Allgemeine Film- und Serienrezensionen

  • Mein Sohn und ich haben uns heute das Robocop Remake angesehen. Na ja. Heutzutage wird wohl jeder Hollywood Streifen maximal auf ein PG 13 getrimmt. Das merkt man auch hier mal wieder. Ganz schlecht ist er ja nicht, aber es fehlt definitiv an Action, Gewalt und Blut. Das Ding kommt ziemlich brav rüber, ein bißchen zu viel blabla, zu wenig Geballer. Man hätte hier viel mehr draus machen können, aber man geht wohl auch hier den Weg des geringsten Widerstandes. Schade.


    Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten ;)


  • Tja, wenn man moderne Filmklassiker (und das ist "Robocop" wohl unbestritten) adäquat neuverfilmen und vielleicht sogar übertreffen will, muß man sich schon verdammt anstrengen...die Ergebnisse, die ich bislang gesehen habe, sind jedoch größtenteils erbärmlich und lediglich auf Mainstream gebürstet...

  • Das Problem ist wohl das hohe Budget bei solchen Neuverfilmungen. Je mehr Geld die Produzenten investieren, umso massentauglicher wollen sie das Ding haben. Wenn die Produktion 200-300 Millionen kostet, wollen sie mindestens 400-500 einspielen. Mit einem harten Film ab 18 erreicht man nie solche Umsätze.
    Es gibt ja auch gelungene Remakes wie The Hills Have Eyes, Die Fliege (Cronenberg), The Thing (Carpenter), Evil Dead usw. Die hatten alle vergleichsweise kleine Budgets und hatten nicht den Druck, eine halbe Milliarde einspielen zu müssen. Deshalb durften sie so hart sein wie sie wollten.


    Das kommende Terminator-Reboot soll ja auch familienfreundlicher werden, was ich total kacke finde. Ein Killer-Roboter, der keine Leute killt (und wenn, dann nur unblutig mit einem Genickbruch oder so). Wenn sie einen großbudgetierten Familienfilm haben wollen, sollen sie halt noch einen Superman drehen und die Finger von Projekten lassen, die schon wegen ihrer Grundidee brutal und düster sein müssen.

  • Habe mir heute nochmal "Drecksau" angesehen und diesmal versucht, das Buch so gut es ging auszublenden. War schon besser. Dem Buch kann der Film zwar immer noch nicht das Wasser reichen, aber wenn man ihn eigenständig betrachtet, ist er schon gut.
    Würde trotzdem empfehlen, zuerst das Buch zu lesen.


    Lustiger Fakt: Als das Buch erschien, hatte die schottische Polizei dagegen geklagt (weil die schottischen Cops nicht besonders nett dargestellt werden) - und verloren :D


    P.S.: Vielleicht noch eine kurze Inhaltsangabe für diejenigen, die mit dem Titel nichts anfangen können:
    Es ist eine Satire über einen korrupten, sexistischen, rassistischen, drogensüchtigen, perversen schottischen Cop, der seine Kollegen und Freunde manipuliert und Intrigen einfädelt, um eine Beförderung zu bekommen.


    Nach einem großartigen Buch von Irvine Welsh.

  • Das Problem ist wohl das hohe Budget bei solchen Neuverfilmungen. Je mehr Geld die Produzenten investieren, umso massentauglicher wollen sie das Ding haben. Wenn die Produktion 200-300 Millionen kostet, wollen sie mindestens 400-500 einspielen. Mit einem harten Film ab 18 erreicht man nie solche Umsätze.


    Das Problem ist noch etwas größer. Nimm das Budget, verdopple es und alles was über diesem Ergebnis steht, ist erst die Gewinnzone. In Zeiten der Gewinnmaximierung wird da alles auf den größtmöglichen Umsatz/Gewinn gebürstet, wie du schon geschrieben hast. Darunter wird bald die Vielfalt zu leiden haben. Sony hat schon erklärt, dass sie zukünftig ihr Engegament für kleinere Filme oder B-Movies sehr zurückfahren werden und sich nur noch auf den massenkompatiblen Mainstream konzentrieren wollen. Sony steckt aber auch in Finanzschwierigkeiten. Vielleicht auch die einzig Ehrlichen in der Hinsicht. Hab auch sonst noch keinen erlebt, der ganz offen Stock Footage-Material zur kostenpflichtigen Nutzung durch andere Produzenten anbietet.


    Ein weiterer Punkt bei härteren Filmen ist aber auch manchmal ein Fehler in der Vermarktung. Es ist mittlerweile derart üblich geworden, diverse Filme in der "Zielgruppenkastration" im Kino zu präsentieren und später fürs Heimkino in den berühmten Uncut-, Extended- usw Versionen. Ich persönlich denke nicht dran, für einen gestutzten Film im Kino den vollen Preis zu zahlen. Abgesehen davon, dass ich mir das Zeug meist eh für zu Hause kaufe, reicht mir dann die Heimkinoversion.

    The water in my whisky is the poison in my brain

  • Aber die wenigsten Horrorfilme laufen im Kino geschnitten. Meistens werden sie doch erst später durch die FSK geprüft und ggf. indiziert, oder? Kann mich zumindest an einige Filme erinnern, die ich im Kino uncut gesehen habe und die danach auf dem Index landeten.
    Diese ganzen Extendend-Uncut-Versionen halte ich für reine Geldmacherei.

  • Aber die wenigsten Horrorfilme laufen im Kino geschnitten. Meistens werden sie doch erst später durch die FSK geprüft und ggf. indiziert, oder? Kann mich zumindest an einige Filme erinnern, die ich im Kino uncut gesehen habe und die danach auf dem Index landeten.


    Sorry, aber die FSK ist zuerst dran. Fürs Kino wird viel geschnitten. Was mir vor Jahren schon das Kino verleidet hat und mich dazu brachte, immer mehr auszusieben, war "TCM-The Beginning". Der war so verstümmelt, dass man eigentlich die FSK wegen übermäßiger Gewaltanwendung hätte verklagen müssen. Die Cuts waren derart mies, dass man sie sofort erkannte. Wie Augen zu und Schnitt. Die Gewaltszenen waren alle draußen. Auf Scheibe gab es dann in Deutschland eine bessere Version, die vollständige dann aus der Schweiz.
    Neuer Beispiele sind "Brick Mansions" oder "Lucy" und auch "Hercules" mit Dwayne Johnson. Alle fürs Kino mit ner 12-er FSK aufbereitet/kastriert und dann mit einer verlängerten FSK 16 auf Scheibe.


    Das mit dem Indizieren oder gar ganz aus dem Verkehr ziehen dauert meist etwas, da das Ganze Brimborium an Gremien oder gar die Gerichte geht. Daher passiert es, dass ich (abgesehen von Auslandskäufen) etliche mittlerweile nicht nur indizierte (die ja entsprechend der Beschränkungen verkauft werden dürfen), sondern auch viele verbotene Werke hier stehen hab. Was du nämlich schon hast, wird dir hier rechtlich NICHT mehr genommen, wenn nachträglich verboten.


    @jörg + John Carpenter :D . Ihr habt selbstverständlich recht. Ein Director's Cut verheißt weder mehr Gewalt noch einen besseren Film. Und ein Extended cut kann nur einige sinnfreie Dialoge mehr enthalten. Das sind Sachen, die ich wie bein den Kürzungen immer im Auge zu behalten versuche. Noch schlimmer sind aber derzeit die ständigen neuen "Verpackungsversionen" und die Umtitelungen und dann neu veröffentlicht. Die gehen mir so richtig aufn Sack.

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  • Moment mal, aber die Schnitte fürs Kino werden doch nicht von der FSK vorgenommen, sondern von den Studios oder den deutschen Vertriebsfirmen, die ein möglichst breiteres Publikum ins Kino locken wollen. Die FSK prüft lediglich die Versionen, die ihnen vorgelegt werden, aber selber kürzen sie nichts.


    Mir fallen z.B. "Starship Troopers", "The Hills Have Eyes" und "Hostel" ein, die ich im Kino ungeschnitten gesehen habe.

  • Das stimmt, aber die Studios arbeiten ein Bisserl mit den Prüfstellen zusammen, um eine gewisse Freigabe zu erzielen. Sehe den Einfluss der FSK auf die Kinoversionen aber auch nicht als besonders tiefgreifend. Anders als bei Games, haben Filme hier gerne mal eine gewisse Vorlaufzeit, bevor sie aus dem Verkehr gezogen werden oder gekürzt.

  • Jein. Es gibt Versionen, die aufgrund von FSK-Auflagen geschnitten werden wie der von mir erwähnte "TCM-The beginning". Die von dir beschriebene Variante kommt bei den anderen von mir genannten Filmen (Brick Mansions, Lucy, Hercules) zum Tragen.


    "Hostel" hatte kleinere Schnitte.
    "Hills have eyes" weiß ich jetzt nicht, war eh nicht im Kino.
    "Starship Troopers" wurden wegen des kritischen und satirischen Ansatzes verschont.


    Zur FSK selbst. Deren gebaren ist etwas unübersichtlich - freundlich formuliert. Da werden für einen Film einige Menschen ausgesucht, die für die FSK die Filme prüfen. Das können Studenten, Rentner, Hausfrauen usw. sein. Aus jeder Gruppe (ausser Minderjährige, bevor du mir damit kommst :D ). Welche sich dann einen Film zusammen ansehen und bewerten, wird mehr oder weniger willkürlich festgelegt. Und genauso sieht dann auch das Endergebnis aus. Da kommen Filme ungeschoren davon, bei denen man nur den Kopf schütteln kann, während andere schon wegen Geringfügigkeiten der Schere überantwortet werden.
    Dazu gibt es dann die Juristenkommission, die ins Spiel kommt, wenn der Verleih die abgelehnte FSK 18-Version dann doch uncut durchbringen will. Klappt es, bekommst du eine Ausgabe mit SPIO/JK - keine schwere Jugendgefährdung (mit Indizierten so gleichzusetzen, dass sie nicht beworben werden dürfen) und SPIO/JK strafrechtlich unbedenklich (die nahe am Verbot stehen und meist auch nach einigen Monaten juristisch aus dem Verkehr gezogen werden). Und aufgepasst: Was einmal nur mit einer FSK 18 (dem roten Pappscher) durchgewunken wurde, kann NICHT mehr indiziert wurden seit ein paar Jahren (gilt aber nur für die Filme, die seit dieser Regelung erschienen sind), während die SPIO/JK jederzeit ein Opfer werden können. Zudem heißt eine SPIO/JK NICHT, dass die Filme deswegen ungeschnitten sind.


    Warum geht nicht jeder den Weg? Die Prüfungen kosten Geld. Erst die FSK, dann möglicherweise nochmals beim Gang zur Juristenkommission. Gibt ja auch Labels, die gewisse Sachen "ungeprüft" bringen und das Risiko gehen, dass ihre Filme zügig aus dem Verkehr gezogen werden. Die hätten dann das Geld für die Rechte völlig in den Wind geschossen.


    Das war jetzt mal ein kurzer und immer noch nicht wirklich vollständiger Bericht über die vielen Spielvarianten bei Freigaben.

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  • Das stimmt, aber die Studios arbeiten ein Bisserl mit den Prüfstellen zusammen, um eine gewisse Freigabe zu erzielen. Sehe den Einfluss der FSK auf die Kinoversionen aber auch nicht als besonders tiefgreifend. Anders als bei Games, haben Filme hier gerne mal eine gewisse Vorlaufzeit, bevor sie aus dem Verkehr gezogen werden oder gekürzt.


    Das ist teilweise so wie bei den Verlagen. Da werden Kürzungen im Voraus selbst vorgenommen oder nach Absprache, um möglichen Zwängen gleich aus dem Weg zu gehen. ABER. WAS ins KINO kommt, MUSS über die FSK. Die entscheiden dann auch, ob es eine "Feiertagsfreigabe" gibt. Heißt, dass es da nicht nur aufs Alter ankommt, sondern auch ob sie für entsprechende Feiertage geeignet sind (kommt eher selten vor). Der Film darf dann halt an allen Tagen mit der Altersfreigabe laufen, aber nicht an einem bestimmten gesetzlichen Feiertag.


    Und dazu fällt mir jetzt der vielfältige Wunsch nach muslimischen Feiertagen ein. Adieu Kino!!!

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  • Starship Troopers lief im Kino ungeschnitten, wurde danach indiziert (obwohl er immer noch eine Satire ist). Also nichts mit "verschont" ;)


    Aber es stimmt, dass die FSK bei den Prüfungen oft willkürlich scheint. Watchmen wurde ab 16 freigegeben, obwohl er ziemlich heftige Szenen enthält (allein schon die Szenen mit Rorschach und Comedian). Andere bekommen FSK 18, obwohl sie harmloser sind. Aber ich glaube, inzwischen ist die FSK insgesamt lockerer (es werden ja auch nach und nach die alten Horrorfilme neu geprüft und meistens vom Index runtergenommen).

  • nochmal john carpenter: bei "Assault – Anschlag bei Nacht"
    hat er die geschnittene version vorgelegt und den mord am
    eiscreme-wagen nachher wieder reingeschnitten, so wie man es
    bis heute kennt. ---

    "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." =O

    Yves Klein (1928-1962)

  • Sehr interessant und gut erklärt, Red Machine, allerdings sehe ich da einen vermeintlichen Logikfehler. ?(
    Evil Dead (2013) lief ja als uncut Variante im Kino (welche auf DVD/BR indiziert wurde), musste also über die FSK (logisch, das ist ja der Sinn der FSK ;) ), aber oben sagtest Du noch, ein FSK-Flatschen bewahre vor der Indizierung. Kann ja dann nicht sein. ... Oder war der Film bereits im Kino indiziert? Kann eigentlich auch nicht sein, dann hätte der Film nicht plakatiert sein dürfen und nicht auf den öffentlichen, gelben Kinotabellen usw. :?:

  • Davon rede ich ja. Es gibt genug Filme, die uncut im Kino liefen und erst später indiziert wurden. Also muss ein Film nicht vorher durch die FSK bevor er ins Kino darf.
    Die Schnitte gehen von Studios aus, die bei zwei verschiedenen Zielgruppen abkassieren wollen: einmal bei der breiten Masse im Kino (indem man den Film auf FSK 16 runterkürzt) und dann bei den "Gore-Fans" (indem man diese ganzen Uncut-Versionen auf DVD und BR rausbringt).

  • Doch, ein Film kommt nur "rated" also begutachtet mit Altersempfehlung der FSK in's Kino.
    Das Indizieren übernimmt jedoch die BPjM und die agieren nur auf Antrag, soweit ich das verstanden habe. Sollte also die FSK nach der Begutachtung oder ein besorgter Bürger keinen Antrag stellen, bleibt es bei dem FSK-Flatschen.