard wagners wahn um diese thematik und der
    nazis eigeninterpretation ( stichwort: nibelungentreue ).
    das nibelungenlied ist mit seiner ansiedlung zu zeiten der völker-
    wanderung ( danke an meine geschichtslehrerin, frau b. ) gerade
    in der heutigen zeit neuer blicke wert.
    rinke interviewt sich selbst keck im anhang und stellt fragen die inter-
    viewer kaum zu strellen wagen würden.
    ein feines nachwort von peter von becker schliesst sich an.
    das stück wurde am 17.8.2002 bei den nibelungenfestspielen zu worms uraufgeführt.
    maria schrader, mario adorf, andre eisermann, uwe friedrichsen u.v.m.
    zählten zur besetzung der erstaufführung.


    nun lese ich:
    kriemhild - königin der nibelungen - sabina trooger -
    knaur, tb in schuber, 2002, 573 seiten
    sabina trooger hat u.a. auch den 12. handyman-jack übersetzt.

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • sabina troogers kriemhild-buch erweist sich, nicht nur wegen der vor- und rück-blenden
    als hübsch anspruchsvoll, sondern vor allem wg. ihres fachwissens zum thema
    nibelungen, und den geschichtlichen, einschneidenden begebenheiten.
    die burgunder waren flüchlinge und rom und der christlichen kirche gefallen schuldig.
    usw. usw. usf.

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    Yves Klein (1928-1962)

  • Grimm-Forscher identifiziert "Aschenputtel"-Erzählerin
    Elisabeth Schellenberg aus Marburg ist Märchenurheberin

    Der Kasseler Grimm-Forscher Holger Ehrhardt hat die Erzählerin
    der Märchen "Aschenputtel" und "Der goldene Vogel" identifiziert.
    Es handele sich um die Marburger Kleinbürgerin Elisabeth Schellenberg, die 1814 verarmt und
    kinderlos in einem Marburger Siechenhaus gestorben sei, sagte Ehrhardt in Kassel.
    Für die bisher als aussichtslos geltende Aufhellung der Identität der Frau habe er lediglich fünf
    Tage gebraucht, in denen er Archive, Namenslisten, Sterberegister und andere Quellen durchsah.
    Für die Brüder Grimm, die über einen Hinweis von Clemens Brentano auf die Spur der Marburger
    Märchenfrau kamen, sei es allerdings sehr schwierig gewesen, an die Märchen zu kommen.
    Die Frau habe sich geweigert, sie zu erzählen.
    "Märchen waren damals keine salonfähige Gattung, sie galten als Altweibergeschwätz", sagte Ehrhardt.
    Nur durch eine List, indem Wilhelm Grimm Kinder zu der Frau schickte, sei es gelungen, ihr die
    beiden Märchen zu entlocken. Über seine Entdeckung berichtet Ehrhardt ausführlich in einem Buch.
    quelle: d-radio.

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    Yves Klein (1928-1962)

  • was haltet ihr von sehern?


    ich meine nicht die quaksalber im astro tv, sowas ist quatsch.


    ich meine richtige seher.


    zum beispiel hat die berühmte seherin aus bulgarien, Baba Wanga, eine trefferquote von über 80% ihrer prophezeiungen.
    hab viel über sie gelesen, und als kind sprach man viel in meiner familie über sie.
    sie sagte als beispiel den arabischen frühling, is, flüchtlinge, syrien, der erste schwarze präsident der usa usw voraus.


    hier mal ne info über sie


    https://de.wikipedia.org/wiki/Baba_Wanga



    dann gibts ja noch den Nostradamus.
    was haltet ihr von dem?
    der hat auch viele "treffer" gehabt.



    dann noch der Alois Irlmaier aus Bayern.
    seine trefferquote ist ja auch der wahnsinn....
    sogar der ehemalige bundeskanzler Konrad Adenauer hat sich bei ihm rat geholt.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Irlmaier



    was haltet ihr von solchen personen?
    alles nur humbug, oder doch was dran?

  • Na ja, in die Vorhersagen von Nostradamus kann man viel hineininterpretieren, ich steh dem Ganzen eher kritisch gegenüber, was aber nicht heißt, dass sich unter all den Scharlatanen nicht auch ein paar echte befinden können...

    Ja jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    aber das find' ich ganz okay
    denn ich hab' alles hinter mir gelassen
    was mich aufhält
    und jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    ja, vielleicht wirkt das arrogant
    doch vielleicht haben wir uns all die Jahre
    nie wirklich gekannt.


  • kriemhild - königin der nibelungen - sabina trooger
    -knaur, tb in schuber, 2002, 573 seiten
    sabina trooger hat schon einige romane verfasst, betreibt mit ihrem
    mann eine tauchschule, sie schauspielert und synchronisiert, hat u.a. auch
    den 12. handyman-jack übersetzt.
    ihre mutter ist die berühmte margot trooger ( 1923-1994), der sie das buch
    "kriemhild" auch gewidmet hat.
    tja, und dieses buch ist für mich, ein glücksfall der literatur über den viel-
    interpretierten stoff, ein roman der das geschichtliche ernster nimmt, als
    die zeitwandlungen der nibelungen-saga.
    im nachwort nimmt trooger beherzt stellung.
    einiges fliesst aus der historie ein, anderes passt nicht in die zeit der tat-
    sächlichen handlungen. so gab es jenen dom noch nicht, vor dem sich brynhild
    und kriemhild streiten.
    und so hat trooger ideen oder hat alte handschriften ernst genommen.
    ich kann nur sagen: "hut ab", allerdickstes lob frau trooger!

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Ich schließe die Möglichkeit nicht aus, müßte dafür allerdings Beweise haben, denn andere Leute können mir viel erzählen :)


    Auf dieses blindes altes Mütterchen kann die Zukunft vorraussagen, gebe ich aber nicht sehr viel, ist mir einfach zu viel Klischee...

    Ja jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    aber das find' ich ganz okay
    denn ich hab' alles hinter mir gelassen
    was mich aufhält
    und jetzt bin ich nicht mehr wie früher
    ja, vielleicht wirkt das arrogant
    doch vielleicht haben wir uns all die Jahre
    nie wirklich gekannt.


  • ich glaube , nur wenn man es selber erlebt hat, und es sich für einen selber in irgendeiner form bewahrheitet hat, dann glaubt man das 100%
    ansonsten fällt das einem schwer, richtig daran zu glauben.


    es gibt da ne menge quaaaksereien ohne beweise....

  • Viele Sachen werden aber auch nur interpretiert. Es gibt aber eben auch Menschen, die reagieren sensibler auf andere und die Umwelt und können vorausschauend durchs Leben gehen.
    Wer sich mal näher mit dem ganzen In-die-Zukunft-schauen befasst merkt schnell, dass es fast nie konkrete Angaben sind, sondern dass sich viel hineininterpretieren lässt, wonach dann einige streben.


    Hab letztens einen Bericht über Ängste gesehen und wie man sie bekämpft, bzw es gar nicht dazu kommen lässt. Und das kann man auch auf Vorhersagen legen.
    Wenn mir beispielsweise eine sogenannte Wahrsagerin vorhersagt, ich treffe in den nächsten zwei Wochen den Mann meiner Träume, dann verhalte ich mich, gewollt oder ungewollt, auch dementsprechend.
    Um auf mich aufmerksam zu machen, verändere ich mich äusserlich, gehe mehr raus unter Leute und gucke, ob derjenige dabei ist.
    Andersrum wäre es genauso, wenn mir vorhergesagt wird, dass mir in den zwei Wochen etwas schreckliches passieren wird. Natürlich passe ich dann besser auf, was um mich herum geschieht und gehe jeglichen Gefahren aus dem Weg. Dabei ändere ich aber mein sonstiges Verhalten, was dazu führen kann, dass mir etwas passiert. Reine Psychologie. Der Gedanke an ein Unglück macht einen unglücklich.
    Aus dem Grund fand ich das Buch 'Die Maschine des Todes' so interessant. Was passiert denn, wenn Menschen vage Hinweise auf ihre Todesart erfahren? Sie versuchen, allem aus dem Weg zu gehen, was diese Vorhersage wahr werden lassen könnte. Nur, dass zB 'Sturz aus großer Höhe' nicht unbedingt heißt, nie wieder in ein Flugzeug zu steigen oder niemals Fallschirmspringen zu versuchen. Es gibt Dinge, die vom Himmel stürzen und einem auf den Kopf fallen können ;)


    Aber gut...ich schweife ab.
    Ich glaube daran, dass manche Menschen sensibler sind als andere und ein gewisses Händchen dafür haben, konkreter in die Zukunft schauen zu können als andere.
    Mehr aber auch nicht.
    Und sind wir mal ehrlich...in der heutigen Zeit, bei der Technik, ist der Mensch nicht mal wirklich dazu in der Lage, das Wetter zu 100% vorherzusagen :D

    "Why should I apologize for being a monster? Has anyone ever apologized for turning me into one?"

  • "da ich niemanden hatte, der mich trug, lernte ich, mich selbst zu tragen.
    meine freundin meint, ich hätte einen atlas-komplex." jeanette winterson ( *1959)

    die last der welt. der mythos von atlas und herkules. - jeanette winterson
    / berlin, hc, 2005, übersetzung: monika schmalz. 110 seiten.


    man eignet sich einen mythos auf sehr persönliche weise an, besonders
    wenn man in ihm, meint, sein leben erklärt zu bekommen.
    in der grundschule hörte ich erstmals vom atlas-mythos und fand, was ihm
    widerfuhr, zutiefst ungerecht, - war empört.
    ich zeichnete viele bilder meiner atlas - sichtweise. dadurch liess ich zorn
    und bitterkeit ab.
    ein paar jahre später las ich die ganze geschichte um atlas, auch die seines
    kontrapunkts herkules.


    jeanette winterson, die feinfühlige poetin der prosa, hat atlas bürde in ihrem
    leben deutlich gespürt. in diesem buch, eine mischung aus essay und eigen-
    erzählung des mythos, erspürt sie atlas werdegang aus einigen blickwinkeln
    und interpretiert ihren lebensweg, verknüpft ihn mit den galaxien...


    ein text der mich berührt. danke jeanette! :thumbsup:

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • "Timm Thaler eroberte schon 1979 in Gestalt von Tommi Ohrner die Herzen der Zuschauer.
    Auch im Kinofilm von Andreas Dresen, der im Dezember 2016 startet, hat Ohrner wieder einen Auftritt,
    aber nur einen winzigen.
    Denn den Jungen, der sein Lachen verkauft, den verkörpert nun ein 13-jähriger Berliner.
    Und der war gar nicht so einfach zu finden."
    http://www.rbb-online.de/kultu…filmung-pressetermin.html

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)